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Änderungen 2019

Steuernachrichten für 2019

Auch wenn der große Wurf einer Steuerreform wieder in weite Ferne gerückt ist, gibt es dennoch eine ganze Reihe von Änderungen, auf die wir uns einstellen müssen.

  • Neu

Ab dem Kalenderjahr 2019 verzichtet die Finanzverwaltung auf die Abgabe der von den mitteilungspflichtigen Stellen elektronisch übermittelten Daten in Ihrer Einkommensteuererklärung. Die Erstellung der Steuererklärung wird dadurch wesentlich erleichtert.

Dies bedeutet: Zahlreiche Daten über Ihre Besteuerungsgrundlagen (z. B. Bruttoarbeitslöhne und die zugehörigen Lohnsteuerabzugsbeträge, bestimmte Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, Altersvorsorgebeiträge, Lohnersatzleistungen, Renten etc.), die Sie in Ihrer Einkommensteuererklärung bislang angegeben haben, liegen der Finanzverwaltung aufgrund entsprechender elektronischer Datenübermittlungen der mitteilungspfichtigen Stellen bereits vor (sog. eDaten).

In der folgenden Übersicht erhalten Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Was ist neu?

Daten, die von mitteilungspflichtigen Stellen (z. B. Arbeitgeber, Versicherungs- unternehmen) nach Maßgabe des § 93c der Abgabenordnung an die Finanzverwaltung elektronisch übermittelt werden, gelten als Ihre Angaben. Demzufolge sind diese mit   gekennzeichneten Zeilen in Ihrer Einkommensteuererklärung nicht mehr auszufüllen.

Die Abgabe der Anlagen entfällt, wenn

  • die elektronisch übermittelten Daten zutreffend und
  • in den nicht mit    gekennzeichneten Zeilen / Bereichen keine Eintragungen vorzunehmen sind.
  • Vier neue Steuerformulare 2019

Der Hauptvordruck 2019 wird durch drei neue Steuerformulare entlastet:

Anlage Sonderausgaben, Anlage agB (außergewöhnliche Belastungen) und Anlage 35a (haushaltsnahe Aufwendungen). Außerdem wird ein weiteres Formular eingeführt: Anlage Sonstiges für den Spendenvortrag und Verlustabzug.

  • Firmenwagen / Elektro-Kfz / E-Mobile

Für eine Übergangszeit von drei Jahren (2019 bis 2021) wird der private Nutzungsvorteil aus der Nutzung von Elektro-Kfz / E-Mobilen durch Arbeitnehmer halbiert, d. h. auf 50 % des grundsätzlichen Vorteils begrenzt. Unter die Regelung fallen auch Kfz, deren Antrieb aus einer Kombination aus Elektromotor und Verbrennungsmotor besteht, solange die Batterien auch extern aufgeladen werden können.

Für vor 2019 und nach 2022 angeschaffte oder geleaste E-Mobile gilt der bisherige Nachteilsausgleich unverändert weiter, d. h. der Bruttolistenpreis ist um den darin enthaltenen Preisanteil für die Batteriepakete zu kürzen.

Je nachdem, für welche Berechnungs-Methode sich der Steuerzahler entschieden hat,  wird unterschiedlich gerechnet:

Pauschal-Methode

Bei Anwendung der Pauschal-Methode (Prozent-Regelung) wird der Nutzungsvorteil auf der Basis von 50 % des Bruttolistenpreises im Zeitpunkt der Erstzulassung berechnet.

Beispiel 1: Anschaffung 2019

Bruttolistenpreis des E-Mobils 40.000 €, davon 50 % = 20.000 €. Privater Nutzungsvorteil 1 % von 20.000 € = 200 € + Zuschlag für Fahrten zwischen Wohnung - 1. Tätigkeitsstätte 0.03 % x 20.000 € x 15 km = 90 €. Monatlicher Vorteil insgesamt 290 €.

Beispiel 2: Anschaffung 2018

Bruttolistenpreis 40.000 € - pauschaler Abschlag 250 € x 13.6 kwH 3.400 € = korrigierter Listenpreis 36.600 €. Privater Nutzungsvorteil 1 % von 36.600 € = 366 € + Zuschlag für Fahrten zwischen Wohnung - 1. Tätigkeitsstätte 0.03 % x 36.600 € x 15 km = 164 €. Monatlicher Vorteil insgesamt 530 €.

Fahrtenbuch-Methode

Bei der Berechnung der Fahrzeugkosten wird die Abschreibung auf der Basis von 50 % der Anschaffungskosten berechnet. Leasingkosten werden halbiert angesetzt. Die übrigen laufenden Kosten für Treibstoff, Steuern, Versicherung, Wartung und Reparaturen werden zu 100 % angesetzt.

Beispiel: Anschaffung 2019

Lt. Fahrtenbuch wird das Fahrzeug zu 40 % privat genutzt. Die laufenden Kosten betragen 3.500 € + Leasingraten (50 % von 3.600 € =) 1.800 €. Gesamtkosten 5.300 €, davon 40 % = Nutzungsvorteil 2.120 €.

  • Förderung des Mietwohnungsbaus ab 2020

In einem neuen – kleinen - § 7b EStG ist eine zeitlich begrenzte Sonderabschreibung für den Mietwohnungsneubau verankert. Die Sonderabschreibungen, die neben der linearen AfA (§ 7 Abs. 4 EStG) gewährt werden, betragen im Jahr der Anschaffung bzw. Herstellung und in den folgenden 3 Jahren bis zu jährlich 5 %. Die Inanspruchnahme soll u. a. voraussetzen, dass die Anschaffungs- oder Herstellungskosten 3.000 € je qm Wohnfläche nicht übersteigen (Kappungsgrenze) und die Wohnungen nach Anschaffung bzw. Herstellung 10 Jahre für Wohnzwecke vermietet werden. Zu den Anschaffungs- oder Herstellungskosten gehören alle Aufwendungen einschließlich der Nebenkosten.

Begünstigt sind Neubauten, für die der Antrag auf Baugenehmigung nach dem 31.08.2019 bis zum 31.12.2021 gestellt wird. Im Falle der Anschaffung muss diese im Jahr der Fertigstellung des Gebäudes erfolgen.

Letztmalig ist die Sonderabschreibung im Jahr 2026 möglich. Dies bedeutet: Wird der Bauantrag in 2021 gestellt und ist das Gebäude erst in 2024 fertig, weil sich der Bau oder dessen Genehmigung verzögert, kann der Bauherr oder Käufer die Sonderabschreibung nur für die Jahre 2024 bis 2026 beanspruchen, also nur für drei Jahre.

Beispiel:

Anschaffung einer Wohnung von 50 qm

Kaufpreis 200.000 €
+ Grunderwerbsteuer 6 % von 200.000 € = 1)  12.000 €
+ Grundbuch- und Notarkosten 1.500 €
Gesamtkosten 213.500 €
- Anteil Grund und Boden 30 % (Schätzwert mind. 20 %) 96.062 €
Gebäudeanschaffungskosten 117.438 €
Anschaffungskosten je qm 117.438 € : 50 qm = 2) 2.349 €

1) Je nach Bundesland 3.5 bis 6.0 %

2) Der Grenzwert von 3.000 € für die Gebäudekosten je qm ist nicht überschritten

Jährliche Abschreibung

Lineare Abschreibung gem. § 7 Abs. 4 EStG 2 % von 117.438 € = 2.349 €
+ Sonderabschreibung gem. § 7b EStG neu 5 % von 117.438 = 5.872 €
Abschreibung im 1. - 4. Jahr 1) 8.221 € 
 Abschreibung in den ersten vier Jahren  32.884 €

1) Im 1. Jahr zeitanteilig 1/12 monatlich

Restwertabschreibung

Gebäudeanschaffungskosten 117.438 €
- Abschreibung in den ersten vier Jahren 1) 32.884 €
Restwert Ende des vierten Jahres 84.554 €
Abschreibung vom 5. bis 50. Jahr 84.554 € : 46 Jahre = jährlich 1.839 €

1) Ohne Berücksichtigung der zeitanteiligen Abschreibung im ersten Jahr.

  • Eigenheimförderung durch Baukindergeld

Für Familien mit Kindern, die ein selbst genutztes Eigenheim oder eine Eigentumswohnung bauen oder kaufen, soll 10 Jahre lang pro Kind ein Baukindergeld in Höhe von 1.200 € gezahlt werden.

Je Kind können die Eltern also über gesamten Förderungszeitraum 12.000 € Baukindergeld erhalten. Begünstigt sind sowohl Neubauten als auch der Erwerb von Bestandsimmobilien.

Im Falle eines Neubaus muss der Bauantrag nach dem 31.12.2017 und vor dem 01.01.2021 gestellt werden. Bei Erwerb einer Bestandsimmobilie muss der not. Kaufvertrag in diesem Zeitraum abgeschlossen werden. Damit ist der Zeitraum für den Erwerb einer begünstigten Immobilie durch Baukindergeld auf drei Jahre begrenzt.

  • Weitere Entschließungsanträge, die dem Bundesrat vorliegen

1. Übungsleiterpauschale von 2.400 € auf 3.000 € (§ 3 Nr. 26 EStG)

2. Ehrenamtspauschale von 720 € auf 840 € (§ 3 Nr. 27 EStG)

3. Höchstbetrag für Kinderbetreuungskosten von 4.000 € auf 6.000 € (§ 10 Abs. 1 Nr. 5 EStG)

4. Ausbildungsfreibetrag von 924 € auf 1.200 € (§ 33b Abs. 2 EStG)

5. Arbeitgeberleistungen für die Gesundheit der Arbeitnehmer von 500 € auf 1.200 € (§ 3 Nr. 34 EStG)

6. Pflegepauschbetrag von 924 € auf 1.200 € (§ 33a Abs. 6 EStG)

7. Pauschbeträge für behinderte Menschen um jeweils 30 % (§ 33b Abs. 3 EStG)

8. Rabattfreibetrag von 1.080 € auf 1.200 € (§ 10 Abs. 3 EStG)

9. Geringwertige Wirtschaftsgüter / Arbeitsmittel von 800 € netto auf 1.000 € netto (§ 6 Abs. 2 EStG)

10. Familienentlastung

Anhebung von Kindergeld ab 01.07.2019 um jeweils 10 € pro Monat auf 204 € (erstes und zweites Kind), 210 € (drittes Kind), 235 € für jedes weitere Kind

Anhebung von Kinderfreibeträgen von bisher 7.428 € auf 7.620 € (für 2019) und 7.812 € (für 2020)

Kinderfreibeträge / Kindergeld

2019

2020

Kinder- + Betreuungsfreibetrag

7.620 €

7.812 €

Kindergeld: 1. bis 2. Kind

 204 €

 204 €

                   3. Kind 

 210 €

 210 €

                   Ab 4. Kind

 235 €

 235 €

 

11. Tarif Anhebung des Grundfreibetrages von 9.000 € auf 9.168 € (für 2019) und auf 9.408 (für 2020)