Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

Änderungen 2020

Steuernachrichten für 2020

Auch wenn der große Wurf einer Steuerreform wieder in weite Ferne gerückt ist, gibt es dennoch eine ganze Reihe von Änderungen, auf die wir uns einstellen müssen.

 

  • Neu eDaten 

Ab dem Kalenderjahr 2019 verzichtet die Finanzverwaltung auf die Abgabe der von den mitteilungspflichtigen Stellen elektronisch übermittelten Daten in Ihrer Einkommensteuererklärung. Die Erstellung der Steuererklärung wird dadurch wesentlich erleichtert.

Dies bedeutet: Zahlreiche Daten über Ihre Besteuerungsgrundlagen (z. B. Bruttoarbeitslöhne und die zugehörigen Lohnsteuerabzugsbeträge, bestimmte Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, Altersvorsorgebeiträge, Lohnersatzleistungen, Renten etc.), die Sie in Ihrer Einkommensteuererklärung bislang angegeben haben, liegen der Finanzverwaltung aufgrund entsprechender elektronischer Datenübermittlungen der mitteilungspfichtigen Stellen bereits vor (sog. eDaten).

In der folgenden Übersicht erhalten Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Was ist neu?

Daten, die von mitteilungspflichtigen Stellen (z. B. Arbeitgeber, Versicherungs- unternehmen) nach Maßgabe des § 93c der Abgabenordnung an die Finanzverwaltung elektronisch übermittelt werden, gelten als Ihre Angaben. Demzufolge sind diese mit   gekennzeichneten Zeilen in Ihrer Einkommensteuererklärung nicht mehr auszufüllen.

Die Abgabe der Anlagen entfällt, wenn

  • die elektronisch übermittelten Daten zutreffend und
  • in den nicht mit    gekennzeichneten Zeilen / Bereichen keine Eintragungen vorzunehmen sind.
  • Vier neue Steuerformulare 2019

Der Hauptvordruck 2019 wird durch drei neue Steuerformulare entlastet:

Anlage Sonderausgaben, Anlage agB (außergewöhnliche Belastungen) und Anlage 35a (haushaltsnahe Aufwendungen). Außerdem wird ein weiteres Formular eingeführt: Anlage Sonstiges für den Spendenvortrag und Verlustabzug.

♦  Job-Ticket

Arbeitgeberleistungen für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte, können vom Arbeitgeber pauschal mit 25 % besteuert werden (§ 40 Abs. 2 EStG). Dies gilt für Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Linienverkehr zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte (z. B. Job-Tickets) sowie für private Fahrten im öffentlichen Personennahverkehr. Daneben ist die Entfernungspauschale absetzbar, weil die Arbeitgeberleistungen versteuert wurden.

♦  Gutscheine und Tankkarten

Zweckgebundene Geldleistungen, nachträgliche Kostenerstattungen und andere Vorteile, die auf einen Geldbetrag lauten, sind grundsätzlich keine Sachbezüge; es liegen vielmehr Geldleistungen vor. Dies gilt nicht bei Gutscheinen und Geldkarten, die ausschließlich zum Bezug von Waren oder Dienstleistungen berechtigen, damit die 44-EUR-Grenze hier anwendbar bleibt. Voraussetzung ist aber ausdrücklich, dass sie zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gewährt werden (also nicht im Rahmen von Gehaltsumwandlungen).

♦  Verpflegungsmehraufwendungen

Die Pauschalen für Verpflegungsmehraufwendungen im Rahmen einer beruflichen Auswärtstätigkeit oder doppelten Haushaltsführung werden von 24 € auf 28 € erhöht bei Abwesenheit von 24 Stunden (§ 9 Abs. 4a Satz 3 EStG), von 12 auf 14 € für An- und Abreisetage.

♦ Berufskraftfahrer

Für Arbeitnehmer, die ihrer berufliche Tätigkeit überwiegend in ein LKW nachgehen, wird ein neuer Pauschbetrag in Höhe von 8 € pro Kalendertag als Reisenebenkosten eingeführt (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5b EStG).

♦ Weiterbildungsleistungen

Weiterbildungsmaßnahmen des Arbeitgebers nach § 82 Absatz 1 und 2 SGB III werden steuerbefreit (§ 3 Nr. 19 EStG). Die Steuerbefreiung gilt auch für Sprachkurse oder Computerkurse, die nicht arbeitsplatzbezogen sind).

♦  Mitarbeiterwohnung

Auf dem Wohnungsmarkt wird in hochpreisigen Ballungsgebieten ein Bewertungsabschlag für Mitarbeiterwohnungen eingeführt (§ 8 Abs. 2 Satz 12 EStG). Ein Sachbezugsansatz der vom Arbeitgeber für den Arbeitnehmer zu eigenen Wohnzwecken überlassenen Wohnung entfällt, wenn die vom Arbeitnehmer gezahlte Miete inkl. Nebenkosten mindestens 2/3 des ortsüblichen Mietwerts und dieser nicht mehr als 25 € pro Quadratmeter ohne Nebenkosten beträgt.

♦  Sonderausgaben

Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung für das eigene Kind, die von den Erziehungsberechtigten wirtschaftlich (Bar- oder Sachunterhalt) getragen werden, sind künftig bei diesen als Sonderausgaben zu berücksichtigen (§ 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 2 EStG). Dies bedeutet: Zahlt das Kind die Beiträge aus den Unterhaltsleistungen der Eltern, können die Eltern diese Beiträge in ihrer Steuererklärung geltend machen.

  • Firmenwagen / Elektro-Kfz / E-Mobile

Für eine Übergangszeit von drei Jahren (2019 bis 2021) wird der private Nutzungsvorteil aus der Nutzung von Elektro-Kfz / E-Mobilen durch Arbeitnehmer halbiert, d. h. auf 50 % des grundsätzlichen Vorteils begrenzt. Unter die Regelung fallen auch Kfz, deren Antrieb aus einer Kombination aus Elektromotor und Verbrennungsmotor besteht, solange die Batterien auch extern aufgeladen werden können.

Für vor 2019 und nach 2022 angeschaffte oder geleaste E-Mobile gilt der bisherige Nachteilsausgleich unverändert weiter, d. h. der Bruttolistenpreis ist um den darin enthaltenen Preisanteil für die Batteriepakete zu kürzen.

E-Mobile bis 40.000 € 

Die Bemessungsgrundlage für die private Nutzung wird auf ein Viertel (25 %) herabgesetzt (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 Nr. 3 bis 5 EStG), d. h. der zugrunde zu legende Listenpreis des Fahrzeugs beträgt nur noch 25 %. Darauf die ist 1 %-Regelung anzuwenden.

Hierzu zählen zwischen 1.1.2019 und 31.12.2030 angeschaffte Kraftfahrzeuge, die keine Kohlendioxidemission haben und deren Bruttolistenpreis unterhalb 40.000 EUR liegt

  • Förderung des Mietwohnungsbaus ab 2020

In einem neuen – kleinen - § 7b EStG ist eine zeitlich begrenzte Sonderabschreibung für den Mietwohnungsneubau verankert. Die Sonderabschreibungen, die neben der linearen AfA (§ 7 Abs. 4 EStG) gewährt werden, betragen im Jahr der Anschaffung bzw. Herstellung und in den folgenden 3 Jahren bis zu jährlich 5 %. Die Inanspruchnahme soll u. a. voraussetzen, dass die Anschaffungs- oder Herstellungskosten 3.000 € je qm Wohnfläche nicht übersteigen (Kappungsgrenze) und die Wohnungen nach Anschaffung bzw. Herstellung 10 Jahre für Wohnzwecke vermietet werden. Zu den Anschaffungs- oder Herstellungskosten gehören alle Aufwendungen einschließlich der Nebenkosten.

Begünstigt sind Neubauten, für die der Antrag auf Baugenehmigung nach dem 31.08.2019 bis zum 31.12.2021 gestellt wird. Im Falle der Anschaffung muss diese im Jahr der Fertigstellung des Gebäudes erfolgen.

Letztmalig ist die Sonderabschreibung im Jahr 2026 möglich. Dies bedeutet: Wird der Bauantrag in 2021 gestellt und ist das Gebäude erst in 2024 fertig, weil sich der Bau oder dessen Genehmigung verzögert, kann der Bauherr oder Käufer die Sonderabschreibung nur für die Jahre 2024 bis 2026 beanspruchen, also nur für drei Jahre.

Beispiel:

Anschaffung einer Wohnung von 50 qm

Kaufpreis 200.000 €
+ Grunderwerbsteuer 6 % von 200.000 € = 1)  12.000 €
+ Grundbuch- und Notarkosten 1.500 €
Gesamtkosten 213.500 €
- Anteil Grund und Boden 30 % (Schätzwert mind. 20 %) 96.062 €
Gebäudeanschaffungskosten 117.438 €
Anschaffungskosten je qm 117.438 € : 50 qm = 2) 2.349 €

1) Je nach Bundesland 3.5 bis 6.0 %

2) Der Grenzwert von 3.000 € für die Gebäudekosten je qm ist nicht überschritten

Jährliche Abschreibung

Lineare Abschreibung gem. § 7 Abs. 4 EStG 2 % von 117.438 € = 2.349 €
+ Sonderabschreibung gem. § 7b EStG neu 5 % von 117.438 = 5.872 €
Abschreibung im 1. - 4. Jahr 1) 8.221 € 
 Abschreibung in den ersten vier Jahren  32.884 €

1) Im 1. Jahr zeitanteilig 1/12 monatlich

Restwertabschreibung

Gebäudeanschaffungskosten 117.438 €
- Abschreibung in den ersten vier Jahren 1) 32.884 €
Restwert Ende des vierten Jahres 84.554 €
Abschreibung vom 5. bis 50. Jahr 84.554 € : 46 Jahre = jährlich 1.839 €

1) Ohne Berücksichtigung der zeitanteiligen Abschreibung im ersten Jahr.

  • Eigenheimförderung durch Baukindergeld

Für Familien mit Kindern, die ein selbst genutztes Eigenheim oder eine Eigentumswohnung bauen oder kaufen, soll 10 Jahre lang pro Kind ein Baukindergeld in Höhe von 1.200 € gezahlt werden.

Je Kind können die Eltern also über gesamten Förderungszeitraum 12.000 € Baukindergeld erhalten. Begünstigt sind sowohl Neubauten als auch der Erwerb von Bestandsimmobilien.

Im Falle eines Neubaus muss der Bauantrag nach dem 31.12.2017 und vor dem 01.01.2021 gestellt werden. Bei Erwerb einer Bestandsimmobilie muss der not. Kaufvertrag in diesem Zeitraum abgeschlossen werden. Damit ist der Zeitraum für den Erwerb einer begünstigten Immobilie durch Baukindergeld auf drei Jahre begrenzt.

  • Übungsleiterpauschale

Aktuell beträgt die Übungsleiterpauschale 2.400 Euro pro Jahr, die Ehrenamtspauschale 720 Euro. Diese Beträge sollen auf 3.000 Euro bzw. 840 Euro pro Jahr steigen, aber nicht endgültig beschlossen.