Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

Tipp 04.0 >> Steuertarif / Wie Steuern sparen?

Allgemeine Steuertipps

⇒   Der Einkommensteuertarif

Die Einkommensteuer wird nach dem Prinzip der Leistungsfähigkeit erhoben, abgeleitet aus Art. 3 Grundgesetz: Wer mehr verdient, muss auch einen größeren Teil seines Einkommens als Steuer abgeben, was durch den progressiven Teil des Einkommensteuertarifs herbeigeführt wird.

Der Einkommensteuertarif ist in § 32a EStG geregelt. Zum Tarif gehören der Grundfreibetrag, mit dem das Existenzminimum steuerfrei gestellt wird und die Formel zur Berechnung des Grundtarifs.

Ausgangspunkt der tariflichen Einkommensteuer ist das zu versteuernde Einkommen.

⇒   Der Splittingtarif

Der Splittingtarif berücksichtigt, dass Ehepartner eine Erwerbs- und Wirtschaftsgemeinschaft bilden. Deshalb werden sie bei der Zusammenveranlagung (§ 26b EStG) wie ein Steuerpflichtiger behandelt werden.

Bei der Anwendung des Splittingtarifs wird das gemeinsame Einkommen gedanklich geteilt (gesplittet), von den geteilten (halbierten) Einkommen wird sodann die tarifliche Einkommensteuer nach der Grundtabelle festgestellt. Die Steuerbeträge werden anschließend zusammengerechnet und in einem Steuerbescheid für beide zusammengefasst. Der Splittingtarif vereinfacht dieses Verfahren

Die Vorschriften zum Splittingverfahren enthält § 32a Abs. 5 EStG für  zusammenveranlagte Ehepartner (§ 26b EStG)  sowie § 32a Abs. 6 für die Sonderfälle zur Anwendung des Splittingverfahrens bei Auflösung der Ehe durch Tod (Abs. 6 Nr. 1 = Witwensplitting) und bei anschließender Wiederverheiratung (Abs. 6 Nr. 2 = Gnadensplitting).

Witwensplitting

Durch das Witwensplitting erhält der noch lebende Ehepartner im Jahr nach dem Tode seines Ehepartners noch einmal den Splittingtarif, obwohl er einzeln veranlagt wird.

Beim Witwensplitting kann der Splittingtarif zu absurden Ergebnissen führen:

Beispiel (Glossar):

Es wird eine Ehe gegen Jahresende 01 geschlossen, einer der Ehepartner verstirbt Anfang 02. Der Witwer / die Witwe kommt drei Jahre in den Genuss des Splittingtarifs, obwohl er nur wenige Tage  verheiratet war (§ 26 Abs. 1 EStG), § 32a Abs. 6 EStG):

Veranlagung 01: Der Splittingtarif steht zu, weil im Lauf des Jahres 01 die Ehe geschlossen wurde.

Veranlagung 02: Der Splittingtarif steht zu, weil die Ehepartner zu Beginn des Jahres verheiratet und nicht dauernd getrennt gelebt haben.

Veranlagung 03: Der noch lebende Ehepartner erhält das Witwensplitting.

Gnadensplitting (§ 32a Abs. 6 Nr. 2 EStG)

Das Gnadensplitting kommt zur Anwendung, wenn  z. B. die Ehepartner A und B zu Beginn des Jahres nicht dauernd getrennt gelebt haben, im Laufe desselben Jahres geschieden werden und einer der Partner im Laufe desselben Jahres einen Dritten (C) geheiratet hat. In diesem Fall liegen die Voraussetzungen für eine Zusammenveranlagung in demselben Jahr für A und B, aber auch für B und C vor.

Das Gesetz berücksichtigt dann nur eine Ehe, nämlich die Ehe von B und C (zweite Ehe). A wird dann einzeln veranlagt, erhält aber den Splittingtarif (Gnadensplitting / Gnade vor Recht).

⇒   Grundfreibetrag

Der Grundfreibetrag wird regelmäßig der Einkommensentwicklung angepasst. Zum Abbau der sog. kalten Progression findet eine Rechtsverschiebung aller übrigen Tarif-Eckwerte um die Inflationsratestatt, für 2017 um 0,73 % und für 2018 um 1,65 %.

Tarifübersicht

  2017 2018
Grundfreibetrag 8.820 € 9.000 €
Eingangssteuersatz 14 % 8.821 € bis 13.769 € 9.001 bis 13.996 €
Progressionszone 14 bis 42 % 13.770 € bis 54.057 € 13.997 bis 54.949 €
Spitzensteuersatz 42 % 54.058 € bis 256.303 € 54.950 bis 260.532 €
Reichensteuer 45 % ab 256.304 € 256.533 €

Grundfreibeträge

Beim Splittingtarif verdoppeln sich die Grundfreiträge. 

Die Grundfreibeträge betragen für 2019 = 9.168 € und für 2020 = 9.408 €.

Tarifkurve                   

⇒   Die Steuerprogression.

Wie sich die Steuerprogression auf die Einkommensteuer auswirkt, können Sie schnell anhand eines Steuerrechners feststellen, z. B. mit www.bmf-steuerrechner.de.

Beispiel:

Die Steuer nach der Grundtabelle (für Alleinstehende) beträgt:

Zu versteuerndes Einkommen 2018 20.000 € 40.000 €
Einkommensteuer 2.467 € 8.670 €
Durchschnittsbelastung 12.34 % 21.68 %
Grenzbelastung 26.61 % 35.41 %

Dies bedeutet:

Ein Alleinstehender zahlt bei einem Einkommen von 20.000 € = 2.467 € Steuern, im Schnitt 12.34 %.

Bei einem doppelt so hohem Einkommen, also bei 40.000 €, zahlt er bereits 8.670 €. Der Steuersatz beträgt damit schon im Schnitt 21.68 %.

Die progressive Besteuerung wird aber erst deutlich, wenn man die Steuerbelastung der letzten 20.000 € betrachtet. Dafür bittet der Fiskus mit 6.203 € zur Kasse. Das ist mehr als doppelt so viel wie für die ersten 20.000 € und entspricht einem Steuersatz im Schnitt von 31.01 %.

⇒   Das Prinzip des Steuersparens

Wichtig für den Steuersatz: Schwankungen des Einkommens möglichst vermeiden

Infolge des Zu- und Abflussprinzips kommt es gelegentlich dazu, dass sich Einkünfte in einem Jahr zusammenballen und dadurch das Einkommen und somit auch die Steuerprogression in die Höhe treiben. Während vielleicht im nächsten Jahr wegen geringer Einkünfte weniger oder überhaupt keine Steuern zu zahlen sind. Solche Schwankungen in der Höhe des Einkommens führen generell zu einer höheren Steuerbelastung. Für Sie als Steuerzahler ist also wichtig, schwankende Einkünfte zu vermeiden, also über die Jahre hinweg möglichst gleichbleibende Einkünfte zu erklären.

Schwankungen in der Höhe der Einkünfte entstehen auf der Einnahmeseite vielfach durch Sondereinnahmen wie z. B. Abfindungen oder Nachzahlungen. In diesen Fällen besteht die Möglichkeit, die Ansprüche in einem früheren oder späteren Kalenderjahr zu realisieren. Aber auch Zinsen lassen sich durch ein Disagio vorziehen oder in spätere Kalenderjahre verlagern. Auf der Ausgabenseite können z. B. Handwerkerleistungen im Voraus bezahlt oder erst im folgenden Kalenderjahr entrichtet werden. Dasselbe gilt für Versicherungsbeiträge.

Dies bedeutet z. B.: Sie können Steuern sparen, indem Sie Einnahmen oder Ausgaben in andere Kalenderjahre verlagern. Oder bewusst im laufenden Jahr Ihre Einnahmen senken oder Ihre Ausgaben erhöhen oder Steuerfreibeträge erlangen.

Beispiel:

Sie haben durch eine zusätzliche Ausgabe von 4.000 € Ihr zu versteuerndes Einkommen in Höhe von 32.000 € auf 28.000 € vermindert. Ihre Steuerersparnis nach der Grundtabelle beträgt (5.799 € bei 32.000 € minus 4.736 € bei 28.000 € =) 1.063 €.

⇒   Wie hoch ist der Splittingvorteil?

Im Splittingverfahren versteuert jeder Ehepartner nur die Hälfte des gemeinsamen Einkommens, unabhängig davon, wer in welchem Umfang das Einkommen erzielt.

Das gemeinsame Einkommen wird gedanklich geteilt (gesplittet). Für die halbierten Einkommen wird sodann die Einkommensteuer nach der Grundtabelle berechnet. Die beiden Steuerbeträge werden anschließend addiert und in einem Steuerbescheid für beide zusammengefasst. Der Splittingtarif vereinfacht dieses Verfahren.

Aufgrund des progressiv gestalteten Steuertarifs hängt der Splittingvorteil insbesondere davon ab, wie groß der Unterschied zwischen den Einkommen beider Partner ist. Das Splitten führt dazu, dass die Steuerprogression in der Splittingtabelle nur halb so hoch zuschlägt wie in der Grundtabelle. Die Progression steigt in der Splittingtabelle im Schnitt pro 5.000 € um 1,5 %, in der Grundtabelle um 3,0 %.

Sind die Einkommen der Ehepartner gleich hoch, ergibt sich kein Entlastungseffekt, d. h., die Partner zahlen die gleich hohe Steuer wie bei der Einzelveranlagung. Sind die Einkommen der Partner unterschiedlich hoch, tritt stets eine steuerliche Entlastung ein.

Der Splittingvorteil ist am höchsten, wenn sich die Einkommen der Partner stark unterscheiden, wie die folgenden Beispiele zeigen.

Übersicht Tarif 2018

Beispiel 1: Zusammenveranlagung Partner A Partner B  Partner A + B
Einkommen 70.000 € 30.000 €  
Gemeinsames Einkommen     100.000 €
Steuer nach Splittingtabelle     24.864 €
Beispiel 2: Zusammenveranlagung Partner A Partner B  Partner A + B
Einkommen 100.000 € 0 €  
Gemeinsames Einkommen     100.000 €
Steuer nach Splittingtabelle     24.864 €
Beispiel 3: Einzelveranlagung Partner A Partner B  Partner A + B
Einkommen 100.000 € 0 €  
Gemeinsames Einkommen     100.000 €
Steuer nach Grundtabelle 33.828 € 0 €  
Steuerbelastung insgesamt     33.378 €

Wie Sie sehen, beträgt der Splittingvorteil bei einem gemeinsamen Einkommen von 100.000 € (33.378 € - 24.864 € =) 8.514 €.

Betuchter Steuerzahler heiratet armes Mädchen?

Bei einem zu versteuernden Einkommen des Partners A von mindestens 513.066 € (Beginn der Reichensteuer) und des Partners B von 0 € beträgt der Splittingvorteil pro Jahr (214.442 € minus 198.244  € =) 16.198 €.

Quelle: § 32a EStG