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Tipp 45 Steuertarif / Splittingvorteil

Die tarifliche Einkommensteuer bemisst sich nach dem zu versteuernden Einkommen. Unterschieden wird zwischen dem Grundtarif und dem Splittingtarif.

Die Einkommensteuer nach dem Grundtarif wird nach der Formel in § 32a Abs.1 EStG berechnet, ergänzt in Abs. 5 durch die Vorschriften zum Splittingverfahren bei zusammenveranlagten Ehepartnern sowie in Abs. 6 durch die Sonderfälle zur Anwendung des Splittingverfahrens bei Auflösung der Ehe durch Tod, Scheidung usw. und bei anschließender Wiederverheiratung (Witwensplitting).

⇒   Die verschiedenen Steuersätze

- Eingangssteuersatz

Der Eingangssteuersatz ist der Anteil, den man vom ersten zu versteuernden Euro oberhalb des Grundfreibetrages als Steuer abführen muss. Es handelt sich also um den niedrigsten Steuersatz.

- Durchschnittssteuersatz

Der Durchschnittssteuersatz sagt aus, wie viel Prozent des gesamten zu versteuernden Einkommens zu bezahlen sind. Er gilt also ist für die Beurteilung einer Mehr- oder Minderbelastung des gesamten Einkommens.

- Grenzsteuersatz

Der Grenzsteuersatz dient der Beurteilung der Belastung des zusätzlichen Einkommens.

- Spitzensteuersatz

Beim Spitzensteuersatz handelt es sich um den höchsten Grenzsteuersatz. Dieser bleibt in der Regel für höhere Einkommen konstant.

Abgabenrechner hilft

Haben Sie keine Einkommensteuertabelle zur Hand, können Sie die Höhe der Einkommensteuer schnell und zuverlässig feststellen, indem Sie einen Abgabenrechner aufrufen und das zu versteuernde Einkommen dort eingeben (www.abgabenrechner.de).

⇒   Die zwei Einkommensteuertarife

Je nach Veranlagungsform wird entweder die Grundtabelle oder die Splittingtabelle verwendet. Ehepartner können zwischen der Einzelveranlagung und der Zusammenveranlagung wählen. Bei der Einzelveranlagung wird der Grundtarif und bei der Zusammenveranlagung der Splittingtarif angewendet. In der Mehrzahl der Fälle ist die Zusammenveranlagung günstiger.

Der Splittingtarif berücksichtigt, dass Ehepartner eine Erwerbs- und Wirtschaftsgemeinschaft bilden. Deshalb werden sie bei der Zusammenveranlagung (§ 26b EStG) wie ein Steuerpflichtiger behandelt werden.

Der Aufbau der Einkommensteuertarife

Die Tarife enthalten mehrere Bereiche.

Grundfreibetrag

Steuerfrei sind zunächst das zu versteuernde Einkommen bis zum Grundfreibetrag von 9.000 / 18.000 € (Alleinstehende / Ehepartner / Wert für 2018). Durch den Grundfreibetrag soll das notwendige Existenzminimum von der Steuer freigestellt werden. Es folgt der Progressionsbereich.  

Progressionsbereich

Progression bedeutet hier: Mit wachsendem Einkommen steigt der Durchschnittssteuersatz. Die Progression beginnt mit einem Eingangssteuersatz von 14 %. Sodann steigt der Tarif bis zu dem Grenzsteuersatz von 42 % progressiv an.

Ab einem bestimmten Einkommen beträgt der Grenzsteuersatz 45 %. Der Aufschlag von 3 % wird als Reichensteuer bezeichnet.

Tarifentwicklung in der Grundtabelle

Durch Gesetz v. 20.12.2016 sind die Grundfreibeträge für 2017 und 2018  erhöht worden. Zum weiteren Abbau der sog. kalten Progression ist eine weitere Rechtsverschiebung aller übrigen Tarif-Eckwerte für 2017 um 0,73 % und für 2018 um 1,65 % erfolgt.

  2017 2018
Grundfreibetrag 8.820 € 9.000 €
Eingangssteuersatz 14 % 8.821 € bis 13.769 € 9.001 bis 13.996 €
Progressionszone 14 bis 42 % 13.770 € bis 54.057 € 13.997 bis 54.949 €
Spitzensteuersatz 42 % 54.058 € bis 256.303 € 54.950 bis 260.532 €
Reichensteuer 45 % ab 256.304 € 256.533 €

Beim Splittingtarif verdoppeln sich die Beträge. 

Kalte Steuerprogression

Die kalte Steuerprogression entwickelt sich im Zusammenspiel von Inflation und den mit den Lohnerhöhungen wachsenden Steuersätzen.

Lohnerhöhungen gleichen oft nur den Preisanstieg aus. Der Arbeitnehmer hat zwar mehr Geld auf dem Konto, kann sich aber wegen Inflation nicht mehr leisten. Die dadurch bedingte höhere Einkommensteuer / Lohnsteuer führt dann zum Kaufkraftverlust. Weil dieser Effekt nicht sofort sichtbar wird, sondern sich erst nach und nach aufbaut, spricht man von einer kalten / heimlichen Steuererhöhung.

Der Effekt der kalten Progression ändert sich von Jahr zu Jahr. Fallen die Lohnabschlüsse vergleichsweise hoch aus, während die Inflation niedrig ist, ist keine kalte Steuerprogression zu verzeichnen, im umgekehrten Fall schlägt die kalte Progression zu. Im Prinzip interessiert den Fiskus die Inflation nicht. Er beruft sich auf das so genannte Nominalwertprinzip (Euro ist gleich Euro). Danach darf die Inflation bei der Berechnung der Steuer nicht berücksichtigt werden (BFH-Urteil vom 27.7.1967 - IV 300/64).

Zum Ausgleich der kalten Steuerprogression erfolgt regelmäßig eine Rechtsentwicklung des Tarifs in Höhe eines bestimmten Prozentsatzes.   

⇒   Wie hoch ist der Splittingvorteil?

Im Splittingverfahren versteuert jeder Ehepartner nur die Hälfte des gemeinsamen Einkommens, unabhängig davon, wer in welchem Umfang das Einkommen erzielt.

Das gemeinsame Einkommen wird gedanklich geteilt (gesplittet). Für die halbierten Einkommen wird sodann die Einkommensteuer nach der Grundtabelle berechnet. Die beiden Steuerbeträge werden anschließend addiert und in einem Steuerbescheid für beide zusammengefasst. Der Splittingtarif vereinfacht dieses Verfahren.

Aufgrund des progressiv gestalteten Steuertarifs hängt der Splittingvorteil insbesondere davon ab, wie groß der Unterschied zwischen den Einkommen beider Partner ist. Das Splitten führt dazu, dass die Steuerprogression in der Splittingtabelle nur halb so hoch zuschlägt wie in der Grundtabelle. Die Progression steigt in der Splittingtabelle im Schnitt pro 5.000 € um 1,5 %, in der Grundtabelle um 3,0 %.

Sind die Einkommen der Ehepartner gleich hoch, ergibt sich kein Entlastungseffekt, d. h., die Partner zahlen die gleich hohe Steuer wie bei der Einzelveranlagung. Sind die Einkommen der Partner unterschiedlich hoch, tritt stets eine steuerliche Entlastung ein.

Der Splittingvorteil ist am höchsten, wenn sich die Einkommen der Partner stark unterscheiden, wie die folgenden Beispiele zeigen.

Übersicht Tarif 2018

Beispiel 1: Zusammenveranlagung Partner A Partner B  Partner A + B
Einkommen 70.000 € 30.000 €  
Gemeinsames Einkommen     100.000 €
Steuer nach Splittingtabelle     24.864 €
Beispiel 2: Zusammenveranlagung Partner A Partner B  Partner A + B
Einkommen 100.000 € 0 €  
Gemeinsames Einkommen     100.000 €
Steuer nach Splittingtabelle     24.864 €
Beispiel 3: Einzelveranlagung Partner A Partner B  Partner A + B
Einkommen 100.000 € 0 €  
Gemeinsames Einkommen     100.000 €
Steuer nach Grundtabelle 33.828 € 0 €  
Steuerbelastung insgesamt     33.378 €

Wie Sie sehen, beträgt der Splittingvorteil bei einem gemeinsamen Einkommen von 100.000 € (33.378 € - 24.864 € =) 8.514 €.

Betuchter Steuerzahler heiratet armes Mädchen?

Bei einem zu versteuernden Einkommen des Partners A von mindestens 513.066 € (Beginn der Reichensteuer) und des Partners B von 0 € beträgt der Splittingvorteil pro Jahr (214.442 € minus 198.244  € =) 16.198 €.

Quelle: §§ 2, 25 bis 26b, 32a EStG