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Tipp 20 Gemischte Nutzung / gemischte Aufwendungen

Allgemeine Steuertipps

Die steuerliche Behandlung von Aufwendungen richtet sich zunächst danach, ob die Aufwendungen beruflich oder privat veranlasst sind. Im ersten Fall sind die Aufwendungen in voller Höhe als Werbungskosten absetzbar (§ 9 EStG), im zweiten Fall sind sie nicht absetzbar (§ 12 EStG).

Wenn Aufwendungen sowohl beruflich als auch privat veranlasst sind, spricht man von einer gemischten Nutzung bzw. von gemischten Aufwendungen.

⇒   Gemischte Aufwendungen aufteilen

Bei gemischten Aufwendungen lässt der Fiskus in den meisten Fällen den Abzug des beruflich veranlassten Teils der Aufwendungen zu.

Der Fiskus spricht von gemischten Aufwendungen,  wenn Ausgaben sowohl den beruflichen als auch den privaten Bereich betreffen. In diesen Fällen ist durch Aufteilung der Kosten in beruflich und privat der beruflich veranlasste Teil abzugsfähig (BFH Beschluss 21.9.2009 – GrS 1/06).

Doch nicht bei allen gemischten Aufwendungen ist der berufliche Anteil absetzbar. Knackpunkt: Berufliche und private Teile  lassen sich nicht >>leicht und einwandfrei<< voneinander trennen.

a) Trennung leicht und einwandfrei möglich

  • Kraftfahrzeugkosten
  • Verpflegungskosten auf Dienstreisen (Mehraufwendungen),
  • Kosten einer Wohnung (Arbeitszimmer),
  • Kosten für Telefon, Computer, Internet,
  • Reisen, Sprachkurse.

b) Trennung nicht leicht und einwandfrei möglich

Grundsätzlich nicht trennbar sind die Aufwendungen für Wohnung, Ernährung, Kleidung, allgemeine Schulausbildung, Kindererziehung, persönliche Bedürfnisse des täglichen Lebens, z. B. Erhaltung der Gesundheit, Pflege, Hygieneartikel, auch für Zeitung, Rundfunk oder Besuch kultureller und sportlicher Veranstaltungen.

Ferner nicht aufteilbar:

  • Aufwendungen für Sicherheitsmaßnahmen eines Steuerpflichtigen zum Schutz von Leben, Gesundheit, Freiheit und Vermögen seiner Person (BFH vom 5.4.2006, BStBl 2006 II S. 541),
  • Aufwendungen eines in Deutschland lebenden Ausländers für das Erlernen der deutschen Sprache (BFH vom 15.3.2007, BStBl 2007 II S. 814),
  • Aufwendungen einer Landärztin für einen Schutzhund (BFH vom 29.3.1979, BStBl 1979 II S. 512),

⇒   Gemischte Aufwendungen in Beispielen

Beispiel 1: Urlaubsreise und Geschäftsreise

Ein Arbeitnehmer nimmt während seiner 14-tägigen Urlaubsreise an einem eintägigen Fachseminar teil. Die Aufwendungen für die Urlaubsreise sind nicht abziehbar. Die Aufwendungen, die unmittelbar mit dem Fachseminar zusammenhängen (Seminargebühren, Fahrtkosten vom Urlaubsort zum Tagungsort, ggf. Pauschbetrag für Verpflegungsmehraufwendungen), sind als Werbungskosten abziehbar.

Beispiel 2: Reise privat und beruflich

Ein im Krankenhaus angestellter Arzt besucht einen Fachkongress in London. Er reist Samstagfrüh an. Die Veranstaltung findet ganztägig von Dienstag bis Donnerstag statt. Am Sonntagabend reist er nach Hause zurück.

Die Kosten für 2 Übernachtungen (von Dienstag bis Donnerstag) sowie die Kongressgebühren sind ausschließlich dem beruflichen Bereich zuzuordnen und daher vollständig als Werbungskosten abziehbar. Die Flugkosten sind gemischt veranlasst und entsprechend den Veranlassungsbeiträgen aufzuteilen. Sachgerechter Aufteilungsmaßstab ist das Verhältnis der beruflichen und privaten Zeitanteile der Reise (betrieblich veranlasst sind 3/9). Ein Abzug der Verpflegungskosten als Werbungskosten ist nur in Höhe der Pauschbeträge für Verpflegungsmehraufwendungen für die beruflich veranlassten Tage zulässig.

Beispiel 3: Kosten für eine Entlassungsfeier

An der Entlassungsfeier eines leitenden Angestellten nehmen 100 Personen teil (80 Kunden und Geschäftsfreunde und 20 private Gäste des Firmeninhabers). Die Gesamtkosten der Feier betragen 5.000 €, auf Essen und Getränke entfallen 4.000 €.

Aufgrund der Teilnahme privater Gäste handelt es sich um eine gemischt beruflich und privat veranlasste Veranstaltung. Zwar liegt der Anlass der Veranstaltung im beruflichen Bereich (Entlassungsfeier). Die Einladung der privaten Gäste erfolgte allerdings ausschließlich aus privaten Gründen, so dass die Kosten der Verköstigung und Unterhaltung der privaten Gäste als privat veranlasst zu behandeln sind. Sachgerechtes objektivierbares Kriterium für eine Aufteilung ist eine Aufteilung nach Köpfen. 80 Personen nehmen aus beruflichen Gründen an der Entlassungsfeier teil, 20 aus privaten Gründen. Damit sind 1.000 € (20 % des Gesamtkosten), die anteilig auf die privaten Gäste entfallen, nicht als Werbungskostgen abziehbar. Von den verbleibenden beruflich veranlassten Kosten in Höhe von 4.000 € sind unter Berücksichtigung des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 EStG 3.040 € (80 % von 1.000 € + 70 % von 80 % von 4.000 €) als Werbungskosten abziehbar.

Beispiel 4: Überregionale Tageszeitung

Ein angestellter Steuerberater begehrt die hälftige Anerkennung der Kosten eines Abonnements einer überregionalen Zeitung, die er neben der regionalen Tageszeitung bezieht, als Werbungskosten, weil die überregionale Zeitung umfassend auch über die steuerrechtliche Entwicklung informiere.

Die Kosten sind insgesamt nicht als Werbungskosten abziehbar. Die beruflichen und privaten Veranlassungsbeiträge greifen so ineinander, dass eine Trennung nicht möglich ist. Soweit die Zeitung nicht bereits durch das steuerliche Existenzminimum abgegolten ist, fehlt es an einer Aufteilbarkeit der Veranlassungsbeiträge. Denn keine Rubrik oder Seite einer Zeitung kann ausschließlich dem betrieblichen Bereich zugeordnet werden, sondern dient stets auch dem privaten Informationsinteresse. Es fehlt damit an einer Möglichkeit zur Aufteilung nach objektivierbaren Kriterien.

Beispiel 5: Sport als Beruf, was ist absetzbar?

Sportlehrer im Schuldienst: Aufwendungen für Sportgeräte und Sportkleidung können für Sportlehrer im Schuldienst nach § 9 Abs.1 Nr.6 und Abs.1 Satz 1 EStG in vollem Umfang Werbungskosten sein, wenn die private Nutzung der Sportsachen von ganz untergeordneter Bedeutung ist (unter 10 %). Die Aufwendungen fallen jedoch bei einer privaten Nutzung von 15,5 v.H. (hatte der Sportlehrer selbst eingeräumt) unter das Aufteilungs- und Abzugsverbot des § 12 Nr.1 Satz 2 EStG. Der beruflich genutzte Teil ist nicht absetzbar (BFH 21.11.1986 - VI R 137 / 83).

Sportlizenzen erwerben: Ein Sportlehrer erwirbt in einem Lehrgang die Schulskileiter-Lizenz (BFH 26.08.1988 - VI R 175/85) oder er erlernt das Snowboard-Fahren (BFH 22.06.2006 - VI R 61/02). Die Aufwendungen sind als Werbungskosten absetzbar.

Es sind allerdings an den Werbungskostenabzug enge Grenzen gesetzt:

- Der Arbeitnehmer muss im Hauptberuf Sportlehrer sein.

- Veranstalter des Lehrgangs muss sein anerkannter Verband oder die Schulverwaltung sein.

- Der Teilnehmerkreis des Lehrgangs muss ausschließlich Personen umfassen, die die Lehrbefähigung in dieser Sportart anstreben.

- Der Lehrgang muss auf die Vermittlung der erforderlichen praktischen und pädagogischen Fähigkeiten ausgerichtet sein

- Der Lehrgang muss in straffer organisatorischer Form durchgeführt werden und darf nur begrenzte Zeit zur Erholung bieten.

- Die Teilnahme des Stpfl. an dem gesamten Programm muss feststehen.

- Unschädlich ist, wenn der Lehrgang in einem Touristikgebiet in der Saison durchgeführt wird (Skigebiet im Winter).

Quelle: § 9 EStG