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Tipp 02.0 >> Schenken Sie dem Finanzamt keine Verluste

Allgemeine Steuertipps / Zeile 95

Verluste sind bei der Steuer bares Geld wertDas Einkommensteuergesetz regelt die Berücksichtigung von Verlusten durch zwei Arten der Verlustverrechnung: Durch Verlustausgleich (§ 2 Abs. 3 EStG) oder Verlustabzug, d. h. durch Verlustrücktrag oder Verlustvortrag (§ 10d EStG).

  • Verlustausgleich innerhalb des Verlustentstehungsjahres (§ 2 Abs. 3 EStG),
  • Verlustrücktrag in das Vorjahr (§ 10d EStG)
  • Verlustvortrag in spätere Jahre (§ 10d EStG).

⇒   Verlustausgleich

Verlustausgleich ist der Ausgleich von positiven und negativen Einkünften innerhalb eines Jahres (§ 2 Abs. 3 EStG). Der Verlustausgleich geschieht automatisch im Rahmen der Veranlagung, erfährt indessen einige Einschränkungen. So dürfen Verluste aus Kapitalvermögen nicht mit Einkünften aus anderen Einkunftsarten ausgeglichen werden. Desgleichen dürfen Verluste aus Aktienverkäufen nur mit Gewinnen aus Aktienverkäufen ausgeglichen werden (§ 20 Abs. 6 EStG). Ferner dürfen Verluste aus privaten Spekulationsgeschäften nur mit Gewinnen aus Spekulationsgeschäften ausgeglichen werden (§ 23 Abs. 3 EStG). Der Ausgleich von Verlusten im Ausland wird durch § 2 a EStG eingeschränkt.

⇒   Verlustabzug

Sind die Verluste eines Kalenderjahres höher als die positiven Einkünfte, wird der verbleibende Verlust automatisch mit positiven Einkünften des Vorjahres verrechnet (Verlustrücktrag). Hierfür ist von Ihnen keine Eintragung erforderlich.

Sofern die Verluste nicht oder nicht ganz mit positiven Einkünften des Vorjahres verrechnet werden konnten, wird der verbleibende Verlust vom Finanzamt auf Antrag gesondert festgestellt und in den folgenden Kalenderjahren im Wege des Verlustvortrags abgezogen (§ 10d EStG).

Wie Sie dies in der Steuererklärung auf den Weg bringen, dazu folgendes:

⇒   Verbleibender Verlustvortrag - Zeile 94

Wurde für Sie oder für Ihren Ehepartner zum 31.12.2018 ein verbleibender Verlustvortrag festgestellt - Antrag in Zeile 2 des Hauptvordrucks -, kreuzen Sie in  Zeile 94 des Hauptvordrucks das entsprechende Auswahlfeld an. Der Verlustvortrag wird dann automatisch vom Finanzamt bei der Veranlagung für 2019 berücksichtigt.

Hauptvordruck Zeile 95 – Antrag auf Beschränkung des Verlustrücktrags

Der Verlustrücktrag nach 2017 für nicht ausgeglichene Verluste 2018 kann der Höhe nach beschränkt werden. Falls Sie den Verlustrücktrag der Höhe nach beschränken möchten, geben Sie in Zeile 95 an, mit welchem Betrag die Verluste zurückgetragen werden sollen. Durch die Beschränkung des Verlustrücktrags können Sie erreichen, dass Verluste nur insoweit zurückgetragen werden, als sie sich steuerlich auswirken. So schonen Sie Ihre Verluste und verschenken sie nicht.

Dazu als Beispiel Tipp unten: Verluste schonen.

Nochmals: Sollen die Verluste nur in künftigen Jahren berücksichtigt werden, weil sie sich durch Rücktrag ins Vorjahr steuerlich nicht auswirken, beantragen Sie den Verlustvortrag, indem Sie in  Zeile 95 eine 0.- € eintragen. So schonen Sie Ihre Verluste.

Tipp: Verluste schonen

Der Kniff bei der Schonung der Verluste besteht darin, die verbleibenden Verluste nur insoweit einzusetzen, dass Sie im Vorjahr auf Steuer 0.- € kommen. 

Dies mag folgendes Beispiel zeigen:

Höhe der Einkünfte 2018 2019
Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit 50.000 € 50.000 €
Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung - 35.000 € - 70.000 €
Summe der Einkünfte 15.000 € - 20.000 €

Der nicht ausgeglichene Verlust 2019 von 20.000 € wird automatisch per Verlustabzug in das Vorjahr 2018 zurückgetragen und mit den Einkünften von 15.000 verrechnet.

Begrenzung der Verluste: Null €uro eintragen

In 2018 haben Sie indessen ohnehin wegen der Grundfreibeträge und hoher Sonderausgaben (Vorsorgeaufwendungen) keine Steuern bezahlt. Also tragen Sie in > Zeile 95 des Hauptvordrucks >>0<< € ein und bewirken damit, dass der nicht ausgeglichene Verlust 2019 nach 2020 vorgetragen wird.

⇒   Antrag auf Feststellung eines Verlusts

Beispiel 1: Sie waren arbeitslos

Sie waren arbeitslos und deswegen ohne Einkünfte. Damit das Finanzamt Ihre Ausgaben für Fortbildung, Bewerbungsschreiben, berufsbedingte Fahrtkosten etc. im nächsten Jahr berücksichtigt, geben Sie eine Einkommensteuererklärung ab und machen in der Anlage N ihre Kosten als Verlust geltend. Den Verlust verrechnet das Finanzamt im nächsten Jahr mit Ihren Einnahmen aus dem neuen Arbeitsverhältnis.

Dazu kreuzen Sie im Hauptvordruck in > Zeile 2 das entsprechend Kästchen an und tragen in > Zeile 95 des Hauptvordrucks 0,- € ein. Mit dem Steuerbescheid erhalten Sie zugleich einen Feststellungsbescheid über den verbleibenden Verlustvortrag.

Weil Sie   0,-- € eingetragen haben, wird das Finanzamt Ihre Verluste aus dem Vorjahr erst im nächsten Jahr berücksichtigen.

Beispiel 2: Sie haben als Student Verluste durch Fortbildungskosten

Sie haben nach Abschluss Ihrer Berufsausbildung zum Bankkaufmann ein BWL-Studium begonnen. Die Aufwendungen für diesen zweiten Ausbildungsgang können Sie als Fortbildungskosten geltend machen. Die Kosten für das BWL-Studium bestreiten Sie im Wesentlichen aus einem Studiendarlehen in Höhe von 30.000 €, das Ihnen – vielleicht erst nach Bürgschaft Ihrer Eltern – die Sparkasse am Wohnort eingeräumt hat. Weil Sie Ihre bisherige Wohnung beibehalten haben, sind die Aufwendungen für die Wohnung am auswärtigen Ausbildungsplatz und die Heimfahrten als Werbungskosten absetzbar. Für die Berechnung der Werbungskosten gelten hierfür die Regeln der doppelten Haushaltsführung entsprechend. Insgesamt sind Ihnen durch doppelte Haushaltsführung, Studiengebühren, Anschaffung von Büchern, Computer etc.  Fortbildungskosten in Höhe von 12.000 € entstanden.

Steuererklärung 2018

Wenn Sie eine Einkommensteuererklärung abgeben  mit dem Ziel, für dieses Kj. einen Verlust feststellen zu lassen, den Sie mit Ihren künftigen Einnahmen - ab dem Kj. 2019 oder 2020 - verrechnen wollen, kreuzen Sie in > Zeile 2 des Hauptvordrucks das entsprechende Kästchen an und tragen in > Zeile 95 des Hauptvordrucks 0.- € ein. Außerdem machen Sie in der Anlage N 2018 Ihre Fortbildungskosten geltend.

Quelle: § 10d EStG