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Tipp 15 Einnahmen und Ausgaben / Zu- und Abflussprinzip

Allgemeine Steuertipps

Die Einkommensteuer wird im Jahresrhythmus nach dem Einkommen erhoben, das der Steuerzahler im jeweiligen Kalenderjahr bezogen hat (§ 25 Abs. 1 EStG). Für die Höhe der Steuer ist wichtig, Einkommensschwankungen zu vermeiden.

Für die Berechnung des Einkommens ist deshalb wichtig, in welchem Kalenderjahr Einnahmen und Ausgaben zu erfassen sind. Dies lässt sich besonders leicht bei den Überschusseinkünften erreichen.

→ Es gilt das Zu- und Abflussprinzip (§ 11 EStG)

Bei den Überschusseinkünften sind die Einnahmen in dem Kalenderjahr anzusetzen, in dem sie zugeflossen sind und die Werbungskosten (Ausgaben), in dem Kalenderjahr abzusetzen, in dem sie geleistet worden sind.

Man spricht in dem Zusammenhang vom Zu- und Abflussprinzip, das durchgängig gilt, insbesondere für die Berechnung der Überschuss-Einkünfte, aber auch für die Sonderausgaben und die außergewöhnlichen Belastungen.

Das Zu- und Abflussprinzip führt dazu, dass Einnahmen und Ausgaben verzögert erfasst werden, Einnahmen also nicht im Zeitpunkt der Leistung bzw. Entstehung der Forderung, sondern erst im Zeitpunkt des Geldeingangs. Entsprechendes gilt für Ausgaben. Hierdurch ergeben sich Chancen zur Steuerersparnis.

Bei Vorauszahlungen aufpassen

Werden indessen Zahlungen für eine Nutzungsüberlassung von mehr als fünf Jahren im Voraus geleistet, sind sie insgesamt auf den Zeitraum gleichmäßig zu verteilen, für den die Vorauszahlung geleistet wird (§ 11 Abs. 2 EStG).

Beispiel:

Eine Mietvorauszahlung für drei Jahre ist in dem Jahr zu versteuern, in dem die Mieteinnahme zugeflossen ist. Eine Mietvorauszahlung für 6 Jahre ist auf den Zeitraum von 6 Jahren zu verteilen.

→ Einkommensschwankungen vermeiden

Schwankungen in der Höhe der Einkünfte entstehen auf der Einnahmenseite vielfach durch Sondereinnahmen wie z. B. bei Abfindungen oder Nachzahlungen. In diesen Fällen besteht die Möglichkeit, die Ansprüche in einem früheren oder späteren Kalenderjahr zu realisieren. Aber auch Zinsen lassen sich durch ein Disagio vorziehen oder in spätere Kalenderjahre verlagern. Auf der Ausgabenseite können z. B. Handwerkerleistungen im Voraus bezahlt oder erst im folgenden Kalenderjahr entrichtet werden. Dasselbe gilt für Versicherungsbeiträge.

Sonderfall Arbeitslöhne

Nach § 38a Abs. 1 EStG gilt laufender Arbeitslohn nicht im Zuflussjahr als bezogen, sondern in dem Jahr, in dem der Lohnzahlungszeitraum (z. B ein Monat) endet. Wohingegen für einmalige - sonstige - Bezüge z. B. in Form von Abfindungen, das Zuflussprinzip wiederum gilt. Diese unterschiedliche Regelung lässt sich vorteilhaft nutzen, z. B. beim Zufluss einer Abfindung.

Abfindung in ein anderes Steuerjahr verlagern

Beispiel:

Ein Arbeitnehmer hat wegen Auflösung seines Arbeitsverhältnisses eine Abfindung zu erwarten. Wenn er im nächsten Jahr mit einem geringeren Einkommen rechnet, wäre es günstig, wenn die Abfindung erst im nächsten Jahr ausgezahlt und versteuert wird. Das lässt sich deichseln. Denn eine Abfindung gehört nicht zum laufenden Arbeitslohn, vielmehr zu den sonstigen Bezügen. Für letztere gilt - entgegen der Regelung zum laufenden Arbeitslohn - das Zuflussprinzip.

→ Vorauszahlungen

Oder Sie brechen der Steuerprogression die Spitze, indem Sie am Jahresende noch schnell absetzbare Ausgaben tätigen. So könnten Sie z. B. in Ihrem Mietshaus die alte Heizung erneuern oder dafür noch schnell im alten Jahr eine Vorauszahlung leisten. Sie können sogar Zinseinnahmen in spätere Jahre verlagern oder Schuldzinsen im Voraus zahlen.

Für bestimmte Aufwendungen gibt es Ausnahmen vom Abflussprinzip.

Vorauszahlungen sind im Jahr der Zahlung absetzbar, dem Abflussprinzip entsprechend. Doch Vorsicht: Beträgt die Nutzung mehr als 5 Jahre, gilt dies nicht. Die Entgelte für die Nutzung sind in diesen Fällen gleichmäßig auf den Zeitraum zu verteilen, für den sie geleistet werden (§ 11 Abs. 2 Satz 3 EStG). Derartige Nutzungsentgelte sind z. B. Aufwendungen für Miete, Pacht, Leasingzahlungen, Erbbauzinsen, Nießbrauch, aber auch von Rechten.

Beispiel 1:

Ein Arbeitnehmer kann doppelte Haushaltsführung geltend machen und somit auch die Miete für die Wohnung am auswärtigen Arbeitsort als Werbungskosten absetzen. Wenn er eine Mietvorauszahlung für z. B. 36 Monate (drei Jahre) im Voraus leistet, kann er die gesamte Summe sofort in voller Höhe absetzen, weil unter fünf Jahre.

Für inländische Zweitwohnungen im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung gilt eine feste Obergrenze von 1.000 € pro Monat. Weil die Grenze nicht Monat für Monat gilt, wird Im Ergebnis die feste Monatsgrenze zu einer 12.000-€-Jahresgrenze. Auch hier greift das Zu- und Abflussprinzip, so dass auf drei Jahre gerechnet höchstens 36.000 € absetzbar sind.

Beispiel 2:

Ein Freiberufler mietet ein Büro. Der Vermieter verlangt und erhält die Miete für 6 Jahre im Voraus in Höhe von 72.000 € mit einem Abschlag von 12.000 €, also 60.000 €. Der Freiberufler kann die Vorauszahlung nicht sofort im Jahr der Zahlung in voller Höhe absetzen. Absetzbar ist lediglich die Miete für ein Jahr = 10.000 €.

→ Geringwertige Wirtschaftsgüter sofort absetzbar

Das Abflussprinzip gilt nicht für Arbeitsmittel mit einer Nutzungsdauer von mehr als einem Jahr.  In diesem Fall müssen die Anschaffungskosten auf die Nutzungsdauer verteilt d. h. abgeschrieben werden.

Dies gilt indessen nicht für Arbeitsmittel, deren Anschaffungskosten nicht mehr als 952.00 € (Wert ab 01.01.2018) betragen haben. Diese Arbeitsmittel sind im Jahr der Anschaffung - also nicht der Bezahlung - in voller Höhe absetzbar (§ 9 Abs. 1 Nr. 7 EStG). Man spricht von »geringwertigen Wirtschaftsgütern«. Zu diesen Wirtschaftsgütern gehören z. B. kleine Büromöbel (Tisch, Stuhl, Papierkorb), einfache Computer, Drucker, Faxgeräte, Bücher, Taschenrechner, Werkzeuge usw. Auf den Zeitpunkt der Bezahlung kommt es also hier nicht an. Fallen Anschaffungszeitpunkt und Bezahlungszeitpunkt auseinander, ist folglich der Anschaffungszeitpunkt maßgebend.

Betragen hingegen die Anschaffungskosten mehr als 952.00 €  brutto, sind die Abschaffungskosten auf die übliche Dauer der Nutzung zu verteilen / abzuschreiben.

Beispiel:

Steuerzahler A hat am 28.12.01 für berufliche Zwecke einen Laptop zum Preise von 476 € (einschließlich Umsatzsteuer) erworben. Der Laptop ist somit ein geringwertiges Wirtschaftsgut. Die Rechnung vom 28.12.01 hat er absprachegemäß erst im folgenden Jahr am 20.01.02 beglichen. Weil es bei geringwertigen Wirtschaftsgütern nicht auf den Zeitpunkt der Bezahlung ankommt, vielmehr auf den Zeitpunkt der Anschaffung, ist der Kaufpreis im Jahr 01 absetzbar.