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Tipp 01.0 >> Die Einkommensteuer / Veranlagungsschema (Übersicht)

Allgemeine Steuertipps

Wer ist Steuerpflichtiger?    Was wird besteuert?     Wie hoch ist der Tarif?

So und in dieser Reihenfolge ist jedes Steuergesetz aufgebaut, auch das Einkommensteuergesetz (EStG). Wer schnell einen Überblick über ein Steuergesetz gewinnen möchte, sollte diesen drei Fragen nachgehen.

→ Wer ist Steuerpflichtiger?

Natürliche Personen mit Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthalt im Inland sind unbeschränkt einkommensteuerpflichtig (§ 1 Abs. 1 EStG).

  • Natürliche Personen

Der Einkommensteuer unterliegen nur natürliche Personen (§ 1 EStG). Eine natürliche Person ist der lebende Mensch von der Geburt bis zu seinem Tode. Auch ein Kleinkind mit Wohnsitz bei den Eltern im Inland ist somit unbeschränkt einkommensteuerpflichtig und muss Einkommensteuer zahlen, wenn es z. B. aus einer Erbschaft / Mehrfamilienhaus Einkünfte bezieht.

Im Gegensatz zu natürlichen Personen unterliegen juristische Personen / Körperschaften / Rechtsgebilde mit ihrem Einkommen der Körperschaftsteuer nach dem KStG. Eine juristische Person kann z. B. eine Kapitalgesellschaft sein (Gesellschaft mit beschränkter Haftung / GmbH) sein, die mit ihrem Einkommen der Körperschaftsteuer unterliegt. Wenn die Kapitalgesellschaft an Gesellschafter einen Gewinn ausschüttet, ist dieser zusätzlich als Kapitalertrag beim Gesellschafter steuerpflichtig (§ 20 EStG).

Eine Personengesellschaft / GbR / OHG / KG hingegen ist keine juristische Person, vielmehr ein Zusammenschluss von natürlichen Personen. Sie haften für die Schulden der Gesellschaft im Gegensatz zur Kapitalgesellschaft mit ihrem  persönlichen Vermögen. Davon ausgenommen sind in einer KG nur die Kommanditisten.

Der Gewinn, den die Personengesellschaft erzielt, ist anteilig von den Gesellschaftern zu versteuern (§ 15 EStG). Nach Absprache / Vertrag können die Gesellschafter während des Jahres Gewinnanteile entnehmen. Die Entnahmen sind steuerlich nicht von Belang.

  • Wohnsitz im Inland

Weitere Voraussetzung für die unbeschränkte Steuerpflicht ist ein Wohnsitz im Inland (§ 8 AO). Einem Wohnsitz gleichgestellt ist ein gewöhnlicher / längerer Aufenthalt im Inland ohne Wohnsitz, z. B. Aufenthalt in einem Hotel mit einer Aufenthaltsdauer von mehr als sechs Monaten / 185 Tagen (§ 9 AO). Wenn der Aufenthalt ausschließlich zu Besuchs-, Erholungs-, Kur- oder ähnlichen privaten Zwecken genommen wird und nicht länger als ein Jahr / 365 Tage dauert, liegt kein gewöhnlicher Aufenthalt vor.

Unbeschränkte Einkommensteuerpflicht

Die unbeschränkte Einkommensteuerpflicht erstreckt sich auf sämtliche Einkünfte des Steuerpflichtigen, den inländischen und den ausländischen. In diesem Zusammenhang sind internationale Abkommen zur Vermeidung einer doppelten Besteuerung (im Inland und im Ausland) zu beachten (DBA / § 2 AO).

Zeitweise im Inland

Wer nur zeitweise unbeschränkt einkommensteuerpflichtig war (z. B. wegen Wohnsitzverlegung vom / ins Ausland), wird für das ganze Kalenderjahr im Rahmen einer Veranlagung zur unbeschränkten Steuerpflicht veranlagt (§ 2 Abs.7 EStG).

Grenzgänger

Ein Grenzgänger hat keinen gewöhnlichen Aufenthalt im Inland, wenn er sich regelmäßig nur zur Arbeit im Inland aufhält, da er nur vorübergehend im Inland ist. Hat er indessen unter der Woche eine Unterkunft im Inland und fährt nur an den Wochenenden oder im Urlaub in sein Heimatland, hat er im Inland einen Wohnsitz und ist unbeschränkt einkommensteuerpflichtig.

Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht

Wer im Inland keinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt hat, aber inländische Einkünfte i. S. d. § 49 EStG und seine gesamten Einkünfte im Kalenderjahr zu mindestens 90 % der deutschen Einkommensteuer unterliegen, kann auf Antrag als unbeschränkt einkommensteuerpflichtig behandelt werden (§ 1 Abs. 3 EStG). Das gilt auch, wenn die nicht der deutschen Einkommensteuer unterliegenden Einkünfte den Grundfreibetrag nach § 32a Absatz 1 Satz 2 Nummer 1 nicht übersteigen.

Durch die Behandlung als unbeschränkt Steuerpflichtiger kann er mit seinem Ehepartner zusammenveranlagt werden (mit Splittingtarif) und kann Steuervergünstigen in Anspruch nehmen, die ihm als beschränkt Steuerpflichtigen verwehrt sind (§ 50 EStG).

Veranlagungsformen

Bei unbeschränkter Steuerpflicht wird jeder Steuerpflichtige einzeln zur Einkommensteuer veranlagt (§ 25 EStG). Ehepartner können zwischen der Einzelveranlagung und der Zusammenveranlagung wählen (§ 26 EStG). Im Falle der Zusammenveranlagung wird der Splittingtarif angewendet.

  • Wohnsitz im Ausland

Personen mit Wohnsitz im Ausland sind beschränkt einkommensteuerpflichtig mit ihren inländischen Einkünften i. S. des § 49 EStG. Bei beschränkter Steuerpflicht ist der besondere Hauptvordruck ESt 1C zu verwenden.

Beschränkte Einkommensteuerpflicht

Eine Veranlagung nach den Regeln der beschränkten Steuerpflicht unterscheidet sich erheblich von der Veranlagung nach den Regeln der unbeschränkten Steuerpflicht (§§ 49 und 50 EStG / keine Zusammenveranlagung von Ehepartnern , somit keine Splitting; keine Sonderausgaben; keine außergewöhnlichen Belastungen). Die Einkommensteuer bemisst sich bei beschränkt Steuerpflichtigen nach dem Grundtarif ohne Berücksichtigung des Grundfreibetrags.

Rentner im Ausland

Aus Deutschland stammende Renteneinkünfte i. S. d. § 22 EStG zu den inländischen Einkünften nach § 49 Abs. 1 EStG. Wer als Rentner seinen Wohnsitz im Ausland hat, muss seine Renteneinkünfte in Deutschland versteuern. Das Finanzamt Neubrandenburg ist zentral zuständige für die Veranlagung von Rentnern mit Wohnsitz im Ausland.

→ Was wird besteuert?

Der Einkommensteuer unterliegen

1. Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft / Anlage L

2. Einkünfte aus Gewerbebetrieb / Anlage G

3. Einkünfte aus selbständiger Arbeit / Anlage S

4. Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit / Anlage N

5. Einkünfte aus Kapitalvermögen / Anlage KAP

6. Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung / Anlage V

7. Sonstige Einkünfte i. S. des § 22 EStG / Anlage R oder SO,

die der Steuerpflichtige erzielt. Zu welcher Einkunftsart die Einkünfte im einzelnen Fall gehören, bestimmt sich nach den §§ 13 bis 24 EStG.

  • Einkünfte

Einkünfte sind bei den Einkunftsarten 1 bis 3 der Gewinn / der Verlust (§§ 4 bis 7 EStG). Einkünfte bei den Einkunftsarten 4 bis 7 sind der Überschuss der Einnahmen über die Werbungskosten oder der Verlust (§§ 8 bis 9a EStG).

  • Festsetzung / Erhebung / Veranlagung der Einkommensteuer

Die Einkommensteuer wird nach Ablauf des Kalenderjahres (Veranlagungszeitraum) nach dem Einkommen veranlagt, das der Steuerpflichtige in diesem Veranlagungszeitraum bezogen hat, soweit nicht nach § 43 Absatz 5 EStG (wegen Kapitalertragsteuer) und § 46 EStG (wegen Lohnsteuer) eine Veranlagung unterbleibt.

  • Kapitalertragsteuer / Abgeltungsteuer

Bei privaten Kapitalerträgen wird die Einkommensteuer durch Abzug vom Kapitalertrag (Kapitalertragsteuer) erhoben. Nach § 43 Abs. 5 EStG ist die Einkommensteuer für Kapitalerträge (§ 20 EStG), soweit sie der Kapitalertragsteuer / Abgeltungsteuer unterlegen haben, mit dem Steuerabzug abgegolten.

  • Lohnsteuer

Bei Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit wird die Einkommensteuer durch Abzug vom Arbeitslohn erhoben (§ 38 EStG). Eine Veranlagung zur Einkommensteuer wird nur durchgeführt in den Fällen des § 46 Abs. 2 EStG.

Die wichtigsten Fälle sind

  1. Nebeneinkünfte von mehr als 410 € im Jahr.
  2. Der Arbeitnehmer hat nebeneinander (gleichzeitig) von  mehreren Arbeitgebern Arbeitslohn bezogen.
  3. Ehepartner haben beide Arbeitslohn bezogen. Bei einem von ihnen ist die Lohnsteuer nach der Steuerklasse V oder VI einbehalten oder bei der Steuerklasse IV das Faktorverfahren angewendet worden.
  4. Das Finanzamt hat einen Freibetrag eingetragen, z. B. für erhöhte Werbungskosten oder Sonderausgaben oder wegen eines voraussichtlichen Verlustes aus Vermietung und Verpachtung.

Antragsveranlagung

Arbeitnehmer können einen Antrag auf Veranlagung stellen, ohne dass dafür besondere Voraussetzungen erfüllt sein müssten, mit der Steuervergünstigungen wegen Werbungskosten, Sonderausgaben, außergewöhnlicher Belastungen oder haushaltsnaher Aufwendungen.

→ Wie hoch ist der Tarif?

Der Einkommensteuertarif ist in § 32a EStG geregelt. Danach steht jedem Steuerpflichtigen ein Grundfreibetrag zu, mit dem das sächliche Existenzminimum steuerfrei gestellt wird.

Auf das zu versteuernde Einkommen wird nach der Formel des § 32a EStG der Grundtarif angewendet. In § 32a Abs. 5 finden sich die Vorschriften zum Splittingverfahren bei zusammenveranlagten Ehepartnern sowie in Abs. 6 die Sonderfälle zur Anwendung des Splittingverfahrens bei Auflösung der Ehe durch Tod (Witwensplitting) und bei anschließender Wiederverheiratung (Gnadensplitting).

  • Aufbau des Einkommensteuertarifs

Der Tarif enthält mehrere Zonen.

Zone Grundfreibetrag

Steuerfrei sind zunächst das zu versteuernde Einkommen bis zum Grundfreibetrag von 9.000 / 18.000 € (Alleinstehende / Ehepartner / Wert für 2018). Durch den Grundfreibetrag soll das notwendige Existenzminimum von der Steuer freigestellt werden. Es folgt der Progressionsbereich.  

Progressionszone

Progression bedeutet hier: Mit wachsendem Einkommen steigt der Durchschnittssteuersatz. Die Progression beginnt mit einem Eingangssteuersatz von 14 %. Sodann steigt der Tarif bis zu dem Grenzsteuersatz von 42 % progressiv an.

Ab einem bestimmten Einkommen beträgt der Grenzsteuersatz 45 %. Der Aufschlag von 3 % wird als Reichensteuer bezeichnet.

Tarifentwicklung in der Grundtabelle

Durch Gesetz v. 20.12.2016 sind die Grundfreibeträge für 2017 und 2018  erhöht worden. Zum weiteren Abbau der sog. kalten Progression ist eine weitere Rechtsverschiebung aller übrigen Tarif-Eckwerte für 2017 um 0,73 % und für 2018 um 1,65 % erfolgt.

  2017 2018
Grundfreibetrag 8.820 € 9.000 €
Eingangssteuersatz 14 % 8.821 € bis 13.769 € 9.001 bis 13.996 €
Progressionszone 14 bis 42 % 13.770 € bis 54.057 € 13.997 bis 54.949 €
Spitzensteuersatz 42 % 54.058 € bis 256.303 € 54.950 bis 260.532 €
Reichensteuer 45 % ab 256.304 € 256.533 €

Beim Splittingtarif verdoppeln sich die Beträge. 

  • Kalte Steuerprogression

Die kalte Steuerprogression entwickelt sich im Zusammenspiel von Inflation und den mit den Lohnerhöhungen wachsenden Steuersätzen.

Lohnerhöhungen gleichen oft nur den Preisanstieg aus. Der Arbeitnehmer hat zwar mehr Geld auf dem Konto, kann sich aber wegen Inflation nicht mehr leisten. Die dadurch bedingte höhere Einkommensteuer / Lohnsteuer führt dann zum Kaufkraftverlust. Weil dieser Effekt nicht sofort sichtbar wird, sondern sich erst nach und nach aufbaut, spricht man von einer kalten / heimlichen Steuererhöhung.

Der Effekt der kalten Progression ändert sich von Jahr zu Jahr. Fallen die Lohnabschlüsse vergleichsweise hoch aus, während die Inflation niedrig ist, ist keine kalte Steuerprogression zu verzeichnen, im umgekehrten Fall schlägt die kalte Progression zu. Im Prinzip interessiert den Fiskus die Inflation nicht. Er beruft sich auf das so genannte Nominalwertprinzip (Euro ist gleich Euro). Danach darf die Inflation bei der Berechnung der Steuer nicht berücksichtigt werden (BFH-Urteil vom 27.7.1967 - IV 300/64).

Zum Ausgleich der kalten Steuerprogression erfolgt regelmäßig eine Rechtsentwicklung des Tarifs in Höhe eines bestimmten Prozentsatzes.

→ Das Veranlagungsschema (§ 2 EStG)

Das Veranlagungsschema zeigt den Gang der Berechnung des zu versteuernden Einkommens (§ 2 EStG). Sie erkennen, wie sich die Einkünfte, Freibeträge und Steuerermäßigungen auf die Höhe des Einkommens und damit auf die Höhe der Einkommensteuer auswirken.

Veranlagungsschema 2018

 

1. Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft / Anlage L    ..... €
2. Einkünfte aus Gewerbebetrieb / Anlage G    ..... €
3. Einkünfte aus selbständiger Arbeit / Anlage S    ..... €
4. Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit: / Anlage N    
Arbeitslohn lt. Lohnsteuerbescheinigung  ..... €  
- Werbungskosten, mindestens 1.000 € / 102 €  ..... €  
- Versorgungsfreibetrag  ..... €  
Verbleiben Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit ..... €  >..... €
5. Einkünfte aus Kapitalvermögen / Anlage KAP    
Einnahmen lt. Steuerbescheinigung  ..... €  
- Sparer-Pauschbetrag 801 / 1.602 €  ..... €  
 Verbleiben Einkünfte aus Kapitalvermögen  ..... €  > ..... €
 6. Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung / Anlage V    ..... €
 7. Sonstige Einkünfte    
Rentenbezüge / Anlage R  ..... €  
- Rentenfreibetrag  ..... €  
- Werbungskosten-Pauschbetrag  ..... €  
Andere Sonstige Einkünfte / Anlage SO  ..... € > ..... €
Summe der Einkünfte    ..... €
- Altersentlstungsbetrag    ..... €
- Entlastungsbetrag für Alleinerziehende    ..... €
Gesamtbetrag der Einkünfte    ..... €
- Verlustabzug / Hauptvordruck    ..... €
- Vorsorgeaufwendungen / Anlage Vorsorgeaufwand  ..... €  
- Übrige Sonderausgaben (für Berufsausbildung,
   Kirchensteuer, Spenden, mind. Pauschbetrag 36 € pro Person) / Hauptvordruck
 ..... €  
- Außergewöhnl. Belastungen (z. B Krank-  heitskosten, Körperbehinderung) / Hauptvordruck  ..... €  
Einkommen  ..... € > ..... €
- Kinderfreibetrag / Anlage Kind    ..... €
Zu versteuerndes Einkommen    ..... €
Tarifliche Einkommensteuer nach der Grund- oder Splittingtabelle    ..... €
- Steuerermäßigungen z. B. für Parteispenden, haushaltsnahe Dienstleistungen / Handwerkerrechnungen / Hauptvordruck     ..... €
+ Kindergeld, wenn Kinderfreibeträge günstiger / Anlage Kind    ..... €
 - geleistete Vorauszahlungen    ..... €
Erstattungsbetrag / Abschlusszahlung    ..... €