Helfer in Steuersachen

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Tipp 01.3 Antrag auf Verlustvortrag

Hauptvordruck Zeile 2

Verluste sind bei der Steuer bares Geld wert, denn sie können das Einkommen und damit die Steuerlast mindern.

Verlust ist im Gegensatz zu Gewinn ein Fehlbetrag bei der Ermittlung der Einkünfte. Bitte Zeile 2  ankreuzen, wenn das Finanzamt einen verbleibenden Verlustvortrag feststellen soll. Damit hat es folgende Bewandtnis:

Eine Verrechnung steuerlicher Verluste geschieht durch Verlustausgleich (§ 2 Abs. 3 EStG) oder Verlustabzug (§ 10d EStG).

  • Verlustausgleich innerhalb des Verlustentstehungsjahres,
  • Verlustabzug durch Verlustrücktrag in das Vorjahr,
  • Verlustabzug durch Verlustvortrag in spätere Jahre.

⇒   Antrag auf Feststellung eines Verlusts / Zeile 2

Sind im aktuellen Jahr negative Einkünfte nicht oder nicht vollständig ausgeglichen worden, stellen sie hier einen Antrag auf Feststellung dieser Verluste. Kreuzen Sie dazu Zeile 2 an und machen Sie die Verluste in einer Anlage N geltend, wenn es sich um berufliche Aufwendungen handelt. Die festgestellten Verluste werden automatisch  in das Vorjahr zurücktragen oder auf Ihren Antrag hin in künftige Jahre vorgetragen.

Beispiel 1: Sie waren arbeitslos

Sie waren im Jahr 2018 arbeitslos und deswegen ohne Einkünfte. Damit das Finanzamt Ihre Ausgaben für Fortbildung, Bewerbungsschreiben, berufsbedingte Fahrtkosten etc. in 2019 als Verluste berücksichtigt, geben Sie eine Einkommensteuererklärung 2018 ab und kreuzen in Zeile 2 das entsprechende Auswahlfeld an. Außerdem machen Sie in der Anlage N Ihre Werbungskosten geltend.

Beispiel 2: Als Student Verluste durch Fortbildungskosten

Die Gesamtkosten für ein BWL-Studium im zweiten Ausbildungsgang können Sie als Werbungskosten / Fortbildungskosten geltend machen. Weil Sie Ihre bisherige Wohnung beibehalten haben, sind die Aufwendungen für die Wohnung am auswärtigen Ausbildungsplatz und die Heimfahrten als Werbungskosten absetzbar

Für die Berechnung der Werbungskosten gelten hierfür die Regeln zur doppelten Haushaltsführung entsprechend. Insgesamt sind Ihnen durch die doppelte Haushaltsführung, ferner durch Studiengebühren, Bücher, Computer etc. in 2018 Fortbildungskosten in Höhe von 12.000 € entstanden.

Für 2018 geben Sie eine Einkommensteuererklärung ab mit dem Ziel, für dieses Kj. einen Verlust feststellen zu lassen, den Sie mit Ihren künftigen Einnahmen - ab dem Kj. 2019 oder 2020 - verrechnen wollen. Dazu kreuzen Sie in Zeile 2 das entsprechende Kästchen an und machen in der Anlage N Ihre Fortbildungskosten in Höhe von 12.000 € geltend.

⇒   Verlustausgleich im Einzelnen

Bei der Veranlagung zur Einkommensteuer werden zunächst die Verluste innerhalb derselben Einkunftsart miteinander ausgeglichen, wenn der Steuerzahler mehrere Einkunftsquellen derselben Einkunftsart hat, z. B. mehrere Mietobjekte, die Verluste, aber auch Überschüsse erbracht haben. In einem zweiten Schritt werden Verluste mit Gewinnen oder Überschüssen aus anderen Einkunftsarten miteinander ausgeglichen (§ 2 Abs. 3 EStG).

Es gibt indessen Einschränkungen. So dürfen Verluste aus Kapitalvermögen nicht mit Einkünften aus anderen Einkunftsarten ausgeglichen werden. Desgleichen dürfen Verluste aus Aktienverkäufen nur mit Gewinnen aus Aktienverkäufen ausgeglichen werden (§ 20 Abs. 6 EStG). Ferner dürfen Verluste aus privaten Spekulationsgeschäften nur mit Gewinnen aus Spekulationsgeschäften ausgeglichen werden (§ 23 Abs. 3 EStG). Der Ausgleich von Verlusten im Ausland wird durch § 2a EStG eingeschränkt.

⇒   Verlustabzug im Einzelnen

Nicht ausgeglichene Verluste werden wie Sonderausgaben abgezogen (Verlustabzug gem. § 10d EStG).  Der Verlustabzug findet statt als Verlustrücktrag in das Vorjahr oder als Verlustvortrag in künftige Jahre.

Verlustrücktrag

Ergibt sich im laufenden Jahr ein negativer Gesamtbetrag der Einkünfte (nur negative Einkünfte / Verluste) oder die negativen Einkünfte sind höher als die positiven, kann die Veranlagung des Vorjahres noch einmal geändert werden (Verlustrücktrag in das Vorjahr / § 10d Abs. 1 EStG).

Dies bedeutet: Sind die Verluste eines Kalenderjahres insgesamt höher als die positiven Einkünfte, ergibt sich ein Verlustüberhang. Dieser Verlustüberhang - der verbleibende Verlust – wird vom Finanzamt automatisch mit positiven Einkünften des Vorjahres verrechnet (Verlustrücktrag). Hierfür ist von Ihnen keine Eintragung erforderlich. Sie erhalten in diesem Fall für das Vorjahr automatisch einen neuen Steuerbescheid.

Verlustvortrag

Den Verlustvortrag müssen Sie ausdrücklich beantragen (Hauptvordruck Zeile 2). Bitte ankreuzen, wenn das Finanzamt einen Verlustvortrag feststellen soll.

Über einen - nach Verlustrücktrag - verbleibenden Verlust erhalten Sie einen gesonderten Steuerbescheid (Feststellungsbescheid / § 10d Abs. 4 EStG), der für das  nächste Kalenderjahr gilt (Bindungswirkung hat, weil er ein Grundlagenbescheid ist).

Dies bedeutet: Auch wenn Sie in einem einzelnen Jahr nur Verluste haben, sollten Sie eine Steuererklärung abgeben, damit diese Verluste steuerlich festgestellt  werden können.

⇒   Verbleibender Verlustvortrag / Hauptvordruck Zeile 94

Wurde für Sie oder für Ihren Ehepartner zum 31.12.2018 ein verbleibender Verlustvortrag festgestellt (Antrag in Zeile 2 des Hauptvordrucks), kreuzen Sie in Zeile 94 des Hauptvordrucks das entsprechende Auswahlfeld an. Der Verlustvortrag wird dann automatisch vom Finanzamt bei der Veranlagung für 2019 berücksichtigt.

⇒   Beschränkung des Verlustrücktrags / Hauptvordruck Zeile 95 

Der Verlustrücktrag nach 2017 für nicht ausgeglichene Verluste 2018 kann der Höhe nach beschränkt werden. Falls Sie den Verlustrücktrag der Höhe nach beschränken möchten, geben Sie in Zeile 95 an, mit welchem Betrag die Verluste zurückgetragen werden sollen. Durch die Beschränkung des Verlustrücktrags können Sie erreichen, dass Verluste nur insoweit zurückgetragen werden, als sie sich steuerlich auswirken. So schonen Sie Ihre Verluste und verschenken sie nicht.

Verluste schonen

Der Kniff bei der Schonung der Verluste besteht darin, die verbleibenden Verluste nur insoweit einzusetzen, dass Sie im Vorjahr auf Steuer 0.- € kommen. 

Dies mag folgendes Beispiel zeigen:

Höhe der Einkünfte 2018 2019
Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit 50.000 € 50.000 €
Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung - 35.000 € - 70.000 €
Summe der Einkünfte 15.000 € - 20.000 €

Der nicht ausgeglichene Verlust 2019 von 20.000 € wird automatisch per Verlustabzug in das Vorjahr 2018 zurückgetragen und mit den Einkünften von 15.000 verrechnet.

Begrenzung der Verluste: Null €uro eintragen

In 2018 haben Sie indessen ohnehin wegen der Grundfreibeträge und hoher Sonderausgaben (Vorsorgeaufwendungen) keine Steuern bezahlt. Also tragen Sie in > Zeile 95 des Hauptvordrucks >>0<< Euro ein und bewirken damit, dass der nicht ausgeglichene Verlust 2019 nach 2020 vorgetragen wird.

Quelle: § 10d EStG