Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

Tipp 03.5 Splittingtarif behalten – flexibel bleiben im Denken

Hauptvordruck, Zeilen 15 und 24

Leben Sie von Ihrem Ehepartner getrennt, genügt für den Splittingtarif im ersten Trennungsjahr bereits ein Tag, an dem Sie noch zusammen gelebt haben. Das kann der 01. Januar gewesen sein. Oder zwischendurch mindestens einen Monat, in dem Sie einen Versöhnungsversuch unternommen haben. Andere Leute gehen dieses Problem ganz locker an:

⇒    Finanzamt weiß von der Trennung nichts

„Wo liegt das Problem", fragen sich die Eheleute Klaus und Petra beim Lesen dieser Zeilen. Klaus hat zwar am auswärtigen Arbeitsort eine neue Lebenspartnerin gefunden, mit der er dort in einer Mietwohnung zusammenlebt. Die einschneidenden finanziellen Folgen einer Scheidung (Wegfall des Splittingtarifs, Zugewinnausgleich, reguläre Unterhaltszahlungen) würden den finanziellen Spielraum jedoch erheblich einschränken, zumal Klaus steuerlich auch doppelte Haushaltsführung geltend macht und dafür einen Steuerbonus kassiert. Deshalb kommt für die Eheleute eine Scheidung nicht in Betracht. Sie geben nach wie vor einen gemeinsamen Wohnsitz an, unterschreiben ferner eine gemeinsame Steuererklärung und beantragen darin die Zusammenveranlagung.

Klaus rechtfertigt sich: „Erstens lebe ich nicht dauernd getrennt, sondern vielleicht nur vorübergehend. Denn wie schnell kann eine neue Partnerschaft in die Brüche gehen. Der Splittingtarif steht mir ohnehin zu, weil ich nicht nur gegenüber einer Frau, sondern gegenüber zwei Frauen meiner Unterhaltsverpflichtung nachkomme."

Diese Argumente erscheinen zwar logisch, haben indessen keine Grundlage in unseren Steuergesetzen. Und dennoch klappt der Laden.

⇒    Keine gemeinsame Wohnung mehr

Für den Splittingtarif kein Problem, auch wenn die Ehepartner zwar für eine nicht absehbare Zeit in getrennten Wohnungen leben, aber die eheliche Wirtschaftsgemeinschaft dadurch aufrecht erhalten, dass sie die sie berührenden wirtschaftlichen Fragen gemeinsam erledigen und gemeinsam über die Verwendung des Familieneinkommens entscheiden. Die Ehepartner leben unter diesen Umständen nicht dauernd getrennt  (FG Münster 22.02.2017 - 7 K 2441/15 E)

Quelle: §§ 26, 26a und 32a EStG