Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

Tipp 02.4 Kirchensteuermerkmal Zeile 20

Hauptvordruck Zeile 20

Verwenden Sie im Hauptvordruck in Zeile 20 den für Sie relevanten Religionsschlüssel Ihrer Religionsgemeinschaft. Als Arbeitnehmer können Sie den Religionsschlüssel verwenden, der in der Lohnsteuerbescheinigung steht.

  • Kirchensteuerpflicht

Sind Sie Mitglied einer Religionsgemeinschaft, die in Deutschland als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt ist, sind Sie automatisch kirchensteuerpflichtig (Art. 140 GG). Die Kirchensteuerpflicht gilt unabhängig von der Staatsangehörigkeit und dem Lebensalter. So wird man z. B. Mitglied in der evangelischen und römisch-katholischen Kirche durch die Taufe. Die Kirchensteuern vom Einkommen einschließlich Kirchgeld sind bei der Veranlagung zur Einkommensteuer als Sonderausgaben absetzbar (§ 10 Abs. 1 Nr. 4 EStG).

Die Kirchensteuer beträgt in den Ländern Baden-Württemberg und Bayern 8 % der Lohnsteuer, in allen anderen Bundesländern 9 %. In manchen Bundesländern wird ein Mindestbeitrag erhoben, aber nur, wenn Lohnsteuer angefallen ist.

  • Kappung der Kirchensteuer

Unter Kappung der Kirchensteuer versteht man die Festlegung eines Höchstbetrages. Dazu mehr im nächsten Beitrag.

  • Steuerzahler islamischen Glaubens

Steuerzahler islamischen Glaubens mit Wohnsitz in Deutschland sind nicht kirchensteuerpflichtig, der Arbeitgeber darf also keine Lohn-Kirchensteuer einbehalten. Entsprechendes gilt für Angehörige der Anglikanischen Kirche. Beide sind in Deutschland nicht als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt. 

Spenden an eine Moschee sind indessen als Sonderausgaben absetzbar, wenn die Moschee im Rahmen eines gemeinnützigen Vereins betrieben wird (Sächsisches FG Urteil vom 11.01.2011 - 2 K 1429/10).

  • Kirchenaustritt / ein Monat Bedenkzeit

Bei Kirchenein- oder -austritt oder Wechsel der Religionszugehörigkeit fügen Sie bitte die entsprechenden Nachweise bei. Machen Sie die für Ehepartner vorgesehenen Angaben auch dann, wenn dieser keine Einkünfte bezogen hat. 

Bei Kirchenaustritt wird die Befreiung von der Kirchensteuer erst mit Beginn des übernächsten Monats wirksam, nachdem der Kirchenaustritt beim Amtsgericht erklärt worden ist. Denn das Gesetz billigt den Gläubigen, die austreten wollen, einen Monat Bedenkzeit zu, um die sich indessen die Befreiung von der Kirchensteuer verzögert (§ 2 des Thüringer Gesetzes zur Regelung des Kirchensteuerwesens). Ein Kirchenaustritt z. B. im März ist also erst wirksam ab 1. Mai. Dagegen können sich die Gläubigen nicht wehren, weil unser oberstes Verfassungsgericht die Bedenkzeit als rechtens abgesegnet hat. Ferner ist die beim Kirchenaustritt während eines Kalenderjahres vorgesehene Zwölftelung der Kirchensteuer zulässig (BFH, Urteil v. 15. 10. 1997, I R 33 / 97). Kopie der Austrittsbescheinigung des Amtsgerichts bitte beifügen.

  • Kirchenaustritt / Ehegattenregelung

Leben Ehepartner in konfessionsgleicher Ehe (beide gehören derselben Kirche an), wird der Kirchensteuersatz bei Zusammenveranlagung auf die gemeinsame Einkommensteuer angewandt, bei der Einzelveranlagung auf die Einkommensteuer des jeweiligen Ehegatten.

Leben die Ehepartner in konfessionsverschiedener Ehe (sind verschiedenen Kirchen gegenüber steuerpflichtig),  bemisst sich die  Kirchensteuer bei jedem Ehepartner

  • im Fall der Zusammenveranlagung je aus der Hälfte der gemeinsamen Steuerschuld (Halbteilungsgrundsatz) und
  • bei der Einzelveranlagung aus der Steuerschuld für den jeweiligen Ehegatten.

Leben die Ehepartner in glaubensverschiedener Ehe (nur einer ist kirchensteuerpflichtig), fällt Kirchensteuer nur für das Kirchenmitglied an. Im Fall der Zusammenveranlagung ist die anteilige Kirchensteuer nach dem Verhältnis der Steuer zu ermitteln, wie es sich durch Anwendung der Grundtabelle auf die Summe der Einkünfte eines jeden Ehegatten ergibt. Im Fall der Einzelveranlagung bemisst sich die Kirchensteuer nach der Steuerschuld des kirchensteuerpflichtigen Ehegatten. 

  • Auswirkung des Kirchenaustritts

Die Kirchensteuer einschließlich Kirchgeld ist bei der Veranlagung zur Einkommensteuer als Sonderausgabe abzugsfähig. Damit wirken sich alle Steuerspartipps zur Einkommensteuer und zur Lohnsteuer automatisch steuermindernd auch auf die Kirchensteuer aus.

Ein Kirchenaustritt führt zunächst dazu, dass die Kirchensteuer wegfällt. Andererseits erhöht sich die Einkommensteuer und der SolZ, weil die Kirchensteuer als Sonderausgabe wegfällt. Nur der Saldo wirkt sich steuersparend aus.

Beispiel:

Steuerzahler A ist aus der Kirche ausgetreten. Seine tarifliche Einkommensteuer betrug im Durchschnitt ca. 600.000 €. Bei einem Kirchensteuersatz von 9 % betrug die Kirchensteuer im Durchschnitt 54.000 €. Durch den Wegfall der Kirchensteuer als Sonderausgaben erhöht sich die tarifliche Einkommensteuer um 45 % von 54.000 € auf 624.300 € und der Solidaritätszuschlag um 5.5 % von 54.000 € = 1.336 €

Die Steuerersparnis durch den Kirchenaustritt beträgt somit nur noch (54.000 € - 24.300 € - 1.336 € =) 28.364 €.

  • Kirchensteuer auf Kapitalerträge

Ab 2015 hält die Bank automatisch Kirchensteuer auf abgeltungsteuerpflichtige Kapitalerträge ein, wenn der Kunde kirchensteuerpflichtig ist. Dazu wird von der Bank einmal jährlich beim Bundeszentralamt für Steuern das so genannte »Kirchensteuerabzugsmerkmal« des Kunden abgefragt (§ 51a EStG).

Die in der Steuerbescheinigung ausgewiesene Kirchensteuer auf Kapitalerträge ist nicht als Sonderausgaben absetzbar, weil bereits bei der Abgeltungsteuer von 25 % ein Abschlag wegen des gesetzlichen Sonderausgabenabzugs vorgenommen wird. Dies führt bei einem Kirchensteuersatz von 9 % zu einem Abgeltungssteuersatz von 24.45 % = Divisor 4.09, bei einem Kirchensteuersatz von 8 % (Bayern und Baden-Württemberg) von 24.51 % = Divisor 4.08.

Beispielsrechnung:

Zinseinkünfte bei Kirchensteuer von 9 %   1.000.00 €
Kapitalertragsteuer (1.000.00 € : 4.09) 244.49 €  
Solidaritätszuschlag (5.5 % von 244.49 €) 13.44 €  
Kirchensteuer (9 % von 244.49 €) 22.00 €  
Summe 279.93 € > 279,93 €
Gutschrift der Bank   720.07 €