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Tipp 75 Die gute alte Lebensversicherung

Anlage Vorsorgeaufwand Zeilen 7, 51 und 52

Die Kapitallebensversicherung hat nach Wegfall des Steuerprivilegs nach 2004 einiges an Attraktivität verloren, weil die Beiträge nicht mehr als Sonderausgaben abziehbar sind. Gleichwohl ist bei Fälligkeit der Unterschiedsbetrag zwischen der Versicherungsleistung und der Summe der entrichteten Beiträge als Einkünfte aus Kapitalvermögen steuerpflichtig.

Ein kleines Bonbon ist den Versicherten geblieben: Wird bei Neuverträgen die Versicherungsleistung nach Vollendung des 60. Lebensjahrs des Versicherten und nach Ablauf von zwölf Jahren seit Vertragsabschluss ausgezahlt, ist nur die Hälfte als Kapitalertrag steuerpflichtig (§ 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG). Solche Verträge werden aber erst fällig ab (Kj. 2005 plus 12 Jahre =) 2017.

Zudem sitzen Versicherer und Versicherte in der Zinsfalle, nachdem die Europäische Zentralbank seit Ausbruch der Finanzkrise in 2009 die Zinsen gesenkt hat und damit die Märkte mit billigem Geld flutet. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die Rendite und damit auf die angestrebten Sparziele. Wer sich vorgenommen hat, im Alter über eine bestimmte Summe verfügen zu können, muss mehr Geld auf die Seite legen. Denn die Vorsorge richtet sich nach der Verzinsung, aber auch nach der Inflation. Für die Altersvorsorge sind somit drei Variablen maßgebend: Zins, Inflation und Sparrate. Deren Höhe entscheidet, welcher Betrag am Ende zusammenkommt.

Beispiel:

Um ab Alter 65 eine Zusatzrente von 1 000 € zu erhalten, muss eine 33-jährige Frau folgende Sparleistungen aufbringen:

                          Rendite             Inflation           mtl. Sparrate 

                             2 %                  0,0 %                  406 €

                             2 %                  2,0 %               1 010 €

                             2 %                  2,5 %               1 268 €

Quelle: Institut für Vermögensaufbau 

Eine Verzinsung von 2 % ist nicht gerade üppig, aber es kann noch schlimmer kommen. Ab 01.01.2017 gilt nur noch ein Garantiezins von 0.9 %, die höchste gesetzlich erlaubte Garantie. Trotz Garantie kann die Beitragsrendite darunter liegen, weil sich die Garantie nur auf den Sparanteil des Versicherungsbeitrags bezieht, der im Schnitt zwischen 70 und 90 % liegt, wer weiß das schon. Der Garantiezins bezieht sich also auf die Sparsumme. Das ist die Summe der Beiträge nach Abzug der Provisionen zwischen 4 und 5 % der Versicherungssumme, ferner der Verwaltungskosten und des Risikoabschlags. Die ersten Jahre zahlt der Kunde nur für die Kosten und spart noch nichts. Fast jeder zweite Kunde hält nicht durch und verliert so viel Geld. Die Überschussbeteiligung ist eine unverbindliche Prognose.

Wenn man unbedingt will, kann man an der deutschen Lebensversicherung auch gute Seiten finden. Vielleicht gelingt es Ihnen, Ihren alten Vertrag zu optimieren, so dass Sie wieder Freude an ihm haben. Versuchen Sie Änderungen durchzudrücken, wie z. B.:

 - Zahlung des Jahresbeitrags in einer Summe,

- Verzicht auf Unfallzusatzversicherung,

- Verzicht auf Dynamik,

- Beitragsbefreiung für den Fall der Berufsunfähigkeit.

Kündigen Sie einen Vertrag möglichst nicht vorzeitig, sonst verlieren Sie noch mehr Geld!