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Tipp 02.1 Private Rentenversicherung / Rürup-Rente

Anlage Vorsorgeaufwand Zeile 7

Neue Regeln ab 01.01.2005

Die gute alte Kapital-Lebensversicherung hat seit 2005 das Wohlwollen des Gesetzgebers eingebüßt, stattdessen wird die private Rentenversicherung gefördert, auch Rürup-Rente genannt. Damit ist sichergestellt, dass der Steuerzahler im Alter auch tatsächlich Geld zur Verfügung hat und nicht der Allgemeinheit zur Last fällt.

Die private Rürup-Rentenversicherung bietet Gewerbetreibenden und Freiberuflern die einzige Möglichkeit, mit hohen Steuervorteilen eine Altersversorgung aufzubauen.

⇒   Höchstbeträge

Die Rürup-Rentenversicherung gehört zu den sog. Basis-Altersrenten, steuerlich gleichgestellt mit der gesetzlichen Rentenversicherung und den Renten aus berufsständischen Versorgungskassen der Ärzte, Rechtsanwälte etc.

Für Beiträge zu Basis-Altersrenten gelten Höchstbeträge (§ 10 Abs. 3 EStG). Die Höchstbeträge sind an die Werte der knappschaftlichen Rentenversicherung gekoppelt.

Der Höchstbetrag ergibt sich anhand des Beitragssatzes  der knappschaftlichen Rentenversicherung von 24.7 % ( Wert für 2018) und der knappschaftlichen Beitragsbemessungsgrenze von 96.000  (Wert für 2018 Alte Bundesländer) und von 85.800 ( Wert für 2018 Neue Bundesländer). Somit ergeben sich Höchstbeträge von 96.000 € x 24.7 % = 23.712 € bzw. 85.800 € X 24.7 % = 21.193 €.

Davon sind 86 % (Wert für 2018) absetzbar. Beispiel unten.

⇒    Rentenversicherung: Eine Finanzwette

Versicherungsberater empfehlen gern den Abschluss einer Rentenversicherung. Eine solche Versicherung ist eine schlichte Finanzwette zwischen der Versicherungsgesellschaft und den Versicherungsnehmern.

Gewettet wird, wie lange die tatsächliche Rentenbezugsdauer sein wird. Die sogenannte Sterbetafel per 1.1.2017 weist für Männer im Alter von 55 Jahren eine durchschnittliche Lebenserwartung von 25.61 Jahren aus. Dementsprechend geht die Versicherungsgesellschaft aus, dass ein männlicher Mittefünfziger, wenn er in diesem Alter eine Rentenvertrag abschließt, nach der Statistik in 25 Jahren im Alter von etwa 80 Jahren das Zeitliche segnet.

Beginnen die Rentenzahlungen lt. Vertrag ab Alter 65, bezieht dieser Zeitgenosse im Schnitt 15 Jahre Rente aus dieser Rentenversicherung.

Stirbt der Versicherte vor Ablauf von 15 Jahren, hat die Gesellschaft mit ihm ein gutes Geschäft gemacht, er hingegen hat verloren, weil er kürzer als erwartet Rente bezogen hat. Lebt er länger, zahlt die Gesellschaft drauf und der Versicherte hat die Finanzwette gewonnen.

Mit weiter steigender Lebenserwartung könnten Sie mit einer Rentenversicherung Gewinner sein. Doch die Assekuranz ist schlau und mächtig. Durch neue Sterbetafeln darf die spätere Rente niedriger ausfallen. Wer letztlich gewinnt ist offen.

Für den Versicherungsberater ist eine Rentenversicherung lukrativ, weil sie ihm eine hohe Abschlussprovision beschert, die aber Ihr Kapital schmälert. Nachteilig ist auch, dass Ihr Geld lebenslang festgelegt ist. Wenn Sie Ihr Geld statt in eine Rentenversicherung in einen Geldmarktfonds stecken, der sich im Schnitt normal  verzinst, haben Sie kapitalmäßig mehr erreicht, weil Sie unnötige Kosten vermeiden. Sie können Ihr Geldmarktkonto beliebig anzapfen oder aufstocken. Sterben Sie, geht das Guthaben in die Erbmasse, ist also nicht – wie bei einem Rentenvertrag in der Auszahlungsphase – verloren.

Beispiel:

Dr. K. hat eine private zertifizierte Rentenversicherung (sog. Rürup-Rente) abgeschlossen, die seine Altersversorgung aus dem kassenärztlichen Versorgungswerk ergänzen soll. Er hat auf diesen Vertrag monatlich 1.000,- € eingezahlt.

Von seinen Aufwendungen in Höhe von 12.000 € sind 86 % (Wert für 2018) = 10.320 € absetzbar. Bei einem Steuersatz von ca. 50 % beträgt die Steuerersparnis 5.160 €. In dieser Höhe finanziert der Fiskus die Altersversorgung des Steuerzahlers mit.

Der Steuerzahler trägt ein:

Zeile 8     Kennziffer 303                   12.000 €

Zwei Alternativen

Sein Steuerberater kommentierte diesen Vorgang so: "Mit einer Zusatzzahlung von 12.000 € in das kassenärztliche Versorgungswerk hätten Sie dasselbe erreicht und mindestens 5.000 € Gebühren und Verwaltungskosten gespart. Und in den Versorgungswerken werden diese Gelder für heutige Verhältnisse üppiger verzinst als Sie es von einem gewerblichen Versicherungsunternehmen erwarten können, derzeit mit 4 %."

Und er sagt weiter: "Eine Rente können Sie nicht vererben. Wenn Sie jährlich für 12.000 € Aktien kaufen, die eine Dividende von 4 % ausschütten, haben Sie denselben Ertrag und die Aktien bleiben über Ihren Tod hinaus in der Familie."

⇒   Rürup-Rente und Riester-Rente, was ist der Unterschied?

Beide sind umgangssprachliche Bezeichnungen nach dem Namen ihrer »Erfinder«. Rürup lockt mit Steuervorteilen, Riester lockt mit einer Sparzulage.

  • Rürup-Rente, die Rente für Gutverdiener

Ein Rürup-Rentenvertrag ist für Gewerbetreibende die einzige Möglichkeit, mit hohen Steuervorteilen für das Alter zu sparen.

Im Gegensatz zur Riester-Rente besteht die Förderung ausschließlich in der steuerlichen Absetzbarkeit der Beiträge als Vorsorgeaufwendungen. Die Förderung der Beiträge entspricht der für Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung.

Ähnlich der gesetzlichen Rentenversicherung sichert die Rürup-Rente frühestens nach dem 60. Lebensjahr eine monatliche Rentenzahlung zu. Eine einmalige Kapitalauszahlung ist ausgeschlossen. Der Vertrag muss noch weitere Voraussetzungen erfüllen: Die Ansprüche dürfen weder vererblich, übertragbar, beleihbar noch veräußerbar sein. Einzelheiten enthält das Kleingedruckte im Vertrag.

  • Riester-Rente, die Zusatzrente für Arbeitnehmer

Die Riester-Rente ist als Zusatzrente insbesondere für pflichtversicherte Arbeitnehmer und Beamte gedacht. Sie beruht auf einem Altersvorsorgevertrag. Die Anleger erhalten Sparzulagen. Besserverdienende Riester-Sparer können ihr zu versteuerndes Einkommen zusätzlich durch Abzug der Beiträge als Sonderausgaben - bis zu 2.100 € jährlich – mindern. Dazu muss die Anlage AV beigefügt werden.