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Tipp 03.0 >> Versicherungsbeiträge absetzen

Anlage Vorsorgeaufwand

Versicherungsbeiträge sind nur absetzbar, wenn der Steuerzahler Versicherungsnehmer ist und die Beiträge auch wirtschaftlich getragen hat (BFH 19.04.1989 - X R 2/84). Versicherungsnehmer ist der Vertragspartner des Versicherungsunternehmens. Versichert kann indessen eine andere Person sein.

Leistet ein Dritter für den Versicherungsnehmer die Beiträge, kann der Versicherungsnehmer diese Beiträge mangels eigener wirtschaftlicher Belastung nicht geltend machen.

Es sei denn, es handelt sich um die Vermeidung eines "Zahlungsumweges" durch vorangegangene Schenkung (statt Schenkung direkt bezahlt). In diesem Fall ist die Zahlung des Dritten absetzbar (Drittaufwand / BMF, 7.7.2008, IV C 1 - S 2211/07/10007).

Bei Ehegatten, die nach § 26b EStG zusammen veranlagt werden, ist es indessen gleichgültig, wer sie von beiden geleistet hat (R 10.1 EStR 2012).

→ Übersicht Vorsorgeaufwendungen

Zahlungszeitpunkt

Es gilt das Abflussprinzip des § 11 EStG. Ausgaben sind für das Kalenderjahr abzusetzen, in dem sie geleistet worden sind.

Höchstbeträge

Vorsorgeaufwendungen sind nur unbegrenzt absetzbar, wenn es sich um Beiträge zur Basis-Krankenversicherung und zur gesetzlichen Pflegeversicherung handelt.

In allen anderen Fällen gelten Höchstbeträge. Hierdurch wird vermieden, dass finanziell gut gestellte Steuerzahler durch hohe absetzbare Vorsorgeaufwendungen ungerechtfertigte Steuervorteile erlangen können. Über die Höchstbeträge hinausgehenden Beiträge bleiben somit unberücksichtigt.

Parallel altes Recht

Ab 2005 gilt eine neue Rechtslage für Beiträge zur Basis-Altersvorsorge. § 10 Abs. 4a EStG sieht für  Höchstbeträge der Jahre 2005 bis 2019 eine Günstigerprüfung zwischen altem und neuem Recht vor. Wegen dieser Günstigerprüfung, die bis 2019 gilt, ist die Berücksichtigung des aufgehobenen Rechts weiterhin erforderlich.

→ Basis-Altersvorsorge (Zeile 4 bis 9)

Beiträge zur Basis-Altersvorsorge sind ab 2005 nur absetzbar,  wenn sich daraus im Alter ein Rentenanspruch ergibt (§ 10 Abs. 1 Nr. 2, 3 und 3a EStG / keine Einmalauszahlung). Hierdurch wird erreicht, dass das angesparte Kapital auch tatsächlich im Alter für die Lebensführung zur Verfügung steht.

Das sind Beiträge in die

-   gesetzliche Rentenversicherung,

-   landwirtschaftliche Alterskasse,

-   berufsständische Versorgungswerke (Ärzte, Rechtsanwälte, Steuerberater),

-   kapitalgedeckte Rentenversicherung (Rürup-Rente).

-   Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung als Risiko-Baustein (Zuschlag) zur Rürup-Rentenversicherung.

Nicht leicht, die Vorsorgeaufwendungen unter Berücksichtigung der Höchstbeträge selbst zu berechnen. Kenntnisse dazu sind aber nicht unbedingt erforderlich, weil diesen Part der entsprechend programmierte Computer im Finanzamt zuverlässig übernimmt.

Höchstbetragsberechnung

Für Beiträge zu den Basis-Altersrenten Renten (der gesetzlichen Rentenversicherung, den Renten aus berufsständischen Versorgungskassen der Ärzte, Rechtsanwälte, der kapitalgedeckten Rentenversicherung (Rürup-Renten), landw. Alterskasse etc.) gelten Höchstbeträge.

Die Höchstbeträge sind an die Werte der knappschaftlichen Rentenversicherung und an die Prozentsätze aus §  10 Abs. 3 Satz 6 EStG gekoppelt.

Die Berechnung des Höchstbetrages geschieht in zwei Schritten mit jeweils einem ZwischenergebnisDas niedrigere Zwischenergebnis ist als Endergebnis maßgebend.

Beispiel für 2018

Geleisteter Jahresbeitrag in eine Rentenkasse 13.840 €

Berechnung der Höchstbeträge 2018
Beitragsbemessungsgrenze Knappschaft Rentenversicherung  
Alte Bundesländer 96.000 €
Neue Bundesländer 85.800 €
Beitragssatz Knappschaft Rentenversicherung 24.7 %  
Höchstbetrag für Alleinstehende*  
Alte Bundesländer 24.7 % von 96.000 € = 23.712 €
Neue Bundesländer 24.7 % von 85.800 € = 21.193 €
Davon 86 %  
Alte Bundesländer  (Zwischenergebnis 1)  20.393 €
Neue Bundesländer (Zwischenergebnis 1)  18.226 €
Geleisteter Jahresbeitrag in eine Rentenkasse 13.840 €
Davon 86 % (Zwischenergebnis 2) 11.903 €
Endergebnis (Der niedrigere Betrag von Zwischenergebnis 1 und Zwischenergebnis 2 ist maßgebend) 11.903 €

* Für Ehepartner, die zusammenveranlagt werden, gelten doppelte Beträge. 

Beispiel für 2019

Geleisteter Jahresbeitrag in eine Rentenkasse 14.500 €

Berechnung der Höchstbeträge 2019
Beitragsbemessungsgrenze  Knappschaft Rentenversicherung   
Alte Bundesländer 98.400 €
Neue Bundesländer 91.200 €
Beitragssatz Knappschaft Rentenversicherung 24.7 %  
Höchstbetrag für Alleinstehende  
Alte Bundesländer 24.7 % von 98.400 € 24.305 €
Neue Bundesländer 24.7 % von 91.200 € 22.527 €
Davon 88 %  
Alte Bundesländer (Zwischenergebnis 1) 21.389 €
Neue Bundesländer (Zwischenergebnis 1) 19.824 €
Geleisteter Jahresbeitrag in eine Rentenkasse 14.500 €
Davon 88 % (Zwischenergebnis 2) 12.760 €
Endergebnis (Der niedrigere Betrag von Zwischenergebnis 1 und Zwischenergebnis 2 ist maßgebend) 12.760 €

* Für Ehepartner, die zusammenveranlagt werden, gelten doppelte Beträge. 

Übersicht: Absetzbar in Prozenten (§ 10 Abs. 3 EStG)

Die Prozente entwickeln sich wie folgt:

Jahr                    2014     2015    2016     2017   2018   2019   2020 ...   2025

v.H.-Satz            78 %     80 %     82 %     84%    86 %   88 %   90 % ...   100 %  

→ Sonstige Vorsorgeaufwendungen  (Zeile 11 bis 52)

-   Beiträge der Arbeitnehmer zur gesetzlichen Sozialversicherung (ohne Renten),

-   Beiträge zu privaten Versicherungen, z. B. private Krankenversicherung, 

-   Beiträge zu Rentenversicherungen mit Kapitalwahlrecht und Laufzeitbeginn vor dem 1.1.2005,

-  Beiträge zu Kapitallebensversicherungen mit einer Laufzeit von mind. 12 J. und Laufzeitbeginn vor dem 1.1.2005,

-   Beiträge zu Unfall- und Haftpflichtversicherungen, eigenständige / selbständige Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsversicherungen,

-   Beiträge zu Risikolebensversicherungen, 

Der Abzug von Versicherungsbeiträgen ist weitgehend durch Höchstbeträge eingeschränkt.

Höchstbeträge

Die >>Sonstigen Vorsorgeaufwendungen<< werden unterteilt in Beiträge zu Basis-Kranken- und Pflegeversicherung und Beiträge zu den Übrigen Vorsorgeaufwendungen.

Beiträge zur Basis-Kranken- und Pflegeversicherung sind in voller Höhe absetzbar. Hierbei handelt es sich um eine Mindestvorsorge, die jeder Steuerzahler einrichten muss und deshalb voll absetzbar ist.

 Für die Übrigen Vorsorgeaufwendungen  gelten bestimmte Höchstbeträge.

Wichtig: Leider wirken sich die Beiträge zu den Übrigen Sonderausgaben in der überwiegenden Zahl der Fälle steuerlich nicht aus, da der Höchstbetrag für diese  Aufwendungen bereits durch die Beiträge zur Basis-Kranken- und Pflegeversicherung "verbraucht" ist.
  • Die Höchstbeträge betragen:

Für pflichtversicherte Arbeitnehmer / Beamte / Rentner 1.900 / 3.800 €*

Für andere Personen 2.800 / 5.600 €*

*Alleinstehende / Ehepaare

  • Gang der Berechnung

Bei den Höchstbeträgen wird unterschieden zwischen Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen einerseits und Beiträgen zu anderen Versicherungen wie Arbeitslosen-, Haftpflicht-, Unfall- und Lebensversicherungen andererseits.

Dabei wird zweckmäßigerweise eine Vergleichsberechnung in 2 Schritten durchgeführt:

Schritt 1:

Alle Beiträge wie Kranken- und Pflege-, Arbeitslosen-, Haftpflicht-, Unfall- und Lebensversicherungen werden zusammengerechnet und sind bis zu den Höchstbeträgen absetzbar.

Schritt 2:

Der Abzugsbetrag aus Schritt 1 wird mit den Beiträgen zur Basis-Kranken- und Pflegeversicherung verglichen. Übersteigen diese für sich gesehen die oa. Höchstbeträge, sind mindestens die Beiträge zur Basis-Kranken- und Pflegepflichtversicherung absetzbar. Die anderen Versicherungsbeiträge fallen unter den Tisch.

  • Musterfall

Die Eheleute Harms haben in 2019 zusätzlich zu den Beiträgen zur Altersversorgung folgende Versicherungsbeiträge geleistet:

Arbeitnehmeranteil zur gesetzlichen Krankenversicherung 3.800 €
Beiträge zur gesetzlichen Pflegeversicherung 483 €
Beiträge zur Arbeitslosenversicherung 658 €
Beiträge zu Haftpflichtversicherungen  590 €

Die Steuerzahler tragen ein

Zeile 12 ArbN-Anteil KV lt Nr. 25 LSt-Bescheinigung Kennziffer 320         3.800 €

Zeile 14 ArbN-Anteil PV lt. Nr. 26 LSt-Bescheinigung Kennziffer 323           483 €

Zeile 46 ArbN-BeitrG zur Arbl-Versicherung lt. Nr. 27 LSt-Bescheinigung     658 €

Zeile 50 Haftpflichtversicherungen                                                                 590 €

Den Eheleuten Harms steht ein Höchstbetrag von 3.600 € zu. Im Rahmen der Veranlagung zur Einkommensteuer zieht das Finanzamt die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung in voller Höhe von 4.283 als Vorsorgeaufwendungen ab. Damit ist der Höchstbetrag "verbraucht". Ein weiterer Abzug von anderen sonstigen Vorsorgeaufwendungen wie Beiträge zur Unfall- und Haftpflichtversicherung scheidet damit aus

Sachversicherungen nicht absetzbar

Beiträge in Sachversicherungen (für Hausrat, Kfz-Kasko etc.) sind keine Vorsorgeaufwendungen, weil sie nicht im Katalog der Sonderausgaben (§ 10 EStG) aufgeführt sind. Nach Ansicht des Gesetzgebers ist das Risiko des Verlusts oder der Beschädigung von Vermögensgegenständen nicht existenziell bedrohlich und bedarf deshalb nicht der steuerlichen Förderung. Beiträge in Sachversicherungen können indessen als Betriebsausgaben oder Werbungskosten absetzbar sein.

Aktuelles BMF-Schreiben als Anhang

Der Bundesfinanzminister hat den Finanzämtern am 24.5.2017 in einem BMF-Schreiben zu Vorsorgeaufwendungen neue Anweisungen erteilt. Das Schreiben finden Sie auszugsweise als Tipp unter Nr. 09  (BMF 24.5.2017 - IV C 3 S 2221/16).