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Tipp 15 Höchstbeträge für Vorsorgeaufwendungen

Anlage Vorsorgeaufwand

Vorsorgeaufwendungen werden unterteilt in Beiträge zur Basis-Altersversorgung (Beiträge in Rentenkassen) und in Sonstige Vorsorgeaufwendungen (z. B. Krankenversicherung, Haftpflichtversicherung), weil deren Absetzbarkeit unterschiedlich geregelt ist.

⇒    Höchstbeträge zur Basis-Altersversorgung

Die Höchstbeträge für Beiträge zur Basis-Altersversorgung (Zeile 4 bis 10) sind an die Werte der knappschaftlichen Rentenversicherung gekoppelt.

Der Höchstbeitrag ergibt sich anhand des Beitragssatzes  der knappschaftlichen Rentenversicherung von 24,8 % / 24.7 % ( Wert für 2017 / 2018) und der knappschaftlichen Beitragsbemessungsgrenze von 94.200 € / 96.000  (Wert für 2017 / 2018 Alte Bundesländer) und von 84.000 € / 85.800 ( Wert für 2017 / 2018 Neue Bundesländer).

Wichtiger Hinweis

Diese Regelungen gelten sowohl für die Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung als auch für kapitalgedeckte Renten (Rürup-Renten) und für Renten aus berufsständischen Versorgungskassen.

  • Musterfall 1 Selbständige

Dr. K., wohnhaft in Bayern,  wird mit seiner Ehefrau zusammen zur Einkommensteuer veranlagt. Er hat in 2018 an die kassenärztliche Versorgungseinrichtung der örtlichen Ärztekammer Pflichtbeiträge in Höhe von 15.469 € und freiwillige Beiträge in Höhe von 12.000 € geleistet, insgesamt also 27.469 €.

Der Steuerzahler trägt ein:

Zeile 5        Kennziffer 301            27.469 €           

Der Höchstbetrag für Basis-Rentenbeiträge in den alten Bundesländern beträgt für zusammenveranlagte Ehepartner (23.712 € x 2 =) 47.424 €. Als Rentenbeiträge sind absetzbar 86 % des Höchstbetrages = 40.785 €, höchstens aber 86 % seiner Beiträge von 27.469 € = 23.624 €

Bei einem Steuersatz von ca. 50 % beträgt die Steuerersparnis (23.624 € x 50 % =)  11.812 €. In dieser Höhe beteiligt sich der Fiskus an der Altersversorgung des Steuerzahlers.

Letztlich hat Dr. K. für seine Altersversorgung bei einer Gesamtleistung von 27.469 € nur (27.469 € ./. Steuerersparnis 11.812 € =) 15.657 € aufgewendet.

  • Musterfall 2 Arbeitnehmer

In Nr. 23 der Lohnsteuerbescheinigung sind Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung in Höhe von 2.985 € ausgewiesen. Der Arbeitgeberanteil in Nr. 22 der Lohnsteuerbescheinigung beträgt ebenfalls 2.985 €.

In die Berechnung der Vorsorgeaufwendungen wird - mit einem Teilbetrag - neben dem Arbeitnehmeranteil auch der nach § 3 Nr. 62 EStG steuerfreie Arbeitgeberanteil einbezogen (§ 10 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a EStG), der indessen abschließend zu 100 % wieder abgezogen wird (§ 10 Abs. 3 Satz 3 EStG, abgesegnet durch BFH 18.11.2009 - X R 6/08).

In Zeile 4 wird der Arbeitnehmeranteil zur gesetzlichen Rentenversicherung aus Nr. 23 der Lohnsteuerbescheinigung eingetragen. Bei der Berechnung des abzugsfähigen Betrages wird auch noch der Arbeitgeberanteil benötigt. Der Arbeitgeberanteil aus Nr. 22 der Lohnsteuerbescheinigung wird in Zeile 8 oder 9 eingetragen.

Der Steuerzahler trägt ein:

Zeile 4               Kennziffer 300        2.985 €

Zeile 8               Kennziffer 303        2.985 €

Berechnung 2018

Höchstbetrag für Alleinstehende (2018) 23.712 €
Davon 86 % (Zwischenergebnis 1) 20.392 €
Aufwendungen  
Arbeitnehmeranteil lt. Nr. 23 der Lohnsteuerbescheinigung              2.985 €
+ Arbeitgeberanteil lt. Nr. 22 der Lohnsteuerbescheinigung             2.985 €
Aufwendungen insgesamt 5.970 €
Davon 86 % 5.135 €
- Arbeitgeberanteil 100 % 2.985 €
Verbleiben (Zwischenergebnis 2) 2.150 €
Absetzbar ist der niedrigere Betrag (Endergebnis) 2.150 €

Variante für Beamte

Bei Beamten und anderen rentenversicherungsfreien Personen wird der Höchstbetrag von 23.712 / 46.424 € (Alte Bundesländer) zunächst um einen fiktiven Gesamtbeitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung gekürzt und erst dann mit 86 % angesetzt. Der Kürzungsbetrag beträgt 18,6 %. (Wert ab 2018).

⇒    Höchstbeträge zu Sonstigen Vorsorgeaufwendungen 

Die >>Sonstigen Vorsorgeaufwendungen<< werden unterteilt in Basis-Kranken- und Pflegeversicherung einerseits und Übrige - sonstige - Vorsorgeaufwendungen andererseits, weil auch hier die Absetzbarkeit unterschiedlich geregelt ist.

Während Beiträge zur Basis-Kranken- und Pflegeversicherung in voller Höhe absetzbar sind, gelten für die >>Übrigen - sonstigen - Vorsorgeaufwendungen<< Höchstbeträge.

1.   Beiträge in Kranken- und Pflegekassen

Für Beiträge zu Basisleistungen in Krankenkassen und in gesetzliche Pflegekassen gelten keine Höchstbeträge, sie sind in voller Höhe abziehbar.

Pauschale Kürzung wegen Krankengeld um 4 %

Der Beitragsanteil für Krankengeld ist nicht absetzbar. In den Beiträgen zur gesetzlichen Krankenversicherung sind keine Anteile für Krankengeld enthalten, wohl aber in den Beiträgen zur privaten Krankenversicherung. Dafür wird  eine pauschale Kürzung in Höhe von 4 % vorgenommen.

2. Andere sonstige Vorsorgeaufwendungen

Andere sonstige Vorsorgeaufwendungen sind nur im Rahmen von unterschiedlichen Höchstbeträgen absetzbar. Welche Höchstbeträge gelten, wird durch die Eintragung in Anlage Vorsorgeaufwand Zeile 10 gesteuert.

Zu den anderen Vorsorgeaufwendungen gehören insbesondere Beiträge:

  • für Wahlleistungen in die Krankenversicherung,
  • für die Arbeitslosenversicherung,
  • für Haftpflicht- und Unfallversicherungen und
  • zu Risiko-Lebensversicherungen, auch Beiträge in eine Sterbekasse.

Absetzbar sind diese Leistungen - im Rahmen von Höchstbeträgen - aber nur, wenn die Höchstbeträge noch nicht durch Beiträge zu Basisleistungen in Krankenkassen und Beiträge in Pflegekassen überschritten wurden.

  • Die Höchstbeträge betragen:

Für pflichtversicherte Arbeitnehmer / Beamte / Rentner 1.900 / 3.800 €*

Für andere Personen 2.800 / 5.600 €*

*Alleinstehende / Ehepaare

Welcher Höchstbetrag anzusetzen ist wird über die Eintragung in > Zeile 10 der Anlage Vorsorgeaufwand gesteuert.

  • Berechnung der Höchstbeträge

Bei der Berechnung des Höchstbetrages wird unterschieden zwischen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen einerseits und Beiträgen zu anderen Versicherungen wie Arbeitslosen-, Haftpflicht-, Unfall- und Lebensversicherungen andererseits.

Dabei wird zweckmäßigerweise eine Vergleichsberechnung in 2 Schritten durchgeführt:

Schritt 1:

Alle Beiträge wie Kranken- und Pflege-, Arbeitslosen-, Haftpflicht-, Unfall- und Lebensversicherungen werden zusammengerechnet und sind bis zu den Höchstbeträgen absetzbar.

Schritt 2:

Der Abzugsbetrag aus Schritt 1 wird mit den Beiträgen zur Basis-Kranken- und Pflegeversicherung verglichen. Übersteigen diese für sich gesehen die oa. Höchstbeträge, sind mindestens die Beiträge zur Basis-Kranken- und Pflegepflichtversicherung absetzbar. Die anderen Versicherungsbeiträge fallen unter den Tisch.

  • Musterfall Eheleute Harms

Die Eheleute Harms haben in 2018 zusätzlich zu den Beiträgen zur Altersversorgung folgende Versicherungsbeiträge geleistet:

Arbeitnehmeranteil zur gesetzlichen Krankenversicherung 3.800 €
Beiträge zur gesetzlichen Pflegeversicherung 483 €
Beiträge zur Arbeitslosenversicherung 658 €
Beiträge zu Haftpflichtversicherungen  590 €

Die Steuerzahler tragen ein

Zeile 12 ArbN-Anteil KV lt Nr. 25 LSt-Bescheinigung Kennziffer 320         3.800 €

Zeile 14 ArbN-Anteil PV lt. Nr. 26 LSt-Bescheinigung Kennziffer 323           483 €

Zeile 46 ArbN-BeitrG zur Arbl-Versicherung lt. Nr. 27 LSt-Bescheinigung     658 €

Zeile 50 Haftpflichtversicherungen                                                                 590 €

Den Eheleuten Harms steht ein Höchstbetrag von 3.600 € zu. Im Rahmen der Veranlagung zur Einkommensteuer zieht das Finanzamt die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung in voller Höhe von 4.283 als Vorsorgeaufwendungen ab. Damit ist der Höchstbetrag verbraucht. Ein weiterer Abzug von anderen sonstigen Vorsorgeaufwendungen wie die Beiträge zur Unfall- und Haftpflichtversicherung scheidet damit aus

Quelle: § 10 Abs. 1 Nr. 2, 3 3a EStG und § 10 Abs. 2 bis 5 EStG.