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Tipp 03.2 Höchstbeträge für die Altersvorsorge

Anlage Vorsorgeaufwand

⇒ Höchstbeträge für Vorsorgeaufwendungen

Für den Abzug von Vorsorgeaufwendungen als Sonderausgaben gelten unterschiedliche Höchstbeträge, je nachdem, ob es sich um Vorsorgeaufwendungen

a) für die Altersvorsorge (§ 10 Abs. 3 EStG / Beiträge in Rentenkassen) und

b) für Sonstige Vorsorgeaufwendungen (§ 10 Abs. 4 und 4a EStG / Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Haftpflichtversicherung usw.) handelt. 

⇒   Höchstbetrag für die Altersvorsorge

Der Höchstbetrag für Beiträge zur Altersvorsorge (Basis-Rentenversicherung) ist an zwei Werte gekoppelt: Erstens an die Werte der knappschaftlichen Rentenversicherung und an die Prozentsätze aus §  10 Abs. 3 Satz 6 EStG.

Die Berechnung des Höchstbetrages geschieht in zwei Schritten mit jeweils einem ZwischenergebnisDas niedrigere Zwischenergebnis ist als Endergebnis maßgebend.

Zwischenergebnis 1

Das erste Zwischenergebnis ergibt sich anhand des Beitragssatzes  der knappschaftlichen Rentenversicherung von 24,8 % / 24.7 % ( Wert für 2017 / 2018) und der knappschaftlichen Beitragsbemessungsgrenze von 94.200 € / 96.000  (Wert für 2017 / 2018 Alte Bundesländer) und von 84.000 € / 85.800 ( Wert für 2017 / 2018 Neue Bundesländer).

Maßgebend sind die für das jeweilige Kalenderjahr geltenden Höchstsätze in Prozenten (2017 = 84 %, 2018 = 86 % / § 10 Abs. 3 Satz 4 EStG)

Zwischenergebnis 2

Das zweite Zwischenergebnis ergibt sich aus den Prozenten gem. § 10 Abs. 3 Satz 4 EStG / 2017 = 84 %, 2018 = 86 %.

Übersicht 1 / Gang der Berechnung

Berechnung der Höchstbeträge 2017 2018
Beitragsbemessungsgrenze Knappschaft Rentenversicherung    
Alte Bundesländer 94.200 € 96.000 €
Neue Bundesländer 84.000 € 85.800 €
Beitragssatz Knappschaft Rentenversicherung 24.8 % 24.7 %
Höchstbetrag für Alleinstehende*    
Alte Bundesländer 24.8 / 24.7 % von 94.200 / 96.000 € = 23.362 € 23.712 €
Neue Bundesländer 24.8 / 24.7 % von 84.000 / 85.800 € = 20.832 € 21.193 €
Davon     
Alte Bundesländer 84 / 86 % (Zwischenergebnis 1)  19.625 € 20.393 €
Neue Bundesländer 84 / 86 % (Zwischenergebnis 1)  17.499 € 18.226 €
Ermittelte Vorsorgeaufwendungen / Rentenbeiträge z. B. 13.735 € 13.840 €
Davon 84  / 86 % (Zwischenergebnis 2) 11.538 € 11.903 €
Endergebnis (Der niedrigere Betrag von Zwischenergebnis 1 und Zwischenergebnis 2 ist maßgebend) 11.538 € 11.903 €

* Für Ehepartner, die zusammenveranlagt werden, gelten doppelte Beträge.  

Übersicht Prozente aus § 10 Abs. 3 Satz 4EStG

Die Prozente entwickeln sich wie folgt:

Jahr                    2014     2015    2016     2017   2018   2019   2020 ...   2025

v.H.-Satz            78 %     80 %     82 %     84%    86 %   88 %   90 % ...   100 %    

  • Musterfall 1 Selbständige

Dr. med. K., wohnhaft in Bayern,  wird mit seiner Ehefrau zusammen zur Einkommensteuer veranlagt. Er hat in 2018 an die kassenärztliche Versorgungseinrichtung der örtlichen Ärztekammer Pflichtbeiträge in Höhe von 15.469 € und freiwillige Beiträge in Höhe von 12.000 € geleistet, insgesamt also 27.469 €.

Der Steuerzahler trägt ein:

Zeile 5        Kennziffer 301            27.469 €           

Berechnung 2018

Höchstbetrag für Ehepartner (2018) 47.424 €
Davon 86 % (Zwischenergebnis 1) 40.785 €
Beiträge in Rentenkassen 27.469 €
Davon 86 % (Zwischenergebnis 2) 23.624 €
Endergebnis (der niedrigere Betrag ist absetzbar) 23.624 €

Erläuterung:

Der Höchstbetrag für Basis-Rentenbeiträge in den alten Bundesländern beträgt für zusammenveranlagte Ehepartner (23.712 € x 2 =) 47.424 €. Als Rentenbeiträge sind absetzbar 86 % des Höchstbetrages = 40.785 €, höchstens aber 86 % seiner Beiträge von 27.469 € = 23.624 €

Bei einem Steuersatz von ca. 50 % beträgt die Steuerersparnis (23.624 € x 50 % =)  11.812 €. In dieser Höhe beteiligt sich der Fiskus an der Altersversorgung des Steuerzahlers.

Letztlich hat Dr. K. für seine Altersversorgung bei einer Gesamtleistung von 27.469 € nur (27.469 € ./. Steuerersparnis 11.812 € =) 15.657 € aufgewendet.

  • Musterfall 2 Arbeitnehmer

In Nr. 23 der Lohnsteuerbescheinigung sind Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung in Höhe von 2.985 € ausgewiesen. Der Arbeitgeberanteil in Nr. 22 der Lohnsteuerbescheinigung beträgt ebenfalls 2.985 €.

In die Berechnung der Vorsorgeaufwendungen wird - mit einem Teilbetrag - neben dem Arbeitnehmeranteil auch der nach § 3 Nr. 62 EStG steuerfreie Arbeitgeberanteil einbezogen (§ 10 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a EStG), der indessen abschließend zu 100 % wieder abgezogen wird (§ 10 Abs. 3 Satz 3 EStG, abgesegnet durch BFH 18.11.2009 - X R 6/08).

Der Steuerzahler trägt ein:

In Zeile 4 wird der Arbeitnehmeranteil zur gesetzlichen Rentenversicherung aus Nr. 23 der Lohnsteuerbescheinigung eingetragen. Bei der Berechnung des abzugsfähigen Betrages wird auch noch der Arbeitgeberanteil benötigt. Der Arbeitgeberanteil aus Nr. 22 der Lohnsteuerbescheinigung wird in Zeile 8 oder 9 eingetragen.

Zeile 4               Kennziffer 300        2.985 €

Zeile 8               Kennziffer 303        2.985 €

Berechnung 2018

Höchstbetrag für Alleinstehende (2018) 23.712 €
Davon 86 % (Zwischenergebnis 1) 20.392 €
Aufwendungen  
Arbeitnehmeranteil lt. Nr. 23 der Lohnsteuerbescheinigung              2.985 €
+ Arbeitgeberanteil lt. Nr. 22 der Lohnsteuerbescheinigung             2.985 €
Aufwendungen insgesamt 5.970 €
Davon 86 % 5.135 €
- Arbeitgeberanteil 100 % 2.985 €
Verbleiben (Zwischenergebnis 2) 2.150 €
Endergebnis (Der niedrigere Betrag ist absetzbar) 2.150 €

Variante für Beamte

Bei Beamten und anderen rentenversicherungsfreien Personen wird der Höchstbetrag von 23.712 / 46.424 € (Alte Bundesländer) zunächst um einen fiktiven Gesamtbeitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung gekürzt und erst dann mit 86 % angesetzt. Der Kürzungsbetrag beträgt 18,6 %. (Wert ab 2018).