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Tipp 03.4 Berufsunfähigkeitsversicherung

Anlage Vorsorgeaufwand / Anlage R

⇒   Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Berufsunfähigkeitsversicherung (kurz: BU-Versicherung) ist wichtig für alle, die  auf ein regelmäßiges Einkommen angewiesen sind, wenn ihre Berufsfähigkeit wegfällt oder eingeschränkt ist. Der empfohlene Wert der Versicherung liegt bei 60 % des jeweiligen Bruttoeinkommens.

Die Versicherung kann als Leibrente auf Lebenszeit oder nur für eine bestimmte Zeit (als abgekürzte Leibrente) abgeschlossen werden.

Für Arbeitnehmer ist die BU eine abgekürzte Leibrente, da sie spätestens mit Beginn der Regelaltersgrenze (deshalb abgekürzt) endet.  Eine Absicherung bis zum 60. Lebensjahr ist als Minimum üblich, vielfach aber auch zum 67. Lebensjahr.

Die BU-Versicherung wird steuerlich gefördert

1. für Arbeitnehmer als Direktversicherung* im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung,

2. für alle Steuerzahler als Zusatzversicherung (kurz: BUZ) zu einer Rürup-Rentenversicherung oder

3. für alle Steuerzahler als selbständige Berufsunfähigkeitsversicherung (SBU).

*Direktversicherung

Eine Direktversicherung dient der Altersvorsorge der Arbeitnehmer. Dazu leistet der Arbeitgeber als Versicherungsnehmer Beiträge in einen Pensionsfonds, eine Pensionskasse oder in einen Vertrag mit einem Unternehmen der Lebensversicherung. Die Versorgungsleistungen müssen in Form einer lebenslangen Rente oder eines Auszahlungsplans mit Restverrentung erfolgen (§ 3 Nr. 63 EStG).

Versicherungsnehmer ist der Arbeitgeber, bezugsberechtigt ist indessen der Arbeitnehmer, dem die Versicherungsleistungen >>direkt<<, also nicht über den Arbeitgeber, ausgezahlt wird.

Wie werden die Beiträge steuerlich behandelt?

◊ Abzug als Vorsorgeaufwendungen

1. Betriebliche Altersversorgung

Beiträge des Arbeitgebers zur selbständigen Berufsunfähigkeitsversicherung (SBU) als Direktversicherung (Entgeltumwandlung) sind in Höhe von 8 % der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung steuerfrei (§ 3 Nr. 63 EStG). Ein Abzug als Vorsorgeaufwendungen entfällt.

Bei einer Beitragsbemessungsgrenze von 78.000 € (Wert 2018) beträgt das steuerfreie Volumen  6.240 €. In der Sozialversicherung sind nur 4 % der Beitragsbemessungsgrenze freigestellt.

Beispiel:

Der Arbeitgeber zahlt für den Arbeitnehmer 6.000 € in eine Direktversicherung. Der Beitrag ist in voller Höhe steuerfrei, da unter 6.240 €, aber lediglich in Höhe von 3.120 € beitragsfrei in der Sozialversicherung.

2. Zusatzversicherung (BUZ)

Die Berufsunfähigkeitsversicherung kann einen Baustein (Risiko-Baustein) im Rahmen einer Rürup-Rentenversicherung (BU-Zusatzversicherung) bilden. Die Beiträge  sind den Beiträgen zu Basis-Rentenversicherungen / Vorsorgeaufwendungen gleichgestellt (§ 10 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a, Doppelbuchst. aa EStG), anzusetzen in der (Anlage Vorsorgeaufwand Zeile 8).

Beiträge zur BUZ entsprechen den Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung  und den berufsständischen Versorgungswerke der Ärzte, Rechtsanwälte, Notare, Steuerberater, Apotheker oder Architekten und sind mit 86 % (Wert ab 2018) absetzbar.

3. Selbständige Berufsunfallversicherung (SBU)

Die selbständige Berufsunfallversicherung kann als Leibrente ohne zeitliche Begrenzung oder mit zeitlicher Begrenzung (als abgekürzte Leibrente) abgeschlossen sein.

a) Ohne zeitliche Begrenzung

Versicherungen, die neben einer Leistung bei Berufsunfähigkeit auch eine lebenslange Rentenzahlung vorsehen, unabhängig von der Koppelung an ein Altersvorsorgeprodukt (ab 2014 möglich / § 10 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a, Doppelbuchst. bb EStG).

Die Beiträge entsprechen den Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung  und den berufsständischen Versorgungswerke der Ärzte, Rechtsanwälte, Notare, Steuerberater, Apotheker oder Architekten und sind wie oben mit 86 % (Wert ab 2018) absetzbar, einzutragen in Anlage Vorsorgeaufwand Zeile 8.

b) Mit zeitlicher Begrenzung

Versicherungen, die nur eine Leistung für eine bestimmte Zeit vorsehen. Die Beiträge in eine solche BU gehören zu den  sonstigen Vorsorgeaufwendungen und sind in der Anlage Vorsorgeaufwand Zeile 49 einzutragen (§ 10 Abs. 1 Nr. 3a i. V. mit Abs. 4 und 4a EStG). Die Beiträge entsprechen den Beiträgen zur Haftpflichtversicherung, privaten Unfallversicherung oder Beiträgen für Wahlleistungen in der Krankenversicherung und sind absetzbar im Rahmen der Höchstbeträge von 1.900 / 3.800 €* (Arbeitnehmer) bzw. 2.800 / 5.600 €* (andere Personen).

*Alleinstehende / Ehepaare