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Tipp 10 Riester-Sparen / Basis

Anlage AV

Mit der Anlage   AV  beantragen Sie für die von Ihnen geleisteten Altersvorsorgebeiträge (= Beiträge zur Riester-Rentenversicherung) einen zusätzlichen Sonderausgabenabzug. Zusammenveranlagte  Ehepartner geben eine gemeinsame Anlage AV ab.

Kombi-System

Beiträge in einen Riester-Vertrag werden im Rahmen eines Kombi-Systems gefördert.

Sie erhalten für Altersvorsorgebeiträge eine Sparzulage (§§ 79 ff EStG) und bei höherem Einkommen eine zusätzliche Steuerermäßigung durch Abzug der Beiträge als Sonderausgaben (§ 10a EStG).

Sparer mit geringem Einkommen und mehreren Kindern profitieren von den Zulagen besonders. Bei höherem Einkommen lohnt sich Riester vor allem wegen der Steuerersparnis.

Anmerkung.: Ähnlich verfährt der Gesetzgeber im Familienleistungsausgleich / § 31 EStG: Kindergeld + Steuerermäßigung für Eltern mit höherem Einkommen durch Kinderfreibeträge. 

Die Sparzulage beantragen Sie direkt über den Anbieter der Versicherung. Den zusätzlichen Sonderausgabenabzug  beantragen Sie mit der Anlage AV beim Finanzamt.

Anzahl der Verträge

Sie können Ihre Zulagen maximal auf zwei Riester-Verträge verteilen. Dies macht Sinn, wenn Sie einen Teil des Kapitals in ein Fondssparplan stecken und so die Chancen des Aktienmarktes nutzen. Und den anderen Teil in einen Bausparvertrag, mit dem Sie z. B. ein Baudarlehen tilgen.

Für den Abzug als Sonderausgaben können Sie mehr als zwei Verträge abschließen.

Gleich zu Beginn:

⇒   Riester für Familien und Minijobber ein Muss

Die Riester-Rente lohnt sich besonders für Familien mit Kindern. Zusätzlich zur Grundzulage der Eltern von je 175 € steht ihnen für jedes Kind eine Kinderzulage von 185 € zu, für die ab 2008 geborenen Kinder sogar 300 €. Die Kinderzulage erhalten die Eltern zwar nicht während der gesamten Spardauer, aber immerhin solange sie Kindergeld beziehen.

Auch Minijobber können die Riester-Förderung in Anspruch nehmen. Schon mit einer Sparleistung von 5 € im erhalten Mini-Jobber die vollen Zulagen.  

⇒   Riester im System der Altersversorgung

Riester gehört zum System der Altersversorgung in Deutschland. Die Altersversorgung umfasst die Summe aller Möglichkeiten, die wahrgenommen werden können, um nach Beendigung der aktiven Erwerbstätigkeit den Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Grundlage der Altersversorgung der Arbeitnehmer ist die gesetzliche Rentenversicherung,  wie wir wissen. Sie wird ergänzt durch Maßnahmen der betrieblichen und der privaten Altersvorsorge. Insgesamt gibt es sieben Möglichkeiten / Wege. Hinzu kommt das Bausparen nach dem Wohnungsbau-Prämiengesetz.

Zur Altersversorgung sind drei Bausteine auszumachen:

Arten der Altersvorsorge Art der Förderung Quelle
1. Gesetzliche Altersvorsorge Vorsorgeaufwendungen § 10 Abs. 1 EStG
    Gesetzliche Rentenversicherung    
    Berufsständische Versorgungskassen    
    Rentenversicherung (Rürup-Rente)    
2. Betriebliche Altersvorsorge    
    Lohn-/ Entgeltumwandlung Steuerfreier Arbeitslohn § 3 Nr. 63 EStG
    Pensionszusage Pensionsrückstellung § 6a EStG
3. Private Altersvorsorge    
    Vermögenswirksame Leistungen Arbeitnehmer-Sparzulage 5. VermBG
    Prämien-Bausparen Bausparprämie WoPG
    Riester-Sparen Altersvorsorgezulage + Steuerermäßigung §§ 79 ff EStG. § 10a EStG

⇒  Günstigerprüfung im Finanzamt

Der zusätzliche Sonderabzug wird, wie bereits gesagt, mit der Anlage AV beantragt.

Bei der Veranlagung zur Einkommensteuer  prüft das Finanzamt, ob eine zusätzliche Förderung - über die Zulage hinaus - durch einen Sonderausgabenabzug in Betracht kommt.

Stellt sich bei der Veranlagung heraus, dass der Sonderausgabenabzug günstiger ist als die Sparzulage ausmacht, werden Ihre gesamten Aufwendungen einschließlich des Anspruchs auf Altersvorsorgezulage bis zum Höchstbetrag von 2.100 € als Sonderausgaben berücksichtigt. Die Zulage bleibt auf Ihrem Konto. Die zusätzliche Steuervergünstigung erhalten Sie vom Finanzamt. Damit es nicht zu einer Doppelvergünstigung kommt, wird die erhaltene Zulage der Einkommensteuer hinzugerechnet.

Ergebnis: Die Zulage landet auf Ihrem Sparkonto, das der Anbieter für Sie führt. Nur die zusätzliche Steuerersparnis durch den Sonderausgabenabzug wird über den Steuerbescheid ausgezahlt bzw. mit einer Steuernachforderung verrechnet. 

⇒   Ehepartnerregelung

Ist ein Ehepartner unmittelbar und der andere mittelbar begünstigt (siehe Ausführungen unten), erhöht sich der Höchstbetrag auf 60 €, d. h. zur Inanspruchnahme der Förderung sind mindestens zusätzlich 60 € in den Vertrag einzuzahlen.

Bei einer Zusammenveranlagung von Ehepartnern, die beide unmittelbar begünstigt sind, steht jedem Ehegatten / Lebenspartner der Sonderausgabenabzug bis zur Höhe von 2.100 € zu. 

Beispiel für 2018:

Eheleute mit einem Kind haben Anspruch auf die volle Zulage von (Erwachsenenzulage 175 € x 2 + Kinderzulage 300 € =) 650 €. Beträgt das zu versteuernde Einkommen der Eheleute 32.000 €, ist dieses in der Spitze mit einer Einkommensteuer von rd. 25 % belastet. Bei einem Sonderausgabenabzug der Sparbeiträge bis zu einem Höchstbetrag von (2.100 € x 2 =) 4.200 € beträgt die Steuerersparnis rd. (4.200 € x 25 % =) rd. 1.050 €.

Dies bedeutet:

In diesem Fall lohnt sich der Antrag auf Sonderausgabenabzug.

Steuerminderung 1.050 €
- erhaltene Sparzulage 650 €
Steuerersparnis, Auszahlung durch das Finanzamt 400 €

 

 

 

⇒   Riester als betriebliche Altersversorgung

In die Riester-Förderung einbezogen sind unter bestimmten Voraussetzungen Aufwendungen im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung, soweit sie über Pensionsfonds, Pensionskassen oder Direktversicherungen durchgeführt wird (§ 82 Abs.2 EStG). Allerdings wird davon wenig Gebrauch gemacht, weil die Förderung der betrieblichen Altersversorgung  (§ 3 Nr. 63 und § 40 b EStG) für die Steuerzahler günstiger ist. Die betriebliche Altersversorgung nach § 3 Nr. 63 EStG sieht vor, dass Beiträge zu Pensionsfonds, Pensionskassen oder in eine Direktversicherung bis zu 4 % der Beitragsbemessungsgrenze steuerfrei sind. Für darüber hinausgehende steuerpflichtige Direktversicherungsbeiträge wird der Arbeitgeber im Normalfall die Lohnsteuer pauschal mit 20 % erheben (§ 40 b EStG).

Üblich ist somit das private Riester-Sparen plus gesonderte steuerfreie betriebliche Altersversorgung nach § 3 Nr. 63 EStG.

⇒   Nachgelagerte Besteuerung

Die späteren Leistungen in Form der Riester-Rente unterliegen in vollem Umfang der Rentenbesteuerung (§ 22 Nr. 5 EStG). Man spricht von nachgelagerter Besteuerung. Die Versteuerung in vollem Umfang hat zur Folge, dass die auf dem Kapitalkonto anfallenden Zinsen nicht als Kapitalerträge steuerpflichtig sind.

⇒ Vorzeitige (schädliche) Verwendung

Bei vorzeitiger (schädlicher) Verwendung des Vorsorgekapitals sind die Zulagen bzw. die zusätzlichen Steuereinsparungen zurückzuzahlen (§ 93 EStG). Erlaubt sind nur sogenannte Zwischenentnahmen aus dem im Vertrag angesammelten geförderten Kapital zum Erwerb einer eigenen zu Wohnzwecken dienenden Wohnung, jedoch unter der Verpflichtung, das entnommene Kapital kontinuierlich bis zum regulären Rentenbeginn (Vollendung des 65. Lebensjahrs) wieder einzuzahlen.

⇒   Riester-Guthaben übertragen

Stirbt ein Riester-Sparer vor Rentenbeginn, kann sein Ehepartner das Kapital des Verstorbenen auf sein eigenes Riester-Konto übertragen lassen. Dazu bedarf es eines besonderen Antrags bei der Riester-Zulagenstelle. Hat der Hinterbliebene keinen Riester-Vertrag, kann er noch einen abschließen und so die Förderung retten.

Hat die Riester-Rente bereits zu laufen begonnen, wird die Zahlung nach Tode Sparers eingestellt, wie bei allen Renten so üblich.

Quelle: §§ 10a und 79 bis 99 EStG