Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

Tipp 01.0 >> Was sind Werbungskosten?

Anlage N Zeilen 31 bis 87 

Durch Abzug von Werbungskosten können Sie Ihre Steuerlast wirksam verringern, indem Sie den weiten Spielraum für den Abzug von beruflich veranlassten Aufwendungen auszunutzen, den das Gesetz Ihnen bietet.

Werbungskosten sind Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen. Die Aufwendungen sind absetzbar, wenn sie mit der beruflichen Tätigkeit des Arbeitnehmers im Zusammenhang stehen (§ 9 Abs. 1 EStG).

In der Anlage N sind in den Zeilen 31 bis 87 nur die häufigsten Kostenarten aufgeführt, es handelt sich also nicht um eine vollständige Aufzählung. Weitere Werbungskosten können Sie in der Zeile 46 geltend machen.

⇒   Werbungskosten-Pauschbetrag

Zur Abgeltung der beruflichen Kosten wird automatisch ein Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 € jährlich berücksichtigt. Erst darüber hinaus wirken sich Werbungskosten steuerlich aus. Bei Versorgungsbezügen / Pensionen beträgt der Pauschbetrag nur 102 € (§ 9a EStG).

Der Arbeitnehmer-Pauschbetrag ist ein Jahresbetrag, der auch dann in voller Höhe gewährt wird, wenn der Arbeitnehmer nicht ganzjährig beschäftigt gewesen ist.

Werbungskosten zusammenstellen

Der Pauschbetrag von 1.000 € ist bereits dann durch die Entfernungspauschale überschritten, wenn Ihre Arbeitsstätte bei einer Fünf-Tage-Arbeitswoche mindestens 15 km von Ihrer Wohnung entfernt ist!

Probe: 230 Wege x 0.30 € x 15 km = 1.035 €

⇒ Das Abflussprinzip / Abschreibungen

Werbungskosten sind grundsätzlich im Jahr der Zahlung absetzbar (§ 11 EStG / Zu- und Abflussprinzip). Die Regelungen über die Abschreibung von Arbeitsmitteln (Absetzung für Abnutzung) sind indessen zu beachten (§ 9 Abs. 5 EStG).

Geringwertige Wirtschaftsgüter / Arbeitsmittel

Betragen die Anschaffungskosten für ein Arbeitsmittel nicht mehr als (800 € + 19 % =) 952 €, können Sie im Jahr der Anschaffung in voller Höhe abgesetzt werden (§ 6 Abs. 2 EStG), andernfalls sind sie auf die Dauer der Nutzung abzuschreiben (§ 7 EStG).

Erstattung von Werbungskosten

Hat der Arbeitgeber Werbungskosten steuerfrei ersetzt (z. B. bei Dienstreisen oder doppelter Haushaltsführung) oder pauschal versteuert (z. B. für Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte), werden die erstatteten Beträge auf die vom Arbeitnehmer geltend gemachten Werbungskosten angerechnet (§ 3c Abs. 1 EStG). Die Erstattungsbeträge sind in der Lohnsteuerbescheinigung ausgewiesen und in die Anlage N zu übernehmen, z. B. in Zeile 39.

⇒   Werbungskosten-Klassiker

Bestimmte Ausgaben stehen im Blickpunkt, weil sie die höchsten Erstattungen versprechen. Das sind:

  • Fahrtkosten durch tägliche Fahrten zur Arbeit und durch Dienstreisen
  • Doppelter Haushalt durch Zweitwohnung am Arbeitsort
  • Häusliches Arbeitszimmer / Büro-Office
  • Umzugskosten

Alle diese Posten werden in den weiteren Beiträge behandelt.

Werbungskosten sind auch dann absetzbar, wenn Sie noch nicht oder nicht mehr in einem Arbeitsverhältnis stehen (z. B. Bewerbungs-, Berufsausbildungskosten). Man spricht von vorweggenommenen Werbungskosten, die durch Verlustabzug geltend gemacht werden können. Dazu mehr im nächsten Tipp.

⇒   Was sind >>Geringwertige<< Wirtschaftsgüter?

Geringwertige Wirtschaftsgüter können im Jahr der Anschaffung in voller Höhe abgesetzt werden (§ 6 Abs. 2 EStG), andernfalls sind sie auf die Dauer der Nutzung abzuschreiben (§ 7 EStG).

Arbeitsmittel gelten als >>geringwertige<<Wirtschaftsgüter, wenn der Kaufpreis je Arbeitsmittel nicht mehr als (800 € + 152 € Umsatzsteuer = ) 952 € beträgt. In diesem Fall sind die Anschaffungskosten im Jahr der Anschaffung in voller Höhe absetzbar (§ 6 Abs. 2 EStG).

Geringwertige Arbeitsmittel können sein ein Laptop oder Mobiliar für zur Einrichtung eines Arbeitszimmers (Schreibtisch, Stühle, Büroschrank, Teppich, Lampen etc.). Wenn Sie kein Arbeitszimmer haben, können diese Gegenstände gleichwohl Arbeitsmittel sein zur Einrichtung einer Büroecke im Wohnzimmer.

⇒   Beruflicher Zusammenhang 

Die Aufwendungen müssen durch den Beruf veranlasst sein. Eine berufliche Verlassung setzt voraus, dass objektiv ein Zusammenhang mit dem Beruf besteht und  subjektiv die Aufwendungen zur Förderung des Berufs gemacht werden.

Beispiel 1:

Ein Arbeitnehmer ist als Programmierer  tätig. Er kauft für 40 € ein Fachbuch zum Erlernen einer bestimmten Programmiersprache zur Weiterbildung in seinem Beruf.

Seine Aufwendungen sind als Werbungskosten absetzbar, denn das Fachbuch vermittelt objektiv Wissen in seinem Beruf und er nutzt subjektiv das Buch zur Weiterbildung.

Beispiel 2:

Der Arbeitnehmer ist angestellter Netzwerkadministrator. Er hat vier Überweisungsbelege über einen Gesamtbetrag von 200 € eingereicht (PC-Welt, PC-Magazin, c't, ELV Elektronik AG). Weiterhin hat er 18 Quittungen bzw. Kassenbons über einen Gesamtbetrag von 700  € vorgelegt, in denen als Gegenstand jeweils „Presseerzeugnisse” bzw. „Fachzeitschriften” vermerkt ist.

Das Finanzamt und anschließend im Klageverfahren das Finanzgericht (FG Münster 21.7.2014 - 5 K 2767/13) haben den Werbungskostenabzug versagt, im Wesentlichen aus folgenden Gründen:

In den Quittungen sei lediglich pauschal der Begriff „Fachzeitschriften” vermerkt; die jeweiligen Zeitschriften seien nicht namentlich benannt. Aufwendungen für Fachliteratur seien indessen durch Quittungen des Händlers nachzuweisen, die den Namen des Erwerbers und den Titel des angeschafften Titels enthalten (vgl. BFH-Urteil vom 04.12.2003 VI B 155/00, BFH/NV 2004, 488). Die bloße Bezeichnung „Fachzeitschriften” sei schon deshalb nicht ausreichend, weil es nicht der Beurteilung des Buch- bzw. Zeitschriftenhändlers unterliege, ob es sich im jeweiligen Einzelfall um eine Fachzeitschrift handele, für die der Werbungskostenabzug ggf. in Anspruch genommen werden kann.

Auch hinsichtlich der Ausgaben für Abonnements von PC-Welt, PC-Magazin und c't, und hinsichtlich der Ausgaben eines Abonnements bei der ELV Elektronik AG stehe dem Kläger kein Werbungskostenabzug zu.

Aufwendungen für Zeitschriften können zwar grundsätzlich als Arbeitsmittel absetzbar sein, wenn feststeht, dass der Arbeitnehmer den Gegenstand weitaus überwiegend beruflich verwendet. Der Kläger habe indessen nicht in ausreichend konkreter Form dargelegt, dass er diese Zeitschriften weitaus überwiegend beruflich verwendet. Zwar sei nicht in Zweifel zu ziehen, dass der Kläger sich für seine berufliche Tätigkeit als Netzwerkadministrator und Netzwerktechniker laufend fortbilden und den technischen Fortschritt aktiv verfolgen müsse. Allein diese allgemeine Überlegung der Notwendigkeit der Fortbildung erbringe jedoch noch nicht den Beweis, dass die im vorliegenden Fall betroffenen Zeitschriften durch den Kläger weitaus überwiegend beruflich verwendet werden.

In einem solchen Fall ist es förderlich, wenn der Arbeitgeber die Notwendigkeit dieser Aufwendungen bescheinigt.

Beispiel 3: Mitglied Gewerkschaft / Beamtenbund

Ein im öffentlichen Dienst angestellter Steuerzahler ist Mitglied der Gewerkschaft öffentliche Dienste, Transport und Verkehr. Die Mitgliedsbeiträge kann der Steuerzahler als Werbungskosten absetzen, denn es handelt sich um Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung seiner Einnahmen (Reichsfinanzhof vom 19. 11. 1927 - VI A 481 / 27).

Beispiel 4: Teilnahme an einem Fachkongress

Der Steuerzahler ist ehrenamtliches Mitglied im Personalrat einer Behörde. Auf eigene Kosten nimmt er an Gewerkschaftskongressen teil. Die dafür getätigten Aufwendungen sind als Werbungskosten absetzbar (BFH Urteil vom 28.11.1980 - VI R 193 / 77).

Im Urteil des BFH ging es um Reparaturkosten, die durch einen Verkehrsunfall auf der Fahrt zu einer Personalratssitzung entstanden waren. Die Reparaturkosten hat der BFH als Werbungskosten anerkannt. Es mache keinen Unterschied, ob einer Steuerzahler Beiträge direkt an eine Gewerkschaft oder an einen Beamtenbund leiste oder indirekt durch Fahrtkosten, urteilten die Richter.

Quelle: § 9 EStG