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Tipp 01.5 Kosten der Lebensführung: Teilbeträge absetzen (gemischte Aufwendungen)

Anlage N

Nicht absetzbar sind leider alle Kosten der Lebensführung, auch wenn sie mit der Berufsausübung im Zusammenhang stehen (§ 12 EStG). Vielfach ist aber zumindest ein Teilbetrag absetzbar. Dazu unten mehr: Gemischte Aufwendungen.

⇒   Kosten der Lebensführung

Diese Aufwendungen sind durch den Grundfreibetrag (§ 32a Abs. 1 EStG), durch den Familienleistungsausgleich (§ 31 EStG / Kindergeld / Kinderfreibeträge), durch den Abzug von Sonderausgaben (§ 10 EStG) und außergewöhnlichen Belastungen (§§ 33 ff EStG) abgegolten. 

Nicht absetzbare Kosten der Lebensführung sind im Einzelnen:

Aufgewendete Beträge für den Haushalt des Steuerpflichtigen und für den Unterhalt der Familienangehörigen wie z. B. (bürgerliche) Kleidung, Lebensmittel, Wohnungsmiete, Kosten einer Urlaubsreise (§ 12 EStG), aber auch für die Erhaltung der Gesundheit, Körperpflege, Hygieneartikel, Zeitung, Rundfunk, der Besuch kultureller und sportlicher Veranstaltungen, Kosten des Pkw-Führerscheins, Aufwendungen eines Ausländers für das Erlernen der deutschen Sprache oder Kosten für Veranstaltungen aus persönlichem Anlass (Geburtstag, Trauerfeier).

Die Kosten für (bürgerliche) Kleidung sowie Körperpflege, Führerschein, Brille und Hörgerät stehen zwar vielfach auch mit dem Beruf im Zusammenhang, sind aber nicht aufteilbar (siehe unten) und deshalb vollumfänglich dem privaten Bereich zuzuordnen.

Beispiel 1

Eine Arbeitnehmerin arbeitet in der Parfümerieabteilung eines Kaufhauses. Das Personalbüro erwartet von ihr, dass sie entsprechend gekleidet und geschminkt ist. Aufgrund schlechter Verkehrsanbindung ist sie auf die Benutzung eines Kfz angewiesen und hat deswegen den Führerschein gemacht. Ihre Kosten für Körperpflege, Kleidung und Führerschein sind nicht absetzbar (BFH, Beschluss v. 13.11.2013, VI B 40/13).

Bespiel 2

Ein Lehrer benötigt für den Unterricht eine Brille und ein Hörgerät. Die Kosten für diese medizinischen Hilfsmittel gehören trotz beruflicher Nutzung zu den außergewöhnlichen Belastungen und sind deshalb nicht als Werbungskosten abzugsfähig.

⇒   Gemischte Aufwendungen aufteilen

Wenn die Aufwendungen indessen sowohl den beruflichen als auch den privaten Bereich betreffen, spricht man von gemischten Aufwendungen.

Beispiel: Ein PC wird sowohl beruflich als auch privat genutzt.

Dabei gilt: Bei einer nur geringen privaten Mitbenutzung – unter 10 % - sind die Aufwendungen in voller Höhe als Werbungskosten absetzbar. Im Gegenzug sind die Aufwendungen bei geringer beruflicher Mitbenutzung – auch wiederum unter 10 % - nicht absetzbar.

Beträgt der berufliche Nutzungsanteil zwischen 10 und 90 %, sind die Aufwendungen in einen beruflichen und privaten Nutzungsanteil aufzuteilen. Dazu mehr in den Aufteilungsregeln unten.

⇒   Die Aufteilungsregeln

Bei gemischten Aufwendungen muss die Aufteilung in beruflich und privat nach objektiven Kriterien (Zeit, Kilometer, Gewicht, Menge, Anzahl von Personen) möglich sein.

Nun sollte man meinen, dass bei solchen gemischten Aufwendungen zumindest der berufliche Anteil als Werbungskosten abziehbar ist. Der Fiskus lässt indessen den beruflich veranlassten Teil nur zum Abzug zu, wenn eine Aufteilung der Kosten in beruflich und privat »nach objektiven Merkmalen leicht und einwandfrei« möglich ist (§ 12 EStG). Andernfalls gehört der gesamte Betrag zu den nichtabzugsfähigen Ausgaben (R 12.1 EStR).

Ist ein beruflicher Nutzungsanteil vorhanden, eine verlässliche Aufteilung aber nur mit unverhältnismäßigem Aufwand möglich, darf der berufliche Anteil in Einzelfällen auch geschätzt werden (§ 162 AO).

Dabei gilt folgendes:

I.  Aufwendungen, die eindeutig und klar abgrenzbar ausschließlich beruflich oder privat veranlasst sind, sind unmittelbar dem beruflichen oder privaten Teil der Aufwendungen zuzuordnen.

Beispiel 1:

Ein Arbeitnehmer nimmt während seiner 14-tägigen Urlaubsreise an einem eintägigen Fachseminar teil. Die gesamten Aufwendungen für die Urlaubsreise sind nicht abziehbar.

Nur die unmittelbar mit dem Fachseminar zusammenhängenden  Aufwendungen (Seminargebühren, Fahrtkosten vom Urlaubsort zum Tagungsort, ggf. Pauschbetrag für Verpflegungsmehraufwendungen) können indessen als Werbungskosten abgezogen werden.

Beispiel 2:

Ein Krankenhausarzt besucht einen Fachkongress in London. Er reist Samstagfrüh an. Die Veranstaltung findet ganztägig von Dienstag bis Donnerstag statt. Am Sonntagabend reist er nach Hause zurück.

Die Kosten für 2 Übernachtungen (von Dienstag bis Donnerstag) sowie die Kongressgebühren sind ausschließlich dem beruflichen Bereich zuzuordnen und daher vollständig als Werbungskosten abziehbar. Die Flugkosten sind gemischt veranlasst und entsprechend den Veranlassungsbeträgen aufzuteilen. Sachgerechter Aufteilungsmaßstab ist das Verhältnis der beruflichen und privaten Zeitanteile der Reise (beruflich veranlasst sind 3/9). Ein Abzug der Verpflegungskosten als Werbungskosten ist nur in Höhe der Pauschbeträge für Verpflegungsmehraufwendungen für die beruflich veranlassten Tage zulässig.

Abwandlung:

Der Arzt fährt nicht als Zuhörer, sondern als Mitveranstalter zu dem Fachkongress. Die Kosten für die Hin- und Rückreise sind vollständig dem beruflichen Bereich zuzurechnen und daher nicht aufzuteilen.

II.  Ein Abzug der Aufwendungen kommt insgesamt nicht in Betracht, wenn die beruflich und privat veranlassten Beträge so ineinander greifen, dass eine Trennung nicht möglich und eine Grundlage für die Schätzung nicht erkennbar ist.

Beispiel:

Ein angestellter Steuerberater hat eine überregionale Zeitung abonniert, die er neben der regionalen Tageszeitung bezieht. Die überregionale Zeitung ist für ihn beruflich wichtig, weil er sich damit umfassend auch über steuerrechtliche und wirtschaftliche Entwicklungen informiert. Die Kosten sind insgesamt nicht als Werbungskosten abziehbar. Beruflich und privat greifen so ineinander, dass eine Trennung nicht möglich ist. Es fehlt damit an einer Möglichkeit zur Aufteilung nach objektiven Kriterien.

  • Umfang des beruflichen Anteils im Schätzungsfalle

Wenn ein Gegenstand unstreitig auch beruflich genutzt wird und eine schätzungsweise Aufteilung dem Grunde nach möglich ist, sind die Finanzämter vielfach bereit, einen beruflichen Anteil von 50 % zu akzeptieren.

Beispiel:

Lehrer nutzen vielfach ihren Computer sowohl beruflich als auch privat. Ohne weitere Nachweise sind die Kosten zu 50 % als Werbungskosten abziehbar. Kann der Lehrer nachweisen, dass ein zweiter gleichwertiger Computer für private Zwecke vorhanden ist, sind höhere Kostenanteile bzw. sogar der volle Kostenabzug möglich.

⇒   Arbeitsmittel: Ja oder Nein 

Kann ein Wirtschaftsgut ausschließlich im Rahmen der beruflichen Tätigkeit benutzt werden (typische Arbeitsmittel), ist die Einordnung der Aufwendungen als berufliches Arbeitsmittel i. d. Regel nicht zweifelhaft. Problematischer wird es, wenn das Wirtschaftsgut von Natur aus in seiner Zweckbestimmung »neutral« ist, also sowohl im Rahmen der Berufstätigkeit als auch in der Privatsphäre eingesetzt werden kann.

Bei diesen Wirtschaftsgütern / Gegenständen wie z. B. Fahrzeuge, Computer, Telefonanlagen, Musikinstrumente, Bücher etc. hängt die Anerkennung als voll absetzbares Arbeitsmittel im Allgemeinen davon ab, dass diese Gegenstände dem Beruf ausschließlich oder fast ausschließlich (mehr als 90 %) dienen. Ihre Nutzung für private Zwecke darf also nur von ganz untergeordneter Bedeutung sein (unter 10 %).

Auch Rechte wie ein Telefon- / Internetanschluss in der Wohnung des Arbeitnehmers können hierzu gehören, ferner sonstige Veranlassungsbeträge wie Reisekosten, Telefongebühren etc. Entscheidend ist stets der wirtschaftliche Zusammenhang zwischen der beruflichen Tätigkeit und den Aufwendungen.