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Tipp 82 Rentner: Hinzuverdienst durch Beratervertrag

Anlage R

Bevor wir zur Sache kommen, vorab Wissenswertes zum Hinzuverdienst:

⇒   Was gilt als Hinzuverdienst?

Zum Hinzuverdienst zählt jedes Einkommen aus Erwerbstätigkeit, egal, ob Grundlage der Tätigkeit ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis als Arbeitnehmer oder eine Selbstständigkeit ist. Steuerpflichtig sind die Einkünfte; bei einer selbstständigen Tätigkeit ist der Gewinn maßgebend.

Einkünfte aus Vermögen zählen nicht als Hinzuverdienst. Vermögenseinkünfte im Sinne des Rentenrechts sind z.B. Kapitalerträge, Mieteinnahmen, Gewinne aus Gesellschafsanteilen. Einkünfte aus einer nicht erwerbstätigen Pflege zählen ebenfalls nicht zum Hinzuverdienst.

⇒   Höhe des Hinzuverdienstes

Seit dem 1. Juli 2017 gilt die Flexirente – und damit neue Vorgaben zu Hinzuverdienstgrenzen für berufstätige Rentner.

Mit der Flexirente können Arbeitnehmer flexibler als bisher vom Berufsleben in die Rente wechseln.

Wer das gesetzliche Rentenalter erreicht hat und eine Altersrente bezieht, darf auch über dieses Alter hinaus berufstätig sein und so viel hinzuverdienen, wie sie oder er möchte. Die Rente der- oder desjenigen wird durch den Hinzuverdienst nicht gekürzt, für arbeitende Rentner gelten nach Erreichen der Regelaltersgrenze keine Hinzuverdienstgrenzen.

Rente vor Erreichen der Regelaltersgrenze

Anders sieht es aber bei Rentnern aus, die die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht haben, eine vorgezogene volle Altersrente beziehen und berufstätig sind.

Ab dem 1. Juli 2017 dürfen Rentner, die eine vorgezogene Altersrente (Flexirente) beziehen, bis zu 6.300 € brutto pro Kalenderjahr hinzuverdienen, ohne dass sie Abschläge auf ihre Rente befürchten müssen. Das sind pro Monat im Schnitt 525 €.

In Zukunft betrachtet die Deutsche Rentenversicherung den Hinzuverdienst eines Rentners also innerhalb eines Jahres.

Die Hinzuverdienstgrenze von jährlich 6.300 € gilt auch für Menschen, die eine volle Erwerbsminderungsrente beziehen.

⇒    Jungrentner Heinz

Als Arbeitnehmer auf dem Holzweg

Der Kniff, eine Kürzung der Rente wegen Hinzuverdienst aus Arbeitseinkommen zu vermeiden, besteht darin, sich den Hauptteil des Hinzuverdienstes nach Erreichen der Regelaltersgrenze auszahlen zu lassen. Doch dieses Manöver ist nicht ganz einfach.

Jungrentner Heinz bezieht seit seinem 63. Lebensjahr eine Vollrente. Er hat das Glück, in seiner alten Firma weiterarbeiten zu dürfen. Sein Hinzuverdienst in Teilzeit als ehemals Leitender Dipl.-Ing. soll 1.450 € im Monat betragen. Davon werden 525 € monatlich ausgezahlt. Den Rest erhält er in einer Summe, wenn er 65 Jahre alt geworden ist. Nach Ablauf von drei Jahren wären das 33.300 €.

Auf den ersten Blick erscheint dies eine geniale Regelung, um der Rentenkürzung vor Beginn des 65. Lebensjahres vorzubeugen. Denn nach § 11 EStG sind Einnahmen grundsätzlich erst in dem Jahr zu versteuern, in dem sie zugeflossen sind.

Bei Arbeitslöhnen sieht das aber anders aus. Laufender Arbeitslohn, hier der vereinbarte Lohn von z. B. 1.450 €, gilt in dem Kalenderjahr als bezogen, in dem der Lohnzahlungszeitraum endet (§ 38a Abs. 1 EStG), ist also jeweils Monat für Monat in dieser Höhe zugeflossen.

Beratervertrag: So klappt der Laden

Besser, er schließt mit seiner Firma einen Beratervertrag ab. Der Vertrag wird in der Weise abgeschlossen, dass Anhaltspunkte für eine nichtselbständige Tätigkeit i. S. des § 2 SGB VI und § 2 LStDV nicht vorliegen. In diesem Fall hat Jungrentner Heinz Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit. Hinzuverdienst ist hier der Gewinn, der nach § 4 Abs. 3 EStG im Überschuss der Einnahmen über die Betriebsausgaben besteht.

Dies bedeutet: Er muss für jedes Jahr eine sog. Einnahme-Überschuss-Rechnung machen. Von seinen Einnahmen kann er noch Betriebsausgaben abziehen, z. B. für berufliche Fahrten mit seinem PKW, Bürokosten etc.

Er muss nur darauf achten, dass sein errechneter Jahresgewinn den Betrag (525 € x 12 Monate =) 5.400 € nicht übersteigt. Dies lässt sich deichseln, indem er sich nur Vorschüsse in geringer Höhe auszahlen lässt, so dass sein Gewinn die kritische Marke von 6.300 € nicht überschreitet.

Quelle: § 11 EStG; § 38a Abs. 1 EStG