Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

Tipp 50 Steuerfreie Nebeneinkünfte

Anlage R

Mit einer Nebenbeschäftigung lässt sich die Rente aufbessern. Die Einnahmen aus einer Nebenbeschäftigung können steuerfrei sein.

Hier bieten sich an:

  •  Reguläres Arbeitsverhältnis
  •  langfristige Tätigkeit auf 450 €-Basis als Minijobber,
  •  kurzfristige Tätigkeit als Aushilfe,
  •  Tätigkeit als Übungsleiter / im Ehrenamt. 

⇒   Steuerfrei im regulären Arbeitsverhältnis

Im regulären Arbeitsverhältnis nach den individuellen Lohnsteuerabzugsmerkmalen haben Sie Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit (§ 19 EStG), für die Ihnen ein Werbungskostenabzug (mindestens Werbungskosten-Pauschbetrag von 1.000 € / § 9a EStG) und der Altersentlastungsbetrag nach § 24a EStG in Höhe von 24a ESetG zustehen.

Sie können steuerfrei hinzuverdienen, ohne dass Lohnsteuer anfällt:

Bei Steuerklasse I = 1.029 €, bei Steuerklasse III = 1.952 € (Werte für 2018). 

⇒   Steuerfrei als Minijobber

Falls Sie einer Beschäftigung im Minijob bis 450 € im Monat nachgehen, ist die Vergütung zwar nicht steuerfrei, sie braucht aber nicht in Ihrer Steuererklärung angegeben zu werden, weil der Arbeitgeber die Steuer- und Sozialabgaben pauschal entrichtet (§ 40a EStG). In der Steuererklärung darf ein Lohn auf 450 €-Basis nicht angegeben werden.

Beispiel

Rentner Hubert betätigt sich regelmäßig als Zusteller von Medikamenten für die örtliche Apotheke (gewerblicher Minijobber) und erhält dafür einen Monatslohn von 450 €.

⇒     Steuerfrei als Aushilfe

Auch im Falle einer kurzfristigen Beschäftigung als Aushilfe übernimmt der Arbeitgeber die Abgaben pauschal (§ 40a EStG). Eine kurzfristige Beschäftigung liegt vor, wenn die Beschäftigung 18 zusammenhängende Arbeitstage nicht übersteigt und der durchschnittliche Arbeitslohn pro Tag nicht mehr als 72 € beträgt.

Beispiel

Rentner Klaus betätigt sich an 10 Tagen als Erntehelfer auf einem Erdbeerenfeld, Rentner Peter arbeitet an 2 Tagen als Inventurhelfer beim örtlichen Baumarkt.

⇒   Steuerfrei als Übungsleiter, im Ehrenamt oder als Vormund 

Viele finden im Ruhestand genügend Zeit, ein Ehrenamt zu übernehmen. Gleich auf drei Schienen will der Gesetzgeber die nebenberufliche ehrenamtliche Tätigkeit fördern:

1. Durch den Übungsleiterfreibetrag nach § 3 Nr. 26 EStG bis zu einem Betrag von insgesamt 2.400 € im Jahr

2. Durch den allgemeinen Ehrenamtsfreibetrag im gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Bereich nach § 3 Nr. 26 a EStG bis insgesamt 720 € im Jahr;

3. Durch den besonderen ehrenamtlichen Vormundschaftsfreibetrag nach 3 Nr. 26 b EStG für die Tätigkeit als Vormund nach § 1835 a BGB bis 2.400 €.

Das Problem beim Übungsleiterfreibetrag von 2.400 € besteht darin, dass Sie ausbildend, erziehend oder pflegerisch tätig sein müssen. Für einen zusätzlichen Ehrenamtsfreibetrag genügt es, wenn Sie woanders im gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Bereich tätig sind und dort die Voraussetzungen für den Übungsleiterfreibetrag nicht erfüllen.

Dies bedeutet: Sie können die Freibeträge zu a) und b) nebeneinander erhalten, also bis insgesamt (2.400 € + 720 € =) 3.120 €, wenn die Voraussetzungen dafür vorliegen.

Beispiel:

Rentner Heinz leitet mehrere Kinder- und Jugendsportgruppen des örtlichen Sportvereins und erhält dafür vom Verein monatlich 250 € = 3.000 € im Jahr. Da Heinz seine Tätigkeit frei gestalten kann, besteht kein Arbeitsverhältnis zwischen ihm und dem Verein. Deshalb ist seine Tätigkeit als freiberuflich zu werten (unterrichtende / erzieherische Tätigkeit / § 18 EStG). Da Heinz die Tätigkeit als Übungsleiter für einen gemeinnützigen Verein ausübt, sind die Voraussetzungen für den Übungsleiter-Freibetrag erfüllt. Heinz macht für seine Steuererklärung folgende Rechnung auf:

Betriebseinnahmen 3.000 €
- Übungsleiter-Freibetrag 2.400 €
Gewinn 600 €

Wenn Heinz Betriebsausgaben nachweisen kann, sind diese absetzbar, soweit sie den Übungsleiter-Freibetrag übersteigen (§ 3c Abs. 1 EStG). Der Gewinn ist in der Anlage S zur Einkommensteuererklärung anzugeben.  

⇒    Steuerfreie Kapitalerträge

Kapitalerträge brauchen wegen der bereits abgezogenen Abgeltungssteuer von 25 % nicht erklärt zu werden (§ 43 Abs. 5 und § 2 Abs. 5 b Satz 1 EStG). Die einbehaltene Abgeltungsteuer kann indessen vom Finanzamt erstattet werden, wenn ihr persönlicher Steuersatz unter 25 % liegt oder wenn Sie Ihrer Bank wegen des Sparer-Pauschbetrages von 801 / 1.602 € (Alleinstehende / Ehepaare / Lebenspartner) keinen Freistellungsauftrag erteilt haben. Deshalb kann die Abgabe einer Steuererklärung mit Anlage KAP sinnvoll sein.

Dazu mehr im Teil 08.

Quelle: § 22 Nr. 1 EStG