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Tipp 80 Vorzeitiger Ausstieg / Hinzuverdienst / Weiterarbeiten

Anlage R

⇒   Vorzeitiger Ausstieg aus dem Arbeitsleben

Viele Menschen möchten früher aus dem Arbeitsleben aussteigen und können sich dieses auch leisten. Dabei geraten sie aber auch in Versuchung, eine Wette aufzumachen:

Die Wette auf ein kurzes Leben?

Wer sich für den vorzeitigen Ausstieg entscheidet, geht eine Wette gegen die Rentenversicherung auf ein kurzes Leben ein. Zwei Jahre Ausstieg vor Ablauf der regulären Regelarbeitsgrenze führt zu einem Abschlag von 7.2 %, aber auch zwei Jahre lang früher Rentenbezüge. Aber nur, wer innerhalb der nächsten 25 Jahre / 309 Monate das Zeitliche segnet, hat die Wette gegen die Rentenversicherung gewonnen

So lange dauert es, bis die Kürzungsbeträge die Summe der Rentenzahlungen aus den ersten zwei Jahren erreichen. Wer indessen nach dem Ausstieg länger als 309 Monate lebt, hat zwar Lebenszeit gewonnen, die Wette gegen die Rentenversicherung aber verloren, denn diese gelangt dann finanziell ins Plus.

Berechnung

Monatlicher Rentenanspruch z. B. 700.00 €
Abschlag mtl. 0.3 % x 24 Monate = 7.2 %     50.40 €
Gekürzte monatliche Rente  649.60 €
Vorzeitiger Rentenbezug 649.60 € X 24 Monate          15.590.40 €
 Break-Point 15.590.40 € : Abschläge 50.40 € =  309 Monate

Die vier wichtigsten Wege des Ausstiegs sind:

Schwerbehinderung

Sie können zwei Jahre vor der allgemeinen Regel­alters­grenze aussteigen. Früher geht es nur, wenn Sie Abschläge bei der Rente in Kauf nehmen. Weitere Voraussetzungen: Behinderung mindestens 50 % und 35 Versicherungsjahre*.

45 Versicherungsjahre

Ausstieg zwei Jahre vor der allgemeinen Regel­alters­grenze möglich ohne Abschläge bei der Rente.

35 Versicherungsjahre

Ausstieg möglich mit Abschlägen bei der Rente. Jeder vorgezogene Monat bedeutet 0.3 % weniger Rente.

Altersteilzeit**

Ausstieg vor dem 63. Lebensjahr möglich mit einem Ausgleich über den Betrieb. Arbeitszeit und Gehalt werden in der Altersteilzeit halbiert, der Arbeitgeber stockt um 20 % des Regelarbeitsgehalts steuer- und sozialversicherungsfrei auf.

*Versicherungsjahre

Zu den Versicherungsjahren gehören Versicherungszeiten mit Pflichtbeiträgen, aber ALG I, Krankengeld, Kurzarbeitergeld, Insolvenzgeld, betriebliche Ausbildung, berufliche Weiterbildung, Wehr- und Zivildienst, Pflege von Angehörigen, freiwillige Rentenbeiträge (§ 54 ff SGB IV).

**Altersteilzeit

Mit der Altersteilzeit ermöglicht der Arbeitgeber auf freiwilliger Basis dem Arbeitnehmer einen stufenweisen Übergang in den Ruhestand, wobei sich während der Altersteilzeit der Lohn reduziert. Ein Anspruch seitens des Arbeitnehmers besteht nicht, vielfach wird die Altersteilzeit  indessen durch Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung festgelegt.

Voraussetzungen

  • Alter des Arbeitnehmers mindestens 55 Jahre vollendet.
  • Die bisherige wöchentliche Arbeitszeit wird um die Hälfte reduziert.
  • Der Arbeitnehmer muss innerhalb der letzten fünf Jahre vor Beginn der  Altersteilzeit mindestens drei Jahren versicherungspflichtig beschäftigt gewesen sein.
  • Der Arbeitgeber muss den frei gewordenen Arbeitsplatz wieder besetzen und für den Arbeitnehmer während der Altersteilzeit zusätzliche Rentenversicherungsbeiträge zahlen.

Es gibt 2 Varianten der  Altersteilzeit 

Variante 1: Gleichverteilermodell

Der Arbeitnehmer reduziert über den gesamten Zeitraum der Altersteilzeit seine Arbeitszeit auf die Hälfte seiner üblichen Arbeitszeit.

Variante 2: Blockmodell

Von diesem Modell wird meistens Gebrauch gemacht. Hier wird die Altersteilzeit in zwei Blöcke aufgeteilt: In die Arbeitsphase und in die Freistellungsphase. In der Arbeitsphase wird voll durchgearbeitet und in der Freistellungsphase wird, wie der Name schon sagt, nicht gearbeitet.

⇒   Hinzuverdienst

Ein Hinzuverdienst kann den Bezug einer Altersrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung schmälern.

Das Flexi-Rentengesetz vom 8.12.2016 soll das flexible Arbeiten bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze erleichtern und das Weiterarbeiten hinaus attraktiver machen.

Hinzuverdienstgrenzen

a) Nach Erreichen der Regelaltersgrenze

Es kann unbegrenzt hinzuverdient werden, ohne dass es zu einer Kürzung der Rente kommt.

b) Vor Erreichen der Regelaltersgrenze

Es besteht Anspruch auf die volle Rente wegen Alters nur, wenn die kalenderjährliche  Hinzuverdienstgrenze von 6.300 € nicht überschritten wird (§ 34 Abs. 2 SGB VI). Dies entspricht einem Einkommen von 525 € im Monat, wenn es über das ganze Jahr hinweg erzielt wird. Die jährliche HInzuverdienstgrenze von 6.300 € gilt auch dann, wenn nicht im ganzen Kalenderjahr gearbeitet wird. 

Wird die Hinzuverdienstgrenze von 6.300 € überschritten, besteht nur noch ein Anspruch auf eine Teilrente wegen Alters. Dabei wird ab 1.7.2017 ein Betrag von 40 % von dem die kalendermäßige Hinzuverdienstgrenze von 6.300 € übersteigenden Betrages auf die Rente angerechnet. Dadurch wird die Rente nur um einen Teilbetrag des Hinzuverdienstes gekürzt.

Regelaltersgrenzen in der Rentenversicherung

Wenn Sie wissen möchten, um wie viele Monate Sie länger arbeiten müssen und welche Regelaltersgrenze für Sie gilt, hier eine Übersicht:

Geburts-jahrgang

Anhebung

Monate

Regelaltersgrenze

Jahr

Regelalters-

grenze Monat

vor 1946 0 65 0
1947 1 65 1
1948 2 65 2
1949 3 65 3
1950 4 65 4
1951 5 65 5
1952 6 65 6
1953 7 65 7
1954 8 65 8
1955 9 65 9
1956 10 65 10
1957 11 65 11
1958 12 66 0
1959 14 66 2
1960 16 66 4
1961 18 66 6
1962 20 66 8
1963 22 66 10
ab 1964 24 67 0

⇒   Weiterarbeiten?

Nachdem Sie Altersrente beziehen, können Sie gleichwohl weiterarbeiten. Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung entfallen.

Sie können Ihre Rente indessen erhöhen, wenn Sie weiter in die Rentenkasse einzahlen. Dies müssten Sie der Personalstelle mitteilen. Bei einem Gehalt von 3.100 € fallen bei einem Beitragssatz von 18.6 % = 582 € Beiträge an, von denen Ihr Arbeitgeber und Sie jeweils die Hälfte tragen. Dadurch würde sich im Folgejahr Ihre monatliche Rente um 34 € erhöhen.

Dies bedeutet: Mit Ihrem jährlichen Beitragsanteil von 291 € x 12 Monate = 3.492 € erhöht sich Ihre Rente um 34 € x 12 Monate = 408 €. Sie haben nach (3.492 € : 408 € =) 8.55 Jahren Ihren Beitragsanteil wieder hereingefahren und sind von da ab im plus.   

Quelle: § 34 SGB VI