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Tipp 24 Private Berufsunfähigkeitsrente

Anlage R Zeile 14

Eine Berufsunfähigkeit liegt gegenüber der Erwerbsunfähigkeit dann vor, wenn der Betroffene seinen speziellen Beruf nicht mehr ausüben kann, ohne generell erwerbsunfähig zu sein.  

Bei den Berufsunfähigkeitsrenten gilt es zu unterscheiden:

  • Eine Berufsunfähigkeitsrente der beruflichen Unfallversicherung (Berufsgenossenschaft) ist nach § 3 Nr. 1 Buchst. a EStG steuerfrei und braucht deswegen nicht angegeben zu werden.
  • Eine gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente wird wie die übrigen Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung mit dem Besteuerungsanteil besteuert (§ 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a, Doppelbuchst. aa EStG / BFH 13.4.2011, X R 54/09). Sie ist in Zeile 4 bis 13 der Anlage R anzugeben.
  • Eine private Berufsunfähigkeitsrente ist mit dem Ertragsanteil / Zinsanteil steuerpflichtig (§ 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a, Doppelbuchst. bb EStG). Sie ist in Zeile 14 bis 20 der Anlage R einzutragen.

⇒   Private Berufsunfähigkeitsrente

Rentenzahlungen aus einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung werden - anders als bei gesetzlichen Berufsunfähigkeitsrenten – steuerlich als abgekürzte Leibrenten behandelt. Der Ertragsanteil dieser Renten  ist nach der Lebenserwartung unter Berücksichtigung der zeitlichen Begrenzung zu ermitteln (§ 55 Abs.2 EStDV). Dazu auch Tipp 13 Abgekürzte Leibrente.

Da es sich also um eine Leibrente handelt (sie endet grundsätzlich mit dem Tode des Rentenberechtigten), ist zunächst für den steuerpflichtigen Ertragsanteil das Lebensalter zu Beginn der Rente maßgebend. Zugleich ist die Laufzeit der Rente zu berücksichtigen. Es sind also für den Ertragsanteil zwei Prozentsätze festzustellen, wobei der Niedrigste von beiden anzusetzen ist.

Dies bedeutet: Während sich bei den gesetzlichen Erwerbsminderungsrenten der Besteuerungsanteil ausschließlich nach dem Lebensalter des Rentenberechtigten zu Beginn der Rente richtet, richtet sich bei der privaten Berufsunfähigkeitsrente der Ertragsanteil entweder nach dem Lebensalter zu Beginn der Rente oder nach der Laufzeit. Diese beiden Möglichkeiten werden in der Tabelle in § 55 Abs. 2 EStDV abgebildet.

Beispiel

Frau A, geb. am 10.2.1960, erhält ab 01.12.1999 bis zu ihrem 60. Lebensjahr (10.2.2020) eine private Berufsunfähigkeitsrente von 500 € monatlich. Frau A war zu Beginn der Rente 39 Jahre alt. Bei einer Leibrente ohne zeitliche Begrenzung würde der Ertragsanteil 38 % betragen (§ 22 Nr. 1 Buchst. a, Doppelbuchst. bb EStG /Tabelle 2). Weil die Laufzeit indessen (abgerundet auf volle Jahre) auf 20 Jahre begrenzt ist, beträgt der Ertragsanteil gem. § 55 EStDV nur 21 %.

Die gesamte Laufzeit der Rente beträgt vorliegend (abgerundet auf volle Jahre) 20 Jahre. Frau A muss im Jahr 2017 versteuern:

Rentenbetrag 6.000 €  
Ertragsanteil (Laufzeit 21 J. / § 55 EStDV = 21 % 1.260 €
- Werbungskosten-Pauschbetrag 102 €
Renteneinkünfte 1.158 €

Frau A trägt in Anlage R ein:

Zeile 14        Kennziffer 130                         7

Zeile 15        Kennziffer 131               6.000 €

Zeile 16        Kennziffer 132          01.12.1999

Zeile 17        Kennziffer 136          10.02.1960