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Tipp 24 Berufsunfähigkeitsrente

Anlage R

⇒   Berufsunfähigkeitsrente

Die Berufsunfähigkeitsversicherung (kurz: BU-Versicherung) ist wichtig für alle, die  auf ein regelmäßiges Einkommen angewiesen sind, wenn ihre Berufsfähigkeit wegfällt oder eingeschränkt ist. Der empfohlene Wert der Versicherung liegt bei 60 % des jeweiligen Bruttoeinkommens.

Die Versicherung kann als Leibrente auf Lebenszeit oder nur für eine bestimmte Zeit (als abgekürzte Leibrente) abgeschlossen werden.

Für Arbeitnehmer ist die BU eine abgekürzte Leibrente, da sie spätestens mit Beginn der Regelaltersgrenze (deshalb abgekürzt) endet.  Eine Absicherung bis zum 60. Lebensjahr ist als Minimum üblich, vielfach aber auch zum 67. Lebensjahr.

Die BU-Versicherung wird steuerlich gefördert

1. für Arbeitnehmer als Direktversicherung im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung,

2. für alle Steuerzahler als Zusatzversicherung (kurz: BUZ) zu einer Rürup-Rentenversicherung oder

3. für alle Steuerzahler als selbständige Berufsunfähigkeitsversicherung (SBU).

Wie werden Einnahmen steuerlich behandelt?

◊ Besteuerung der Einnahmen

1. Betriebliche Altersversorgung

Die Einnahmen aus einer selbständigen Berufsunfähigkeitsversicherung (SBU) als Direktversicherung / Entgeltumwandlung sind, soweit die Beiträge dafür nach § 3 Nr. 63 EStG steuerfreigestellt wurden, in voller Höhe steuerpflichtig (§ 22 Nr. 1a EStG), anzusetzen in Anlage R Zeile 31. 

2. Zusatzversicherung (BUZ)

Die Einnahmen aus einer BUZ sind mit dem Ertragsanteil zu erfassen, wenn die Versicherung über Rürup-Renten abgeschlossen wurde und die Dauer der Leistung begrenzt ist, meistens bis zur Aufgabe der Berufstätigkeit (60. bis 67. Lebensjahr).

Die Einnahmen  unterliegen mit dem Ertragsanteil für >>abgekürzte Leibrenten<< nach § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Doppelbuchst. bb Satz 5 EStG i.V.m. § 55 Abs. 2 EStDV der Besteuerung (FG Münster Urteil vom 30.01.2018 - 5 K 3324/16 E), wenn die Rentenleistungen in ihrer Laufzeit abgekürzt sind, einzutragen in  (Anlage R Zeile 14 bis 19).

Der Ertragsanteil errechnet sich anhand der möglichen Dauer der Rentenzahlung bis zum Ende der Laufzeit der Versicherung. Dazu gibt es eine bundesweit geltende Tabelle (§ 55 EStDV). Grundsätzlich gilt: Je später Sie berufsunfähig werden, desto geringer ist der Anteil der BU-Rente, den Sie versteuern müssen. Ohnehin müssen Sie nur dann Steuern zahlen, wenn Ihr gesamtes zu versteuerndes Einkommen über dem jährlichen Grundfreibetrag von 9.000 € (Wert 2018) liegt.

Beispiel:

Der Steuerzahler hat eine  Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen, kombiniert mit einer privaten lebenslangen Rürup-Altersrente (einheitliche Versicherungsschein-Nummer). 

In 2018 hat der Steuerzahler Einnahmen aus dieser Berufsunfähigkeitsrente in Höhe von 24.000 €. Die Laufzeit der BUZ-Rente begann am 01.09.2009 und endet am 01.09.2029, beträgt somit 20 Jahre. Der Ertragsanteil beträgt 21 % (§ 55 EStDV), d. h. von den Rentenzahlungen in Höhe von 24.000 € sind 21 % = 5.040 € steuerpflichtig.  

3. Selbständige Berufsunfallversicherung (SBU)

Die selbständige Berufsunfallversicherung kann als Leibrente ohne zeitliche Begrenzung oder mit zeitlicher Begrenzung (als abgekürzte Leibrente) abgeschlossen sein.

a) SBU ohne zeitliche Begrenzung

Die Einnahmen aus einer BU ohne zeitliche Begrenzung sind mit dem Besteuerungsanteil zu erfassen, wenn sie über Rürup-Renten abgeschlossen wurden, fallen somit unter die sogenannte Kohortenversteuerung. Insoweit sind sie den Leibrenten aus den gesetzlichen Rentenversicherungen, den landwirtschaftlichen Alterskassen, den berufsständischen Versorgungseinrichtungen gleichgestellt. Der Besteuerungsanteil wird nach § 22 Nr. 1 Satz 3 a) aa) Sätze 2 bis 8 EStG errechnet, anzusetzen in Anlage R Zeile 4 und 5.

Bei Renten, die in 2018 begonnen haben, beträgt der Besteuerungsanteil 76 %. Steuerpflichtig ist die Bruttorente abzüglich eines steuerfreien Anteils (Rentenfreibetrag) = Besteuerungsanteil.

b) SBU mit zeitlicher Begrenzung

Die Einnahmen sind mit dem Ertragsanteil nach § 55 EStDV steuerpflichtig. Bei einer Laufzeit von 45 Jahren beträgt der Ertragsanteil z. B. 42 %, bei 30 Jahren 30 %, bei 15 Jahren 16 % und bei fünf Jahren 5 %.

Beispiel 1

Ein Steuerzahler wird heute berufsunfähig; er erhält die nächsten 15 Jahre eine Berufsunfähigkeitsversicherung ausbezahlt. Dann hat er in jedem Jahr 16 % der Auszahlung individuell zu versteuern. Erhält er in einem Jahr 24.000 € ausgezahlt, muss er davon 3.840 € (den Ertragsanteil) im Rahmen seiner Einkünfte individuell versteuern.

Beispiel 2

Frau A, geb. am 10.2.1960, erhält ab 01.12.1999 bis zu ihrem 60. Lebensjahr (10.2.2020) eine private Berufsunfähigkeitsrente von 500 € monatlich. Frau A war zu Beginn der Rente 39 Jahre alt. Bei einer Leibrente ohne zeitliche Begrenzung würde der Ertragsanteil 38 % betragen (§ 22 Nr. 1 Buchst. a, Doppelbuchst. bb EStG /Tabelle 2). Weil die Laufzeit indessen (abgerundet auf volle Jahre) auf 20 Jahre begrenzt ist, beträgt der Ertragsanteil gem. § 55 EStDV nur 21 %.

Die gesamte Laufzeit der Rente beträgt vorliegend (abgerundet auf volle Jahre) 20 Jahre. Frau A muss im Jahr 2017 versteuern:

Rentenbetrag 6.000 €  
Ertragsanteil (Laufzeit 21 J. / § 55 EStDV = 21 % 1.260 €
- Werbungskosten-Pauschbetrag 102 €
Renteneinkünfte 1.158 €

Frau A trägt in Anlage R ein:

Zeile 14        Kennziffer 130                         7

Zeile 15        Kennziffer 131               6.000 €

Zeile 16        Kennziffer 132          01.12.1999

Zeile 17        Kennziffer 136          10.02.1960