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Tipp 28 Rente aus einer Lebensversicherung

Anlage R Zeile 14

Ab 2005 hat sich die Besteuerung von Leistungen aus einer Lebensversicherung grundlegend geändert (Alterseinkünftegesetz).

Seitdem gilt für solche Verträge die sogenannte »nachgelagerte Besteuerung«. Erträge aus einer Renten-Lebensversicherung, z. B. aus einem Rürup-Renten-Vertrag, sind nach Ablauf einer Übergangsfrist bis zum Jahr 2039 in vollem Umfang zu versteuern, auch wenn die Leistung auf Beiträge beruht, die vor 2005 gezahlt worden sind. Im Gegenzug sind  die Beiträge in solche Lebensversicherungen weitgehend absetzbar.

Leistungen aus einer Lebensversicherung

Leistungen aus einer Lebensversicherung können steuerfrei oder steuerpflichtig sein.

I. Steuerfreie Leistungen

Steuerfrei sind Leistungen aus einer Risikolebensversicherung, , z. B. auf Sterbegeld, aus einer Invaliden- oder Unfallversicherung ohne Beitragsrückzahlung. Leistungen können nur steuerpflichtig sein, wenn sie einen Sparanteil enthalten.

Einmaliges Sterbegeld vom Versorgungswerk

Als Risikolebensversicherung gilt nicht der Anspruch auf ein einmaliges Sterbegeld im Zusammenhang mit Ansprüchen auf Rente aus einem berufsständischem Versorgungswerk. Es mangelt hier an konkreten Beitragsleistung in eine Risikolebensversicherung.

Das Sterbegeld aus einem berufsständischen Versorgungswerk unterliegt als "andere Leistung" gemäß § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Doppelbuchst. aa EStG mit dem Besteuerungsanteil der Einkommensteuer (BFH 23.11.2016 - X R 13/14).

II. Steuerpflichtige Leistungen

Soweit Leistungen aus einer Lebensversicherung nicht steuerfrei sind (siehe oben), sind sie steuerpflichtig. Die Leistungen können als sonstige Einkünfte (wiederkehrende Leistungen / Renten / § 22 Nr. 1 Satz 3 EStG) oder als einmalige Kapitalerträge (§ 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG) steuerpflichtig sein.

A. Leistungen als sonstige Einkünfte (Anlage R)

a) Leistungen aus Renten-Basisversicherungen

Leistungen aus einer Renten-Basisversicherung sind als sonstige Einkünfte steuerpflichtig. Sie sind mit ihrem Besteuerungsanteil in die nachgelagerte Besteuerung einzubeziehen. Dazu gehören Leibrenten und andere Leistungen aus den gesetzlichen Rentenversicherungen, der landwirtschaftlichen Alterskasse, den berufsständischen Versorgungseinrichtungen und aus kapitalgedeckten Leibrentenversicherungen (Rürup-Renten / § 22 Nummer 1 Satz 3 Buchstabe a Doppelbuchstabe aa EStG). Diese Regelung gilt sowohl für Leistungen von inländischen als auch von ausländischen Versorgungsträgern.

Auch einmalige Leistungen (z.B. Kapitalauszahlungen, Sterbegeld, Abfindung von Kleinbetragsrenten) werden mit ihrem Besteuerungsanteil (wie Renten) besteuert. Das gilt auch für Kapitalauszahlungen, bei denen die erworbenen Anwartschaften auf Beiträgen beruhen, die vor dem 1.1.2005 erbracht worden sind.

Die einmaligen Leistungen können alternativ nach § 34 Abs. 1 EStG (Fünftelregelung) besteuert werden. Voraussetzung für die Anwendung ist, dass eine >Zusammenballung von Einkünften eintritt, die bei Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit auf wirtschaftlich vernünftigen Gründen beruht und bei anderen Einkünften nicht dem vertragsgemäßen oder dem typischen Ablauf entspricht (R 34.4 Absatz 1 EStR 2012).

b) Leistungen aus Altersvorsorgeverträgen und betrieblicher Altersversorgung

Leistungen aus Altersvorsorgeverträgen (Riester-Rente) und Betriebsrenten (Renten aus Pensionsfonds, Pensionskassen oder Direktversicherungen / § 22 Nr. 5 EStG sind als sonstige Einkünfte in voller Höhe steuerpflichtig.

B. Leistungen als Kapitalerträge (Anlage KAP)

Wenn Erträge aus einer Lebensversicherung nicht als Rente steuerpflichtig sind, sind sie als Kapitalerträge zu verteuern.

Die Leistungen aus einer Lebensversicherung sind als Kapitalerträge zu versteuern, wenn es sich um nach dem 31.12.2004 abgeschlossene Rentenversicherungen handelt, bei denen keine lebenslange Rentenzahlung vereinbart und erbracht wird. In diesen Fällen wird die Besteuerung im Wege der Ermittlung des Unterschiedsbetrags nach § 20 Absatz 1 Nummer 6 EStG vorgenommen.

Die Leistungsmitteilung der Versicherungsgesellschaft ist als Ausfüllhilfe ausgestaltet. Tragen Sie die Beträge ein, wie es die Leistungsmitteilung vorsieht.

Anmerkung

Betriebspensionen (Anlage N)

Zu den Betriebsrenten im weiteren Sinne gehören die Betriebspensionen aufgrund von Pensionszusagen des Arbeitgebers. Hier handelt es sich um Versorgungsbezüge gem. § 19 Abs. 2 EStG, die als nachträgliche Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit steuerpflichtig sind.  

Übersicht

Fall 1: Kapitalauszahlung, Verträge vor 2005

Diese Verträge sind noch privilegiert, d. h. die Kapitalauszahlung ist in voller Höhe steuerfrei. Auch fallen keine Sozialversicherungsbeiträge an. Die Verträge müssen indessen nicht nur über 12 Jahre abgeschlossen sein. Hinzu kommt, dass der Vertrag mindestens 5 Jahre lang bedient worden sein muss. Bei Direktversicherungen über den Arbeitgeber muss zudem der Todesfallschutz mindestens 60 % der Beitragssumme betragen haben.

Fall 2: Kapitalauszahlung, Verträge ab 2005

Diese Verträge sind nicht mehr privilegiert, d. h. für Lebensversicherungen, die ab 2005 abgeschlossen wurden, ist ein Abzug der Beiträge nicht möglich. Die Einnahmen sind nach § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG als Einkünfte aus Kapitalvermögen zu versteuern. Der Versicherer muss 25 % Abgeltungsteuer einbehalten plus Nebensteuern. Ertrag ist im Erlebensfall der Unterschied zwischen der Versicherungsleistung und der Summe der auf sie entrichteten Beiträge, soweit nicht die Rentenzahlung gewählt wird (§ 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG).

Halber persönlicher Steuersatz möglich

Wird indessen eine Mindestlaufzeit von 12 Jahren eingehalten, ist eine Versteuerung mit dem halben persönlichen Steuersatz möglich (§ 20 Abs. 1 Nr. 6 Satz 2 EStG). Bei einem Spitzensteuersatz von 45 % beträgt die Steuer höchstens 22.5 %. Der Weg zur halben Besteuerung führt über die Abgabe der Anlage KAP mit dem Antrag auf Überprüfung der Abgeltungsteuer (Zeile 5). Sie als Steuerzahler müssen in diesem Fall die Steuerbescheinigung des Versicherers im Original beifügen.

Das Finanzamt veranlagt die Erträge aus der Versicherungsleistung mit dem halben persönlichen Steuersatz und rechnet die einbehaltene und abgeführte Abgeltungsteuer auf Ihre Einkommensteuer an (§ 32d Abs. 4 EStG).

Die Regelung hat steuerliche Bedeutung frühestens (Kj. 2005 + 12 Jahre Mindestlaufzeit =) in 2017.

Fall 3: Rentenzahlung (Verträge vor 2005)

Wird die Versicherungsleistung nicht in einer Summe ausgezahlt, sondern als monatliche Rente, werden die Einnahmen mit dem Ertragsanteil versteuert (§ 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 i. V. mit § 22 Nr. 1 Tabelle 2 EStG).

Beispiel:

Beginnt die Rente mit dem 65. Lebensjahr, gelten 18 % der ausgezahlten Rente als steuerpflichtiger Ertragsanteil.

Fall 4: Rentenzahlung (Verträge ab 2005)                          

Ab 2005 sind nur noch kapitalgedeckte Lebensversicherungen begünstigt, wenn die Leistung im Erlebensfall in einer Rente besteht. Diese Lebensversicherungen werden als Rürup-Rentenversicherungen bezeichnet.

Beispiel:

Beginnt die Rente in 2017, beträgt der Besteuerungsanteil 74 % (§ 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 i. V. mit § 22 Nr. 1 Tabelle 1 EStG). Der Rest besteht in einem Freibetrag (Rentenfreibetrag).

⇒   Übersicht für 2018

Lebensversicherung: Was ist absetzbar, was steuerpflichtig?

Lebensversicherungen treten in unterschiedlichen Ausgestaltungen auf. Je nach Ausgestaltung und Abschlusszeitpunkt werden Lebensversicherungen bei der Einkommensteuer unterschiedlich behandelt.

Hier eine Übersicht nach der Rechtslage für 2018

Versicherungsart Geleistete Beiträge Vereinnahmte Beträge
Risikolebensversicherung    
Altvertrag (vor 2005) und Neuvertrag (nach 2004) Zeile 50 Anlage Vorsorgeaufwand, absetzbar im Rahmen des Höchstbetrags von 1.900 / 3.800 €* bei Arbeitnehmern, Beamten, Rentnern, Pensionären und von 2.800 / 5.600 €* bei Selbständigen (§ 10 Abs. 1 Nr. 3 und Abs. 4 EStG) Ausgezahlter Betrag ist steuerfrei.
Kapitallebensversicherung / Rentenversicherung mit Kapitalwahlrecht    
Altvertrag (vor 2005)

Anlage Vorsorgeaufwand Zeile 51: absetzbar im Rahmen des Höchstbetrags von 1.900 / 3.800 €* bei Arbeitnehmern, Rentnern, Beamten, Pensionären und von 2.800 / 5.600 €* bei Selbständigen (§ 10 Abs. 1 Nr. 3, Abs. 4 EStG)

Absetzbar mit 88 % der Aufwendungen (§ 10 Abs. 1 Satz 2 EStG 2004). Die Kürzung wird vom Finanzamt vorgenommen

Bei Auszahlung in einer Summe: Steuerfrei bei Vertragsdauer von mindestens 12 Jahren (§ 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG).

Bei Auszahlung als Rente:

Anlage R: Steuerpflichtig mit dem Ertragsanteil aus § 22 Nr. 1 a) bb) EStG (Tabelle 2, z. B. Alter bei Rentenbeginn 65 J. = 18 %)

Neuvertrag (nach 2004) Nicht absetzbar

Bei Auszahlung in einer Summe:

Anlage KAP: Unterschied zwischen der ausgezahlten Versicherungs-summe und den eingezahlten Beiträgen ist zur Hälfte steuerpflichtig, wenn die Auszahlung nach 62. Lebensjahr erfolgt und Vertragsdauer mindestens 12 Jahre beträgt (§ 20 Abs. 1 Nr. 6 Satz 2 EStG)

Bei Auszahlung als Rente:

Anlage R: Steuerpflichtig mit dem Ertragsanteil aus § 22 Nr. 1 a) bb) EStG (Tabelle 2, z. B. Alter bei Rentenbeginn 65 J. = 18 %)

Fondsgebundene Lebensversicherung    
Altvertrag (vor 2005) Nicht absetzbar Steuerfrei, § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG, bei Vertragsdauer von mindest. 12 Jahren.
Neuvertrag (nach 2004) Nicht absetzbar

Bei Auszahlung in einer Summe:

Erträge steuerfrei, § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG bei Vertragsdauer von mindest. 12 Jahren.

Bei Auszahlung als Rente:

Anlage R: Steuerpflichtig mit Ertragsanteil aus § 22 Nr. 1 a) bb) EStG (Tabelle 2, z. B. Alter bei Rentenbeginn 65 J. = 18 %)

Basisrentenversicherung    
Altvertrag (vor 2005) Anlage Vorsorgeaufwand: Absetzbar im Rahmen des Höchstbetrags von 1.900 / 3.800 €* bei Arbeitnehmern, Rentnern, Beamten, Pensionären und von 2.800 / 5.600 €* bei Selbständigen (§ 10 Abs. 1 Nr. 3, Abs. 4 EStG) Anlage R: Steuerpflichtig mit dem Ertragsanteil aus § 22 Nr. 1 a) bb) EStG (Tabelle 2, z. B. Alter bei Rentenbeginn 65 J. = 18 %)
Neuvertrag (ab 01.01.2005 / Rürup-Rentenvertrag)

Anlage Vorsorgeaufwand: Absetzbar 86 % der Aufwendungen (Wert  2018), höchstens 86 % von 23.712 € / 46.424 € (West); 21.193 € / 42.386 € (Ost).*

Anlage R: Steuerpflichtig mit dem Besteuerungsanteilanteil aus § 22 Nr. 1 a) aa) EStG (Tabelle 1, 76 % Wert für 2018)
*Alleinstehende / Ehepartner