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Tipp 28 Rente aus einer Lebensversicherung

Anlage R Zeile 14

Das Alterseinkünftegesetz

Ab 2005 hat sich durch das Alterseinkünftegesetz die Besteuerung von Leistungen aus einer Lebensversicherung grundlegend geändert.

Seitdem gilt für Verträge ab 2005 die sogenannte »nachgelagerte Besteuerung«. Dadurch sind Beiträge zu einer Renten-Lebensversicherung, z. B. aus einem Rürup-Renten-Vertrag - zumindest langfristig - weitgehend von der Steuer absetzbar. Im Gegenzug sind aber die Erträge später in vollem Umfang versteuern.

Ob eine Leistung aus einer Lebensversicherung steuerpflichtig ist, hängt somit davon ab, ob der Sparer den Vertrag vor oder nach 2005 abgeschlossen hat und außerdem, ob er eine einmalige Summe oder eine Rente erhält. 

→ Nur Besteuerung im Erlebensfall

Leistungen aus einer Lebensversicherung sind nur steuerpflichtig im Erlebensfall (§ 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG). Kapitalauszahlungen, die im Todesfall geleistet werden, sind somit stets einkommensteuerfrei.

→ Leistungen aus einem Altvertrag (vor 2005)

Zu unterscheiden sind Leistungen in einer Summe oder in Form einer Rente.

  • Leistungen in einer Summe

Leistungen aus einem Altvertrag in einer Summe sind steuerfrei, wenn der Vertrag auf 12 Jahre abgeschlossen worden ist, mindestens 5 Jahre Beiträge gezahlt worden sind und der Todesfallschutz mindestens 60 % beträgt. Versicherungsleistungen in einer Summe aus diesen Altverträgen haben also in der Steuererklärung nichts zu suchen.

Unter bestimmten Umständen sind Leistungen in einer Summe aus Altverträgen allerdings steuerpflichtig, z. B. bei Kapitalversicherungen mit Einmalbeitrag, Kapitalwahlrecht oder Laufzeit unter 12 Jahren. Erträge aus diesen Verträgen unterliegen der Abgeltungssteuer und sind im Veranlagungsfalle mit dem pauschalen Tarif von 25 % zu versteuern. Die Versicherungsgesellschaften stellen entsprechende Steuerbescheinigungen aus.

Kommt eine Lebensversicherung im Todesfalls zum Tragen, ist die geleistete Zahlung ebenfalls in voller Höhe steuerfrei.

  • Leistungen in Form einer Rente

Wird anstelle einer Leistung in einer Summe eine Rente gezahlt, sind die Einnahmen in Höhe des Ertragsanteils der Rente steuerpflichtig (Zeile 14 – 19 Anlage R, Rententabelle 2).

Beispiel:

Beginnt die Rente mit dem 65. Lebensjahr, gelten 18 % der ausgezahlten Rente als steuerpflichtiger Ertragsanteil (§ 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 i. V. mit § 22 Nr. 1Tabelle 2 EStG).

→ Leistungen aus einem Neuvertrag (ab 2005)

Was von den Einnahmen aus einer Lebensversicherung an das Finanzamt geht, hängt zunächst davon ab, ob der Versicherungskunde eine einmalige Summe erhält oder eine lebenslange Rente. Erhält der Versicherungskunde eine einmalige Summe, hängt die Besteuerung davon ab, ob er den Vertrag vor 2005 abgeschlossen hat. Vier Fälle sollen dies verdeutlichen.

Fall 1: Kapitalauszahlung, Verträge vor 2005

Diese Verträge sind noch privilegiert, d. h. die Kapitalauszahlung ist in voller Höhe steuerfrei. Auch fallen keine Sozialversicherungsbeiträge an. Die Verträge müssen indessen nicht nur über 12 Jahre abgeschlossen sein. Hinzu kommt, dass der Vertrag mindestens 5 Jahre lang bedient worden sein muss. Bei Direktversicherungen über den Arbeitgeber muss zudem der Todesfallschutz mindestens 60 % der Beitragssumme betragen haben.

Fall 2: Kapitalauszahlung, Verträge ab 2005

Diese Verträge sind nicht mehr privilegiert, d. h. für Lebensversicherungen, die ab 2005 abgeschlossen wurden, ist ein Abzug der Beiträge nicht möglich. Die Einnahmen sind nach § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG als Einkünfte aus Kapitalvermögen zu versteuern. Der Versicherer muss 25 % Abgeltungsteuer einbehalten plus Nebensteuern. Ertrag ist im Erlebensfall der Unterschied zwischen der Versicherungsleistung und der Summe der auf sie entrichteten Beiträge, soweit nicht die Rentenzahlung gewählt wird (§ 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG).

Halber persönlicher Steuersatz möglich

Wird indessen eine Mindestlaufzeit von 12 Jahren eingehalten, ist eine Versteuerung mit dem halben persönlichen Steuersatz möglich (§ 20 Abs. 1 Nr. 6 Satz 2 EStG). Bei einem Spitzensteuersatz von 45 % beträgt die Steuer höchstens 22.5 %. Der Weg zur halben Besteuerung führt über die Abgabe der Anlage KAP mit dem Antrag auf Überprüfung der Abgeltungsteuer (Zeile 5). Sie als Steuerzahler müssen in diesem Fall die Steuerbescheinigung des Versicherers im Original beifügen.

Das Finanzamt veranlagt die Erträge aus der Versicherungsleistung mit dem halben persönlichen Steuersatz und rechnet die einbehaltene und abgeführte Abgeltungsteuer auf Ihre Einkommensteuer an (§ 32d Abs. 4 EStG).

Die Regelung hat steuerliche Bedeutung frühestens (Kj. 2005 + 12 Jahre Mindestlaufzeit =) in 2017.

Fall 3: Rentenzahlung (Verträge vor 2005)

Wird die Versicherungsleistung nicht in einer Summe ausgezahlt, sondern als monatliche Rente, werden die Einnahmen mit dem Ertragsanteil versteuert (§ 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 i. V. mit § 22 Nr. 1 Tabelle 2 EStG).

Beispiel:

Beginnt die Rente mit dem 65. Lebensjahr, gelten 18 % der ausgezahlten Rente als steuerpflichtiger Ertragsanteil.

Fall 4: Rentenzahlung (Verträge ab 2005)                          

Ab 2005 sind nur noch kapitalgedeckte Lebensversicherungen begünstigt, wenn die Leistung im Erlebensfall in einer Rente besteht. Diese Lebensversicherungen werden als Rürup-Rentenversicherungen bezeichnet.

Beispiel:

Beginnt die Rente in 2017, beträgt der Besteuerungsanteil 74 % (§ 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 i. V. mit § 22 Nr. 1 Tabelle 1 EStG). Der Rest besteht in einem Freibetrag (Rentenfreibetrag).

⇒   Übersicht für 2018

Lebensversicherung: Was ist absetzbar, was steuerpflichtig?

Lebensversicherungen treten in unterschiedlichen Ausgestaltungen auf. Je nach Ausgestaltung und Abschlusszeitpunkt werden Lebensversicherungen bei der Einkommensteuer unterschiedlich behandelt.

Hier eine Übersicht nach der Rechtslage für 2018

Versicherungsart Geleistete Beiträge Vereinnahmte Beträge
Risikolebensversicherung    
Altvertrag (vor 2005) und Neuvertrag (nach 2004) Zeile 50 Anlage Vorsorgeaufwand, absetzbar im Rahmen des Höchstbetrags von 1.900 / 3.800 €* bei Arbeitnehmern, Beamten, Rentnern, Pensionären und von 2.800 / 5.600 €* bei Selbständigen (§ 10 Abs. 1 Nr. 3 und Abs. 4 EStG) Ausgezahlter Betrag ist steuerfrei.
Kapitallebensversicherung / Rentenversicherung mit Kapitalwahlrecht    
Altvertrag (vor 2005)

Anlage Vorsorgeaufwand Zeile 51: absetzbar im Rahmen des Höchstbetrags von 1.900 / 3.800 €* bei Arbeitnehmern, Rentnern, Beamten, Pensionären und von 2.800 / 5.600 €* bei Selbständigen (§ 10 Abs. 1 Nr. 3, Abs. 4 EStG)

Absetzbar mit 88 % der Aufwendungen (§ 10 Abs. 1 Satz 2 EStG 2004). Die Kürzung wird vom Finanzamt vorgenommen

Bei Auszahlung in einer Summe: Steuerfrei bei Vertragsdauer von mindestens 12 Jahren (§ 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG).

Bei Auszahlung als Rente:

Anlage R: Steuerpflichtig mit dem Ertragsanteil aus § 22 Nr. 1 a) bb) EStG (Tabelle 2, z. B. Alter bei Rentenbeginn 65 J. = 18 %)

Neuvertrag (nach 2004) Nicht absetzbar

Bei Auszahlung in einer Summe:

Anlage KAP: Unterschied zwischen der ausgezahlten Versicherungs-summe und den eingezahlten Beiträgen ist zur Hälfte steuerpflichtig, wenn die Auszahlung nach 62. Lebensjahr erfolgt und Vertragsdauer mindestens 12 Jahre beträgt (§ 20 Abs. 1 Nr. 6 Satz 2 EStG)

Bei Auszahlung als Rente:

Anlage R: Steuerpflichtig mit dem Ertragsanteil aus § 22 Nr. 1 a) bb) EStG (Tabelle 2, z. B. Alter bei Rentenbeginn 65 J. = 18 %)

Fondsgebundene Lebensversicherung    
Altvertrag (vor 2005) Nicht absetzbar Steuerfrei, § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG, bei Vertragsdauer von mindest. 12 Jahren.
Neuvertrag (nach 2004) Nicht absetzbar

Bei Auszahlung in einer Summe:

Erträge steuerfrei, § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG bei Vertragsdauer von mindest. 12 Jahren.

Bei Auszahlung als Rente:

Anlage R: Steuerpflichtig mit Ertragsanteil aus § 22 Nr. 1 a) bb) EStG (Tabelle 2, z. B. Alter bei Rentenbeginn 65 J. = 18 %)

Basisrentenversicherung    
Altvertrag (vor 2005) Anlage Vorsorgeaufwand: Absetzbar im Rahmen des Höchstbetrags von 1.900 / 3.800 €* bei Arbeitnehmern, Rentnern, Beamten, Pensionären und von 2.800 / 5.600 €* bei Selbständigen (§ 10 Abs. 1 Nr. 3, Abs. 4 EStG) Anlage R: Steuerpflichtig mit dem Ertragsanteil aus § 22 Nr. 1 a) bb) EStG (Tabelle 2, z. B. Alter bei Rentenbeginn 65 J. = 18 %)
Neuvertrag (ab 01.01.2005 / Rürup-Rentenvertrag)

Anlage Vorsorgeaufwand: Absetzbar 86 % der Aufwendungen (Wert  2018), höchstens 86 % von 23.712 € / 46.424 € (West); 21.193 € / 42.386 € (Ost).*

Anlage R: Steuerpflichtig mit dem Besteuerungsanteilanteil aus § 22 Nr. 1 a) aa) EStG (Tabelle 1, 76 % Wert für 2018)
*Alleinstehende / Ehepartner