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Tipp 22 Gesetzliche Erwerbsminderungsrente

Anlage R Zeile 4

Bei den Erwerbsminderungsrenten gilt es zu unterscheiden:

  • Erwerbsminderungsrenten aus der beruflichen Unfallversicherung (Berufsgenossenschaft) sind nach § 3 Nr. 1 Buchst. a EStG steuerfrei und brauchen deswegen nicht angegeben zu werden.
  • Erwerbsminderungsrenten aus der gesetzlichen Rentenversicherung werden wie die übrigen Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung mit dem Besteuerungsanteil besteuert (§ 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a, Doppelbuchst. aa EStG / BFH 13.4.2011, X R 54/09). Sie sind in Zeile 4 bis 13 der Anlage R anzugeben.
  • Erwerbsunfallrenten aus einer privaten Versicherung sind mit dem Ertragsanteil / Zinsanteil steuerpflichtig (§ 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a, Doppelbuchst. bb EStG). Sie sind in Zeile 14 bis 20 der Anlage R einzutragen.

⇒   Gesetzliche Erwerbsminderungsrente

Die Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit aus der gesetzlichen Rentenversicherung werden befristet gezahlt, und zwar längstens für 3 Jahre nach Rentenbeginn. Sie werden unbefristet geleistet, wenn unwahrscheinlich ist, dass die Minderung der Erwerbsfähigkeit behoben werden kann; hiervon ist nach einer Gesamtdauer der Befristung von 9 Jahren auszugehen (§ 102 Abs. 2 SGB VI).

Weil es sich bei der Erwerbsunfähigkeitsrente um eine Rente der gesetzlichen Rentenversicherung handelt, unterliegen sie der nachgelagerten Rentenbesteuerung.

Dies bedeutet: Seit 2005 werden Erwerbsminderungsrenten und Altersrenten aus der gesetzlichen Rentenversicherung für die Höhe des steuerpflichtigen Anteils gleich behandelt. Auch bei Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit wird ein Rentenfreibetrag ermittelt und für die Folgejahre festgeschrieben. Eine Besteuerung mit dem günstigeren Ertragsanteil kommt ab 2005 nicht mehr in Betracht (BFH 13.04.2011 - X R 54/09).

Beispiel

A erhält seit dem 1.10.2014 eine Rente wegen voller Erwerbsminderung von 600 € monatlich, die befristet auf 3 Jahre gezahlt worden ist (Rentenfreibetrag 2014 somit: 100 % ./. 68 % Besteuerungsanteil = 32 % von 7.200 € = 2.304 €). Ab 1.10.2017 wird die Rente wegen voller Erwerbsminderung – wiederum befristet auf 3 Jahre – verlängert. Der bisherige Rentenfreibetrag von 2.304 € gilt im Jahr 2018 weiter.

Besteuerung 2018: Der Steuerzahler trägt für 2018 ein

Zeile 4 Gesetzliche Rentenversicherung Kennziffer 100          1

Zeile 5 Rentenbetrag                               Kennziffer 101 7.200 €

Zeile 6 Rentenanpassungsbetrag            Kennziffer 103       X €

Zeile 7 Beginn der Rente                         Kennziffer    01102013

Das Finanzamt rechnet

Rentenbetrag 2017

7.200 €

- Rentenfreibetrag

2.304 €

- Werbungskosten-Pauschbetrag

102 €

Renteneinkünfte

4.792 €

Ab 1.10.2019 bezieht der Rentner eine Regelaltersrente in Höhe von 900 €. Auch hier wird der Rentenfreibetrag von 2014 in Höhe von 32 %, neu berechnet aufgrund der Jahresrente von (900 € x 12 Monate =) 10.800 € angesetzt. Der Rentenfreibetrag beträgt dann 3.456 €.