Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

Tipp 02.1 Antrag auf Günstigerprüfung / Zeile 4

Anlage KAP Zeile 4

Der Schuldner Ihrer Kapitalerträge (Bank, Fondsgesellschaft, Kapitalgesellschaft etc.) hat Abgeltungsteuer auf Ihre Kapitalerträge einbehalten? Wenn Ihr Spitzensteuersatz niedriger als 25 % sein könnte, füllen Sie die Anlage KAP aus. Das Finanzamt prüft, ohne dass Ihnen Nachteile entstehen, ob Ihnen Abgeltungsteuer erstattet wird.

Antrag auf Günstigerprüfung

Den Antrag stellen Sie in Zeile 4. Das Finanzamt prüft daraufhin, ob auf Ihre Kapitalerträge eine geringere Steuer als 25 % erhoben wird.  Dies geschieht in der Weise, dass die Kapitalerträge dem restlichen Einkommen zugeschlagen werden. Liegt der sich dann ergebende Grenzsteuersatz unter 25 %, erhalten Sie zu viel gezahlte Abgeltungsteuer zurück. Liegt der Grenzsteuersatz darüber, bleibt es bei den 25 % auf Ihre Kapitalerträge.

Das Finanzamt prüft, ohne dass Ihnen Nachteile entstehen, ob Ihnen Abgeltungsteuer erstattet wird.

Sie müssen das Kästchen in Zeile 4 1 = Ja ankreuzen und sämtliche Kapitalerträge angeben.

Machen Sie dann auch weitere Angaben in Zeile 12 zum Sparer-Pauschbetrag und geben die von der Bank einbehaltenen Steuern in Zeile 48–53 an. In diesem Fall nicht vergessen, die Steuerbescheinigung beizufügen.

Beispiel:

Wer als Rentner, Student oder Auszubildender nur ein geringes Einkommen hat, sollte wegen seiner Kapitalerträge eine Anlage KAP abgeben und einen Antrag auf Günstigerprüfung stellen. Das Finanzamt prüft zu Gunsten des Antragstelles, ob sich eine Besteuerung der Kapitalerträge unterhalb des Steuersatzes von 25 % ergibt und erstattet zu viel gezahlte Steuer.

→ Problem: Zinsen aus Privatdarlehen

Zum Ärger des Fiskus tut sich bei Zinsen aus Privatdarlehen eine Lücke auf. Diese Zinsen unterliegen nicht der Abgeltungsteuer, sind aber steuerpflichtig und müssen deshalb in der Anlage KAP erklärt werden. Weil da mancher Steuerzahler in Erklärungsnot geraten könnte, hat man vorgesorgt. Macht ein Steuerzahler gezahlte Zinsen in seiner Steuererklärung als Werbungskosten geltend, muss der Empfänger damit rechnen, dass der Bearbeiter im Finanzamt eine Kontrollmitteilung fertigt, die zu den Akten des Empfängers genommen und später ausgewertet wird.

→ Hilfsmittel zur Erhebung der Abgeltungssteuer

Damit das Abzugsverfahren einigermaßen reibungslos funktioniert und sich die Zahl der Veranlagungsfälle in Grenzen hält, hat der Gesetzgeber vier wichtige Regelungen getroffen:

  1. Werbungskosten sind nicht absetzbar, dafür gibt es den Sparer-Pauschbetrag.
  2. Ein Freistellungsauftrag sorgt dafür, dass bereits im Abzugsverfahren der Sparer-Pauschbetrag abgezogen wird.
  3. Der Abzug von Kirchensteuer als Sonderausgaben wird pauschal durch Minderung der Kapitalertragsteuer berücksichtigt.
  4. Die Steuerbescheinigung enthält Hilfen zum Ausfüllen der Anlage KAP. 

→ Ungerecht: Das Nominalwertprinzip

Bei den Einkünften aus Kapitalvermögen wirkt das im Steuerrecht geltende Nominalwertprinzip für die Sparer besonders nachteilig. Das Nominalwertprinzip besagt, dass bei der Besteuerung der Kapitaleinkünfte die Inflation nicht abgezogen werden darf (BFH-Urteil vom 27.07.1967 - IV 300 / 64). Das genannte - historische - Urteil gilt auch heute noch. Damals hatte ein Steuerzahler einem nahen Angehörigen ein zinsloses Darlehen von 100.000 DM mit Wertsicherungsklausel gegeben und bei Fälligkeit des Darlehens aufgrund der Inflation insgesamt 121.000 DM zurückerhalten. Den Inflationsausgleich von 21.000 DM versteuerte das Finanzamt nach § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG als Erträge aus sonstigen Kapitalforderungen. Die Rechtfertigung dafür: Das Steuerrecht kann Fehler der Geldpolitik nicht ausgleichen.

 Quelle: §§ 20, 32d und 43 bis 45e EStG