Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

Tipp 02 Die Abgeltungsteuer

Anlage KAP

⇒   Abgeltungsteuer 25 %

Durch die Abgeltungsteuer ist die Steuerschuld auf private Kapitalerträge grundsätzlich beglichen: Banken, Fonds und Versicherungsgesellschaften führen monatlich von allen Kapitalerträgen, die sie auszahlen, anonym eine Pauschale von 25 % an den Fiskus ab, zzgl. Solidaritätszuschlag und ggfs. Kirchensteuer.

Die Abgeltungsteuer erfasst sowohl die laufenden Kapitalerträge (§ 20 Abs. 1 EStG) als auch die Erträge aus Veräußerungsgeschäften oder ähnlichen Tatbeständen (§ 20 Abs. 2 EStG). Nahezu alle Kapitalerträge werden lückenlos erfasst.

⇒   Wann individueller Steuersatz?

In bestimmten Fällen gilt der fixe Steuersatz von 25 % nicht. Dann wird der Anleger mit seinem individuellen Steuersatz veranlagt. Dazu ist die Anlage KAP abzugeben bei

a) Lebensversicherungserträgen, wenn diese nur hälftig versteuert werden müssen

b) Steuersatzspreizungen

c) Antrag für Gewinnausschüttungen aus sog. unternehmerischen Beteiligungen

d) verdeckten Gewinnausschüttungen, die das Einkommen der Gesellschaft gemindert haben.*

*Verdeckte Gewinnausschüttung (vGA): Eine reguläre Gewinnausschüttung einer Kapitalgesellschaft, z. B. einer GmbH, unterliegt der Abgeltungsteuer mit 25 %. Eine vGA ist indessen mit dem individuellen Steuersatz des Gesellschafters zu versteuern. Die vGA trägt den Namen »verdeckt«, weil diese Gewinnausschüttung - im Gegensatz zur offenen Gewinnausschüttung - nicht auf einem Gewinnverteilungsbeschluss beruht.

Eine vGA liegt insbesondere dann vor, wenn einem Gesellschafter zu Lasten der Gesellschaft außerhalb der offenen Ausschüttung Vermögenswerte zugeflossen sind, die sie einem Fremden dergestalt nicht zugewendet hätte. Das ist dann der Fall, wenn eine GmbH einem Gesellschafter ein zu hohes Gehalt oder einen zu hohen Kaufpreis beim Erwerb von Gegenständen zahlt oder der Gesellschafter selbst für Leistungen an ihn zu wenig Entgelt an diese

Weitere Beispiele für vGA:

- Ein Gesellschafter veräußert oder vermietet an die Gesellschaft ein Grundstück zu einem überhöhten Preis.

- Ein Gesellschafter veräußert an die Gesellschaft Waren zu einem überhöhten Preis.

- Ein Gesellschafter erhält von der Gesellschaft überhöhte Zinsen für ein der Gesellschaft gewährtes Darlehen.

⇒   Günstigerprüfung zum individuellen Steuersatz

Den Antrag stellen Sie in Zeile 4. Das Finanzamt prüft daraufhin, ob auf Ihre Kapitalerträge eine geringere Steuer als 25 % erhoben wird.  Dies geschieht in der Weise, dass die Kapitalerträge dem restlichen Einkommen zugeschlagen werden. Liegt der sich dann ergebende Grenzsteuersatz unter 25 %, erhalten Sie zu viel gezahlte Abgeltungsteuer zurück. Liegt der Grenzsteuersatz darüber, bleibt es bei den 25 % auf Ihre Kapitalerträge.

⇒   Sparer-Pauschbetrag / Freistellungsauftrag

Praktisch steuerfrei bleiben Kapitalerträge bis zur Höhe des Sparer-Pauschbetrages von 801 / 1.602 € (Alleinstehende / Ehepartner).

Mit dem Sparer-Pauschbetrag rechtfertigt der Gesetzgeber die Regelung, dass ein Abzug von Werbungskosten nicht möglich ist. Der Sparer-Pauschbetrag soll alle denkbaren Werbungskosten abgelten, bis auf wenige Ausnahmefälle..

Der Sparer-Pauschbetrag wird auch beim Steuerabzug berücksichtigt. Dazu muss der Sparer der Bank einen Freistellungsauftrag erteilen (§ 44a Abs. 2 EStG).

Aufteilung des Sparer-Pauschbetrages

Schätzen Sie überschlägig ab, was Sie jeweils an Kapitalerträgen erwarten können und fertigen Sie eine Aufstellung nach folgendem Muster:

Geschätzte Zinsen und Dividenden           Bank A          Bank B
Summe                                                          1.000 €          1.000 €

Als Verheirateter mit einem Freibetrag von 1.602 € erteilen Sie nun der Bank A einen Freistellungsauftrag über 1.000 € und der Bank B über den Rest von 602 €.

Freistellungsauftrag nachholen

Hatten Sie keinen Freistellungsauftrag erteilt oder ihn zu knapp bemessen, beantragen Sie eine Günstigerprüfung in Zeile 4 und Teilen in Zeile 12 den in Anspruch genommenen Sparer-Pauschbetrag mit.   

⇒   Kirchensteuer auf Kapitalerträge

Ab 2015 hält die Bank automatisch Kirchensteuer auf abgeltungsteuerpflichtige Kapitalerträge ein, wenn der Kunde kirchensteuerpflichtig ist. Dazu wird von der Bank einmal jährlich beim Bundeszentralamt für Steuern das so genannte »Kirchensteuerabzugsmerkmal« des Kunden abgefragt (§ 51a EStG).

Die in der Steuerbescheinigung ausgewiesene Kirchensteuer auf Kapitalerträge ist nicht als Sonderausgaben absetzbar, weil bereits bei der Abgeltungsteuer von 25 % ein Abschlag wegen des gesetzlichen Sonderausgabenabzugs vorgenommen wird. Dies führt bei einem Kirchensteuersatz von 9 % zu einem Abgeltungssteuersatz von 24.45 % = Divisor 4.09, bei einem Kirchensteuersatz von 8 % (Bayern und Baden-Württemberg) von 24.51 % = Divisor 4.08.

Beispielsrechnung:

Zinseinkünfte bei Kirchensteuer von 9 %   1.000.00 €
Kapitalertragsteuer (1.000.00 € : 4.09) 244.49 €  
Solidaritätszuschlag (5.5 % von 244.49 €) 13.44 €  
Kirchensteuer (9 % von 244.49 €) 22.00 €  
Summe 279.93 € > 279,93 €
Gutschrift der Bank   720.07 €

⇒   Nichtveranlagungsbescheinigung beantragen?

Von Kapitalerträgen wird regelmäßig vom Schuldner / Bank Abgeltungsteuer einbehalten und abgeführt. Legt der Sparer / Kapitalanleger dem Schuldner / der Bank  eine sog. Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung) vor, werden die Kapitalerträge ungekürzt (brutto) ausgezahlt (§ 44a Abs. 1 Satz 4 EStG).

Die NV-Bescheinigung wird ausgestellt, wenn entweder die Kapitalerträge den Sparer-Pauschbetrag nicht übersteigen oder wenn anzunehmen ist, dass auch für Fälle der Günstigerprüfung nach § 32d Abs. 6 EStG keine Steuer entsteht, wenn also voraussichtlich Ihr zu versteuerndes Einkommen den Grundfreibetrag nicht übersteigt und deswegen keine Einkommensteuer anfällt (§ 32a EStG).

Dies bedeutet:

Wer wegen geringer Einkünfte überhaupt keine Einkommensteuer zahlen muss, z. B. als Rentner, aber Kapitalerträge hat, kann sich vom Kapitalertragssteuerabzug vollständig befreien lassen. Das Finanzamt stellt dafür auf Antrag eine NV-Bescheinigung aus (§ 44a EStG). Legen Sie die NV-Bescheinigung Ihrer Bank vor, sind Ihre Kapitalerträge in voller Höhe steuerfrei. Die NV-Bescheinigung ist drei Jahre gültig.

Die NV-Bescheinigung wird ausgestellt, wenn voraussichtlich das zu versteuernde Einkommen 8.820 / 17.640 € (Alleinstehende / Ehepartner / Werte für 2017) nicht übersteigt und deswegen keine Einkommensteuer anfällt (§ 32a EStG). Zur

Veräußerungsgewinne steuerpflichtig

Vor Einführung der Abgeltungsteuer im Jahre 2009 waren Gewinne aus der Veräußerung von Kapitalvermögen weitgehend steuerfrei. Nach Einführung der Abgeltungsteuer werden auch Veräußerungstatbestände besteuert, als da sind (§ 20 Abs. 2 EStG):

  1. Die Veräußerung von Anteilen / Aktien an einer Körperschaft (z. B. AG, GmbH), Genussrechten oder ähnlichen Beteiligungen. Die Veräußerung von Beteiligungen an Körperschaften wird damit generell der Besteuerung unterworfen. Diese Veräußerungen gehören nicht mehr zu den >>privaten Veräußerungsgeschäften<< nach § 23 EStG,
  2. die isolierte Veräußerung von Dividendenscheinen und ähnlichen Ansprüchen sowie die isolierte Veräußerung von Zinsscheinen und Zinsforderungen,
  3. Termingeschäfte, durch die der Steuerzahler einen Differenzausgleich erlangt, sowie die Veräußerungsgewinne eines als Termingeschäft ausgestalteten Finanzinstruments,
  4. die Veräußerung oder Abtretung von Forderungen aus einer stillen Beteiligung an einem Handelsgewerbe oder aus einem partiarischen Darlehen,
  5. die Übertragung von Hypotheken, Grundschulden und Rentenschulden,
  6. die Veräußerung von Ansprüchen auf eine Versicherungsleistung, insbesondere die Abtretung der Ansprüche aus Kapitallebensversicherungen,
  7. die Veräußerung von sonstigen Kapitalforderungen jeder Art. Erfasst werden in diesem Zusammenhang auch Wertzuwächse aus Kapitalforderungen, deren volle oder teilweise Rückzahlung nicht zugesagt ist,
  8. die Übertragung oder Aufgabe einer Rechtsposition i. S. v. § 20 Abs. 1 Nr. 9 EStG.

→ Problem: Zinsen aus Privatdarlehen

Zum Ärger des Fiskus tut sich bei Zinsen aus Privatdarlehen eine Lücke auf. Diese Zinsen unterliegen nicht der Abgeltungsteuer, sind aber steuerpflichtig und müssen deshalb in der Anlage KAP erklärt werden. Weil da mancher Steuerzahler in Erklärungsnot geraten könnte, hat man vorgesorgt. Macht ein Steuerzahler gezahlte Zinsen in seiner Steuererklärung als Werbungskosten geltend, muss der Empfänger damit rechnen, dass der Bearbeiter im Finanzamt eine Kontrollmitteilung fertigt, die zu den Akten des Empfängers genommen und später ausgewertet wird.

→ Hilfsmittel zur Erhebung der Abgeltungssteuer

Damit das Abzugsverfahren einigermaßen reibungslos funktioniert und sich die Zahl der Veranlagungsfälle in Grenzen hält, hat der Gesetzgeber vier wichtige Regelungen getroffen:

  1. Werbungskosten sind nicht absetzbar, dafür gibt es den Sparer-Pauschbetrag.
  2. Ein Freistellungsauftrag sorgt dafür, dass bereits im Abzugsverfahren der Sparer-Pauschbetrag abgezogen wird.
  3. Der Abzug von Kirchensteuer als Sonderausgaben wird pauschal durch Minderung der Kapitalertragsteuer berücksichtigt.
  4. Die Steuerbescheinigung enthält Hilfen zum Ausfüllen der Anlage KAP. 

→ Ungerecht: Das Nominalwertprinzip

Bei den Einkünften aus Kapitalvermögen wirkt das im Steuerrecht geltende Nominalwertprinzip für die Sparer besonders nachteilig. Das Nominalwertprinzip besagt, dass bei der Besteuerung der Kapitaleinkünfte die Inflation nicht abgezogen werden darf (BFH-Urteil vom 27.07.1967 - IV 300 / 64). Das genannte - historische - Urteil gilt auch heute noch. Damals hatte ein Steuerzahler einem nahen Angehörigen ein zinsloses Darlehen von 100.000 DM mit Wertsicherungsklausel gegeben und bei Fälligkeit des Darlehens aufgrund der Inflation insgesamt 121.000 DM zurückerhalten. Den Inflationsausgleich von 21.000 DM versteuerte das Finanzamt nach § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG als Erträge aus sonstigen Kapitalforderungen. Die Rechtfertigung dafür: Das Steuerrecht kann Fehler der Geldpolitik nicht ausgleichen.

 Quelle: §§ 20, 32d und 43 bis 45e EStG