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Tipp 10 Verluste aus Kapitalvermögen verrechnen

Anlage KAP, Zeilen 10 oder 11

Tragen Sie den in der Steuerbescheinigung ausgewiesenen Verlust in die Zeilen 10 oder 11 ein. Der Verlust wird mit den Kapitalerträgen verrechnet, die Sie in die Zeilen 7 bis 10 eingetragen haben.

⇒    Verlustausgleich eingeschränkt

Über Verluste freut sich niemand, es sei denn, sie stehen als fiktive Verluste nur auf dem Papier. Immerhin drücken Verluste die Steuerlast, egal ob es sich um echte oder fiktive Verluste handelt. Nachdem Kapitalerträge aber nur noch mit 25 % steuerpflichtig sind, hat der Fiskus für Verluste aus Kapitalvermögen ein Verrechnungsverbot mit Einkünften aus anderen Einkunftsarten verhängt. Der Fiskus lässt die Verrechnung von Verlusten nur innerhalb der Kapitaleinkünfte zu (§ 20 Abs. 6 EStG).

Verluste aus Kapitalvermögen (§ 20 Abs. 6 EStG)

Negative Abgeltungsteuereinkünfte können mit positiven tariflich besteuerten Kapitalerträge verrechnet werden. Dies bedeutet: Wird ein Antrag gemäß § 32d Abs. 6 EStG (Günstigerprüfung wegen Verlust) gestellt, können negative Einkünfte aus Kapitalvermögen, die dem gesonderten Tarif des § 32d Abs. 1 EStG unterliegen, mit positiven tariflich besteuerten Einkünften aus Kapitalvermögen verrechnet werden (insoweit entgegen BMF-Schreiben vom 18. Januar 2016 IV C 1-S 2252).

Aktienveräußerungsverluste dürfen indessen nur mit Aktienveräußerungsgewinnen ausgeglichen bzw. verrechnet werden (eigenständiger Verlustvortrag).

Verbleibende Verluste aus Kapitalvermögen dürfen nicht mit anderen Einkunftsarten verrechnet werden. Diese dürfen nur im Rahmen des Verlustvortrags mit anderen Kapitaleinkünften verrechnet werden.

In Zeile 8 sind zusätzlich die in Zeile 7 enthaltenen Gewinne aus Kapitalerträgen i. S. d. § 20 Abs. 2 EStG (Veräußerungsgewinne) einzutragen. Dazu gehören auch die Stückzinsen.

Tragen Sie die Beträge entsprechend den Angaben in der Steuerbescheinigung ein. Das Finanzamt benötigt die Angaben der bereits in Zeile 7 enthaltenen Veräußerungsgewinne noch einmal als Einzelbetrag, weil mögliche Veräußerungsverluste nur mit Veräußerungsgewinnen verrechnet werden dürfen (§ 20 Abs. 6 EStG).

Verluste, die in der Luft hängen, können in künftige Veranlagungsjahre vorgetragen werden. Ein Verlustrücktrag ist nicht möglich.

⇒   Verrechnung innerhalb der Bank

Um unnötige Veranlagungsfälle zu vermeiden ist geregelt, dass zuerst eine Verlustverrechnung auf der Ebene der Bank vorgenommen. Dazu hat die Bank für jeden Kunden zwei Verlustverrechnungstöpfe zu führen:

  1. Im Topf 1 werden nur die Verluste aus Aktienverkäufen verbucht, weil diese nur mit Gewinnen aus Aktienverkäufen verrechnet werden dürfen.
  2. Im Topf 2 werden alle anderen Verluste eingestellt.

Bereits im laufenden Jahr werden innerhalb der Töpfe die positiven Kapitalerträge mit den negativen einschließlich gezahlter Stückzinsen (§ 43a Abs. 3 EStG) direkt verrechnet. Können Verluste innerhalb des Jahres nicht vollständig verrechnet werden, hat der Kunde das Wahlrecht, entweder:

  1. a) Die Verluste bei seiner Bank in den Verlusttopf des Folgejahres zu übertragen oder
  2. b) Die Verluste im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung mit anderen Einkünften aus Kapitalvermögen, die der Kunde bei einer anderen Bank erzielt hat, zu verrechnen. Denn eine Verlustverrechnung zwischen verschiedenen Banken ist intern nicht möglich.

Übt der Kunde sein Wahlrecht unter b. aus, hat die Bank den nicht ausgeglichenen Verlust nach amtlich vorgeschriebenem Muster zu bescheinigen (§ 43 a Abs. 3 Satz 4 EStG). In diesem Fall darf die Bank keinen Verlust in den Verrechnungstopf des nächsten Jahres einbuchen, denn der Kunde wird nunmehr den Ausgleich mit anderen Kapitaleinkünften, die er außerhalb seiner Bank erzielt hat, im Rahmen der Steuerveranlagung vornehmen. Der Antrag auf die Bescheinigung ist unwiderruflich und muss bis zum 15. Dezember des laufenden Jahres der auszahlenden Stelle zugegangen sein (§ 43 a Abs. 3 Satz 5 EStG). Ferner erhält der Kunde eine Steuerbescheinigung. Es werden somit zwei Bescheinigungen ausgestellt.

  • Regelung bei Ehegatten

Haben Ehegatten der Bank einen gemeinsamen Freistellungsauftrag erteilt, muss die Bank eine depotübergreifende interne Verlustverrechnung durchführen.

⇒    Verrechnung im Finanzamt

Wenn eine bankinterne Verlustverrechnung nicht möglich ist, weil z. B. zwei verschiedene Banken beteiligt waren, kann die Verrechnung solcher Verluste nur im Wege der Veranlagung durchgeführt werden. Hierzu stellen Sie einen Antrag auf Überprüfung des Steuerabzugs.

Sie tragen z. B. ein:

Zeile 5   Ich beantrage die Überprüfung ...         Kennziffer 02    1 1 = Ja.

Zeile 7   Kapitalerträge lt. Steuerbescheinigung Kennziffer 10    3.500,- €

Zeile 10  Nicht ausgeglichener Verlust               Kennziffer 25    6.000,- €

Das Finanzamt wird in diesem Fall für Sie einen Verlustvortrag von 2.500,- € gesondert feststellen, der im nächsten Jahr berücksichtigt werden kann.

Quelle: § 20 EStG