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Tipp 03.2 Kapitalerträge im Ausland / Zeile 15

Anlage KAP, Zeile 15

Bei ausländischen Kapitalerträgen ermitteln Sie bitte den Gewinn / Verlust aus der Veräußerung jeder einzelnen Kapitalanlage und fügen Sie die Berechnungen auf einem besonderen Blatt bei. Voraussetzung ist, dass die Anschaffung dieser Wertpapiere nach dem 31.12.2008 erfolgt ist. Veräußerungserträge vor dem 1.1.2009 sind steuerfrei.

→ Internationaler Informationsaustausch über Kapitalerträge im Ausland

Bei Kapitalerträgen im Ausland ist immer zu prüfen, ob nach dem maßgebenden DBA überhaupt ein Besteuerungsrecht der Bundesrepublik Deutschland besteht. Hinsichtlich der Einkünfte aus Kapitalvermögen gilt nach den meisten DBA das so genannte Wohnsitzprinzip. Dies bedeutet, dass derjenige Staat das Besteuerungsrecht hat, in dessen Hoheitsgebiet der Steuerzahler wohnt. Wohnen Sie in Deutschland, müssen Sie also im Normalfall Ihre ausländischen Kapitalerträge dem deutschen Fiskus erklären.

Dies bringt so manchen Anleger in Erklärungsnot. In einer solchen Notlage hilft die Einsicht, dass innerhalb der EU und anderer Staaten inzwischen ein ausgeklügelter Informationsaustausch abläuft, der dazu führt, dass die Steuerverwaltungen der am Informationsaustausch beteiligten Staaten darüber informiert sind, wenn ein Staatsbürger Kapitalerträge im Ausland bezogen hat.

→ Zu ausländischen Kapitalerträgen im Einzelnen

Es ist unterschiedlich zu verfahren, je nachdem, ob die ausländischen Kapitalerträge aus einem Depot / Konto stammen, das im Inland oder im Ausland geführt wird.

Besteht das Depot oder das Konto bei einer Bank im Ausland oder kommen die Kapitalerträge von einer ausländischen Bank oder der ausländischen Tochtergesellschaft einer deutschen Bank, wird keine deutsche Abgeltungssteuer einbehalten. Sie tragen die Kapitalerträge in die Zeilen 14 bis 19 ein.

→ Ausländische Quellensteuer

Wenn Sie Ihr Geld im Ausland angelegt haben, kann es Ihnen passieren, dass Sie doppelt zur Kasse gebeten werden, denn auch die Finanzbehörden im Ausland halten die Hand auf und erheben eine so genannte Quellensteuer. Die ausländische Quellensteuer wird aber im Prinzip vom deutschen Fiskus auf die deutsche Einkommensteuer angerechnet. Die ausländische Quellensteuer tragen Sie in Zeile 51 ein.

Quellensteuer überholt: Informationsaustausch

EU-Quellensteuer nach der Zinsinformationsverordnung, wie sie vormals erhoben wurde, gibt es seit 2016 für viele Staaten nicht mehr. Die EU-Länder und auch viele weitere Länder (mehr als 120) haben sich darauf verständigt, gegenseitig Informationen über Finanzkonten auszutauschen und so eine effektive Besteuerung der Auslandserträge sicherzustellen.

Nach dem OECD-Standard für den automatischen Informationsaustausch über Finanzkontendaten sind nicht nur Konten von natürlichen Personen, sondern auch von juristischen Personen sowie Rechtsträgern (einschließlich Trusts und Stiftungen) meldepflichtig. Begonnen wurde mit dem automatischen Informationsaustausch im September 2017 für den Meldezeitraum 2016. Inzwischen Stand: 2018 nehmen an dem Informationsaustausch über 120 Staaten und Gebiete teil.

Der  Informationsaustausch (Finanzkonten-Informationsaustauschgesetz vom 21.12.2015) läuft - vereinfacht dargestellt - wie folgt ab:

Von Deutschland ins Ausland

Deutsche Finanzinstitute  melden Finanzdaten von im Ausland ansässigen natürlichen Personen an das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt), welches diese Informationen an die zuständigen ausländischen Steuerbehörden für Zwecke der Einkommensbesteuerung weiterleitet.

Vom Ausland nach Deutschland

Im umgekehrten Fall erhält das BZSt von den ausländischen Steuerbehörden Informationen über Finanzdaten von Anlegern, die in Deutschland ansässig sind. Diese Informationen werden an das jeweils zuständige inländische Finanzamt für Zwecke der Einkommensbesteuerung weitergeleitet.

→ Auslandsfonds

Viel bequemer läuft die Verrechnung von Quellensteuern ab, wenn Sie Ihr Geld in einen Fonds investieren. Die ausländische Quellensteuer wird in diesen Fällen gleich in der passenden Höhe verrechnet.

Bei thesaurierenden Auslands-Fonds ist die Lage kompliziert

Thesaurierende Fonds schütten die Erträge nicht aus, sondern legen sie gleich wieder an. Trotzdem muss der Anleger die »ausschüttungsgleichen« Erträge Jahr für Jahr in Zeile 15 erklären. Die Werte finden sich auf den Depotauszügen.

Tipp: Verluste im Ausland nicht vergessen

Werden die Wertpapiere im Ausland verwahrt, muss der Anleger die erzielten Erträge in seiner Einkommensteuererklärung angeben (§ 32d Abs. 3 EStG). Dies gilt logischerweise auch für Verluste. Wollen Sie, dass Ihre ausländischen Verluste berücksichtigt werden, müssen Sie eine Anlage KAP abgeben.

Quelle: § 20 EStG