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Tipp 08 Kapitalerträge, günstiger im Teileinkünfteverfahren

Anlage KAP, Zeilen 23 und 24

Im Einzelfall kann die individuelle Besteuerung günstiger sein als die pauschale Besteuerung mit 25 %. Sind Sie z. B. an einer Kapitalgesellschaft unternehmerisch beteiligt, können Sie anstelle der pauschalen Besteuerung mit 25 % die tarifliche Besteuerung wählen. Von dem Wahlrecht auf tarifliche Besteuerung wird regelmäßig Gebrauch gemacht, wenn im Zusammenhang mit der Beteiligung hohe Finanzierungskosten anfallen (§ 32d Abs. 2 Nr. 3 EStG). Außerdem sind die Erträge in Höhe von 40 % steuerfrei (§ 3 Nr. 40a EStG), allerdings sind dann 40 % der Werbungskosten nicht absetzbar (§ 3c EStG). Man spricht in diesen Fällen von >>Teileinkünfteverfahren<<. 

Eine unternehmerische Beteiligung hat, wer an einer Kapitalgesellschaft unmittelbar oder mittelbar

- zu mindestens 25 % beteiligt ist oder

- zu 1 % beteiligt und beruflich für diese tätig ist.

Dazu tragen Sie in > Zeile 23 eine 1 (1 = Ja) ein.

Die auf diese Kapitalerträge entfallenden Steuerabzugsbeträge tragen Sie in die > Zeilen 53 und 54 ein.

Tragen Sie in > Zeile 24 den Namen der Gesellschaft ein, an der Sie unternehmerisch beteiligt sind. Sind Ihnen in diesem Zusammenhang Werbungskosten entstanden, ziehen Sie diese bei der Ermittlung der Einkünfte von den Erträgen ab und tragen das Ergebnis in > Zeile 24 ein.

⇒    Das Teileinkünfteverfahren

Die Besteuerung erfolgt in diesen Fällen im so genannten Teileinkünfteverfahren. Im Teileinkünfteverfahren werden Einnahmen und Werbungskosten jeweils nur zu 60 % angesetzt (§ 3 Nr. 40a i. V. mit § 3c EStG). Das Teileinkünfteverfahren wird vom Finanzamt automatisch berücksichtigt, wenn Sie das Wahlrecht in den > Zeilen 23 und 24 ausüben.

Der Antrag auf Anwendung der persönlichen (tariflichen) Einkommensteuer wirkt auch für die folgenden vier Veranlagungszeiträume. Wird der Antrag widerrufen, kann ein erneuter Antrag für diese Beteiligung erst wieder für das sechste Jahr nach erstmaligem Antrag gestellt werden (§ 32d Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 Sätze 2-5 EStG). Auf diese Weise will der Fiskus einen kurzfristigen steueroptimierten Wechsel verhindern.

Von dem Wahlrecht auf Anwendung der tariflichen Einkommensteuer wird regelmäßig Gebrauch gemacht, wenn im Zusammenhang mit der Beteiligung hohe Finanzierungskosten anfallen.

Beispiel:

Steuerzahler A ist an der Solartec GmbH beteiligt. Das Stammkapital der GmbH beträgt 500 .00 €. A hält davon 30 % = 150.000 €. Die Beteiligung, die zu seinem Privatvermögen gehört, hat A teilweise durch Aufnahme eines Bankkredits finanziert. An Finanzierungskosten sind insgesamt 9.000 € angefallen. Im Folgejahr hat er eine Gewinnausschüttung in Höhe von 22.500 € erhalten.

A erfüllt mit seiner Beteiligung von 30 % die Voraussetzungen für die Besteuerung mit dem tariflichen Steuersatz nach § 32d Abs. 2 Nr. 3 EStG und stellt den Antrag dafür in den > Zeilen 23 und 24.

In > Zeile 24 trägt Karl L. nur den Saldo in Höhe von 13.500,- € zwischen den bescheinigten Kapitalerträgen von 22.500,- € und den Werbungskosten von 9.000,- € ein. Die entsprechende Kürzung im Teileinkünfteverfahren auf jeweils 60 % = 8.100,- € wird vom Finanzamt vorgenommen.

Vorteilsrechnung 

Die Gewinnausschüttung ist mit dem Tag zugeflossen, der im Ausschüttungsbeschluss als Auszahlungstag benannt wurde (§ 8 und § 44 Abs. 2 EStG). Die Ausschüttung gehört zu den Kapitalerträgen nach § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG und wäre ohne Antrag auf unternehmerische Besteuerung in > Zeile 7 der Anlage KAP einzutragen. Mit der einbehaltenen Kapitalertragsteuer von 25 % wäre die Besteuerung damit grundsätzlich abgegolten gewesen (§ 43 Abs. 5 EStG). Nach Antrag auf Anwendung der tariflichen Einkommensteuer wird der Kapitalertrag nunmehr in die Veranlagung einbezogen.

A trägt in die Anlage KAP ein:

Zeile 23   Ich beantrage für die Einkünfte lt. Zeile 24....     1    1 = Ja

Zeile 24   Firma Solartec GmbH, FA Ibbenbüren, StNr. 1234567872 Kennziffer 72 13.500,- €*

Zeile 53   Kapitalertragsteuer         Kennziffer 86    5.625,- €**

Zeile 54   Solidaritätszuschlag           Kennziffer 87    309.37 €

* Kapitalerträge 22 500.- € abzüglich Werbungskosten 9.000,- € = 13.500,- €.

** 25 % von 22.500,- €.

  • Berechnung der Einkünfte

 Die Einkünfte im Teileinkünfteverfahren (§ 3 Nr. 40a EStG) betragen:

Gewinnausschüttung 22.500,- €, davon 60 % =  13.500 €
- Werbungskosten 9.000,- €, davon 60 %  5.400 €
Einkünfte aus Kapitalvermögen 8.100 €

Vorteilsrechnung

Antrag auf Veranlagung Ja Nein
Zu versteuerndes Einkommen 40.000 € 48.100 €
Einkommensteuer nach Grundtabelle 9.007 € 12.082 €
+ Kapitalertragsteuer 25 % 5.625 € -
Steuerbelastung insgesamt 14.632 € 12.082 €

Steuervorteil (Differenz)                                  2 250,- €

Quelle: § 20 EStG