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Tipp 01.1 Abgeltungsteuer / Günstigerprüfung beantragen

Anlage KAP

Mit der Abgeltungsteuer ist, wie der Name schon sagt, die Steuerschuld des Anlegers auf Kapitalerträge abgegolten. Eine Abgabe der Anlage KAP erübrigt sich.

Die der Abgeltungsteuer unterliegenden Kapitalerträge werden folglich nicht in die Veranlagung zur Einkommensteuer einbezogen, dementsprechend entfällt eine Anrechnung der Abgeltungsteuer auf die Einkommensteuer für andere Einkünfte des Anlegers.

⇒   Abgeltungsteuer

Kapitalerträge von Privatpersonen unterliegen nicht dem normalen (progressiven) Einkommensteuertarif, vielmehr muss die auszahlende Stelle, z. B. die Bank, eine 25 %-ige Abgeltungsteuer zuzüglich 5,5 % Solidaritätszuschlag und evtl. Kirchensteuer einbehalten und anonym an das Finanzamt abführen (§ 32d und §§ 43 bis 45e EStG).

Dies bedeutet: Durch die Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge ist die Besteuerung zunächst abgeschlossen (§ 43 Abs. 5 Satz 1 i. V. m. § 32d EStG). Folglich müssen Erträge aus dem Privatvermögen, die dem Steuerabzug unterlegen haben, regelmäßig nicht mehr gegenüber dem Finanzamt erklärt werden.

Viele Anleger verschenken indessen Geld, indem sie es unterlassen, die pauschale Steuer, wenn sie falsch sein sollte, über die Abgabe einer Anlage KAP zu korrigieren. Hierzu muss eine sog. Günstigerprüfung beantragt werden.

⇒   Günstigerprüfung

Mit der Abgabe der Anlage KAP und dem Eintrag 1 1 = Ja in Zeile 4 stellen Sie einen Antrag auf Günstigerprüfung. Diesen Antrag sollten Sie immer dann stellen, wenn Sie nicht sicher sind, ob Ihr Spitzensteuersatz niedriger ist als 25%.

Im Rahmen der Veranlagung führt das Finanzamt die Günstigerprüfung durch, ohne dass Ihnen Nachteile entstehen. Sie müssen sämtliche Kapitalerträge angeben und auch Angaben zum bisher in Anspruch genommenen Sparer-Pauschbetrag (= aufgrund eines Freistellungsauftrags freigestellte Zinsen) in Zeile 12 machen. Außerdem füllen Sie die Zeilen 48- 53 aus mit Angaben zu den eibehaltenen Steuern.

Die Günstigerprüfung sieht insbesondere diese Möglichkeiten vor:

1. Wenn der Sparer-Pauschbetrag nicht voll ausgeschöpft wurde.

2. Wenn der persönliche Steuersatz des Sparers niedriger ist als die Abgeltungsteuer.

3. Wenn der Bank bei der Berechnung eines Veräußerungsgewinns ein Fehler unterlaufen ist (Ersatzbemessungsgrundlage).

4. Wenn ein Verlust aus Kapitalvermögen auszugleichen ist.

Tipp: Antrag auf Günstigerprüfung wegen geringen Einkommens

Wer als Rentner, Student oder Auszubildender nur ein geringes Einkommen hat, sollte wegen seiner Kapitalerträge eine Anlage KAP abgeben und einen Antrag auf Günstigerprüfung stellen. Das Finanzamt prüft zu Gunsten des Antragstelles, ob sich eine Besteuerung der Kapitalerträge unterhalb des Steuersatzes von 25 % ergibt und erstattet zu viel gezahlte Steuer.

⇒   Keine Werbungskosten

Werbungskosten im Zusammenhang mit Kapitalerträgen, von denen Abgeltungsteuer einbehalten wurde, sind nicht absetzbar. So werden Fahrtkosten zur Hauptversammlung nicht berücksichtigt. Dafür erhalten die Anleger einen Sparer-Pauschbetrag 801 / 1.602 € (§ 20 Abs. 9 EStG / Alleinstehende / Ehepartner), den die auszahlende Stelle auf Antrag berücksichtigt, wenn sie einen Freistellungsauftrag (§ 44a Abs. 2 EStG) erhalten hat.

Eine Ausnahme besteht bei der Berechnung von Veräußerungsgewinnen durch Verkauf von Wertpapieren. An- und Verkaufsspesen mindern den steuerpflichtigen Veräußerungsgewinn.

⇒   Steuerbescheinigung, zugleich eine Ausfüllhilfe

Die Schuldner der Kapitalerträge (Banken etc.) haben auf Antrag dem Gläubiger (Kunden) eine Steuerbescheinigung auszustellen (§ 45a Abs. 2 EStG).

Die Steuerbescheinigung im Zusammenhang mit einer Günstigerprüfung oder der Überprüfung des Steuerabzugs ist nur auf Anforderung des Finanzamts einzureichen (Beleghaltevorschrift / § 36 Abs. 2 Nr. 2 EStG).

Soll indessen Kapitalertragsteuer auf Ihre Einkommensteuer angerechnet, ist eine Steuerbescheinigung im Original beizufügen. Die anzurechnenden Beträge weisen Sie also bitte anhand von Steuerbescheinigungen im Original nach.

Die Steuerbescheinigung hat für Sie eine wichtige Funktion:

  • Als Hilfe zum Ausfüllen der Anlage KAP, weil diese als Ausfüllhilfe ausgestaltet ist, d. h. zu den bescheinigten Kapitalerträgen ist jeweils die Zeile der Anlage KAP angegeben, in die die Kapitalerträge einzutragen sind.

Quelle: §§ 20, 32d, 43 bis 45e EStG