Helfer in Steuersachen

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Tipp 01 Kapitalerträge / Abgeltungsteuer / Basis

Anlage KAP

⇒   Kapitalerträge

Zu den Einkünften aus Kapitalvermögen (§ 20 Abs. 1 EStG) gehören

  • laufende Einkünfte, wie z. B. Zinsen und Dividenden (§ 20 Abs. 1 EStG),
  • Veräußerungsgewinne z. B. aus der Veräußerung von Wertpapieren (§ 20 Abs. 2 EStG),
  • besondere Entgelte oder Vorteile, die neben den in den Abs. 1 und 2 bezeichneten Einnahmen oder an deren Stelle gewährt werden.

Kapitalerträge sind in dem Jahr zu versteuern, in dem sie zugeflossen sind (§ 11 EStG).

⇒   Abgeltungsteuer

Kapitalerträge von Privatpersonen unterliegen nicht dem normalen (progressiven) Einkommensteuertarif, vielmehr muss die auszahlende Stelle, z. B. die Bank, eine 25 %-ige Abgeltungsteuer zuzüglich 5,5 % Solidaritätszuschlag und evtl. Kirchensteuer einbehalten und anonym an das Finanzamt abführen (§ 32d und §§ 43 bis 45e EStG).

Mit der Abgeltungsteuer ist, wie der Name schon sagt, die Steuerschuld des Anlegers abgegolten. Die der Abgeltungsteuer unterliegenden Kapitalerträge werden folglich nicht in die Veranlagung zur Einkommensteuer einbezogen, dementsprechend entfällt eine Anrechnung der Abgeltungsteuer auf die Einkommensteuer für andere Einkünfte des Anlegers.

Unter die Abgeltungsteuer fallen, z. B.

  • Zinsen auf Spareinlagen,
  • Zinsen auf festverzinsliche Wertpapiere,
  •  Erträge auf Anteile an Investmentfonds,
  •  Dividendenzahlungen,
  •  Gewinne aus der Veräußerung von privaten Kapitalanlagen.

Ausnahmen:

Abgeltungssteuer ist nicht einzubehalten (§ 32d Abs. 2 EStG), wenn

  • Erträge im Rahmen eines Betriebes (gewerblich, freiberuflich) anfallen,
  • Gläubiger und Schuldner eines Darlehens nahestehende Personen und die Zahlungen beim Schuldner Betriebsausgaben oder Werbungskosten sind,
  • Gläubiger eines Darlehens oder eine ihm nahestehende Person zu mehr als 10 % an dem ausschüttenden Unternehmen beteiligt sind,
  •  bei Back-to-back-Finanzierungen* und
  •  bei verdeckten Gewinnausschüttungen.

*Siehe dazu Tipp 07

In diesen Fällen werden die Kapitalerträge in der Gewinnermittlung des Unternehmens, das die Kapitalerträge erhält, als Betriebseinnahmen erfasst oder bei privaten Kapitalerträgen in der Anlage KAP angegeben.

⇒   Werbungskosten / Sparer-Pauschbetrag

Werbungskosten im Zusammenhang mit Kapitalerträgen, von denen Abgeltungsteuer einbehalten wurde, sind nicht absetzbar. Dafür erhalten die Anleger einen Sparer-Pauschbetrag 801 / 1.602 € (§ 20 Abs. 9 EStG / Alleinstehende / Ehepartner), den die auszahlende Stelle auf Antrag berücksichtigt, wenn sie einen Freistellungsauftrag (§ 44a Abs. 2 EStG) erhalten.

Antrag auf Günstigerprüfung (§ 32d Abs. 4 EStG)

Der Pauschbetrag kann auch durch Abgabe einer Anlage KAP beantragt werden (Antrag auf Günstigerprüfung  bzw. der bei der Veranlagung durch einen Antrag auf Günstigerprüfung berücksichtigt werden kann.

⇒   Zusammenfassung

Die Steuer auf Ihre privaten Kapitalerträge können Sie praktisch als erledigt abhaken. Denn mit der Abgeltungsteuer ist die Besteuerung abgegolten ist, wie der Name schon sagt. 

Pauschalsteuersatz 25 % vergleichsweise niedrig?

Während der Pauschalsteuersatz von 25 % für Dividenden angemessen erscheint, ist er für Zinseinnahmen recht günstig. Beim Steuersatz für Dividenden ist zu berücksichtigen, dass die Gewinne der ausschüttenden Kapitalgesellschaften (AG, GmbH), aus denen die Dividenden letztlich stammen, bereits mit 15 % Körperschaftsteuer und etwa 10 % Gewerbesteuer besteuert worden sind.

⇒   Wann eine Anlage KAP abgeben?

Nur in ganz wenigen Fällen kommt die Abgabe einer Anlage KAP in Betracht. 

Günstigerprüfung beantragen (§ 32d Abs. 4 und 6 EStG)

Die wenigen Fälle betreffen hauptsächlich Steuerzahler, deren persönlicher Spitzensteuersatz unterhalb des Abgeltungsteuersatzes von 25 % liegt. Dann lohnt es sich, freiwillig die Kapitalerträge zu erklären. Der Steuerzahler gibt die Anlage KAP ab und wird zur Einkommensteuer veranlagt. Dabei wird die einbehaltene Abgeltungsteuer in Höhe der Differenz zwischen dem Abgeltungsteuersatz und dem persönlichen Spitzensteuersatz erstattet.

Weitere Fälle zur Günstigerprüfung

1. Sie haben im Veranlagungsjahr Kapitalerträge bezogen, weil Sie aber keinen Freistellungsauftrag erteilt hatten, wurde von der Bank Steuer einbehalten, ohne den Sparer-Freibetrag von 801 / 1.602 € (Alleinstehende / Ehepaare und Lebenspartner) zu berücksichtigen.

2. Sie haben Verluste aus Aktienverkäufen erlitten, die von der Bank intern nicht mit Gewinnen verrechnet werden konnten.

3. Sie wollen bisher von der Bank nicht berücksichtigte, ausländische Quellensteuer auf die Einkommensteuer anrechnen lassen.

4. Sie wollen sich als Beteiligter an einer Kapitalgesellschaft (z. B. Beteiligung an einer GmbH) die Erträge (freiwillig) nach dem Teileinkünfteverfahren mit der tariflichen Einkommensteuer besteuern lassen, um gleichzeitig hohe Ausgaben (insbesondere Finanzierungskosten) als Werbungskosten geltend machen zu können.

Sie können von dem Teileinkünfteverfahren profitieren, wenn Sie z. B. an einer GmbH zu mindestens 25 % beteiligt sind oder zu mindestens 1 % und dort auch Arbeitnehmer und die Beteiligung mit Kredit finanziert haben. Dann müssen Sie zwar 60 % der Einkünfte mit dem tariflichen Steuersatz versteuern, können aber sämtliche Werbungskosten (insbesondere Finanzierungskosten) in den Zeilen 23 und 24 steuerlich geltend machen.

⇒     Steuerbescheinigung, zugleich eine Ausfüllhilfe

Die Gläubiger der Kapitalerträge haben auf Verlangen des Anlegers diesem eine Steuerbescheinigung nach amtlich vorgeschriebenem Muster auszustellen, die alle erforderlichen Angaben enthält (§ 45a Abs. 2 EStG).

Die Steuerbescheinigung hat zwei Funktionen:

  • Nachweis der einbehaltenen Kapitalertragsteuer für den Fall, dass der Anleger eine Günstigerprüfung (siehe oben) beantragt zur Erstattung der einbehaltenen Steuer. Die Steuerbescheinigung der Bank ist immer beigezufügen, wenn eine Anlage KAP abgegeben wird. Ohne diese Bescheinigung ist keine Erstattung oder Anrechnung von Abgeltungsteuer möglich. 
  • Als Hilfe zum Ausfüllen der Anlage KAP, weil diese als Ausfüllhilfe ausgestaltet ist, d. h. zu den bescheinigten Kapitalerträgen ist jeweils die Zeile der Anlage KAP angegeben, in die die Kapitalerträge einzutragen sind.

Quelle: §§ 20, 32d, 43 bis 45e EStG