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Tipp 55 Spekulationsgewinn: Wann hält der Fiskus die Hand auf?

Anlage SO, Zeilen 31 bis 48

Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften  gehören zu den sonstigen Einkünften (§§ 22 und 23 EStG). Zweck der Regelung ist, Gewinne aus Wertsteigerungen im Privatvermögen, die innerhalb einer bestimmten Frist realisiert werden, der Einkommensteuer zu unterwerfen.

Für Grundstücke gilt eine steuerschädliche Veräußerungsfrist von zehn Jahren (§ 23 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 EStG), für andere Wirtschaftsgüter von einem Jahr (§ 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG). Gesamtgewinne bis 600 € sind steuerfrei.

Veräußerungsgeschäfte mit Kapitalanlagen sind als Kapitalerträge zu versteuern (§ 20 Abs. 2 EStG).

⇒   Veräußerungsfristen

  • 10 Jahre: Grundstücke, grundstücksgleiche Rechte (z. B. Erbbaurechte, Wohneigentum).
  • 1 Jahr: Andere Wirtschaftsgüter jeglicher Art (z. B. Schmuck, Edelmetalle, Briefmarken, Oldies, Motorboote).
  • 10 Jahre: Andere Wirtschaftsgüter jeglicher Art, aus deren Nutzung als Einkunftsquelle zumindest in einem Kalenderjahr Einkünfte erzielt wurden.

Anmerkung:

Ist beim Verkauf eines Grundstücks oder eines anderen Wirtschaftsgutes die Veräßerungsfrist überschritten, brauchen Sie in der Anlage SO dazu keine Angaben zu machen. Der Tatbestand des Gesetzes betrifft Sie nicht.

⇒   Private Veräußerungsobjekte

Im Sprachgebrauch wird in den Fällen des § 23 EStG von privater Spekulation gesprochen.

Besonders von der Spekulationssteuer sind Häuslebauer betroffen, die ihre Ersparnisse in einer vermieteten Immobilie angelegt haben und diese innerhalb der Spekulationsfrist verkaufen. Aber nicht nur beim Verkauf von Immobilien kann Spekulationssteuer anfallen. Auch der Verkauf anderer Gegenstände wie Antiquitäten, ein Oldtimer oder ein Motor- oder Segelboot oder der Verkauf von Gemälden, Skulpturen, Schmuck, Edelmetallen (Gold und Silber), Briefmarken, Münzen etc. kann zu Spekulationseinkünften führen.

Ausgenommen: Gegenstände des täglichen Gebrauchs

Von der Spekulationssteuer ausgenommen sind Veräußerungen von Gegenständen des täglichen Gebrauchs (§ 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG). Dazu gehören auch Fahrzeuge (PKW).

⇒   Keine Spekulationsobjekte sind:

Nicht der Spekulationssteuer unterliegen:

    1. Gewinne, die im Rahmen einer anderen Einkunftsart anfallen, wie z. B. aus dem Verkauf von Jahreswagen. Gewinne daraus sind Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit (§ 19 EStG).
    2. Selbst genutztes Eigenheim, wenn dieses zumindest im Jahr der Veräußerung und in den beiden vorangegangen Jahren zu eigenen Wohnzwecken genutzt wurde.
    3. Selbst hergestellte Wirtschaftsgüter, z. B. ein selbst hergestelltes Gemälde. Nur der spekulative Handel wird besteuert.

Wertpapiergeschäfte

Gewinne aus dem Verkauf von Aktien und anderen Wertpapieren wie Anleihen oder Gewinne aus Termingeschäften gehören zu den Einkünften aus Kapitalvermögen (§ 20 Abs. 2 EStG), sind also ggfs. in der Anlage KAP anzugeben.

⇒   Gewinn und Verlust (§ 23 Abs. 3 EStG)

Gewinn oder Verlust sind in der Steuererklärung vom Steuerzahler selbst zu berecnen. Ausgangspunkt ist der Verkaufserlös. Davon werden die Anschaffungs- oder Herstellungskosten und die Verkaufsgebühren abgezogen. Die Abschreibungen, die der Steuerzahler seit der Anschaffung / Herstellung in Anspruch genommen hat, sind dem Verkaufserlös hinzuzurechnen. Damit ergibt sich folgende Berechnung:

Veräußerungserlös ..... €
+ Abschreibungen ..... €
- Anschaffungs-/Herstellungskosten ..... €
- Verkaufsgebühren ..... €
Veräußerungsgewinn/-verlust ..... €

 ⇒   Hausverkauf: Wann hält der Fiskus die Hand auf?

Wenn Sie Ihr Haus oder Ihre Eigentumswohnung verkaufen, fällt nach Ablauf von 10 Jahren seit Erwerb keine Spekulationssteuer an. Vor Ablauf der 10 Jahre ist ein Veräußerungsgewinn steuerpflichtig.

Aber: Ausgenommen sind Haus- oder Wohnungsverkäufe, wenn das Objekt zwischen Anschaffung oder Fertigstellung und Veräußerung ausschließlich zu eigenen Wohnzwecken oder im Jahr der Veräußerung und in den beiden vorangegangenen Jahren zu eigenen Wohnzwecken genutzt wurde (§ 23 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 EStG).

Zweit- und Ferienwohnungen

Ein Gebäude wird auch dann zu eigenen Wohnzwecken genutzt, wenn es der Steuerzahler nur zeitweilig bewohnt, sofern es ihm in der übrigen Zeit als Wohnung zur Verfügung steht. Beim Verkauf von Ferienhäusern und Zweitwohnungen, die nicht zur Vermietung bestimmt waren, oder die im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung genutzt wurden, fällt deshalb keine Spekulationssteuer an (BFH 27.06.2017 – IX R 37/16).

⇒    Spekulation mit einer Studentenwohnung

In Großstädten sind Appartements eine sichere Kapitalanlage. Überlassen Sie ein Appartement unentgeltlich Ihrem Kind während seiner Studienzeit, ist bei einem Verkauf innerhalb der Spekulationsfrist der Gewinn steuerfrei, wenn Sie für Ihr Kind während der Studienzeit Kindergeld erhalten haben. Denn die Nutzung durch Ihr Kind ist der Nutzung der Eltern gleichgestellt. Dann fällt keine Spekulationssteuer an (§ 23 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 EStG).

Doch aufgepasst: Nach dem 25. Lebensjahrverlässt Ihr Kind steuerlich betrachtet den Familienverband. Kindergeld bzw. Kinderfreibeträge entfallen von da ab (§ 32 Abs. 4 EStG). Studiert Ihr Kind über sein 25. Lebensjahr hinaus, sollte Ihr Kind das Appartement räumen und Sie sollten es sofort verkaufen, um die Steuerfreiheit zu erhalten.

Quelle: § 23 Abs. 1 EStG