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Tipp 11.3 Grundbesitz übertragen / ErbStG

Anlage V

Viele Eltern übertragen bereits zu Lebzeiten Grundbesitz auf ihre Kinder, aus unterschiedlichen Gründen.

Bei Übertragung an minderjährige Kinder wird vielfach daran gedacht, den Grundfreibetrag von 9.000 € (Wert für 2018), der auch Kindern zusteht,  auszuschöpfen. Bis zur Höhe des Grundfreibetrages fallen bei Vermietungseinkünften des Kindes keine Steuern an (brutto gleich netto).

Es geht aber vielfach auch darum, Erbschaftsteuer zu sparen, indem der Freibetrag von 400.000 € alle 10 Jahre ausgeschöpft wird.

⇒   Schenken oder vererben?

Im Falle einer Schenkung regelt der Schenker den Vermögensübergang außerhalb eines Testaments. So kann er z. B. den Unterhalt der Beschenkten - seiner noch in Ausbildung befindlichen Kinder -, sichern.

Wo liegen die Vorteile und die Nachteile? Der Übergang von Todes ist wegen der zahlreichen Formalien für den Erben vielfach mit Stress verbunden. Bevor der Erbe im Grundbuch steht, muss er so einiges regeln: Erbschein besorgen, Testamentseröffnung beim Nachlassgericht, vielleicht sogar eine Erbauseinandersetzung mit Angehörigen durchstehen. Wird ein Haus im Erbfall erworben, entfällt zudem das Manöver mit der Zurückvermietung. 

Einfacher ist es, eine Schenkung abzuwickeln. Es gilt, vor dem Notar einen Übertragungsvertrag abzuschließen, in dem alles geregelt werden kann.

⇒   Die Erbschaftsteuer

Vorbemerkung:

Am 14.10.2016 trat ein neues ErbStG in Kraft. Die Vorgaben des BverfG für Steuerprivilegien von Firmenerben wurden umgesetzt. Die Reform gilt rückwirkend zum 1. Juli. 2016.

  • Es gelten folgende Regelungen

Die Erbschaftsteuer macht praktisch keinen Unterschied zwischen dem Erbfall und der Schenkung (§ 1 ErbStG). Dies gilt besonders für die persönlichen Freibeträge. Dafür werden die Erben oder Beschenkten zunächst in Steuerklassen eingestuft:

  • Steuerklassen und Freibeträge (§ 15 und 16 ErbStG)

Nach dem persönlichen Verhältnis des Erwerbers zum Erblasser oder Schenker werden die folgenden drei Steuerklassen mit folgenden Freibeträgen unterschieden:

Steuerklasse I:                                                                                  Freibeträge

  1. der Ehegatte und der Lebenspartner                                        500.000 €
  2. die Kinder und Stiefkinder                                                        400.000 €
  3. Enkel und Stiefenkel                                                                 200.000 €
  4. die Eltern und Großeltern bei Erwerben von Todes wegen     100.000 €
  5. die Eltern und Großelterneltern bei Schenkungen                     20.000 €

Steuerklasse II:                                                                                    20.000 €

  1. die Geschwister                                                                               
  2. Nichten und Neffen
  3. die Stiefeltern,
  4. die Schwiegerkinder,
  5. die Schwiegereltern,
  6. der geschiedene Ehegatte / Lebenspartner e

Steuerklasse III:                                                                                     20.000 €

Alle übrigen Erwerber.

  • Steuertarif (§ 19 ErbStG)

Der Erbschaftsteuertarif ist ein Stufentarif. Es gelten folgende Steuersätze (ab 1.1.2010):

Wert des steuerpfl. Erwerbs bis:    Prozentsatz Steuerklasse

                                                           I                      II                      III

75.000 €                                             7 %                15 %                 30 %           

300.000 €                                         11 %                20 %                 30 % 

600.000 €                                         15 %                25 %                 30 %

6.000.000 €                                      19 %                30 %                 30 %

13.000.000 €                                    23 %                35 %                 50 % 

26.000.000 €                                    27 %                40 %                 50 %

über 26.000.000 €                            30 %                43 %                 50 %

⇒   Schenken rechnet sich

Gerade bei größeren Vermögen bietet sich an, bereits zu Lebzeiten einen Teil des Vermögens an die nächste Generation weiterzugeben. Die persönlichen Freibeträge können alle 10 Jahre neu ausgeschöpft werden (§ 14 ErbStG). Dies bedeutet: Das gesamte Vermögen, das ein Erwerber innerhalb von 10 Jahren von derselben Person durch Schenkungen und von Todes wegen erhält, ist  zusammenzurechnen.

Beispiel:

Vater Heinz, verwitwet, schenkt seiner Tochter Erika sein Einfamilienhaus im Wert von 350.000 €, bleibt aber weiterhin in dem Haus wohnen und zahlt Miete. 12 Jahre später stirbt Vater Heinz und hinterlässt seiner Tochter Aktien im Wert von 300.000 €.

Das Finanzamt rechnet:

Vermögensanfall im Jahr 01          350.000 €

Freibetrag 400.000 €, höchst.        350.000 €

Steuerpflichtiger Erwerb                            0 €

Vermögensanfall im Jahr 12           300.000 € 

Freibetrag 400.000 €, höchst.          300.000 €                       

Steuerpflichtiger Erwerb                             0 €

Steuern fallen nicht an.

Variante:

Wäre Vater Heinz schon früher verstorben, angenommen im Jahr 08, wäre eine Erbschaftsteuer von 27.500 € entstanden.

Berechnung:

Gesamterwerb innerhalb von 10 Jahren 650.000 € abzüglich 400.000 € Freibetrag = Steuerpflichtiger Erwerb 250.000 €, davon 11 % = 27.500 €.

⇒   Im Übergabevertrag vereinbaren:

„Geschenkt ist geschenkt, das gilt auch unter Verwandten. Deshalb sollte Niemand sein letztes Hemd ausziehen“, sagen Experten. Denn nach der Unterschrift unter den Übergabevertrag vor dem Notar ist der Schenker nicht mehr Herr über die Immobilie. Er kann die Immobilie nicht mehr verkaufen, auch nicht zur Kreditsicherung oder zur Altersvorsorge nutzen. Eine Immobilie an ein Kind zu verschenken, das sollte man nur tun, wenn die Familien- und Vermögensverhältnisse gefestigt sind.

Von einer Schenkung ist ebenfalls abzuraten, wenn die Immobilie noch nicht abbezahlt ist, denn der Schenker bleibt Schuldner des Kredits, wenn die Bank den neuen Eigentümer nicht als Schuldner akzeptiert.

Wenn das beschenkte Kind selbst noch nicht finanziell gefestigt ist, sollte der Vertrag Klauseln enthalten: Das Kind sollte z. B. in den nächsten 10 Jahren das Haus weder verkaufen noch beleihen dürfen. Der Schenker muss ein Rückforderungsrecht haben, wenn das Kind insolvent wird. Das verhindert die Zwangsvollstreckung in die Immobilie durch die Gläubiger. Ein Rückforderungsrecht sollte auch für den Fall einer Scheidung des Kindes vereinbart werden. Diese Regelung verhindert, dass die Immobilie in die Hände einer fremden Familie übergeht.

Eine weitere Klausel sollte lauten: Die Übertragung erfolgt im <<Rahmen einer vorweggenommen Erbfolge<<. Dies führt zu einer Zurückübertragung, sollte das Kind vor den Eltern sterben.

Quelle: ErbStG