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Tipp 07.0 >> Übertragung von Freibeträgen für Kinder / Zeile 39

Anlage Kind Zeilen 39 bis 44

Der Abzug des halben Kinderfreibetrags bei nicht verheirateten Eltern, getrennt lebenden oder geschiedenen Eltern kann zu unausgewogenen Ergebnissen führen. Wenn z. B. ein Elternteil ohne eigenes Einkommen aus dem Abzug steuerlich keinen Vorteil ziehen kann oder wenn ein Elternteil einen zu hohen Anteil am Unterhalt des Kindes erbringt. Diese Fälle regelt § 32 Abs. 6 S. 6 EStG durch Übertragung von Freibeträgen.

Die Übertragung des Kinderfreibetrags und des Betreuungsfreibetrags (Zeilen 39–44) ist möglich, allerdings nur in Ausnahmefällen.

  • Antrag auf vollen Kinderfreibetrag + vollen Betreuungsfreibetrag /  Zeile 39-40

Bei geschiedenen oder dauernd getrennt lebenden Eltern sowie bei Eltern nichtehelicher Kinder kann ein Elternteil in der Zeile 39 beantragen, dass der Kinderfreibetrag des anderen Elternteils auf ihn übertragen wird, wenn er, nicht aber der andere Elternteil, seine Unterhaltsverpflichtung gegenüber dem Kind für 2018 zu mindestens 75 % erfüllt hat oder der andere Elternteil mangels Leistungsfähigkeit nicht unterhaltspflichtig ist und keine Unterhaltsleistungen nach dem Unterhaltsvorschussgesetz gezahlt worden sind. Dies führt auch zur Übertragung des Freibetrags für den Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf. Die konkrete Höhe der Unterhaltsverpflichtung des anderen Elternteils sowie seine tatsächlichen Unterhaltsleistungen sind nur auf Anforderung des Finanzamts einzureichen (z. B. durch Scheidungsurteil, Zahlungsbelege). Eine einvernehmliche Übertragung des Kinderfreibetrags ist nicht möglich.

  • Antrag auf vollen Betreuungsfreibetrag / Zeile 41-42

Bei geschiedenen oder dauernd getrennt lebenden Eltern sowie bei Eltern nichtehelicher Kinder kann ein Elternteil abweichend vom Kinderfreibetrag die Übertragung des halben Freibetrags für den Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf des anderen Elternteils in der Zeile 41 beantragen, sofern das minderjährige Kind bei dem anderen Elternteil nicht gemeldet war und der Übertragung nicht widersprochen wurde.

Dem Antrag auf Übertragung kann nicht entsprochen werden, wenn der Elternteil, bei dem das Kind nicht gemeldet war, Kinderbetreuungskosten trägt oder das Kind regelmäßig in einem nicht unwesentlichen Umfang betreut (z. B. regelmäßig an Wochenenden und in den Ferien) und dieser Elternteil der Übertragung des Freibetrags widerspricht.

  • Übertragung auf Stief- oder Großelternteil / Zeile 43-44 

Der Kinderfreibetrag und der Freibetrag für den Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf kann auch auf einen Stief- oder Großelternteil übertragen werden, wenn sie das Kind in ihren Haushalt aufgenommen haben. Eine Übertragung auf einen Großelternteil ist außerdem möglich, wenn dieser gegenüber dem Kind unterhaltspflichtig ist. Die Übertragung kann auch mit Zustimmung des berechtigten Elternteils erfolgen. Verwenden Sie in diesem Fall bitte die Anlage K; eine monatsweise Übertragung der Freibeträge ist insoweit nicht möglich.

Hinweis

Wollen Sie nicht, dass der Kindesvater Ihre aktuelle Adresse erfährt, hüten Sie sich, seinen Namen und seine Anschrift in  Anlage Kind Zeile 11 anzugeben. Besteht das Finanzamt auf diesen Angaben, kontern Sie mit einer Entscheidung des Finanzgerichts Düsseldorf: »Eine Mutter hat auch dann Anrecht auf den vollen Kinderfreibetrag, wenn sie den Vater ihres Kindes verschweigt« (FG Düsseldorf v. 4. 1. 1993 – EFG 1993 S. 519).

Quelle: § 32 Abs. 6 Satz 6 EStG