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Tipp 45 Übertragung des Kinderfreibetrages

Anlage Kind, Zeilen 38 bis 43

Die Berücksichtigung der halben Kinderfreibeträge bei jedem Elternteil kann zu unerwünschten Ergebnissen führen.

Bei geschiedenen oder dauernd getrennt lebenden Eltern sowie bei Eltern nichtehelicher Kinder kann ein Elternteil deshalb beantragen, dass der halbe Kinderfreibetrag des anderen Elternteils auf ihn übertragen wird, wenn er, nicht aber der andere Elternteil seine Unterhaltsverpflichtung gegenüber dem Kind zu mindestens 75 % erfüllt hat (§ 32 Abs. 6 Satz 6 EStG).

Entsprechendes gilt, wenn der andere Elternteil mangels Leistungsfähigkeit nicht unterhaltspflichtig ist und keine Unterhaltsleistungen nach dem Unterhaltsvorschussgesetz gezahlt worden sind.

- Betreuungsunterhalt oder Barunterhalt

Bei der Prüfung, ob ein Elternteil seine Unterhaltspflicht im Kalenderjahr im Wesentlichen erfüllt hat, ist zwischen Betreuungsunterhalt und Barunterhalt zu unterscheiden: Der Elternteil, in dessen Obhut sich das Kind befindet, erfüllt seine Unterhaltsverpflichtung in der Regel im Wesentlichen durch die Pflege und Erziehung des Kindes, im Wege des so genannten Betreuungsunterhalts. Der Elternteil, in dessen Obhut sich das Kind nicht befindet, ist grundsätzlich zur Leistung von Barunterhalt verpflichtet. Dieser Elternteil kommt seiner Barunterhaltsverpflichtung im Wesentlichen nach, wenn er sie mindestens zu 75 % erfüllt.

Praktischer Fall:

Vater werden ist nicht schwer, Mutter sein hingegen sehr. Vor allem, wenn sich der Vater knauserig zeigt, indem er kaum Unterhalt zahlt (z. B. nur jeden zweiten Monat oder regelmäßig zu wenig). Ungerecht an der Sache ist, dass Sie nun zwar nahezu allein für das Kind sorgen, der Vater aber gleichwohl die Hälfte der Kinderermäßigung erhält.

Dem können Sie begegnen, indem Sie beim Finanzamt die volle Kinderermäßigung beantragen mit der Begründung, der Vater sei seiner Unterhaltspflicht dem Kind gegenüber zu weniger als 75 % nachgekommen

Eintragungshinweis

Anlage Kind Zeile 38 ausfüllen

Wollen Sie nicht, dass der Kindesvater Ihre aktuelle Adresse erfährt, hüten Sie sich, seinen Namen und seine Anschrift in  Anlage Kind Zeile 11 anzugeben. Besteht das Finanzamt auf diesen Angaben, kontern Sie mit einer Entscheidung des Finanzgerichts Düsseldorf: »Eine Mutter hat auch dann Anrecht auf den vollen Kinderfreibetrag, wenn sie den Vater ihres Kindes verschweigt« (FG Düsseldorf v. 4. 1. 1993 – EFG 1993 S. 519).

Quelle: § 32 Abs. 6 Satz 6 EStG