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Tipp 01.5 Kinderfreibeträge oder Kindergeld / halbes Kindergeld eintragen

Anlage Kind Zeile 6

Tragen Sie bitte für jedes einzelne Kind den für 2018 bestehenden Anspruch auf Kindergeld ein, nicht das gezahlte Kindergeld. Denn der  Anspruch auf Kindergeld kann vom tatsächlichen Bezug abweichen. Dazu unten mehr.

⇒    Günstigerprüfung

Das Finanzamt prüft bei der Veranlagung automatisch, was für die Eltern günstiger ist, das bereits erhaltene Kindergeld oder der Abzug eines Kinderfreibetrages. Dieser Vorgang wird Günstigerprüfung genannt. Je höher das Einkommen der Eltern, desto eher ist der Abzug eines Kinderfreibetrages günstiger. Gehören Sie nicht zu den Großverdienern, ist der Bezug von Kindergeld günstiger.

Die Einkommensgrenze, bei der Abzug eines Kinderfreibetrages günstiger ist, liegt für ein zusammen veranlagtes Ehepaar mit einem Kind bei etwa 60.000 €. Ab dieser Grenze - mit einem Spitzensteuersatz von etwa 32 % des zu versteuernden Einkommens - ist die steuerliche Entlastung durch Abzug eines Kinderfreibetrags höher als das bereits bezogene Kindergeld.

Kommt der Abzug eines Kinderfreibetrags zum Ansatz, rechnet das Finanzamt das bereits erhaltene Kindergeld der Einkommensteuer wieder hinzu. Ist der Bezug von Kindergeld günstiger, verbleibt es beim Kindergeld.

 Vom dritten Kind ab verschiebt sich die Einkommensgrenze weiter nach oben.

Beispiel:

Zusammen veranlagte Eltern mit einem zu versteuernden Einkommen von 60.000 € haben ein Kind. Der Vorteil aus Kindergeld oder Steuerfreibeträgen ist hier gleich hoch.

Probe: Zu versteuerndes Einkommen 60.000 €, Steuersatz lt. Splittingtabelle 32 %, Steuervorteil aus Kinderfreibetrag 2019 von 7.620 € x 32 % = 2.317 €. Dieser Betrag entspricht in etwa der Höhe des jährlichen Kindergeldes von 2.448 € (Wert für 2019). Erst bei einem Einkommen von mehr als 60 000 € ergibt sich ein höherer Steuervorteil.

Anmerkung:

Besserverdienende Eltern sollten auch dann Kindergeld beantragen, wenn der Abzug von Kinderfreibeträgen eindeutig günstiger ist. Denn das Finanzamt prüft, was jeweils günstiger ist. Somit ist kein Nachteil zu befürchten. Die Eltern erhalten aber auf diese Weise bereits im Laufe des Jahres Geld aus der Familienkasse.

⇒    Kinderfreibeträge / Kindergeld

Im Falle der Zusammenveranlagung erhalten die Eltern den vollen Kinderfreibetrag, wenn das Kind zu beiden Eltern in einem Kindschaftsverhältnis steht. Ist ein Elternteil verstorben, erhält der andere Elternteil allein den vollen Kinderfreibetrag. Entsprechendes gilt, wenn der andere Elternteil im Ausland lebt und deswegen nicht unbeschränkt steuerpflichtig ist.

  • Kinderfreibeträge zur Hälfte

Es sind nur die halben Kinderfreibeträge bei jedem Elternteil vom Einkommen abzuziehen, wenn die Eltern des Kindes nicht zusammenveranlagt werden (§ 26b EStG).

Eine Zusammenveranlagung kommt nicht in Betracht, wenn die Eltern

  • dauernd getrennt leben,
  • geschieden sind,
  • nicht verheiratet sind oder
  • die Einzelveranlagung für Ehegatten beantragen.

Monatsprinzip

Für jeden Kalendermonat, in dem die Voraussetzungen für den halben Kinderfreibetrag nicht mindestens an einem Tag vorliegen, ermäßigt er sich um ein Zwölftel.

  • Kindergeld zur Hälfte

Bei Abzug der halben Kinderfreibeträge ist auch stets die Hälfte des Anspruchs auf Kindergeld in Zeile 6 der Anlage Kind einzutragen.

Im Gegensatz zu den Kinderfreibeträgen, die jedem Elternteil zur Hälfte zustehen (§ 32 Abs. 6 EStG), wird Kindergeld zwar immer in voller Höhe dem Elternteil gezahlt, in dessen Haushalt das Kind lebt, meistens der Mutter (§ 64 Abs. 1 EStG).

Gleichwohl muss die Mutter in Zeile 6 der Anlage Kind nur das halbe Kindergeld eintragen, obwohl sie das volle Kindergeld bezogen hat. Dasselbe gilt für den Vater, obwohl dieser überhaupt kein Kindergeld erhalten hat, wenn er von der Mutter z. B. getrennt lebt und das Kind bei der Mutter wohnt.

Die Eintragung des halben Kindergeldes beim Vater ist erforderlich, weil der Vater seine Unterhaltsverpflichtung um das halbe Kindergeld kürzen kann. Der Vater erhält also über den Umweg der Unterhaltskürzung das halbe Kindergeld. Dieses muss er als fiktiven halben Kindergeldanspruch eintragen. Die Mutter hat, wie bereits gesagt, ebenfalls das halbe Kindergeld einzutragen, obwohl sie das volle Kindergeld bezogen hat.

Eintragungsbeispiel

Anlage Kind

 Zeile 6 Anspruch auf Kindergeld Kennziffer 15      1.152 €*

* halbes Kindergeld

Quelle: § 31, § 32 Abs. 6 EStG