Helfer in Steuersachen

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Tipp 30.1 Unterbrechung der Berufsausbildung

Anlage Kind Zeilen 15 bis 20

Für Kinder unter 18 Jahren sind Fragen zur Berufsausbildung und Übergangszeiten steuerlich ohne Belang. Ein Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibeträge besteht ohne jegliche Voraussetzungen. Nur das Alter des Kindes und das Kindschaftsverhältnis zum Steuerzahler sind maßgebend.

Für Kinder zwischen 18 und 25 Jahre gelten indessen zusätzliche Voraussetzungen wie z. B., , dass sich das Kind noch in Berufsausbildung befindet.

⇒   Unterbrechungen

Wird die Ausbildung unterbrochen, rechnet der Fiskus die Zeit der Unterbrechung weiterhin der Ausbildung zu, aber nur bis zu vier Monaten. Auch Übergangszeiten zwischen zwei Ausbildungen erkennt der Fiskus bis zu vier Monaten als Ausbildungszeit an. Dazu Anlage Kind Zeile 19.

Dauert die Unterbrechung länger als vier Monate, müssen die Eltern nachweisen, dass ihr Kind auf einen Ausbildungs- oder Studienplatz gewartet hat (§ 32 Abs. 4 Nr. 2 EStG). Dazu Anlage Kind Zeile 17

Kindergeld oder Freibeträge für Kinder werden auch gezahlt bzw. gewährt für ein über 18 Jahre altes Kind bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres, wenn es nicht in einem Beschäftigungsverhältnis steht und bei einer Agentur für Arbeit gemeldet ist.

Tätigkeiten des Kindes im Minijob schließen den Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibeträge nicht aus. Dazu Anlage Kind Zeile 20.

⇒   Ende der Berufsausbildung

Mit dem Ende der Berufsausbildung entfällt der Anspruch der Eltern auf Kindergeld und auf Kinderfreibeträge. In Handwerkerberufen endet die Berufsausbildung mit der Gesellenprüfung, in anderen Berufen mit der Gehilfenprüfung, in akademischen Berufen mit der Abschlussprüfung bzw. mit dem ersten Staatsexamen.

Dabei kommt es auf den Zeitpunkt der Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses an, so das Sächsisches Finanzgericht. Die Richter führten hierzu aus: Die Berufsausbildung endet grundsätzlich nicht schon mit Ablegung der letzten Prüfung, sondern erst mit der Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses, es sei denn, das volljährige Kind nimmt schon vor der Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses eine Vollzeiterwerbstätigkeit im angestrebten Beruf auf (Sächsisches FG Urteil vom 17.06.2015 - 4 K 357/11).

Eine Studentin hatte ihre Diplomarbeit zwar abgegeben, jedoch die Prüfungsergebnisse erst sechs Monate später erhalten. Während dieser Wartezeit war sie weiterhin an der Universität immatrikuliert und jobbte nebenbei im Schnitt knapp 15 Stunden in der Woche. Bis dahin haben die Eltern Anspruch auf Kindergeld bzw. auf Kinderermäßigung bei der Steuer, so die Richter

Fernes Berufsziel verlängert die Berufsausbildung

Die Berufsausbildung muss nicht bereits mit dem ersten Berufsabschluss beendet sein. »Mehraktige« Ausbildungsmaßnahmen können insgesamt eine einheitliche Erstausbildung sein, wenn sie zeitlich und inhaltlich so aufeinander abgestimmt sind, dass die Ausbildung nach Erreichen des ersten Abschlusses fortgesetzt werden soll und das von Eltern und Kind angestrebte Berufsziel erst nach der weiterführenden Ausbildung erreicht wird (BFH 15.4.2015 - VR 27/14).

Mit Urteil vom 04.03.2014 - 1 K 1772/13 Kg hatte das FG Münster den Eltern das Kindergeld für ihr Kind verwehrt, weil es seine Berufsausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik mit der Prüfung vor der IHK beendet habe. Damit bestehe kein Anspruch auf Kindergeld mehr. Hiergegen wandten sich die Eltern im Revisionsverfahren, indem sie vorbrachten, angestrebt sei eine Ausbildung als Elektrotechniker bis hin zum Elektroingenieur. Die gesamte Ausbildung einschließlich eines zwischenzeitlichen - notwendigen Praktikums - ihres Sohnes sei daher einheitlich als Erstausbildung zu beurteilen.

Der Bundesfinanzhof (siehe oben) sah dies genauso wie die Eltern. Es handele sich im vorliegenden Fall um eine mehraktige Ausbildungsmaßnahme, die alle Teil einer einheitlichen Erstausbildung seien.

Dies bedeutet: Die Eltern haben Anspruch auf Kindergeld, außerdem Anspruch auf Kinderermäßigung bei der Steuer.

Quelle: § 32 EStG