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Tipp 01.0 >> Kinderfreibeträge / Anlage Kind

Anlage Kind

⇒   Kinderfreibetrag oder Kindergeld

Für Kinder gibt es eine Vielzahl von Steuervergünstigungen, die Eltern auf Antrag erhalten können. Dazu zählen im Wesentlichen:

  • Kindergeld oder Kinderfreibetrag
  • Entlastungsbetrag für Alleinerziehende
  • Freibetrag für ein auswärtig untergebrachtes Kindes, das sich in Ausbildung befindet.
  • Kinderbetreuungskosten

Die Steuervergünstigungen setzen insbesondere voraus, dass zwischen Eltern und Kind ein sog. Kindschaftsverhältnis besteht und die altersmäßigen Voraussetzungen (Alter bis 18 bzw. 25 Jahre) erfüllt sind (§ 32 Abs. 1 bis 5 EStG).

Familienleistungsausgleich

Diese Steuervergünstigungen werden hauptsächlich als sog. Familienleistungsausgleich gewährt.

Im Familienleistungsausgleich (§ 31 EStG) soll bei der Einkommensbesteuerung für jeden Angehörigen einer Familie das  Existenzminimum steuerfrei bleiben (BVerfG 29.05.1990). Die Freistellung des Existenzminimums der Kinder wird durch Zahlung von Kindergeld nach §§ 62 bis 78 EStG oder durch den Abzug von Kinderfreibeträgen nach § 32 Abs. 6 EStG bewirkt (§ 31 EStG).

Das Kindergeld entspricht dem Existenzminimum der Kinder für eine einfache Lebenshaltung. Zusätzlich können Eltern eine Steuerermäßigung durch Abzug von Kinderfreibeträgen erhalten, die dem zusätzlichen Aufwand bei gehobener Lebensweise und entsprechend hohen Einkünften Rechnung trägt.

Das Kindergeld und Kinderfreibeträge sind im Zusammenhang zu sehen.

Aktuelles BMF-Schreiben

Der Bundesfinanzminister hat den Finanzämtern zu Kinderfreibeträgen neue Anweisungen erteilt. Das Schreiben finden Sie als Tipp Nr. 10 im Wortlaut (BMF 08.02.2016 - IV C 54 - S 2282 / 07 / 0001)..

 

⇒   Kindergeld oder Kinderfreibetrag (§ 32 Abs. 6 EStG)

Im Laufe des Jahres wird zunächst Kindergeld gezahlt. Nach Ablauf des Kalenderjahrs prüft das Finanzamt bei der Veranlagung zur Einkommensteuer, ob der Abzug eines Kinderfreibetrags günstiger ist oder ob es beim Kindergeld verbleibt. Wird ein Kinderfreibetrag bei der Veranlagung abgezogen, wird das bereits bezogene Kindergeld der Einkommensteuer für das Kalenderjahr hinzugerechnet. 

Kein Kinderfreibetrag beim Lohnsteuerabzug

Weil im Laufe des Jahres bereits Kindergeld gezahlt wird, werden Kinderfreibeträge bei der Lohnsteuerberechnung nicht berücksichtigt, desgleichen nicht bei der Sozialversicherung. Erst bei der Veranlagung zur Einkommensteuer prüft das Finanzamt, was für den Steuerzahler günstiger ist, der Bezug von Kindergeld oder der Abzug von Kinderfreibeträgen.

⇒   Höhe des Kinderfreibetrags (2018)

Bei der Veranlagung zur Einkommensteuer wird für jedes zu berücksichtigende Kind des Steuerpflichtigen ein Freibetrag für das sächliche Existenzminimum des Kindes sowie ein Freibetrag für den Betreuungs- und Erziehungsunterhalt des Kindes vom Einkommen abgezogen (§ 32 Abs. 6 EStG). Der Kinderfreibetrag setzt sich also aus zwei Beträgen zusammen.

Sind die Eltern miteinander verheiratet und wählen sie die Zusammenveranlagung, wird der Kinderfreibetrag im Rahmen der Zusammenveranlagung in voller Höhe berücksichtigt.

Sind die Eltern eines Kindes nicht verheiratet oder wählen sie die Einzelveranlagung, erhält jeder Elternteil bei seiner Steuerveranlagung den Kinderfreibetrag nur zur Hälfte.

 

Überblick (2018)

Kindergeld (§ 66 EStG) oder Kinderfreibetrag (§ 32 Abs. 6 EStG)
je Kind jährlich ab 1. Juli   je Kind jährlich
1. + 2. Kind   /    3. Kind  / ab 4. Kind            
    2.328 €       /     2.400 €  /    2.700 €   4.788 € + 2.640 € = 7.428 €

Der Kinderfreibetrag setzt sich aus zwei Beträgen zusammen.

 

Überblick (2019)

Kindergeld (§ 66 EStG) oder Kinderfreibetrag (§ 32 Abs. 6 EStG)
je Kind jährlich ab 1. Juli   je Kind jährlich
1. u. 2.  Kind  /  3. Kind / ab 4. Kind    
    2.448 €   /     2.520 €  /   2.820 €   4.980 € + 2.640 € = 7.620 €

Der Kinderfreibetrag setzt sich aus zwei Beträgen zusammen

 

Hinzu kommen

a) Arbeitgeberleistungen für Kinderhort / Kinderkrippe (§ 3 Nr. 33 EStG)

b) Abzug von Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung des Kindes (§ 10 Abs. 1 Nr. 3 EStG)

c) Abzug von Kinderbetreuungskosten (§ 10 Abs. Nr. 5 EStG)

d) Abzug von Schulgeld (§ 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG)

e) Abzug eines Entlastungsbetrages für Alleinerziehende (§ 24b EStG)

f) Übertragung der Freibeträge für Kinder auf andere Elternteile (§ 32 Abs. 6 EStG)

g) Minderung der zumutbaren Belastung (§ 33 Abs. 3 EStG

h) Abzug eines Ausbildungsfreibetrag für Sonderbedarf (§ 33a Abs. 2 EStG)

i) Übertragung des Behinderten-Pauschbetrages auf die Eltern (§ 33b EStG)

j) Abzug von haushaltsnahen Dienstleistungen für Kinder (§ 35a EStG).

⇒   Alter des Kindes

Kindergeld oder Kinderfreibetrag gibt es für Kinder bis 18 Jahre ohne jegliche Voraussetzungen, bis 25 Jahre aber zusätzlich nur im Falle der Ausbildung.

Ist das Kind behindert, stehen Kindergeld oder Kinderfreibetrag auch über das 25. Lebensjahr hinaus zu. 

Kinder, für die kein Kinderfreibetrag gewährt werden kann (z. B. wegen Überschreitens der Altersgrenze oder während der Dauer des gesetzlichen Grundwehrdienstes), sind nicht in der Anlage Kind einzutragen. Unterhaltszahlungen an diese Kinder können ggf. als außergewöhnliche Belastungen in der Anlage Unterhalt geltend gemacht werden (vgl. Erläuterungen zur Anlage Unterhalt).

⇒   Das Kindschaftsverhältnis

Kindergeld oder Kinderfreibetrag werden nicht für jedes Kind gewährt, auch wenn der Steuerzahler das Kind fürsorglich betreut. Steuerzahler und Kind müssen in einem sog. Kindschaftsverhältnis stehen.

Mit dem Begriff »Kindschaftsverhältnis« grenzt der Fiskus den Personenkreis ein, der Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibeträge  hat (§ 32 Abs. 1 und 2 EStG). 

Ein Kindschaftsverhältnis besteht zwischen Eltern und ihrem leiblichen Kind, ihrem angenommenen Kind (Adoptivkind) und ihrem Pflegekind. Ist das Kindschaftsverhältnis zwischen Ihnen und Ihrem leiblichen Kind durch Adoption erloschen, dürfen Sie dieses Kind nicht mehr angeben. Haben Sie ein Kind im Laufe zur Adoption angenommen, teilen Sie bitte dem Finanzamt das Datum mit. 

Entsprechendes gilt, wenn Ihr leibliches Kind im Laufe des Jahres bei einer anderen steuerpflichtigen Person Pflegekind geworden ist, teilen Sie dies bitte ebenfalls dem Finanzamt unter Angabe des Datums mit 

Pflegekinder sind Kinder, mit denen Sie durch ein familienähnliches, auf längere Dauer berechnetes Band verbunden sind und die Sie nicht zu Erwerbszwecken (z.B. als Tagesmutter) in Ihren Haushalt aufgenommen haben. Voraussetzung ist, dass das Obhuts- und Pflegeverhältnis zu den leiblichen Eltern nicht mehr besteht.

Ist der andere Elternteil verstorben, haben Sie Anspruch auf die vollen Freibeträge für Kinder. Entsprechendes gilt, wenn der andere Elternteil im Ausland lebte und nicht unbeschränkt steuerpflichtig war. Hierzu reichen die Angaben in den Zeilen 11 und 14 aus. 

Zur Berücksichtigung von Stief- und Enkelkindern beachten Sie bitte Erläuterungen zu den Zeilen 38 bis 43. 

Anmerkung:

Stiefkinder und Enkelkinder fallen nicht unter den steuerlichen Kindbegriff (§ 32 Abs. 1 und 2 EStG), wohl aber unter den Kindbegriff für den Bezug von Kindergeld (§ 63 EStG). In Zeile 10 der Anlage Kind werden notwendigerweise auch diese Kindbegriffe angesprochen.

⇒   Es gilt das Monatsprinzip

Die jeweils notwendigen Voraussetzungen müssen nur einen Tag im Monat vorliegen, um Anspruch auf die Steuervergünstigung zu erhalten.

Beispiel: Geburt des Kindes am 31.03. des Veranlagungszeitraums. Es besteht Anspruch auf einen Kinderfreibetrag in Höhe von anteilig 10/12, d. h. der Monat März zählt voll mit. (§ 32Abs. 6 Satz 5 EStG).

Entsprechendes gilt für Kindergeld (§ 66 Abs. 2 EStG).

Quelle: § 32 EStG