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Tipp 01 Kinderfreibeträge / Basis

Anlage Kind

⇒   Existenzminimum steuerfrei

Bei der Einkommensbesteuerung bleibt für jeden Angehörigen einer Familie das  Existenzminimum steuerfrei bleiben (BVerfG 29.05.1990). Die Freistellung des Existenzminimums der Kinder wird durch Zahlung von Kindergeld nach §§ 62 bis 78 EStG und durch den Abzug von Kinderfreibeträgen nach § 32 Abs. 6 EStG bewirkt (§ 31 EStG).

Das Kindergeld entspricht dem Existenzminimum der Kinder für eine einfache Lebenshaltung. Zusätzlich können die Eltern eine Steuerermäßigung durch Abzug von Kinderfreibeträgen erhalten, die dem zusätzlichen Aufwand für Kinder bei gehobener Lebensweise Rechnung trägt.

Das Kindergeld und Kinderfreibeträge sind im Zusammenhang zu sehen, wobei das Kindergeld in fiktive Kinderfreibeträge umgerechnet wird. Andere steuerliche Vergünstigungen für Kinder wie z. B. der Abzug von Kinderbetreuungskosten oder Schulgeld können, da sie nicht für den Grundbedarf bestimmt sind, nicht in die vergleichende Betrachtung eingestellt werden.

→ Kindergeld + Kinderfreibeträge (§ 32 Abs. 6 EStG)

Im Laufe des Jahres wird zunächst Kindergeld gezahlt. Nach Ablauf des Kalenderjahrs prüft das Finanzamt bei der Veranlagung zur Einkommensteuer, ob der Abzug von Kinderfreibeträgen günstiger ist oder ob es beim Kindergeld verbleibt. Werden Kinderfreibeträge bei der Veranlagung abgezogen, wird das bereits bezogene Kindergeld der Einkommensteuer für das Kalenderjahr hinzugerechnet. 

Keine Kinderfreibeträge beim Lohnsteuerabzug

Weil im Laufe des Jahres bereits Kindergeld gezahlt wird, werden Kinderfreibeträge bei der Lohnsteuerberechnung nicht berücksichtigt, desgleichen nicht bei der Sozialversicherung. Erst bei der Veranlagung zur Einkommensteuer prüft das Finanzamt, was für den Steuerzahler günstiger ist, der Bezug von Kindergeld oder der Abzug von Kinderfreibeträgen.

→ Überblick (2018)

Bei der Veranlagung zur Einkommensteuer wird für jedes zu berücksichtigende Kind des Steuerpflichtigen ein Freibetrag von 2.394 € für das sächliche Existenzminimum des Kindes sowie ein Freibetrag von 1 320 € für den Betreuungs- und Erziehungsunterhalt des Kindes vom Einkommen abgezogen, zusammen also 3.714 € (Wert für 2018 / § 32 Abs. 6 EStG).

Bei Ehegatten, die zusammen zur Einkommensteuer veranlagt werden, verdoppeln sich die Beträge auf insgesamt 7.428 € (Wert für 2018), wenn das Kind zu beiden Ehegatten in einem Kindschaftsverhältnis steht.

→ Überblick (2018)

Kindergeld oder Kinderfreibeträge
je Kind jährlich   je Kind jährlich
1. + 2. Kind     /    3. Kind   /    ab 4. Kind            
    2.328 €       /     2.400 €  /    2.700 €   4.788 € + 2.640 € = 7.428 €

Hinzu kommen

a) Arbeitgeberleistungen für Kinderhort / Kinderkrippe (§ 3 Nr. 33 EStG)

b) Abzug von Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung des Kindes (§ 10 Abs. 1 Nr. 3 EStG)

c) Abzug von Kinderbetreuungskosten (§ 10 Abs. Nr. 5 EStG)

d) Abzug von Schulgeld (§ 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG)

e) Abzug eines Entlastungsbetrages für Alleinerziehende (§ 24b EStG)

f) Übertragung der Freibeträge für Kinder auf andere Elternteile (§ 32 Abs. 6 EStG)

g) Minderung der zumutbaren Belastung (§ 33 Abs. 3 EStG

h) Abzug eines Ausbildungsfreibetrag für Sonderbedarf (§ 33a Abs. 2 EStG)

i) Übertragung des Behinderten-Pauschbetrages auf die Eltern (§ 33b EStG)

j) Abzug von haushaltsnahen Dienstleistungen für Kinder (§ 35a EStG). 

⇒   Alter des Kindes

Kindergeld oder Kinderfreibeträge gibt es für Kinder bis 18 Jahre ohne jegliche Voraussetzungen, bis 25 Jahre aber nur im Falle der Ausbildung. Ist das Kind behindert, stehen Kindergeld oder Kinderfreibeträge weiterhin zu, auch über das 25. Lebensjahr hinaus. 

Kinder, für die keine Freibeträge für Kinder gewährt werden können (z. B. wegen Überschreitens der Altersgrenze oder während der Dauer des gesetzlichen Grundwehrdienstes), sind nicht in der Anlage Kind einzutragen. Unterhaltszahlungen an diese Kinder können ggf. als außergewöhnliche Belastungen in der Anlage Unterhalt geltend gemacht werden (vgl. Erläuterungen zur Anlage Unterhalt).

⇒   Das Kindschaftsverhältnis

Kindergeld oder Kinderfreibeträge werden nicht für jedes Kind gewährt, auch wenn der Steuerzahler es fürsorglich betreut. Steuerzahler und Kind müssen in einem sog. Kindschaftsverhältnis stehen.

Mit dem Begriff »Kindschaftsverhältnis« grenzt der Fiskus den Personenkreis ein, der Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibeträge  hat (§ 32 Abs. 1 und 2 EStG). 

Ein Kindschaftsverhältnis besteht zwischen Eltern und ihrem leiblichen Kind, ihrem angenommenen Kind (Adoptivkind) und ihrem Pflegekind. Ist das Kindschaftsverhältnis zwischen Ihnen und Ihrem leiblichen Kind durch Adoption erloschen, dürfen Sie dieses Kind nicht mehr angeben. Haben Sie ein Kind im Laufe zur Adoption angenommen, teilen Sie bitte dem Finanzamt das Datum mit. 

Entsprechendes gilt, wenn Ihr leibliches Kind im Laufe des Jahres bei einer anderen steuerpflichtigen Person Pflegekind geworden ist, teilen Sie dies bitte ebenfalls dem Finanzamt unter Angabe des Datums mit 

Pflegekinder sind Kinder, mit denen Sie durch ein familienähnliches, auf längere Dauer berechnetes Band verbunden sind und die Sie nicht zu Erwerbszwecken (z.B. als Tagesmutter) in Ihren Haushalt aufgenommen haben. Voraussetzung ist, dass das Obhuts- und Pflegeverhältnis zu den leiblichen Eltern nicht mehr besteht.

Ist der andere Elternteil verstorben, haben Sie Anspruch auf die vollen Freibeträge für Kinder. Entsprechendes gilt, wenn der andere Elternteil im Ausland lebte und nicht unbeschränkt steuerpflichtig war. Hierzu reichen die Angaben in den Zeilen 11 und 14 aus. 

Zur Berücksichtigung von Stief- und Enkelkindern beachten Sie bitte Erläuterungen zu den Zeilen 38 bis 43. 

Anmerkung:

Stiefkinder und Enkelkinder fallen nicht unter den steuerlichen Kindbegriff (§ 32 Abs. 1 und 2 EStG), wohl aber unter den Kindbegriff für den Bezug von Kindergeld (§ 63 EStG). In Zeile 10 der Anlage Kind werden notwendigerweise auch diese Kindbegriffe angesprochen.

⇒   Kinderfreibeträge im Lohnsteuerverfahren

Im Lohnsteuerverfahren bleiben Kinderfreibeträge weitgehend unberücksichtigt, weil im Laufe des Jahres zunächst – zur Erfüllung des Familienleistungsausgleichs - Kindergeld gezahlt wird. Kinderfreibeträge werden lediglich bei der Berechnung der Annexsteuern (Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer) berücksichtigt, die beim Kindergeld unberücksichtigt bleiben. Zu diesem Zweck erhält z. B. ein verheirateter Arbeitnehmer mit einem Kind die Steuerklasse III / 1.

Quelle: § 32 EStG