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Tipp 01.2 Was ist günstiger, Kindergeld oder Kinderfreibeträge?

Anlage Kind

Eltern erhalten entweder Kindergeld (§§ 62 bis 78 EStG) oder den Abzug von Kinderfreibeträgen bei der Steuer (§ 32 Abs. 6 EStG). Was günstiger ist, stellt das Finanzamt bei der Veranlagung zur Einkommensteuer fest (§ 31 EStG / Familienleistungsausgleich).

Es kommt auf den Einzelfall, was günstiger ist, der Bezug von Kindergeld oder der Abzug von Kinderfreibeträgen bei der Steuer.

⇒    Günstigerprüfung

Das Finanzamt prüft, was günstiger ist, der Abzug eines Kinderfreibetrags oder der Bezug von Kindergeld.

Die Einkommensgrenze, bei die Kinderermäßigung günstiger sind, liegt für ein zusammen veranlagtes Ehepaar mit einem Kind bei etwa 60.000 €. Erst ab dieser Grenze - mit einem Spitzensteuersatz von etwa 32 % des zu versteuernden Einkommens - ist die steuerliche Entlastung durch Freibeträge höher als das bereits bezogene Kindergeld. Kommen die Steuerfreibeträge zum Ansatz, rechnet das Finanzamt das bereits erhaltene Kindergeld der Einkommensteuer wieder hinzu. Ist der Bezug von Kindergeld günstiger, verbleibt es beim Kindergeld.

 Vom dritten Kind ab verschiebt sich die Einkommensgrenze weiter nach oben.

Beispiel:

Zusammen veranlagte Eltern mit einem zu versteuernden Einkommen von 60.000 € haben ein Kind. Der Vorteil aus Kindergeld oder Steuerfreibeträgen ist hier gleich hoch.

Probe: Zu versteuerndes Einkommen 60.000 €, Steuersatz lt. Splittingtabelle 32 %, Steuervorteil aus Kinderfreibetrag 2019 von 7.620 € x 32 % = 2.438 €. Dieser Betrag entspricht in etwa der Höhe des jährlichen Kindergeldes von 2.448 € (Wert für 2019). Erst bei einem Einkommen von mehr als 60 000 € ergibt sich ein höherer Steuervorteil.

Anmerkung:

Besserverdienende Eltern sollten auch dann Kindergeld beantragen, wenn der Abzug von Kinderfreibeträgen eindeutig günstiger ist. Denn das Finanzamt prüft, was jeweils günstiger ist. Somit ist kein Nachteil zu befürchten. Die Eltern erhalten aber auf diese Weise bereits im Laufe des Jahres Geld aus der Familienkasse.

Quelle: § 32 Abs.6 EStG, Abschnitt X EStG