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Tipp 01.0 >> Unterhaltszahlungen

Anlage Unterhalt

Vorbemerkung zur Anlage U

Um gleich einem Missverständnis vorzubeugen: Die hier behandelte »Anlage Unterhalt« ist ein Steuerformular und sollte nicht verwechselt werden mit dem Vordruck »Anlage U«. Letzterer ist der Steuererklärung beizufügen, wenn Unterhaltsleistungen an den geschiedenen oder dauernd getrennt lebenden Ehegatten erstmals als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Zur Anlage U unten mehr.

→ Aufwendungen für Unterhalt und Berufsausbildung

Nach § 33a Abs. 1 EStG auf Antrag Aufwendungen des Steuerzahlers für den Unterhalt oder die Berufsausbildung, die an eine unterhaltsberechtigte Person gezahlt werden, als außergewöhnliche Belastungen absetzbar.

→ Welche Hürden gilt es zu überwinden? 

Das Gesetz hält einige Hürden bereit. Zu diesen Hürden finden Sie entsprechende Fragen im Formular. Insgesamt sind sieben Hürden auszumachen:

→   Unterhalt an bedürftige Personen

Unterhaltsleistungen an bedürftige Personen und Kosten für deren Ausbildung können unter bestimmten Voraussetzungen  entweder Sonderausgaben  oder außergewöhnliche Belastungen sein. Die Beurteilung hängt davon ab, in welchem Verhältnis der Unterhaltszahlende zur unterstützten Person steht.

  • Abzug als Sonderausgaben

Ein Abzug als Sonderausgaben kommt als nachehelicher Unterhalt bis zur  Höhe von 13.805  zuzüglich übernommener Krankenkassenbeiträge in Betracht (§ 10 Abs. 1 Nr. 1 EStG / Hauptvordruck Zeile 40).

  • Abzug als außergewöhnliche Belastungen

Aufwendungen für den Unterhalt einer Ihnen oder Ihrem Ehepartner gegenüber gesetzlich unterhaltsberechtigten Person sind als außergewöhnliche Belastungen bis zur Höhe von 9.000 € (Grundfreibetrag für 2018) zuzüglich übernommener Krankenkassenbeiträge abzugsfähig. Zu den Aufwendungen für den Unterhalt einer Person gehören auch Aufwendungen für deren Berufsausbildung (§ 33a Abs. 1 EStG / Anlage Unterhalt Zeile 7).

  • Weitere Voraussetzungen
  1. Es besteht kein Anspruch auf Kinderfreibeträge oder Kindergeld,
  2. die unterhaltene Person verfügt über kein oder nur geringes Vermögen,
  3. es wird die Identifikationsnummer des Unterhaltsempfängers angegeben.

Hauptanwendungsfall ist die Unterstützung von Kindern über 25 Jahre, die sich noch Berufsausbildung befinden, für die aber altersbedingt keine Kinderfreibeträge zustehen oder Kindergeld gezahlt wird.

⇒ Wo liegen die Probleme?

Wer Unterhaltsaufwendungen geltend macht, wird enttäuscht sein, wie wenig der Fiskus davon anerkennt und er muss auch bei den Formularen einige Knackpunkte überwinden.

a) Neben Einkünften sind auch Bezüge des Unterhaltsempfängers vom Höchstbetrag abzuziehen. Der Begriff Bezüge ist weniger geläufig. Bezüge sind Einnahmen, die nicht steuerpflichtig sind, aber zum Unterhalt zur Verfügung stehen. Das kann z. B. der Teil einer Rente sein, soweit der Teil nicht steuerpflichtig ist. Bei der Berechnung der Bezüge kann eine Kostenpauschale von 180 abgezogen werden.

Die von der unterhaltenen Person als Ausbildungshilfe aus öffentlichen Mitteln bezogenen Zuschüsse (z. B. BAföG) sind in voller Höhe – ab dem ersten Euro - anzurechnen (§ 33a Abs. 1 Satz 5 EStG).

b) Es wird nach Haushaltszugehörigkeit unterschieden. Unterstützen Sie zwei Personen, die in getrennten Haushalten leben, ist für jede Person eine gesonderte Anlage Unterhalt abzugeben.

c)  Lebt die unterhaltene Person mit anderen Personen, die nicht bedürftig sind, in einem gemeinsamen Haushalt, wird der Unterhaltshöchstbetrag gleichwohl - nach Köpfen - aufgeteilt, abgesegnet vom BFH Urteil vom 17.12.2009 - VI R 64/08.

Für diese Regelung werden in den Zeilen 4 und 6 der Anlage Unterhalt die Weichen gestellt.

Anlage Unterhalt Zeile 4 Anschrift des Haushalts

Anlage Unterhalt Zeile 6 Anzahl der Personen, die in dem Haushalt lt. Zeile 4 lebten

⇒   Höchstbetrag

Hat die unterstützte Person eigene Einkünfte und Bezüge, wird der Höchstbetrag von 9.000 € + Basiskranken- und Pflegepflichtversicherungsbeiträge gekürzt. BAföG-Zuschüsse (nicht Darlehen) werden dabei in voller Höhe auf den Höchstbetrag angerechnet. Andere Bezüge und Einkünfte werden angerechnet, soweit sie den anrechnungsfreien Betrag von 624 € im Jahr übersteigen (§ 33a Abs. 1 Satz 5 EStG).

Beispiel:

Unterhaltsleistungen monatlich 1.000 €, auf Jahr gerechnet 12.000 €. Keine eigenen Einkünfte und Bezüge, aber BAföG-Zuschüsse in Höhe von 7.200 €.

Überschlägliche Berechnung (Muster)

Unterhaltshöchstbetrag (Wert für 2018)   9.000 €
- eigene Einkünfte und Bezüge 0 €  
- anrechnungsfreier Betrag 624 €  
Verbleiben 0 € > 0 €
Verbleiben   9.000 €
- BAföG   7.200 €
Absetzbar   1.800 €

 

 

 

 

 

 

Der absetzbare Betrag erhöht sich um evtl. für die unterhaltsberechtigte Person aufgewandten Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung.

⇒   Unterhalt bei Haushaltsgemeinschaft

Gehört die unterstützte Person zu Ihrem Haushalt, kann regelmäßig davon ausgegangen werden, dass Ihnen insoweit Unterhaltsaufwendungen (z. B. anteilige Miete, Verpflegung, Kleidung) in Höhe des maßgeblichen Höchstbetrags entstehen. Setzen Sie deshalb Aufwendungen in Höhe von 9.000 € (Wert für 2018) an. Dafür sind keine Zahlungsbelege erforderlich.

⇒   Krankheitskosten

Entstehen Ihnen aufgrund außergewöhnlicher Umstände besondere Aufwendungen (z. B. Krankheitskosten) für die unterstützte Person, können diese als andere außergewöhnliche Belastungen berücksichtigt werden (Zeilen 67 bis 70 des Hauptvordrucks).

Quelle: § 33a Abs. 1 EStG