Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

Tipp 10 Unterhaltszahlungen / Basis

Anlage Unterhalt

⇒   Unterhalt an bedürftige Personen

Haben Sie Aufwendungen für den Unterhalt einer Ihnen oder Ihrem Ehepartner gegenüber gesetzlich unterhaltsberechtigten Person geleistet, so wird auf Antrag die Einkommensteuer dadurch ermäßigt, dass die Aufwendungen bis zu 9.000 € (Grundfreibetrag für 2018) bei der Ermittlung Ihres Einkommens abgezogen werden.

Der Betrag von 9.000 € erhöht sich um die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, die Sie für Ihren Schützling geleistet haben (§ 33a Abs. 1 EStG).

Zu den Aufwendungen für den Unterhalt einer Person gehören auch Aufwendungen für deren Berufsausbildung.

  • Weitere Voraussetzungen
  1. Es besteht kein Anspruch auf Kinderfreibeträge oder Kindergeld,
  2. die unterhaltene Person verfügt über kein oder nur geringes Vermögen,
  3. es wird die Identifikationsnummer des Unterhaltsempfängers angegeben.

Hauptanwendungsfall ist die Unterstützung von Kindern über 25 Jahre, die sich noch Berufsausbildung befinden, für die aber altersbedingt keine Kinderfreibeträge zustehen oder Kindergeld gezahlt wird.

⇒ Wo liegen die Probleme?

Wer Unterhaltsaufwendungen geltend macht, wird enttäuscht sein, wie wenig der Fiskus davon anerkennt und er muss auch bei den Formularen einige Knackpunkte überwinden.

a) Neben Einkünften sind auch Bezüge des Unterhaltsempfängers vom Höchstbetrag abzuziehen. Der Begriff Bezüge ist weniger geläufig. Bezüge sind Einnahmen, die nicht steuerpflichtig sind, aber zum Unterhalt zur Verfügung stehen. Das kann z. B. der Teil einer Rente sein, soweit der Teil nicht steuerpflichtig ist. Bei der Berechnung der Bezüge kann eine Kostenpauschale von 180 abgezogen werden.

Die von der unterhaltenen Person als Ausbildungshilfe aus öffentlichen Mitteln bezogenen Zuschüsse (z. B. BAföG) sind in voller Höhe – ab dem ersten Euro - anzurechnen (§ 33a Abs. 1 Satz 5 EStG).

b) Es wird nach Haushaltszugehörigkeit unterschieden. Unterstützen Sie zwei Personen, die in getrennten Haushalten leben, ist für jede Person eine gesonderte Anlage Unterhalt abzugeben.

c)  Lebt die unterhaltene Person mit anderen Personen, die nicht bedürftig sind, in einem gemeinsamen Haushalt, wird der Unterhaltshöchstbetrag gleichwohl - nach Köpfen - aufgeteilt, abgesegnet vom BFH Urteil vom 17.12.2009 - VI R 64/08.

Für diese Regelung werden in den Zeilen 4 und 6 der Anlage Unterhalt die Weichen gestellt.

Anlage Unterhalt Zeile 4 Anschrift des Haushalts

Anlage Unterhalt Zeile 6 Anzahl der Personen, die in dem Haushalt lt. Zeile 4 lebten

⇒   Unterhaltsempfänger lebt im Ausland

Lebt die unterstützte Person im Ausland, gilt u. U. ein gekürzter Höchstbetrag. Die ausländischen Staaten sind den jeweiligen Verhältnissen entsprechend in vier Gruppen eingeteilt (Ländergruppeneinteilung). Der Höchstbetrag ist in Gruppe I mit 100 %, in Gruppe II mit 75 %, in Gruppe III mit 50 % und in Gruppe IV mit 25 % anzusetzen. Im Einzelnen dazu BMF 18.11.2013 - IV C 4 - S 2285.

Handelt es sich bei der unterstützten Person um Ehepartner, ist deren Unterhaltsberechtigung stets gegeben. Andernfalls ist die eine etwaige vorrangige Unterhaltsverpflichtung anderer Personen zu prüfen (BFH 5.5.2010, VI R 5/09).

⇒   Einzelfälle

Unterhalt ist aus unterschiedlichen Gründen veranlasst und wird im Steuerrecht auch unterschiedlich behandelt.

Folgende Fälle zu Unterhaltsleistungen sind denkbar:

Fall 1: Unterhalt an den Ehepartner bei intakter Ehe

Die Aufwendungen zum gegenseitigen Unterhalt bei intakter Ehe sind nicht abzugsfähig, weil sie über die Zusammenveranlagung und den dadurch möglichen günstigen Splittingtarif und den doppelten Grundfreibetrag berücksichtigt werden. Das trifft auch dann zu, wenn ein Ehegatte in einem EU-Land lebt (§ 1a Abs. 1 Nr. 2 EStG).

Die Kosten einer Berufsausbildung sind entweder als Sonderausgaben (erste Ausbildung mit bis zu 6.000 € / § 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG) oder als Werbungskosten (zweite oder weitere Ausbildung, Umschulung in voller Höhe / § 9 EStG) abzugsfähig.

Die Regelungen des EStG zu Ehegatten und Ehen sind auch auf gleichgeschlechtliche Ehepartner und Ehepartnerschaften anzuwenden (§ 2 Abs. 8 EStG).

Ausnahme                          

Lebt ein Ehegatte im Ausland (außerhalb der EU), ist keine Zusammenveranlagung möglich. Damit entfällt auch der Splittingtarif. Auch kann der im Ausland lebende Ehepartner für seine Berufsausbildung keine Sonderausgaben geltend machen, weil er beschränkt steuerpflichtig ist (§ 50 Abs. 1 EStG). In diesem Fall können Unterhaltsleistungen und Kosten für eine Berufsausbildung nach § 33a Abs. 1 EStG als außergewöhnliche Belastungen abzugsfähig sein.

Fall 2: Unterhalt bei nicht intakter Ehe

Leben die Ehepartner getrennt oder sind geschieden, werden Aufwendungen zum Unterhalt des anderen durch Sonderausgabenabzug mit Anlage U mit bis zu 13.805 € berücksichtigt, weil günstiger als der Abzug als außergewöhnliche Belastung mit maximal 9.000 € (§ 10 Abs. 1a Nr. 1 EStG), sofern der Empfänger der Zahlung im Inland oder EU-Ausland (§ 1a Abs. 1 Nr. 1 EStG) lebt und er die Zahlungen nachweislich versteuert.

Die Anlage U ist von beiden, dem Unterhaltsverpflichteten und dem Unterhaltsberechtigten zu unterschreiben. In der Anlage U erklärt sich der Unterhaltsberechtigte bereit, die erhaltenen Leistungen zu versteuern. Die Anlage ist der Steuererklärung beizufügen, wenn erstmals Unterhalt als Sonderausgaben geltend gemacht wird.

Ohne Anlage U sind die Aufwendungen als außergewöhnliche Belastungen nach § 33a Abs. 1 EStG absetzbar.

Die Regelungen des EStG zu Ehegatten und Ehen sind auch auf gleichgeschlechtliche Ehepartner und Ehepartnerschaften anzuwenden (§ 2 Abs. 8 EStG).

Fall 3: Kindesunterhalt

Die Aufwendungen für Unterhalt und etwaige Berufsausbildung des Kindes sind abgegolten, wenn die Eltern für ihr Kind Kindergeld beziehen oder Kinderfreibeträge erhalten (§ 32 a Abs. 6 EStG). Bei volljährigen Kindern in Ausbildung, die auswärts untergebracht sind, erhalten die Eltern einen zusätzlichen Freibetrag.

Wird das Kind steuerlich nicht (mehr) berücksichtigt, weil z. B. über 25 Jahre alt, sind die Aufwendungen als außergewöhnliche Belastungen nach § 33a Abs. 1 EStG absetzbar.

Fall 4: Unterhalt an einen anderen Angehörigen (Nicht Fälle 1 bis 3)

Begünstigt sind nur Unterhaltsleistungen an gesetzlich unterhaltsberechtigte Personen. Gesetzlich unterhaltsberechtigt sind Personen, gegenüber denen Sie nach dem BGB oder dem LPartG unterhaltsverpflichtet sind. Das sind Ihre Eltern, Großeltern und Kinder oder Enkelkinder.

Den gesetzlich unterhaltsberechtigten Personen gleichgestellt sind Personen, denen zum Unterhalt bestimmte inländische öffentliche Mittel mit Rücksicht auf die Unterhaltsleistungen des Steuerpflichtigen gekürzt werden.

Beispiel: Unterhalt an Kindesmutter

Ein Steuerzahler lebt in nicht eingetragener Lebenspartnerschaft zusammen mit der Mutter seines Kindes in einem gemeinsamen Haushalt. Der Mutter werden deswegen öffentliche Mittel gekürzt.

Die Mutter des Kindes wird einer gesetzlich unterhaltsberechtigten Person gleichgestellt, wenn ihr inländische öffentliche Mittel mit Rücksicht auf die Partnerschaft (sozialrechtliche Bedarfsgemeinschaft) mit dem Steuerzahler gekürzt werden. Die Unterhaltsleistungen des Steuerzahlers sind somit absetzbar.

Weil die unterhaltene Person zum Haushalt des Unterhalt leistenden gehört, kann regelmäßig davon ausgegangen werden, dass insoweit Unterhaltsaufwendungen (z. B. anteilige Miete, Verpflegung, Kleidung) in Höhe Höchstbetrages von 9.000 € (Grundfreibetrag 2018) erwachsen. Insoweit sind auch keine Zahlungsbelege erforderlich.

Der Unterhalt für das Kind wird steuerlich durch die Zahlung von Kindergeld oder die Gewährung von Kinderfreibeträgen berücksichtigt.

⇒   Höchstbetrag

Hat die unterstützte Person eigene Einkünfte und Bezüge, wird der Höchstbetrag von 9.000 € + Basiskranken- und Pflegepflichtversicherungsbeiträge gekürzt. BAföG-Zuschüsse (nicht Darlehen) werden dabei in voller Höhe auf den Höchstbetrag angerechnet. Andere Bezüge und Einkünfte werden angerechnet, soweit sie den anrechnungsfreien Betrag von 624 € im Jahr übersteigen (§ 33a Abs. 1 Satz 5 EStG).

Beispiel:

Unterhaltsleistungen monatlich 1.000 €, auf Jahr gerechnet 12.000 €. Keine eigenen Einkünfte und Bezüge, aber BAföG-Zuschüsse in Höhe von 7.200 €.

Überschlägliche Berechnung (Muster)

Unterhaltshöchstbetrag (Wert für 2018)   9.000 €
- eigene Einkünfte und Bezüge 0 €  
- anrechnungsfreier Betrag 624 €  
Verbleiben 0 € > 0 €
Verbleiben   9.000 €
- BAföG   7.200 €
Absetzbar   1.800 €

Der absetzbare Betrag erhöht sich um evtl. für die unterhaltsberechtigte Person aufgewandten Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung.

⇒   Unterhalt bei Haushaltsgemeinschaft

Gehört die unterstützte Person zu Ihrem Haushalt, kann regelmäßig davon ausgegangen werden, dass Ihnen insoweit Unterhaltsaufwendungen (z. B. anteilige Miete, Verpflegung, Kleidung) in Höhe des maßgeblichen Höchstbetrags entstehen. Setzen Sie deshalb Aufwendungen in Höhe von 9.000 € (Wert für 2018) an. Dafür sind keine Zahlungsbelege erforderlich.

⇒   Krankheitskosten

Entstehen Ihnen aufgrund außergewöhnlicher Umstände besondere Aufwendungen (z. B. Krankheitskosten) für die unterstützte Person, können diese als andere außergewöhnliche Belastungen berücksichtigt werden (Zeilen 67 bis 70 des Hauptvordrucks).

⇒   Wohnsitzstaaten mit vollem Höchstbetrag

Lebt die unterstützte Person nicht im Inland, können Aufwendungen nur abgezogen werden, soweit sie nach den Verhältnissen des Wohnsitzstaates der unterstützten Person notwendig und angemessen sind. Die folgenden Staaten gehören zu der Staatengruppe 1, für die der Höchstbetrag von 9.000 € (Wert für 2018) gilt:

Andorra; Australien; Belgien; Bermuda; Brunei Darussalam; Dänemark; Finnland; Frankreich; Hongkong; Insel Man; Irland; Island; Israel; Italien; Japan; Kaimaninseln; Kanada; Kanalinseln; Katar; Kuwait; Liechtenstein; Luxemburg; Macau; Monaco; Neukaledonien; Neuseeland; Niederlande; Norwegen; Österreich; Palästinensische Gebiete; San Marino; Schweden; Schweiz; Singapur; Spanien; Vereinigte Arabische Emirate; Vereinigte Staaten; Vereinigtes Königreich; Zypern.

Lebt die unterstützte Person in einem anderen Staat, wird der Höchstbetrag nach einem bestimmten Schlüssen gekürzt.

Quelle: § 33a Abs. 1 EStG