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4.16 Schätzung nach Geldverkehrsrechnung

Steuerfahndung

→ Geldverkehrsrechnung

Bei der Geldverkehrsrechnung wird geprüft, ob der Steuerpflichtige privat mehr Geld ausgegeben als er aus dem Betrieb entnommen hat. Dies lässt auf nicht verbuchte Einnahmen schließen. Der Prüfer wird vornehmlich dann eine Geldverkehrsrechnung vornehmen, wenn ihm die Vermögens- und Lebensverhältnisse des Betriebsinhabers bekannt sind.

Ausgehend von der Höhe der Kontostände und der Geldströme stellt der Prüfer die Höhe der Entnahmen fest und ermittelt anschließend den Bedarf an Barmitteln. Dabei berücksichtigt er auch Einlagen. Anschließend stellt er die Gesamteinnahmen den Gesamtausgaben gegenüber.

Sind die Gesamtausgaben größer als die Gesamtentnahmen, sollte der Unternehmer dies plausibel erklären können. Kann er das nicht, wird die Differenz seinem Gewinn hinzugeschätzt und nachversteuert.

Soweit die Geldverkehrsrechnung Werte und Wertbewegungen enthält, die nicht in Geld und Geldflüssen bestehen, findet eine Umrechnung in Geld statt oder muss eine solche zumindest möglich sein.

Beispiel: Verprobung einer Pizzeria

Die ungebundenen Privatentnahmen haben insgesamt 36.000 € betragen. Als gebundene Entnahmen wurden festgestellt 8.000 € für die Krankenversicherung des Unternehmers, 6.000 € Einkommensteuer + Zusatzsteuern. Für die Renovierung der Privatwohnung wurden 4.000 € aufgewendet. Die Betriebskosten der Wohnung (Heizung, Elektrizität, Wasser, Gemeindeabgaben) betrugen 9.000 €. Für den Erwerb eines Reisemobils hat er  35.000 € ausgegeben.

Der Prüfer rechnet:

  Entnahmen Ausgaben
Ungebundene Privatentnahmen 3.000 € mtl. 36.000 €  
Für Lebensunterhalt, mind. Sozialhilfesatz 1.500 € mtl.   18.000 €
Einzahlung auf ein Sparbuch   5.000 €
Renovierung der Privatwohnung   4.000 €
Erwerb eines Reisemobils   35.000 €
Gebundene Entnahmen    
Krankenversicherung und Steuern 14.000 € 14.000 €
Betriebskosten der Wohnung 9.000 € 9.000 €
Fehlbetrag 26.000 €  
Summe 85.000 € 85.000 €

Die Berechnung weist einen Fehlbetrag von 26.000 € aus, der zu klären ist. Andernfalls kommt es in dieser Höhe zu Hinzuschätzungen.