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Ausblick auf das Jahr 2023

Ausblick

⇒   Neuregelungen für 2022 und 2023

Auch wenn der große Wurf einer Steuerreform wieder in weite Ferne gerückt ist, gibt es im Neuen Jahr 2023 eine ganze Reihe von Änderungen im Steuerrecht.

♦   Geänderte Pauschalen

Anhebung des Arbeitnehmer-Pauschbetrags von 1.200 € auf 1.230 € ab 1.1.2023

2. Anhebung der Entfernungspauschale für Fernpendler um 3 Cent auf 38 Cent bereits für 2022 ab dem 21. Entfernungskilometer. Für die ersten 20 Entfernungskilometer beträgt die Pauschale unverändert 30 Cent. Die Anhebung ist vorerst befristet bis zum 31.12.2026.

♦   Höhere Gebäude-AfA

Der lineare AfA-Satz zur Abschreibung von Wohngebäuden, die nach dem 31. Dezember 2023 fertiggestellt werden, wird von zwei auf drei Prozent angehoben werden. Damit würden zukünftig alle Gebäude grundsätzlich über einen Zeitraum von 33 Jahren abgeschrieben.

Verkürzte Abschreibungsdauer unzulässig

Nach § 7 Abs. 4 Satz 2 EStG werden Gebäude, die nach dem 31.12.1924 errichtet worden sind, mit 2 % abgeschrieben. Dies entspricht einer Nutzungsdauer von 50 Jahren. In bestimmten Fällen konnte die Gebäude-AfA  bisher nach einer tatsächlich kürzeren Nutzungsdauer bemessen werden, wenn diese weniger als 50 Jahre beträgt. Diese Ausnahmeregelung wird aufgehoben, um Bürokratieaufwand zu vermindern und Ungleichbehandlungen zu vermeiden. 

♦   Abzug von Beiträge zu Basis-Altersrenten in voller Höhe

Sonderausgabenabzug in voller Höhe für Beiträge zu Basis-Altersrenten im Rahmen der Höchstbeträge ab 2023. Der Abzug  in voller Höhe i. S. d. § 10 Abs. 1 Nr. 2 EStG als Sonderausgaben findet somit bereits ab dem Jahr 2023 (statt erstmals im Jahr 2025 / § 10 Absatz 3 EStG). 

Abzugsfähig sind somit 100 % der Höchstbeträge statt 96 % für 2023 und statt 98 % für 2024.

♦   Höchstbetrag für abzugsfähige Beiträge zu Basis-Altersrenten 2023

Die Beiträge für Basis-Altersrenten sind bis zum Höchstbetrag der Beiträge zur knappschaftlichen Rentenversicherung als Vorsorgeaufwendungen abzugsfähig (§ 10 Abs. 3 EStG).

Der Höchstbetrag zur knappschaftlichen Rentenversicherung beträgt 107.400 € / 104.400 € im Jahr (Werte 2023 Bundesländer West / Ost), der Beitragssatz  beträgt einheitlich 24.7 % (Wert für 2023).

Höchstbetrag für Bundesländer West

Für das Jahr 2023 beträgt der Höchstbetrag somit (107.400 € x 24.7 % =) 26.528 €, für Ehepartner doppelter Betrag = 53.056 €. Davon sind 100 % (Wert ab 2023) abzugsfähig (Neuregelung im Jahressteuergesetz 2022 / 2023)

Basis-Altersrenten

Zu den Basis-Altersrenten gehören die Renten der gesetzlichen Rentenversicherung, der berufsständischen Versorgungskassen der Ärzte, Rechtsanwälte u.a., der landwirtschaftlichen Alterskasse und die private kapitalgedeckte Rentenversicherung (Rürup-Rente).

♦   Ausbildungsfreibetrag

Der Ausbildungsfreibetrag wird von 924 € auf 1.200 € abgehoben. Der Ausbildungsfreibetrag steht zur Abgeltung eines Sonderbedarfs eines sich in Berufsausbildung befindenden volljährigen Kindes zu, das auswärtig untergebracht ist und für das Anspruch auf Kindergeld besteht (§ 33a Abs. 2 Satz 1 EStG).  Gilt ab 1.1. 2023

♦   Anhebung des Sparer-Pauschbetrags

Der Sparer-Pauschbetrag wird von 801 € / 1.602 € (Alleinstehende / Ehepartner)  auf 1.000 / 2.000 angehoben (§ 20 Abs. 9 EStG). Erteilte Freistellungaufträge werden prozentual angepasst. Gilt als 1.1.2023.

♦   Häusliches Arbeitszimmer (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG)

Bei einem typischen Arbeitszimmer konnte der Aufwand bisher in voller Höhe abgezogen werden, wenn der Mittelpunkt der gesamten beruflichen Betätigung im häuslichen Arbeitszimmer liegt oder wenn kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Bildet das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit,  können die die Aufwendungen weiterhin in voller Höhe als Werbungskosten abgezogen werden können.  Die Aufwendungen sind in diesen Mittelpunktfällen auch dann abziehbar, wenn ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Anstelle des Abzugs der tatsächlichen Aufwendungen ist nun auch ein pauschaler Abzug in Höhe von 1.260 € (Jahrespauschale) möglich. Diese Jahrespauschale ist monats- und personenbezogen zu berücksichtigen.

Muss die Tätigkeit nur tageweise in der häuslichen Wohnung ausgeübt werden, weil den Steuerpflichtigen an den übrigen Arbeitstagen ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, kommt ein Abzug der Aufwendungen nur über die Homeoffice-Pauschale in Betracht (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6c EStG) Gilt ab 1.1.2023.  

♦   Homeoffice-Pauschale (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6c EStG)

Die sog. Homeoffice-Pauschale wird ohne zeitliche Befristung auf 6 € pro Tag angehoben  und beträgt höchstens 1.260 € pro Jahr erhöht. Der Höchstbetrag wird erreicht, wenn die Steuerpflichtigen die berufliche Tätigkeit an 200 Tagen im Jahr am häuslichen Arbeitsplatz ausüben.

Der Abzug der Tagespauschale ist neben dem Abzug von Fahrtkosten für die Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte nur zulässig, wenn für die berufliche Betätigung dauerhaft kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Ein Abzug ist außerdem zulässig, wenn zusätzlich zu einer Auswärtstätigkeit die überwiegende Arbeitszeit in der häuslichen Wohnung verrichtet wird.

Die Homeoffice-Pauschale wird in den Werbungskosten-Pauschbetrag  eingerechnet und nicht zusätzlich gewährt. Nicht von der Homeoffice-Pauschale abgegolten sind Aufwendungen für Arbeitsmittel.

♦   Anhebung des Grundfreibetrags

Der Grundfreibetrag steigt von 10.347 € im Kalenderjahr  2022 auf 10.908 € im Kalenderjahr 2023 (§ 32a EStG). 

Bedeutung des Grundfreibetrags: 

  1. Bis zum Grundfreibetrag ist das zu versteuernde Einkommen steuerfrei.
  2. Aufwendungen zur Unterstützung von nahen Angehörigen sind bis zur Höhe des Grundfreibetrages abzugsfähig (§ 33a Abs. 1 EStG).
  3. Bei Unterbringung im Pflegeheim kürzt das Finanzamt die abzugsfähigen Heimkosten um eine sog. Haushaltsersparnis wegen ersparter Verpflegungs- und Wohnungskosten, wenn mit der Heimunterbringung der eigene Haushalt aufgelöst wird. Die Haushaltsersparnis entspricht dem Grundfreibetrag gemäß § 33a Abs. 1 EStG (BFH Urteil vom 14.11.2013 - VI R 20/12).

♦   Grundrentenzuschlag steuerfrei

Der Betrag der Rente, der als Grundrentenzuschlag geleistet wird, ist  steuerfrei (§ 3 Nr. 14a EStG). Dadurch soll der Grundrentenzuschlag ungeschmälert zur Sicherung des Lebensunterhaltes beitragen. Gilt rückwirkend ab 1.1.2021

♦   Einnahmen aus kleinen Photovoltaikanlagen steuerfrei

Einnahmen aus dem Betrieb von Photovoltaikanlagen bis zu einer Bruttonennleistung von 30 kW auf Einfamilienhäusern und Gewerbeimmobilien bzw. 15 kW je Wohn- und Gewerbeeinheit bei übrigen, überwiegend zu Wohnzwecken genutzten Gebäuden (z.B. Mehrfamilienhäuser, gemischt genutzte Immobilien) sind steuerfrei (§ 3 Nr. 72 EStG).  Die Steuerbefreiung gilt unabhängig von der Verwendung des erzeugten Stroms sein. In diesen Fällen erübrigt sich eine jährliche Gewinnermittlung. Gilt ab 1.1.2023.

♦   Reform der Grundsteuer

Zum 1. Januar 2025 wird die neue Grundsteuer als unbürokratische, faire und verfassungsfeste Regelung in Kraft treten. Damit werden auch die Einheitswerte als bisherige Berechnungsgrundlage der Grundsteuer ihre Gültigkeit verlieren. An deren Stelle tritt dann in allen Bundesländern, die keine abweichenden Regelungen getroffen haben, der Grundsteuerwert. Ermittelt wird er vom jeweils zuständigen Finanzamt anhand einiger weniger Angaben, die Grundstückseigentümer*innen ihrem Finanzamt mitteilen. Stichtag für den Stand dieser Angaben ist der 1. Januar 2022. Zu diesem Stichtag müssen Eigentümer*innen aber zunächst nichts unternehmen. Sie werden voraussichtlich Ende März 2022 mit öffentlicher Bekanntmachung weiter informiert.