Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

Ausblick

Ausblick

Auch wenn der große Wurf einer Steuerreform wieder in weite Ferne gerückt ist, gibt es im Neuen Jahr 2022 eine ganze Reihe von Änderungen im Steuerrecht.

Hier finden Sie die wichtigsten Neugelungen. Vielleicht sind Sie davon betroffen und Sie können Geld sparen.

⇒   Steuerentlastungsgesetz 2022

Das Bundeskabinett hat am 16.3.2022 das Steuerentlastungsgesetz 2022 auf den Weg gebracht. Die Maßnahmen sollen rückwirkend zum 1.1.2022 in Kraft treten.

Die Neuregelungen sind noch nicht endgültig und auf dem Weg zum endgültigen Gesetz kann noch viel passieren. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass der Gesetzentwurf umgesetzt wird.

Zur Entlastung der Bürger sollen ab 1.1.2022 folgende steuerliche Maßnahmen umgesetzt werden:

  • Anhebung des Arbeitnehmer-Pauschbetrags von 1.000 € auf 1.200 €
  • Anhebung des Grundfreibetrags von derzeit 9.984 € auf 10.347 €
  • Anhebung der bis 2026 befristeten Anhebung der Entfernungspauschale für Fernpendler (ab dem 21. Kilometer) auf 38 Cent.
  • Für Beschäftigte in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sind bis zu 3.000 € Corona-Prämie steuerfrei. 
  • Die Homeoffice-Pauschale von 5 € täglich bis zu 120 Tage wird auch für 2022 gewährt. 
  • Die Frist für die Abgabe der Steuererklärung 2021 wird von Ende Juli 2022 auf Ende September 2022 verlängert. 

⇒   Energiepauschale 2022

Alle aktiv tätigen Erwerbspersonen erhalten noch im Jahr 2022 einmalig eine Energiepreispauschale in Höhe von 300 € als Zuschuss zum Gehalt. Dafür reicht es aus, wenn irgendwann im Jahr 2022 ein Arbeitsverhältnis besteht. Dann zahlt der Arbeitgeber die Energiepauschale zusammen mit dem Gehalt aus. In allen anderen Fällen erhalten Sie die Energiepauschale mit der Steuererklärung 2022.

⇒   Höchstbetrag für Beiträge zur Basis-Altersrente 2022

Die Beiträge zur Basis-Altersrente sind bis zum Höchstbetrag der Beiträge zur knappschaftlichen Rentenversicherung als Vorsorgeaufwendungen abzugsfähig (§ 10 Abs. 3 EStG).

Der Höchstbetrag zur knappschaftlichen Rentenversicherung beträgt 103.800 € im Jahr, der Beitragssatz  24.7 % (Werte für 2022).

Für das Jahr 2022 beträgt der Höchstbetrag somit (103.800 € x 24.7 % =) 25.639 €, für Ehepartner doppelter Betrag = 51.278 €. Davon sind 94 % (Wert für 2022) abzugsfähig.

Zu den Basis-Altersrenten gehören die Renten

  • der gesetzlichen Rentenversicherung, 
  • der berufsständischen Versorgungskassen der Ärzte, Rechtsanwälte u.a.,
  • der landwirtschaftlichen Alterskasse und
  • die private kapitalgedeckte Rentenversicherung (Rürup-Rente).

⇒   Grundfreibetrag im Einkommensteuertarif

Der Grundfreibetrag steigt von 9.744 € im VZ 2021 auf 9.984 € im VZ 2022. Zur Abmilderung der "kalten Progression" verschieben sich die Tarifeckwerte um 1,17 % nach rechts. Der Spitzensteuersatz in Höhe von 42 % beginnt damit im VZ 2022 ab einem zu versteuernden Einkommen von 58.597 € (§ 32a EStG).

Grundfreibetrag bedeutet:

  • Bis zum Grundfreibetrag ist das zu versteuernde Einkommen steuerfrei.
  • Aufwendungen zur Unterstützung von nahen Angehörigen sind bis zur Höhe des Grundfreibetrages abzugsfähig (§ 33a Abs. 1 EStG).
  • Bei Unterbringung im Pflegeheim kürzt das Finanzamt die abzugsfähigen Heimkosten um eine sog. Haushaltsersparnis wegen ersparter Verpflegungs- und Wohnungskosten, wenn mit der Heimunterbringung der eigene Haushalt aufgelöst wird. Die Haushaltsersparnis entspricht dem Grundfreibetrag gemäß § 33a Abs. 1 EStG (BFH Urteil vom 14.11.2013 - VI R 20/12).

⇒   Kindergeld, Kinderfreibeträge, Kinderzuschlag

Das Kindergeld wurde letztmalig zum 01. Januar 2021 angehoben. Auch die Kinderfreibeträge stiegen  letztmalig in 2021. Für beide ist bislang keine Erhöhung vorgesehen. Sobald sich etwas Neues ergibt informieren wir an dieser Stelle.

Der Kinderzuschlag ist zum 1. Januar 2022 gestiegen – allerdings nur leicht. Der Kinderzuschlag, eine Leistung zusätzlich zum Kindergeld für Familien mit geringem Einkommen, ist zum Jahreswechsel leicht erhöht worden. Er stieg zum 1. Januar 2022 von 205 € um 4 € auf bis zu 209 € pro Monat und Kind. Bei mehreren Kindern wird ein Gesamtbetrag ausgezahlt.“

⇒   Behinderten-Pauschbetrag  / Fahrtkosten-Pauschale

Wegen der Aufwendungen für die Hilfe bei den gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen des täglichen Lebens, für die Pflege sowie für einen erhöhten Wäschebedarf können Menschen mit Behinderungen unter den Voraussetzungen des § 33b Abs. 2 EStG anstelle einer Steuerermäßigung gem. § 33 EStG (mit Einzelnachweis der Aufwendungen) einen Behinderten-Pauschbetrag nach § 33b EStG geltend machen.

Behinderten-Pauschbeträge ab VZ 2021

Grad der Behinderung Pauschbetrag in €
20 384
30 620
40 860
50 1.140
60 1.440
70 1.780
80 2.120
90 2.460
100 2.840
  • Fahrtkosten-Pauschale

In einem neuen § 33 Abs. 2a EStG wurde außerdem eine behinderungsbedingte Fahrtkosten-Pauschale eingeführt, die erstmals ab VZ 2021 gilt. Diese beträgt

  • 900 € für Menschen mit einem Grad der Behinderung von mindestens 80 oder mit einem Grad der Behinderung von mindestens 70 und dem Merkzeichen "G".
  • 4.500 € für Menschen mit dem Merkzeichen "aG", "BL", "TBL" oder "H".

Hinweis

Die Fahrtkosten-Pauschale deckt alle Aufwendungen für die durch die Behinderung veranlassten Fahrten ab einschließlich z. B. der Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder Taxis. Darüber hinaus sind keine weiteren behinderungsbedingten Fahrtkosten als außergewöhnliche Belastung berücksichtigungsfähig. 

⇒   450 € / 520 € - Minijob

Ab 1.1.2022 müssen bei allen Entgeltmeldungen zur Sozialversicherung an die Mini-Jobzentrale für 450  € - Minijobber die Steuernummer des Arbeitgebers und die Identifikationsnummer nach § 139b AO des Beschäftigten angegeben werden (§ 28a Abs. 8 SGB IV). Diese Angaben sind für  kurzfristig Beschäftige (Aushilfen) nicht vorgesehen.

Ab Oktober 2022 wird die monatliche Verdienstgrenze für 450 € - Minijobber auf 520 € angehoben

⇒   Gutscheine und Geldkarten als Sachlohn

Steuerpflichtig sind alle Güter, die in Geld oder Geldeswert bestehen und dem Arbeitnehmer im Rahmen des Arbeitsverhältnisses zufließen (§ 8 Abs. 1 Satz 1 EStG).  Fließen die Einnahmen in Geld zu (Barlohn), sind die Geldbeträge anzusetzen. Anders hingegen, wenn die Einnahmen in Geldeswert (Sachlohn) bestehen.

Bei Gutscheinen und Geldkarten handelt es sich nur dann um Sachlohn, wenn sie ausschließlich zum Bezug von Waren und Dienstleistungen berechtigen und zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gezahlt werden. Andernfalls sind sie Barlohn, der in jedem Fall steuerpflichtig ist.

Dies bedeutet: 

Zum Barlohn gehören auch zweckgebundene Geldleistungen, nachträgliche Kostenerstattungen, Geldsurrogate und andere Vorteile, die auf einen Geldbetrag lauten (§ 8 Abs. 1 Satz 2 EStG). 

Dies gilt nicht bei gilt bei Gutscheinen und Geldkarten, die ausschließlich zum Bezug von Waren oder Dienstleistungen berechtigen und die Kriterien des § 2 Absatz 1 Nummer 10 des Zahlungsdiensteaufsichtsgesetzes (ZAG) erfüllen. Gutscheine und Geldkarten gehören in diesem Fall zum Sachlohn. 

  • Durch die Einordnung als Sachlohn können Einnahmen aus Gutscheinen und Geldkarten steuerfrei sein, wenn es sich um Kleinbeträge / Aufmerksamkeiten / Bagatellen handelt.

♦  Sachlohn

Bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit spricht man von Geldlohn, wenn es sich um Einnahmen in Geld handelt, von Sachlohn, wenn es Einnahmen in Geldeswert sind.

Barlohn ist grundsätzlich steuerpflichtig, Sachlohn kann steuerfrei sein, wenn der Sachlohn z. B. aus Kleinbeträgen oder Aufmerksamkeiten besteht.

  • Kleinbeträge bis 50 € mtl.

Die monatliche Freigrenze für Sachbezüge wird ab 2022 von 44 € auf 50 € angehoben. Die monatsbezogene Regelung führt zwar dazu, dass Vorteile von insgesamt 600 € im Kalenderjahr unversteuert bleiben, als Einmalzuwendung wäre der Vorteil von 600 € jedoch zu versteuern (§ 8 Abs. 2 Satz 11 EStG).

Beispiel: Ein Arbeitnehmer erhält einen monatlichen Benzingutschein in Höhe von 50 €. Dieser bleibt aufgrund der Bagatellregelung steuerfrei.

Abwandlung: Der Arbeitgeber gewährt dem Arbeitnehmer im Januar einen Benzingutschein über 600 €. Da hier der im Januar zugewendete geldwerte Vorteil 50 € übersteigt, ist der Gesamtbetrag lohnsteuerpflichtig.

Für die Feststellung, ob die Freigrenze überschritten wird, sind sämtliche nach § 8 Abs. 2 Satz 1 EStG zu bewertende Vorteile, die in einem Kalendermonat zufließen, zusammenzurechnen. Dabei sind die nach § 8 Abs. 2 Satz 1 EStG bewerteten Sachbezüge einzubeziehen, die versteuert werden, jedoch abzüglich etwaiger gezahlter Entgelte.

  • Aufmerksamkeiten bis 60 €

Aufmerksamkeiten des Arbeitgebers bis zu einem Wert von 60 €, die auch im gesellschaftlichen Verkehr üblicherweise ausgetauscht werden und zu keiner ins Gewicht fallenden Bereicherung des Arbeitnehmers führen, wenn sie dem Arbeitnehmer oder seinen Angehörigen aus Anlass eines besonderen persönlichen Ereignisses zugewendet werden, sind regelmäßig nicht als Arbeitslohn zu erfassen (R 19.6 Abs. 1 LStR).

Beispiel: Blumen, Genussmittel, Bücher oder Tonträger aus Anlass eines persönlichen Ereignisses, z. B. Geburtstag. 

  • Ausgabe von Essensmarken

Vom Arbeitgeber gestellte Verpflegung in der Kantine ist immer steuerpflichtig, wenn deren Wert  die monatliche 50 €-Grenze überschreitet.

Gibt der Arbeitgeber Essensmarken für arbeitstägliche Mahlzeiten in der Kantine aus, werden die Mahlzeiten mit dem amtlichen Sachbezugswert erfasst, wenn der Verrechnungswert der Essensmarke (3.47 € Wert für 2022) den Betrag von 3,10 € nicht übersteigt (R 8.1 Abs. 7 LStR). 

Kein Arbeitslohn liegt nach R 8.1 Abs. 8 Nr. 1 LStR vor

1. bei Mahlzeiten im ganz überwiegenden betrieblichen Interesse (H 19.3 LStH),

2. Mahlzeiten im Rahmen von Betriebsveranstaltungen (R 19.5 LStR),

3. Arbeitsessen (R 19.6 Abs. 2 LStR),

4. Beteiligung von Arbeitnehmern an einer geschäftlich veranlassten Bewirtung i.S.v. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 EStG.

  • Mahlzeiten bei Dienstreisen

Mahlzeiten während einer Dienstreise auf Kosten des Arbeitgebers sind mit ihrem amtlichen Sachbezugswert zu erfassen, wenn der Wert der Mahlzeit 60 € nicht übersteigt. Solche üblichen Mahlzeiten nicht zu erfassen, wenn der Arbeitnehmer für die betreffende Auswärtstätigkeit eine Verpflegungspauschale i.S.d. § 9 Abs. 4a EStG als Werbungskosten geltend machen könnte (§ 8 Abs. 2 Satz 9 EStG. Die Verpflegungspauschale wird nach den Reisekosten-Regelungen entsprechend gekürzt (BMF, Schreiben v. 25.11.2020, BStBl 2020 I S. 1228 Rz. 67).

♦   Digital-Abschreibung / AfA

Für bestimmte Computerhardware (einschließlich der dazu gehörenden Peripheriegeräte) und die für die Dateneingabe und erforderliche Betriebs- und Anwendersoftware kann eine auf ein Jahr reduzierte betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer zugrunde gelegt werden (BMF-Schreiben v. 26.2.2021 - BStBl I 2021 S. 298)-

Die Anschaffungs- und Herstellungskosten dafür können somit im Jahr der Anschaffung bzw. Herstellung in voller Höhe abgezogen werden.

Die begünstigte Computerhardware schließt auch Tablet-Computer und Thin-Clients sowie dazugehörige Peripheriegeräte (Maus, Tastatur und auch Beamer, Drucker und andere Geräte nach dem Prinzip "Eingabe-Verarbeitung-Ausgabe"), Netzteile und Dockingstationen ein.

Die Regelungen können auch auf Wirtschaftsgüter angewendet werden, die bereits 2020angeschafft oder hergestellt wurden. Bestehende Restbuchwerte aus in früheren Jahren angeschafften oder hergestellten digitalen Wirtschaftsgütern können daher in 2021 ebenfalls vollständig auf Null € abgeschrieben werden..

♦   Reform der Grundsteuer / Grundsteuerreform

Zum 1. Januar 2025 wird die neue Grundsteuer als unbürokratische, faire und verfassungsfeste Regelung in Kraft treten. Damit werden auch die Einheitswerte als bisherige Berechnungsgrundlage der Grundsteuer ihre Gültigkeit verlieren. An deren Stelle tritt dann in allen Bundesländern, die keine abweichenden Regelungen getroffen haben, der Grundsteuerwert. Ermittelt wird er vom jeweils zuständigen Finanzamt anhand einiger weniger Angaben, die Grundstückseigentümer*innen ihrem Finanzamt mitteilen. Stichtag für den Stand dieser Angaben ist der 1. Januar 2022. Zu diesem Stichtag müssen Eigentümer*innen aber zunächst nichts unternehmen. Sie werden voraussichtlich Ende März 2022 mit öffentlicher Bekanntmachung weiter informiert.