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Steuerrechtsänderungen 2021

Auch wenn der große Wurf einer Steuerreform wieder in weite Ferne gerückt ist, gibt es dennoch eine ganze Reihe von Änderungen im Steuerrecht.

♦   Entfernungspauschale

Ab dem 1. Januar 2021 steigt die Entfernungspauschale. Für die ersten 20 km der Entfernung von der Wohnung zur ersten Tätigkeitsstätte bleibt es bei 0.30 €. Ab dem 21. km werden 0.35 € als Werbungskosten berücksichtigt.

Beispiel:

Bei 230 Wegen im Kalenderjahr und einer Entfernung von 45 km von der Wohnung zur ersten Tätigkeitsstätte beträgt die Entfernungspauschale:

Kj. bis 2020 Pauschale Kj. 2021-2023 Pauschale
    Bis 20 km: 230 x 20 x 0.30 € = 1.380 €
    Ab 21 km: 230 x 25 x 0.35 € = 2.013 €
230 x 45 km x 0.30 = 3.105 €    3.393 €

Für die Jahre 2021-2023 steht in diesem Fall eine um (3.393 € - 3.105 € =) 288 € höhere Entfernungspauschale zu.

Nach drei Jahren erhöht sich der km-Satz auf 0.38 €, fällt dann aber nach weiteren drei Jahren auf den ursprünglichen Satz von 0.30 € zurück.

Übersicht km-Sätze      
Bis 20 km / ab 20 km      
Bis Kj. 2020 Kj. 2021- 2023 Kj. 2024-2026 Kj. ab 2027 
0.30 € 0.30 € / 0.35 € 0.30 € / 0.38 € 0.30 € / 0.30
  • Mobilitätsprämie

Wer wenig verdient und keine Steuern zahlt, hat Anspruch auf eine Mobilitätsprämie. Wie deren Höhe berechnet wird, steht momentan noch nicht genau fest. 

♦   Solidaritätszuschlag

Der Zuschlag zur Einkommensteuer wird ab dem 1. Januar 2021 zurückgeführt. Konkret wird die Freigrenze / Jahressteuer in § 3 Solidaritätszuschlaggesetz 1995 von 972 € /1.944 € (Einzel-/Zusammenveranlagung) auf 16.956 €/ 33.912 € angehoben. Die Beträge für das Lohnsteuerabzugsverfahren werden dementsprechend angepasst. Alleinstehende mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von bis zu 73.000 € müssen die Abgabe dann nicht mehr zahlen, für Ehepartner liegt die Grenze bei 109.000 €.

Insgesamt wird erreicht, dass rund 90 Prozent der Steuerzahler nicht mehr mit dem Solidaritätszuschlag belastet werden (Gesetz zur Rückführung des Solidaritätszuschlags 1995 vom 10. Dezember 2019).

♦   Entlastungsbetrag für Alleinerziehende

Der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende wird ab 2020 von 1.908 € auf 4.008 € angehoben ( § 24b Abs. 2 Satz 1). Die als Corona-Steuerhilfe eingeführte und ursprünglich auf die Kalenderjahre 2020 und 2021 begrenzte Anhebung wird damit entfristet. Im Lohnsteuerabzugsverfahren wird die Anhebung ab 2022 über die Steuerklasse 2 berücksichtigt.

♦   Vereinfachter Zuwendungsnachweis

Spenden und Mitgliedsbeiträge zur Förderung steuerbegünstigter Zwecke können als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden. Der Betrag, bis zu dem ein vereinfachter Zuwendungsnachweis möglich ist, wird ab 2020 von 200 € auf 300 € angehoben (§ 50 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 EStDV).

♦    Weiterbildungs- und Beratungsleistungen

Beratungsleistungen des Arbeitgebers oder auf seine Veranlassung von einem Dritten zur beruflichen Neuorientierung (sog. "Outplacement"-Beratung, "Newplacement"-Beratung) für ausscheidende Arbeitnehmer sind ab 2020 steuerfrei (§ 3 Nr. 19 EStG).

♦   Verbilligte Wohnraumvermietung

Der Grenzwert der verbilligten Wohnraumvermietung nach § 21 Abs. 2 EStG von 66 % der ortsüblichen Miete wird auf 50 % herabgesetzt. Gilt ab VZ 2021.

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♦   Übungsleiterfreibetrag und Ehrenamtspauschale

Der Übungsleiterfreibetrag wird ab 2021 von 2.400 € auf 3.000 € erhöht (§ 3 Nr. 26 Satz 1 EStG). Der Ehrenamtsfreibetrag wird von 720 € auf 840 € erhöht (§ 3 Nr. 26a Satz 1 EStG).

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♦   Home-Office-Pauschale für 2020 und 2021

Durch das Arbeiten im Home-Office wegen Corona steigen die Kosten für die Wohnung durch Strom und Heizung, zugleich fällt für viele die Pendlerpauschale weg. Dies soll durch die Homeoffice-Pauschale ausgeglichen werden.

Liegt kein häusliches Arbeitszimmer vor, können Sie für jeden Kalendertag, an dem Sie im Homeoffice arbeiten, 5 €, aber höchstens 600 € im Jahr als Werbungskosten geltend machen (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 4 E, StG). Die Home-Office-Pauschale wirkt sich nur aus, wenn die Werbungskosten insgesamt den Arbeitnehmer-Pauschbetrag übersteigen.

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♦   Anhebung der Freigrenze für Sachbezüge ab 01.01.2022

Die monatliche Freigrenze für Sachbezüge in § 8 Abs. 2 Satz 11 wird von 44 € auf 50 € angehoben.

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♦   Höchstbeträge für Basis-Altersrenten 2021

Die Beiträge sind in Zeile 4-10 Anlage Vorsorgeaufwand einzutragen.

Die Beiträge zu Basis-Altersrenten sind bis zum Höchstbetrag der Beiträge zur knappschaftlichen Rentenversicherung als Vorsorgeaufwendungen abzugsfähig (§ 10 Abs. 3 EStG). Der Höchstbetrag zur knappschaftlichen Rentenversicherung beträgt 101.400 € / 104.400 € im Jahr (Werte für 2020 und 2021). Der Beitragssatz ist unverändert 24.7 %.

Berechnung für 2021

Beitragsbemessungsgrenze Knappschaft Rentenversicherung 104.400 € 
Beitragssatz Knappschaft Rentenversicherung 24.7 %
Voller Höchstbetrag für Alleinstehende 24.7 % von 104.400 € = 25.787 €
Voller Höchstbetrag für Ehepartner 24.7 % von 208.800 € = 51.574 €
Gekürzter Höchstbetrag für Alleinstehende auf 92 % von 25.787 € = 23.724 €
Gekürzter Höchstbetrag für Ehepartner auf 92 % von 51.574 € = 47.448 €

Für Arbeitnehmer gilt eine abweichende Regelung.

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♦   Änderungen beim Steuertarif (§ 32a EStG)

Übersicht

 Kalenderjahr 2020 2021
Grundfreibetrag 9.408 € 9.744 €
Eingangssteuersatz 14 % 9.409 bis 14.532 € 9.745 € bis 14.753 €
Progressionszone 14 bis 42 % 14.533 bis 57.051 € 14.754 € bis 59.918 €
Spitzensteuersatz 42 % 57.052 bis 270.500 € 59.919 € bis 274.612 €
Reichensteuer 45 % ab 271.501 € 274.613 €

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♦   Kinderfreibeträge / Kindergeld 2021

Das Kindergeld ist der Höhe nach gestaffelt. Die Kinderfreibeträge setzen sich aus dem eigentlichen Kinderfreibetrag und dem Betreuungs-, Erziehungs- und Ausbildungsfreibetrages (BEA-Freibetrag) zusammen. Die beiden Freibeträge entsprechen dem Existenzminimum für jedes berücksichtigungsfähige Kind.

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Kindergeld (§ 66 EStG) oder Volle Kinderfreibeträge (§ 32 Abs. 6 EStG)
je Kind monatlich   je Kind jährlich
1. + 2. Kind   /    3. Kind  / ab 4. Kind            
    219 €        / 225 €   /      250 €   5.460 € + 2.928 € = 8.388 €

♦   Steuerliche Förderung von Behinderten

  • Höhere Pauschbeträge für Behinderte

Gegenüberstellung: Behinderten-Pauschbeträge bis 2020 und ab 2021

Bis 2020   Ab 2021  
Behinderung Pauschbetrag Behinderung Pauschbetrag
    20 % 384 €
25 % und 30 % 310 € 30 % 620 €
35 und 40 % 430 € 40 % 860 €
45 und 50 % 570 € 50 % 1.140 €
55 und 60 % 720 € 60 % 1.440 €
65 und 70 % 890 € 70 % 1.780 €
75 und 80 % 1.060 € 80 € 2.120 €
85 und 90 % 1.230 € 90 % 2.460 €
95 und 100 % 1.420 € 100 % 2.840 €

Pauschbetrag bei Merkzeichen H = hilflos oder Pflegegrad 4 oder 5

Der Behinderten-Pauschbetrag für blinde Menschen sowie Menschen, die als hilflos gelten, wird von 3.700 € auf 7.400 € angehoben (Merkzeichen »H« im Schwerbehindertenausweis oder festgestellte Einstufung in Pflegegrad 4 oder 5).

Verzicht auf den Behinderten-Pauschbetrag

Sie können auf den Behinderten-Pauschbetrag verzichten und stattdessen alle typischen und atypischen behinderungsbedingten Kosten nachweisen. Vor allem wenn Heimkosten anfallen, ist der Pauschbetrag schnell überschritten.

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  • Neue behinderungsbedingte Fahrtkosten-Pauschale / ab 2021

Die neue hinderungsbedingte Fahrtkosten-Pauschale nach § 33 Abs. 2a EStG beträgt: 

  1. Fahrtkostenpauschale 900 € für Menschen mit einem Grad der Behinderung von mindestens 80 oder mit einem Grad der Behinderung von mindestens 70 und dem Merkzeichen "G",
  2. Fahrtkostenpauschale 4.500 € für Menschen mit dem Merkzeichen "aG", mit dem Merkzeichen "Bl" oder mit dem Merkzeichen "H".

Über diese Fahrtkosten-Pauschale hinaus sind keine weiteren behinderungsbedingten Fahrtkosten als außergewöhnliche Belastung abzugsfähig. Die Pauschale ersetzt die bisher individuell ermittelten Aufwendungen für Fahrtkosten von Menschen mit Behinderung unter Abzug der zumutbaren Belastung.

♦   Bausparprämie, Wohnungsbauprämie

Ab 2021 erhalten Bausparer eine deutlich höhere Wohnungsbauprämie. Die Einkommensgrenzen werden auf 35.000 € / 70.000 €, die geförderte Sparleistung auf 700 / 1.400 € angehoben. Die Prämie steigt von 8.8 % auf 10.0 %, die Höchstprämie somit von 45 / 90 € auf 70 / 140 €.  

♦   Firmenwagen / Elektro-Kfz / E-Mobile

Für eine Übergangszeit von drei Jahren (2019 bis 2021) wird der private Nutzungsvorteil aus der Nutzung von Elektro-Kfz / E-Mobilen durch Arbeitnehmer halbiert, d. h. auf 50 % des grundsätzlichen Vorteils begrenzt. Unter die Regelung fallen auch Kfz, deren Antrieb aus einer Kombination aus Elektromotor und Verbrennungsmotor besteht, solange die Batterien auch extern aufgeladen werden können.

Für vor 2019 und nach 2022 angeschaffte oder geleaste E-Mobile gilt der bisherige Nachteilsausgleich unverändert weiter, d. h. der Bruttolistenpreis ist um den darin enthaltenen Preisanteil für die Batteriepakete zu kürzen.

E-Mobile bis 40.000 € 

Die Bemessungsgrundlage für die private Nutzung wird auf ein Viertel (25 %) herabgesetzt (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 Nr. 3 bis 5 EStG), d. h. der zugrunde zu legende Listenpreis des Fahrzeugs beträgt nur noch 25 %. Darauf die ist 1 %-Regelung anzuwenden.

Hierzu zählen zwischen 1.1.2019 und 31.12.2030 angeschaffte Kraftfahrzeuge, die keine Kohlendioxidemission haben und deren Bruttolistenpreis unterhalb 40.000 € liegt.

♦   Mietvorteile

Vorteile, die der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer in Form einer unentgeltlichen oder verbilligten Überlassung von Wohnraum zukommen lässt, stellen nach § 19 Abs. 1 i. V. mit § 8 Abs. 1 EStG einen steuerpflichtigen Sachbezug dar. Ab dem Kalenderjahr 2020 ist bei der Bewertung von bestimmten Mietvorteilen nach § 8 Abs. 2 S. 12 EStG ein Bewertungsabschlag zu berücksichtigen. Dieser beträgt ein Drittel vom ortsüblichen Mietwert. Die nach Anwendung des Bewertungsabschlags ermittelte Vergleichsmiete ist dann Bemessungsgrundlage für die Bewertung der Mietvorteile.