Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

Steuervorschau 2022

Auch wenn der große Wurf einer Steuerreform wieder in weite Ferne gerückt ist, gibt es dennoch eine ganze Reihe von Änderungen im Steuerrecht.

⇒   Höchstbetrag für Beiträge zur Basis-Altersrente 2022

Die Beiträge zur Basis-Altersrente sind bis zum Höchstbetrag der Beiträge zur knappschaftlichen Rentenversicherung als Vorsorgeaufwendungen abzugsfähig (§ 10 Abs. 3 EStG).

Der Höchstbetrag zur knappschaftlichen Rentenversicherung beträgt 103.800 € im Jahr, der Beitragssatz  24.7 % (Werte für 2022).

Für das Jahr 2022 beträgt der Höchstbetrag somit (103.800 € x 24.7 % =) 25.639 €, für Ehepartner doppelter Betrag = 51.278 €. Davon sind 94 % (Wert für 2022) abzugsfähig.

Zu den Basis-Altersrenten gehören die Renten

  • der gesetzlichen Rentenversicherung, 
  • der berufsständischen Versorgungskassen der Ärzte, Rechtsanwälte u.a.,
  • der landwirtschaftlichen Alterskasse und
  • die private kapitalgedeckte Rentenversicherung (Rürup-Rente).

⇒   Steuerbefreiung von Corona-Sonderzahlungen

Corona-Sonderzahlungen an Arbeitnehmer sind bis zu insgesamt 1.500 €  im Jahr steuerfrei. Die bis zum Juni 2021 verlängerte Zahlungsfrist wurde durch das AbzStEntModG ein weiteres Mal verlängert bis zum 31.3.2022.

⇒   Grundfreibetrag im Einkommensteuertarif

Der Grundfreibetrag steigt von 9.744 € im VZ 2021 auf 9.984 € im VZ 2022. Zur Abmilderung der "kalten Progression" verschieben sich die Tarifeckwerte um 1,17 % nach rechts. Der Spitzensteuersatz in Höhe von 42 % beginnt damit im VZ 2022 ab einem zu versteuernden Einkommen von 58.597 € (§ 32a EStG).

Grundfreibetrag bedeutet:

  • Bis zum Grundfreibetrag ist das zu versteuernde Einkommen steuerfrei.
  • Aufwendungen zur Unterstützung von nahen Angehörigen sind bis zur Höhe des Grundfreibetrages abzugsfähig (§ 33a Abs. 1 EStG).
  • Bei Unterbringung im Pflegeheim kürzt das Finanzamt die abzugsfähigen Heimkosten um eine sog. Haushaltsersparnis wegen ersparter Verpflegungs- und Wohnungskosten, wenn mit der Heimunterbringung der eigene Haushalt aufgelöst wird. Die Haushaltsersparnis entspricht dem Grundfreibetrag gemäß § 33a Abs. 1 EStG (BFH Urteil vom 14.11.2013 - VI R 20/12).

⇒   Kindergeld, Kinderfreibeträge, Kinderzuschlag

Das Kindergeld wurde letztmalig zum 01. Januar 2021 angehoben. Auch die Kinderfreibeträge stiegen  letztmalig in 2021. Für beide ist bislang keine Erhöhung vorgesehen. Sobald sich etwas Neues ergibt informieren wir an dieser Stelle.

Der Kinderzuschlag ist zum 1. Januar 2022 gestiegen – allerdings nur leicht. Der Kinderzuschlag, eine Leistung zusätzlich zum Kindergeld für Familien mit geringem Einkommen, ist zum Jahreswechsel leicht erhöht worden. Er stieg zum 1. Januar 2022 von 205 € um 4 € auf bis zu 209 € pro Monat und Kind. Bei mehreren Kindern wird ein Gesamtbetrag ausgezahlt.“

⇒   450 € - Minijob

Ab 1.1.2022 müssen bei allen Entgeltmeldungen zur Sozialversicherung an die Mini-Jobzentrale für 450  € - Minijobber die Steuernummer des Arbeitgebers und die Identifikationsnummer nach § 139b AO des Beschäftigten angegeben werden (§ 28a Abs. 8 SGB IV). Diese Angaben sind für  kurzfristig Beschäftige (Aushilfen) nicht vorgesehen.

⇒   Gutscheine und Geldkarten als Sachlohn

Steuerpflichtig sind alle Güter, die in Geld oder Geldeswert bestehen und dem Arbeitnehmer im Rahmen des Arbeitsverhältnisses zufließen (§ 8 Abs. 1 Satz 1 EStG).  Fließen die Einnahmen in Geld zu (Barohn), sind die Geldbeträge anzusetzen. Anders hingegen, wenn die Einnahmen in Geldeswert (Sachlohn) bestehen.

Bei Gutscheinen und Geldkarten handelt es sich nur dann um Sachlohn, wenn sie ausschließlich zum Bezug von Waren und Dienstleistungen berechtigen und zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gezahlt werden. Andernfalls sind sie Barlohn, der in jedem Fall steuerpflichtig ist.

Dies bedeutet: 

Zum Barlohn gehören auch zweckgebundene Geldleistungen, nachträgliche Kostenerstattungen, Geldsurrogate und andere Vorteile, die auf einen Geldbetrag lauten (§ 8 Abs. 1 Satz 2 EStG). 

Dies gilt nicht bei gilt bei Gutscheinen und Geldkarten, die ausschließlich zum Bezug von Waren oder Dienstleistungen berechtigen und die Kriterien des § 2 Absatz 1 Nummer 10 des Zahlungsdiensteaufsichtsgesetzes (ZAG) erfüllen. Gutscheine und Geldkarten gehören in diesem Fall zum Sachlohn. 

  • Durch die Einordnung als Sachlohn können Einnahmen aus Gutscheinen und Geldkarten steuerfrei sein, wenn es sich um Kleinbeträge / Aufmerksamkeiten / Bagatellen handelt.

♦  Sachlohn

Bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit spricht man von Geldlohn, wenn es sich um Einnahmen in Geld handelt, von Sachlohn, wenn es Einnahmen in Geldeswert sind.

Barlohn ist grundsätzlich steuerpflichtig, Sachlohn kann steuerfrei sein, wenn der Sachlohn z. B. aus Kleinbeträgen oder Aufmerksamkeiten besteht.

  • Kleinbeträge bis 50 € mtl.

Die monatliche Freigrenze für Sachbezüge wird ab 2022 von 44 € auf 50 € angehoben. Die monatsbezogene Regelung führt zwar dazu, dass Vorteile von insgesamt 600 € im Kalenderjahr unversteuert bleiben, als Einmalzuwendung wäre der Vorteil von 600 € jedoch zu versteuern (§ 8 Abs. 2 Satz 11 EStG).

Beispiel: Ein Arbeitnehmer erhält einen monatlichen Benzingutschein in Höhe von 50 €. Dieser bleibt aufgrund der Bagatellregelung steuerfrei.

Abwandlung: Der Arbeitgeber gewährt dem Arbeitnehmer im Januar einen Benzingutschein über 600 €. Da hier der im Januar zugewendete geldwerte Vorteil 50 € übersteigt, ist der Gesamtbetrag lohnsteuerpflichtig.

Für die Feststellung, ob die Freigrenze überschritten wird, sind sämtliche nach § 8 Abs. 2 Satz 1 EStG zu bewertende Vorteile, die in einem Kalendermonat zufließen, zusammenzurechnen. Dabei sind die nach § 8 Abs. 2 Satz 1 EStG bewerteten Sachbezüge einzubeziehen, die versteuert werden, jedoch abzüglich etwaiger gezahlter Entgelte.

  • Aufmerksamkeiten bis 60 €

Aufmerksamkeiten des Arbeitgebers bis zu einem Wert von 60 €, die auch im gesellschaftlichen Verkehr üblicherweise ausgetauscht werden und zu keiner ins Gewicht fallenden Bereicherung des Arbeitnehmers führen, wenn sie dem Arbeitnehmer oder seinen Angehörigen aus Anlass eines besonderen persönlichen Ereignisses zugewendet werden, sind regelmäßig nicht als Arbeitslohn zu erfassen (R 19.6 Abs. 1 LStR).

Beispiel: Blumen, Genussmittel, Bücher oder Tonträger aus Anlass eines persönlichen Ereignisses, z. B. Geburtstag. 

  • Ausgabe von Essensmarken

Vom Arbeitgeber gestellte Verpflegung in der Kantine ist immer steuerpflichtig, wenn deren Wert  die monatliche 50 €-Grenze überschreitet.

Gibt der Arbeitgeber Essensmarken für arbeitstägliche Mahlzeiten in der Kantine aus, werden die Mahlzeiten mit dem amtlichen Sachbezugswert erfasst, wenn der Verrechnungswert der Essensmarke (3.47 € Wert für 2022) den Betrag von 3,10 € nicht übersteigt (R 8.1 Abs. 7 LStR). 

Kein Arbeitslohn liegt nach R 8.1 Abs. 8 Nr. 1 LStR vor

1. bei Mahlzeiten im ganz überwiegenden betrieblichen Interesse (H 19.3 LStH),

2. Mahlzeiten im Rahmen von Betriebsveranstaltungen (R 19.5 LStR),

3. Arbeitsessen (R 19.6 Abs. 2 LStR),

4. Beteiligung von Arbeitnehmern an einer geschäftlich veranlassten Bewirtung i.S.v. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 EStG.

  • Mahlzeiten bei Dienstreisen

Mahlzeiten während einer Dienstreise auf Kosten des Arbeitgebers sind mit ihrem amtlichen Sachbezugswert zu erfassen, wenn der Wert der Mahlzeit 60 € nicht übersteigt. Solche üblichen Mahlzeiten nicht zu erfassen, wenn der Arbeitnehmer für die betreffende Auswärtstätigkeit eine Verpflegungspauschale i.S.d. § 9 Abs. 4a EStG als Werbungskosten geltend machen könnte (§ 8 Abs. 2 Satz 9 EStG. Die Verpflegungspauschale wird nach den Reisekosten-Regelungen entsprechend gekürzt (BMF, Schreiben v. 25.11.2020, BStBl 2020 I S. 1228 Rz. 67).

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