Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

Steuervorschau

⇒  Steuervorschau 2020 / 2021

Auch wenn der große Wurf einer Steuerreform wieder in weite Ferne gerückt ist, gibt es dennoch eine ganze Reihe von Änderungen im Steuerrecht.

♦   Tarifliche Änderungen

  • Erhöhung des Kindergelds und der Kinderfreibeträge

Zum 1. Januar 2021 beträgt das Kindergeld für das erste und zweite Kind jeweils 219 €, das dritte Kind 225 € und für das  vierte und jedes weitere Kind jeweils 250 €.

Die steuerlichen Kinderfreibeträge werden von 7.812 € auf 8.388 € erhöht.

  • Erhöhung des Grundfreibetrags

Der steuerliche Grundfreibetrag wird von 9.408 € auf

9.696 € im Jahr 2021 und auf

9.984 € im Jahr 2022 angehoben.

♦   Influencer / Neu

In den Blickpunkt des Fiskus geraten zunehmend die sog. Influencer.

Als Influencer werden Personen bezeichnet, die aufgrund ihrer Präsenz und ihres Ansehens in sozialen Netzwerken tätig sind (Influencer / Beeinflusser-Marketing).

Durch das Einschalten dieser Personen kann ein breiteres Publikum erreicht als mit herkömmlichen weit und beliebig gestreuten Werbemaßnahmen. Ein gewerbliches Unternehmen, das einen Influencer für sich gewinnt, der in mehreren sozialen Netzen hohes Ansehen genießt und dort viele „Freunde“ und „Follower“ hat, kann sein Produkt besser verkaufen. Dies geschieht über den wirksamen Mechanismus der Mundpropaganda.

Sind Sie regelmäßig als Influencer tätig, dann geht Finanzamt davon aus, dass Sie Einkünfte aus Gewerbebetrieb erzielen, weil Sie Ihre Tätigkeit selbständig - also nicht als Arbeitnehmer - wiederholt und mit Gewinnerzielungsabsicht ausüben. Dafür reicht die Absicht, Einnahmen zu erwirtschaften, die höher sind als Ihre Ausgaben (Einnahmen abzüglich Ausgaben = Gewinn = Einkünfte aus Gewerbebetrieb).

  • Einkommensteuer

Eine Einkommensteuererklärung müssen Sie abgeben, wenn diese Einkünfte – zusammen mit etwaigen anderen Einkünften (z. B. als Arbeitnehmer) im Kalenderjahrden jährlichen Grundfreibetrag von 9.408 € (Wert für 2020) übersteigen.

Übersteigen Ihre Einkünfte aus allen Tätigkeiten den Grundfreibetrag?

Nein: Es fällt grundsätzlich keine Einkommensteuer an.

Ja: Das bedeutet zwar noch nicht, dass Sie tatsächlich Einkommensteuer bezahlen müssen.Es ergeben sich aber einige Dinge, die Sie jetzt beachten müssen, insbesondere die Pflicht zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung.

Übersteigen Ihre gesamten Einkünfte (nach Abzug bestimmter abzugsfähiger Kosten, z.B. als sog. Sonderausgaben abzugsfähige Vorsorgebeiträge, den jährlichen Grundfreibetrag, zahlen Sie Steuern.

  • Gewerbesteuer

Ihre Tätigkeit als Influencer ist grundsätzlich auch gewerbesteuerpflichtig. Haben Sie sich bereits beim zuständigen Gewerbeamt angemeldet? Führen Sie Aufzeichnungen über Ihre Einnahmen und Ausgaben? Haben Sie den Fragebogen zur Aufnahme einer gewerblichen Tätigkeit an Ihr Finanzamt übermittelt? Dies sind aber beispielsweise Pflichten, die nun auf Siezukommen.

Übrigens: Wenn wir im Rahmen Ihrer Influencer-Tätigkeit von „Einkünften“ sprechen, ist damit der Gewinn gemeint - also Ihre Einnahmen minus Ihrer betrieblichen Ausgaben, die in Zusammenhang mit Ihrer Influencer-Tätigkeit stehen. Hierbei dürfen Siez. B. Ihre monatlichen Affiliate-Marketing-Einnahmen nicht vergessen. Affiliate-Systeme basieren auf dem Prinzip der Vermittlungsprovision. Affiliate-Systeme (angliedern“) sind internetgestützte Vertriebsarten, bei denen in der Regel ein kommerzieller Anbieter seinen Vertriebspartnern (Affiliates) Provisionen anbietet. Der Produktanbieter stellt hierbei Werbemittel zur Verfügung, die der Affiliate auf seinen Websites verwendet oder über andere Kanäle wie Keyword-Advertising oder E-Mail-Marketing einsetzen kann

Zu berechnen ist derGewinn in der Regel mittels einer sog. Einnahmenüberschussrechnung(EÜR).

Gewerbesteuer ist allerdings nur zu bezahlen,wenn Ihr(auf volle hundert Euro abgerundeter)Gewerbeertrag höher als 24.500 Euro ist.

  • Umsatzsteuer

Sie sind als Influencer Unternehmer im Sinne des Umsatzsteuergesetzes,wenn Sie selbständig und nachhaltig(Wiederholungsabsicht!)Einnahmen erzielen.

Soweit Ihre Umsätze zuzüglich der darauf entfallenden Steuer im vorangegangenen Kalenderjahr nicht höher als 22.000 Euro waren und im laufenden Kalenderjahr voraussichtlich nicht höher als 50.000 Euro sein werden, gibt es einige Vereinfachungen für Sie.

Waren Ihre Umsätze unter den genannten Grenzen? Ja

Sie sind umsatzsteuerlicher Kleinunternehmer. Als Folge daraus wird keine Umsatzsteuer auf Ihre Umsätze erhoben. Zum Ausweis von Umsatzsteuer in Ihren Rechnungen und zum Vorsteuerabzug aus Rechnungen anderer Unternehmen sind Sie nicht berechtigt. Es ergeben sich Vereinfachungen beider Rechnungs- Stellung und Sie müssen Ihre Umsätze nur einmal im Jahrerklären.

Sie haben allerdings auch die Option, auf die vereinfachte Besteuerung als Kleinunternehmer zu verzichten.

Hinweis: Zu den Influencern gehören auch Personen, die ihre Website bei Google Adsense Mobile für Werbeflächen zur Verfügung stellen

♦   Bausparprämie, Wohnungsbauprämie

Ab 2021 erhalten Bausparer eine deutlich höhere Wohnungsbauprämie. Die Einkommensgrenzen werden auf 35.000 € / 70.000 €, die geförderte Sparleistung auf 700 / 1.400 € angehoben. Die Prämie steigt von 8.8 % auf 10.0 %, die Höchstprämie somit von 45 / 90 € auf 70 / 140 €.

♦  Neu eDaten 

Ab dem Kalenderjahr 2019 verzichtet die Finanzverwaltung auf die Abgabe der von den mitteilungspflichtigen Stellen elektronisch übermittelten Daten in Ihrer Einkommensteuererklärung. Die Erstellung der Steuererklärung wird dadurch wesentlich erleichtert.

Dies bedeutet: Zahlreiche Daten über Ihre Besteuerungsgrundlagen (z. B. Bruttoarbeitslöhne und die zugehörigen Lohnsteuerabzugsbeträge, bestimmte Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, Altersvorsorgebeiträge, Lohnersatzleistungen, Renten etc.), die Sie in Ihrer Einkommensteuererklärung bislang angegeben haben, liegen der Finanzverwaltung aufgrund entsprechender elektronischer Datenübermittlungen der mitteilungspfichtigen Stellen bereits vor (sog. eDaten).

In der folgenden Übersicht erhalten Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Was ist neu?

Daten, die von mitteilungspflichtigen Stellen (z. B. Arbeitgeber, Versicherungs- unternehmen) nach Maßgabe des § 93c der Abgabenordnung an die Finanzverwaltung elektronisch übermittelt werden, gelten als Ihre Angaben. Demzufolge sind diese mit   gekennzeichneten Zeilen in Ihrer Einkommensteuererklärung nicht mehr auszufüllen.

Die Abgabe der Anlagen entfällt, wenn

  • die elektronisch übermittelten Daten zutreffend und
  • in den nicht mit    gekennzeichneten Zeilen / Bereichen keine Eintragungen vorzunehmen sind.

♦   Neue Steuerformulare 2020

Die Anlage R (Renteneinkünfte) wird entlastet. Zusätzlich gibt es ein Formular Anlage R- AV / bAV für Einkünfte aus Altersvorsorgeverträgen / Riester und betrieblicher Altersvorsorge aus Pensionskassen, Pensionsfonds und Direktversicherungen.

♦  Firmenwagen / Elektro-Kfz / E-Mobile

Für eine Übergangszeit von drei Jahren (2019 bis 2021) wird der private Nutzungsvorteil aus der Nutzung von Elektro-Kfz / E-Mobilen durch Arbeitnehmer halbiert, d. h. auf 50 % des grundsätzlichen Vorteils begrenzt. Unter die Regelung fallen auch Kfz, deren Antrieb aus einer Kombination aus Elektromotor und Verbrennungsmotor besteht, solange die Batterien auch extern aufgeladen werden können.

Für vor 2019 und nach 2022 angeschaffte oder geleaste E-Mobile gilt der bisherige Nachteilsausgleich unverändert weiter, d. h. der Bruttolistenpreis ist um den darin enthaltenen Preisanteil für die Batteriepakete zu kürzen.

E-Mobile bis 40.000 € 

Die Bemessungsgrundlage für die private Nutzung wird auf ein Viertel (25 %) herabgesetzt (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 Nr. 3 bis 5 EStG), d. h. der zugrunde zu legende Listenpreis des Fahrzeugs beträgt nur noch 25 %. Darauf die ist 1 %-Regelung anzuwenden.

Hierzu zählen zwischen 1.1.2019 und 31.12.2030 angeschaffte Kraftfahrzeuge, die keine Kohlendioxidemission haben und deren Bruttolistenpreis unterhalb 40.000 EUR liegt

  • Förderung des Mietwohnungsbaus ab 2020

In einem neuen – kleinen - § 7b EStG ist eine zeitlich begrenzte Sonderabschreibung für den Mietwohnungsneubau verankert. Die Sonderabschreibungen, die neben der linearen AfA (§ 7 Abs. 4 EStG) gewährt werden, betragen im Jahr der Anschaffung bzw. Herstellung und in den folgenden 3 Jahren bis zu jährlich 5 %. Die Inanspruchnahme soll u. a. voraussetzen, dass die Anschaffungs- oder Herstellungskosten 3.000 € je qm Wohnfläche nicht übersteigen (Kappungsgrenze) und die Wohnungen nach Anschaffung bzw. Herstellung 10 Jahre für Wohnzwecke vermietet werden. Zu den Anschaffungs- oder Herstellungskosten gehören alle Aufwendungen einschließlich der Nebenkosten.

Begünstigt sind Neubauten, für die der Antrag auf Baugenehmigung nach dem 31.08.2019 bis zum 31.12.2021 gestellt wird. Im Falle der Anschaffung muss diese im Jahr der Fertigstellung des Gebäudes erfolgen.

Letztmalig ist die Sonderabschreibung im Jahr 2026 möglich. Dies bedeutet: Wird der Bauantrag in 2021 gestellt und ist das Gebäude erst in 2024 fertig, weil sich der Bau oder dessen Genehmigung verzögert, kann der Bauherr oder Käufer die Sonderabschreibung nur für die Jahre 2024 bis 2026 beanspruchen, also nur für drei Jahre.

Beispiel:

Anschaffung einer Wohnung von 50 qm

Kaufpreis 200.000 €
+ Grunderwerbsteuer 6 % von 200.000 € = 1)  12.000 €
+ Grundbuch- und Notarkosten 1.500 €
Gesamtkosten 213.500 €
- Anteil Grund und Boden 30 % (Schätzwert mind. 20 %) 96.062 €
Gebäudeanschaffungskosten 117.438 €
Anschaffungskosten je qm 117.438 € : 50 qm = 2) 2.349 €

1) Je nach Bundesland 3.5 bis 6.0 %

2) Der Grenzwert von 3.000 € für die Gebäudekosten je qm ist nicht überschritten

Jährliche Abschreibung

Lineare Abschreibung gem. § 7 Abs. 4 EStG 2 % von 117.438 € = 2.349 €
+ Sonderabschreibung gem. § 7b EStG neu 5 % von 117.438 = 5.872 €
Abschreibung im 1. - 4. Jahr 1) 8.221 € 
 Abschreibung in den ersten vier Jahren  32.884 €

1) Im 1. Jahr zeitanteilig 1/12 monatlich

Restwertabschreibung

Gebäudeanschaffungskosten 117.438 €
- Abschreibung in den ersten vier Jahren 1) 32.884 €
Restwert Ende des vierten Jahres 84.554 €
Abschreibung vom 5. bis 50. Jahr 84.554 € : 46 Jahre = jährlich 1.839 €

1) Ohne Berücksichtigung der zeitanteiligen Abschreibung im ersten Jahr.

  • Eigenheimförderung durch Baukindergeld

Für Familien mit Kindern, die ein selbst genutztes Eigenheim oder eine Eigentumswohnung bauen oder kaufen, soll 10 Jahre lang pro Kind ein Baukindergeld in Höhe von 1.200 € gezahlt werden.

Je Kind können die Eltern also über gesamten Förderungszeitraum 12.000 € Baukindergeld erhalten. Begünstigt sind sowohl Neubauten als auch der Erwerb von Bestandsimmobilien.

Im Falle eines Neubaus muss der Bauantrag nach dem 31.12.2017 und vor dem 01.01.2021 gestellt werden. Bei Erwerb einer Bestandsimmobilie muss der not. Kaufvertrag in diesem Zeitraum abgeschlossen werden. Damit ist der Zeitraum für den Erwerb einer begünstigten Immobilie durch Baukindergeld auf drei Jahre begrenzt.