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Tipp 760.0 Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand / Überblick

Der Gesetzgeber ist durch das Grundgesetz zur sozialen Marktwirtschaft verpflichtet (Art. 20 und 28 GG). Zur sozialen Marktwirtschaft gehört, dass für den materiellen Bedarf seiner Bürger gesorgt wird, auch im Alter.

Das System der sozialen Sicherung im Alter ist in Deutschland in drei Zweige gegliedert: 

⇒   gesetzliche Rentenversicherung 

⇒   betriebliche Altersvorsorge 

⇒   private Altersvorsorge 

In der gesetzlichen Rentenversicherung sind die Arbeitnehmer grundsätzlich pflichtversichert. Die betriebliche und die private Altersvorsorge beruht weitgehend auf freiwilliger Basis.

  • Die Modelle der Vermögensbildung                                                                                                                                         

Im Rahmen der Vermögensbildung der Arbeitnehmer ist die betriebliche Altersvorsorge mit fünf Modellen und die private Altersvorsorge mit drei Modellen vertreten. Insgesamt können Arbeitnehmer ihre Altersvorsorge somit aus acht Modellen bestreiten, die teilweise zeitgleich auch nebeneinander in Anspruch genommen werden können. Die acht Modelle umfassen:

  1. Betriebliche Altersvorsorge
  2. Entgeltumwandlung* in eine Direktversicherung
  3. Entgeltumwandlung* in Anteile in einen Pensionsfonds
  4. Entgeltumwandlung* in Anteile in eine Pensionskasse
  5. Pensionszusage - direkt - durch Arbeitgeber
  6. Pensionszusage - indirekt - durch Arbeitgeber-Unterstützungskasse

*Entgeltumwandlung bedeutet, dass steuerpflichtiger Arbeitslohn, unabhängig davon, ob ihn der Arbeitnehmer aus seinem Tariflohn (§ 19 Abs. 1 Nr. 1 EStG) oder der Arbeitgeber als Zuschuss (§ 19 Abs. 1 Nr. 3 EStG) aufbringt, in steuerfreien Arbeitslohn umgewandelt wird (§ 3 Nr. 63 EStG). Auch die Umlage im System der Zusatzversorgung in Bund und Ländern zählen zur Entgeltumwandlung (VBL-Satzung), weil die Umlage weitgehend steuerpflichtig ist (§ 19 Abs. 1 Nr. 3 EStG; § 3 Nr. 56 EStG). 

  1. Private Altersvorsorge
  2. Vermögenswirksame Leistungen / VL
  3. Prämien-Bausparen
  4. Riester-Sparen

Was gibt der Staat dazu?

Zur Altersvorsorge trägt der Staat wesentlich bei, indem er Zuschüsse, Steuervorteile, Prämien und Zulagen gewährt.

   Wie unterstützt der Staat die gesetzliche Rentenversicherung?

Die gesetzliche Rentenversicherung bildet bekanntlich die Basis der Altersvorsorge und wird zu einem großen Teil aus dem Steuersäckel finanziert: Durch Abzug der Beiträge bei der Steuer und durch Zuschüsse zu den Rentenzahlungen. 

Die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung in Höhe von 18.7 % des Bruttolohns teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber je zur Hälfte. Der Arbeitnehmeranteil zur gesetzlichen Rentenversicherung ist bei den Sonderausgaben (als Vorsorgeaufwendungen) begrenzt abzugsfähig.  Den Arbeitgeberanteil kann der Arbeitgeber in voller Höhe als Betriebsausgaben abziehen. Der Staat beteiligt sich an den Beiträgen somit indirekt durch niedrigere Steuereinnahmen. 

Die späteren Rentenzahlungen werden im Umlageverfahren weitgehend über die Beiträge finanziert, wobei der Staat allerdings aus dem Steuersäckel rd. 25 % der Rentenzahlungen durch Zuschüsse übernimmt. Bezogen auf das Jahr 2017 betragen die Zuschüsse (25 % des Bundeshaushalts 2017 von 290 Mrd. =) 72.5 Mrd. €. 

   Wie unterstützt der Staat die betriebliche Altersvorsorge?

Eine dritte Säule bildet die betriebliche Altersvorsorge mit insgesamt fünf Modellen, durch steuerfreie Entgeltumwandlung des Bruttolohns und durch steuerbegünstigte Pensionszusagen des Arbeitgebers.  

So kann der Arbeitgeber bei einer Pensionszusage eine Rückstellung bilden, deren Wert und deren Zuführungen er als Betriebsausgabe absetzen kann. Im Falle einer Entgeltumwandlung kann der Arbeitnehmer steuerpflichtige Arbeitsentgelte ganz oder zum Teil in steuerfreie Arbeitsentgelte umwandeln, indem er diese z. B. in eine Renten- / Direktversicherung einzahlt.

   Wie unterstützt der Staat die private Altersvorsorge?

Zur gesetzlichen Rentenversicherung gesellt sich die private Altersvorsorge, die ebenfalls vom Staat unterstützt wird. Es handelt sich um drei Modelle, die nebeneinander in Anspruch genommen werden können.  Die Angebote umfassen:  

  1. Vermögenswirksame Leistungen mit einer Zulage (VL / 5. VermBG);
  2. Bausparen mit einer Prämie (WoPG);
  3. Riester-Sparen mit einer Zulage / Steuervergünstigung (§§ 79 bis 99 EStG). 

Vermögenswerte in Arbeitnehmerhand

Die vermögensbildenden Maßnahmen sollen das notwendige Kapital bereitstellen, nach Abschluss des Berufslebens den bisherigen Lebensstandard in etwa fortsetzen zu können. Das Kapital kann in Rentenansprüchen, in einer privaten Immobilie und in Kapitalvermögen bestehen.

Wert eines Rentenanspruchs    So hat ein Rentenanspruch in Höhe von z. B. mtl. 1.500 €, egal aus welcher Quelle, bei 65jährigen Arbeitnehmern / Arbeitnehmerinnen einen Kapitalwert von immerhin (Jahreswert 18.000 € x Vervielfältiger 11.346 / 12.528 =) 204.228 € / 225.504 € (Männer / Frauen / Werte 1.1.2016). Bei dieser Berechnung sind jährliche Rentenerhöhungen unberücksichtigt geblieben.

Der Wert des Rentenvermögens wird nach § 14 BewG i. V. mit der Anlage zu § 14 Abs. 1 BewG ermittelt. Der Bewertung liegen Zugrunde: Zinssatz 5.5 %, durchschnittliche Lebenserwartung Männer im Alter von 65 Jahren = 17.46 Jahre, Vervielfältiger daraus 11.346; durchschnittliche Lebenserwartung Frauen im Alter von 65 Jahren = 20.74 Jahre, Vervielfältiger daraus 12.528. Stand 1.1.2016.