Helfer in Steuersachen

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2.2.1 Wahlleistungen zur Krankenversicherung, Erstattungen Zeile 11-22

Die gute Nachricht: Beiträge zur Basis-Krankenversicherung und zur gesetzlichen Pflegeversicherung sind Aufwendungen der Mindestvorsorge, denen man sich nicht entziehen kann. Diese Aufwendungen sind nach dem Willen des Gesetzgebers in unbegrenzter Höhe abzugsfähig (§ 10 Abs. 1 Nr. 3a und b EStG).

Die schlechte Nachricht: Die Beiträge für Wahlleistungen in der Krankenversicherung wirken sich in der überwiegenden Zahl der Fälle steuerlich nicht aus, da der Höchstbetrag für "weitere Vorsorgeaufwendungen" bereits durch die Beiträge zur Basis-Krankenversicherung und Pflegeversicherung verbraucht ist (§ 10 Abs. 4 Satz 4 EStG).

♦   Abzugsberechtigt

Als Vorsorgeaufwendungen abzugsfähig sind Beiträge zur Krankenversicherung für

  • Sie selbst,
  • Ihren Ehepartner und
  • Ihre Kinder.
  • Entsprechendes gilt für die Beiträge zur Pflegeversicherung.

♦   Beiträge für Basis-Leistungen

Wie bereits gesagt sind die Beiträge zu einer Basis-Krankenversicherung (ggf. inklusive Zusatzbeitrag i. S. d. § 242 SGB V) sowie zur gesetzlichen Pflegeversicherung (soziale Pflegeversicherung und private Pflege-Pflichtversicherung) für eine Absicherung auf sozialhilfegleichem Versorgungsniveau (Basisabsicherung) in voller Höhe als Vorsorgeaufwendungen abzugsfähig (§ 10 Abs. 1 Nr. 3 EStG).

Sie sind in voller Höhe abzugsfähig, weil es sich um Aufwendungen für eine Mindestvorsorge handelt, der sich keiner entziehen kann und die somit jeder leisten muss.

Beiträge für Basisleistungen sind eDaten  und werden vom Finanzamt automatisch beigesteuert.

♦   Beiträge für Wahlleistungen

Beiträge für Wahlleistungen und zu Zusatzversicherungen zur Kranken- und Pflegeversicherung sind nur im Rahmen von Höchstbeträgen absetzbar (§ 10 Abs. 4 EStG). Diese Beiträge sind keine eDaten und deshalb immer einzutragen.

Wahlleistungen für Kranken- und Pflegeversicherungen (Zeile 22) gehören zu den sonstigen Vorsorgeaufwendungen, die lediglich im Rahmen der Höchstbeträge absetzbar sind § 10 Abs. 1 Nr. 3a und Abs. 4 EStG).  Die absetzbaren Höchstbeträge betragen 1.900 € oder 2.800 € je Person (Ehepartner doppelte Beträge).

Wichtig: Die Beiträge für Wahlleistungen in der Krankenversicherung wirken sich in der überwiegenden Zahl der Fälle steuerlich nicht aus, da der Höchstbetrag für "weitere Vorsorgeaufwendungen" bereits durch die Beiträge zur Basis-Krankenversicherung und Pflegeversicherung verbraucht ist (§ 10 Abs 4 Satz 4 EStG).

Mehr dazu: ? Suchen anklicken und >>Höchstbeträge Krankenversicherung<< eintragen

Anlage Vorsorgeaufwand

♦    Erstattete Beiträge / Bonuszahlungen

Einen von der Krankenkasse gezahlten Bonus tragen Sie in Zeile 14 ein. Der Bonus mindert die in Zeile 11 oder 12 eingetragenen Beträge (§ 10 Abs. 2a Satz 4 Nr. 2 EStG).

Wer im Hinblick auf die vereinbarte Beitragsrückerstattung Krankheitskosten nicht mit der Kasse abrechnet, kann für die Krankheitskosten keine außergewöhnliche Belastungen geltend machen (FG Rheinland-Pfalz vom 31.01.2012 – 2 V 1883 / 11).

Die rückerstatteten Beiträge mindern außerdem die abziehbaren Vorsorgeaufwendungen, was zu einer Steuererhöhung führt.

Was letztendlich günstiger ist, lässt sich zunächst nur schwer herausfinden. Da Arzt- und Rezeptrechnungen auch noch nach Ablauf des jeweiligen Jahres eingereicht werden können, können Sie für die Einkommensteuererklärung eine Vergleichsberechnung durchführen. Sie können sozusagen selbst eine »Günstigerprüfung« vornehmen und dabei entscheiden, was vorteilhafter ist, Arzt- und Rezeptrechnungen abzurechnen oder nicht. Sie können Ihre Entscheidung auch noch treffen, wenn Sie den Steuerbescheid bereits in den Händen halten, indem Sie Einspruch einlegen und die günstigere Variante beantragen.

Anlage Vorsorgeaufwand

  • Erstattung ist kein Bonus

Wer indessen von seiner Krankenkasse für gesundheitsbewusstes Verhalten oder  Vorsorgemaßnahmen eine Erstattung erhält, muss diese Erstattung nicht mit den Krankenkassenbeiträgen verrechnen (BFH Urteil vom 06.05.2020 - X R 16/18).

Es kommt darauf an, ob eine Erstattung der Krankenkasse Maßnahmen belohnt, für die dem Versicherten Kosten entstanden sind (z. B. Mitgliedschaft in einem Sportverein oder Fitnessstudio). Gleicht eine solche Erstattung konkrete Ausgaben aus, werden die abzugsfähigen Versicherungsbeiträge nicht gekürzt.

Anders hingegen, wenn der Bonus für Leistungen im Rahmen des Basisversicherungsschutzes gezahlt wird (z. B. für Impfungen oder Zahnvorsorge), deren Kosten die Krankenkasse übernommen hat. In diesem Fall sind die Boni-Beträge von den Versicherungsbeiträgen abzuziehen.

Im Streitfall hat der Stpfl. für den Nachweis folgender geförderter Maßnahmen und Verhaltensweisen eine Erstattung seiner Aufwendungen erhalten: Gesetzlicher Impfstatus 5 €, gesetzliche Zahnvorsorge 10 €, Mitgliedschaft im Sportverein/Fitness-Studio 50 €, Sportveranstaltung 25 €, Nichtraucherstatus 25 €, zusammen 115 €. Eine Verrechnung der Erstattung mit regelmäßigen Beiträgen ist nicht zulässig

Eine Beitragserstattung mindert zwar nach § 10 Abs. 4b EStG die geleisteten regelmäßigen Beiträge. Die Erstattung von Kosten ist indessen als eine hiervon losgelöste Leistung zu werten.

01.22