Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

2.0.0 Steuerfreie Einnahmen

Wie komme ich zu steuerfreien Einnahmen? Dies sollte eigentlich die wichtigste Frage eines jeden Arbeitnehmers sein, wenn er Steuern sparen will.

Bevor wir dazu in die Details gehen, zunächst das Grundsätzliche:

Was steuerfrei ist, muss im Prinzip in der Steuererklärung nicht angegeben werden und unterliegt auch nicht der Sozialversicherung. Über den sog. Progressionsvorbehalt (§ 32b EStG) werden indessen bestimmte steuerfreie Einnahmen in die Besteuerung einbezogen (Fünftelregelung) .

Dies bedeutet: Einnahmen, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen, sind zwar steuerfrei, werden aber bei der Berechnung des Steuersatzes berücksichtigt  § 32b EStG).

Als steuerfrei gelten Einnahmen, die ihrer Art nach zwar unter eine der sieben Einkunftsarten fallen (§ 2 Abs. 1 EStG), die aber vom Gesetzgeber ausdrücklich für steuerfrei erklärt worden sind. Die meisten Steuerbefreiungsvorschriften finden sich in den §§ 3 und 3b EStG.

Zu den steuerfreien Einnahmen gehören die

  • Leistungen aus einer Kranken-, Pflege- und aus der gesetzlichen Unfallversicherung,
  • das Übergangsgeld, das Mutterschaftsgeld,
  • das Arbeitslosen-, Teilarbeitslosen- und das Kurzarbeitergeld,
  • das Insolvenzgeld
Steuerfrei sind aber auch bestimmte Leistungen zur zusätzlichen Altersversorgung, Sachleistungen des Arbeitgebers im Rahmen der 50 € Geringfügigkeits-Grenze (Wert ab 2022) / Grenze für Aufmerksamkeiten bis 60 € , Förderung der Gesundheit, des Betriebssports, der Mitgliedschaft in Sportvereinen, Belegschaftsrabatte, Belegschaftsaktien / Beteiligungen am Unternehmen etc.  

 

♦   Steuerfreie Ersatzleistungen zum Arbeitslohn

Was steuerfrei ist, braucht nicht erklärt zu werden. Bestimmte Leistungen (Ersatzleistungen zum Arbeitslohn) sind zwar steuerfrei, unterliegen aber dem Progressionsvorbehalt gem. § 32b EStG und müssen deshalb in der Steuererklärung angegeben werden. Zum Progressionsvorbehalt unten mehr.

Die Ersatzleistungen können aus unterschiedlichen Quellen stammen. 

  • Steuerfreie Lohnersatzleistungen vom Arbeitgeber / Anlage N Zeile 28

Lohnersatzleistungen werden vom Arbeitgeber ausgezahlt und sind in der Anlage N zu erklären. Sie sind in der Lohnsteuerbescheinigung ausgewiesen:

Anlage N / eZeile: Keine Eintragungen vornehmen

  1. Kurzarbeitergeld,
  2. Zuschuss zum Mutterschaftsgeld,
  3. Verdienstausfallentschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz,
  4. Aufstockungsbeträge nach dem Altersteilzeitgesetz oder
  5. Altersteilzeitzuschläge nach Besoldungsgesetzen des Bundes und der Länder.
  • Steuerfreie Einkommensersatzleistungen von der BfA / Hauptvordruck Zeile 36

Einkommensersatzleistungen werden von der Bundesagentur für Arbeit oder von der Krankenkasse ausgezahlt, sind somit nicht in der Lohnsteuerbescheinigung enthalten.

Hauptvordruck / eZeile: Keine Eintragungen vornehmen

Zu den Einkommensersatzleistungen gehören das

  1. Insolvenzgeld,  Arbeitslosengeld,
  2. Krankengeld, Mutterschaftsgeld,
  3. Elterngeld.

♦   Progressionsvorbehalt / Fünftelregelung

Ersatzleistungen zum Arbeitslohn sind zwar steuerfrei, unterliegen aber dem Progressionsvorbehalt (§ 32b EStG).

Durch den Progressionsvorbehalt soll sichergestellt werden, dass die Besteuerung nach Maßgabe der Leistungsfähigkeit erfolgt.

Wirkung der Progression: Soweit sich das zu versteuernde Einkommen in der Progressionszone bewegt, hat die Steuerfreiheit von Einnahmen nicht nur die Steuerbefreiung dieser Einnahmen zur Folge, sondern auch eine Minderung der Steuerprogression für die nicht von der Einkommensteuer befreiten Einkommensteile. Diese Wirkung wird durch die Anwendung des Progressionsvorbehalts verhindert

  • Berechnungsbeispiel

Arbeitnehmer Muster (Steuerklasse 1) war im Veranlagungsjahr zeitweise arbeitslos und hat deshalb Arbeitslosengeld in Höhe von 5.000 € bezogen.

Das Arbeitslosengeld ergibt sich aus einer Bescheinigung, die die Bundesagentur für Arbeit ihm ohne besondere Anforderung zugeschickt hat.

Berechnung der Einkommensteuer:

Das zu versteuerndes Einkommen von Herrn Muster beträgt 25.000 €; Einkommensteuer darauf 3.852 = durchschnittlicher Steuersatz von 15,41 %.

Wenn das Arbeitslosengeld steuerpflichtig wäre, ergäbe sich ein zu versteuerndes Einkommen von 30.000 €, Einkommensteuer darauf 5.348 € = durchschnittlicher Steuersatz von 17.83 %. Dieser erhöhte Steuersatz wird auf das tatsächliche zu versteuernde Einkommen von 25.000 € angewendet, sodass sich eine Einkommensteuer von 4.557 € und damit eine Mehrsteuer durch das Arbeitslosengeld von (4.557 € - 3.852 € =) 705 € ergibt.

Hauptvordruck, eZeile, keine Eintragungen vornehmen

Die Daten zum Arbeitslosengeld liegen dem Finanzamt vor, also keine Eintragung in Zeile 36.

Zum Progressionsvorbehalt gem. § 32b EStG): Dazu ? Suchen anklicken und den Begriff >Progressionsvorbehalt< eintragen.

Zur Berechnung des zu versteuernden Einkommens: Dazu ? Suchen anklicken und den Begriff >Veranlagungsschema< eintragen.

♦   Nicht "steuerbare" ­Einnahmen

Von den steuerfreien Einnahmen sind abzugrenzen die sog. nicht "steuerbaren" Einnahmen. Während die steuerfreien Einnahmen den sieben Einkunftsarten zugeordnet werden können, fallen die nicht "steuerbaren" Einnahmen nicht unter das Einkommensteuergesetz. 

Zu den nicht "steuerbaren" Einnahmen gehören z. B.

  • Einnahmen aus dem Verkauf von Privatvermögen (Ausnahme bei Kapitalerträgen / § 20 EStG und Spekulationsgewinnen / § 23 EStG).
  • Einnahmen aus steuerlich unbeachtlicher Liebhaberei*
  • Lotteriegewinne und andere (Glücks-)Spielgewinne;
  • Erwerb durch Fund.

 * Das Wort Liebhaberei sollte man hier nicht falsch verstehen. Mehr zu Liebhaberei:

Dazu ? Suchen anklicken und den Begriff >Liebhaberei< eintragen.