Helfer in Steuersachen

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2.4.5 Pflege im häuslichen Umfeld / ambulant Zeile 32

Anlage Außergew. Belastungen

Pflegekosten bei Pflege im häuslichen Umfeld werden vom Finanzamt als außergewöhnliche Belastungen anerkannt. Dazu genügt Pflegegrad 1-5. Ein Pflegegrad lässt sich durch eine Bescheinigung der Pflegeversicherung nachweisen. Auch die Zahlung von Pflegegeld reicht als Nachweis aus.

Bei Pflegebedürftigkeit werden die Kosten vorrangig - gegenüber haushaltsnahen Pflegekosten - zunächst als außergewöhnliche Belastungen berücksichtigt. 

  • Bestimmung der Pflegebedürftigkeit

Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer – voraussichtlich für mindestens sechs Monate – und mit mindestens der in § 15 SGB XI festgelegten Schwere bestehen (Bundesministerium für Gesundheit, Mitteilung vom 6.10.2021).

§ 15 Abs. 3 SGB XI auszugsweise

Auf der Basis der erreichten Gesamtpunkte sind pflegebedürftige Personen in einen der nachfolgenden Pflegegrade einzuordnen:

  • Pflegegrad 1 ab 12,5 bis unter 27 Gesamtpunkte: geringe Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten,
  • Pflegegrad 2 ab 27 bis unter 47,5 Gesamtpunkte: erhebliche Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten,
  • Pflegegrad 3 ab 47,5 bis unter 70 Gesamtpunkte: schwere Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten,
  • Pflegegrad 4 ab 70 bis unter 90 Gesamtpunkte: schwerste Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten,
  • Pflegegrad 5 ab 90 bis 100 Gesamtpunkte: schwerste Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung.

Betragen die Gesamtpunkte weniger als 12.5, liegt keine Pflegebedürftigkeit vor.

♦  Pflege durch Angehörige

Werden Sie von einem Angehörigen unentgeltlich in Ihrem Haushalt versorgt, entstehen keine Kosten, somit ergibt sich auch keine Steuerersparnis. Über das Pflegegeld können Sie frei verfügen.

♦  Pflege durch fremde Dritte

Pflegekosten können Sie als außergewöhnliche Belastungen geltend machen, wenn die Leistung von einem anerkannten Pflegedienst nach § 89 SGB XI in Rechnung gestellt wurde. Einer vorherigen Einstufung in eine der Pflegegrade 1 bis 5 bedarf es nicht.

Ist ein Pflegegrad 1 bis 5 festgestellt oder liegt eine schwere Behinderung mit Merkzeichen H = hilflos oder BL = blind oder das Gutachten eines Facharztes vor, sind auch die Kosten für die Pflege durch eine nicht ausgebildete Pflegekraft (z. B. Hausangestellte) als außergewöhnliche Belastungen absetzbar.

  • Beispiel: Ambulante Pflegekosten absetzen

Die ambulanten Pflegekosten betragen insgesamt 20.280 €. Davon haben Sie 15.480 € von der Pflegeversicherung erhalten. Die restlichen 4.860 € tragen Sie selbst.

Abzug als außergewöhnliche Belastung

Die Kosten von 4.860 € wirken sich steuerlich nur nach Abzug der zumutbaren Belastung von angenommen 2.000 € aus. Als außergewöhnliche Belastung nach § 33 EStG werden 2.860 € vom Einkommen abgezogen.

Steuerermäßigung wegen haushaltsnaher Aufwendungen

Die Pflege im Haushalt ist auch eine haushaltsnahe Dienstleistung (§ 35a Abs. 2 EStG). Sie erhalten eine Steuerermäßigung in Höhe von 20 % des Eigenanteils von 2.000 € (höchstens 4.000 €) = 400 € direkt als Abzug von der Steuerlast.

Anlage Außergewöhnliche Belastungen

Das Finanzamt berücksichtigt als haushaltsnahe Aufwendungen nur die in Abzug gebrachte zumutbare Belastung von angenommen 2.000 €.

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