Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

1.0.1 Abgabefristen für die Steuererklärung

Meine Steuererklärung

⇒   Abgabefristen für die Steuererklärung

Die Frist zur Abgabe einer Steuererklärung hängt davon ab 

  • ob Sie zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind,
  • diese freiwillig abgeben oder
  • ob das Finanzamt Sie zur Abgabe einer Steuererklärung auffordert.

Wer zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet ist, muss diese innerhalb bestimmter Fristen (§ 149 Abs. 2 AO) und auf amtlich vorgeschriebenem Vordruck abgeben, wenn keine elektronische Steuererklärung vorgeschrieben ist (§ 150 Abs. 2 AO).

Auch Arbeitnehmer können zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sein (§ 46 Abs. 2 EStG). Durch freiwillige Abgabe einer Einkommensteuererklärung stellen Arbeitnehmer einen Antrag auf Veranlagung, wenn sie Steuervergünstigungen in Anspruch nehmen möchten (§ 46 Abs. 2 Nr. 8 EStG).

Erklärungsjahr

Steuererklärungen werden im Nachhinein für das vorangegangene Kalenderjahr abgegeben. Im Jahr 2022 geben Sie also die Steuererklärung für das Jahr 2021 ab. Wenn Sie nicht vom Finanzamt zur Abgabe einer Steuererklärung aufgefordert werden und geben diese freiwillig ab, haben Sie hierfür sogar bis zu 4 Jahre Zeit.

♦   Steuererklärung für 2021

I.  Pflichtabgabe für 2021  
1. Allgemein * Bis 31. Juli 2022
2. Kirchensteuer auf Kapitalerträge erklären Bis 31. Juli 2022
II. Antragsveranlagung für 2021  
1. Allgemein Bis 31. Dez. 2025
2. Arbeitnehmer-Sparzulage beantragen Bis 31. Dez. 2025
3. Verbleibenden Verlustvortrag feststellen lassen Bis 31. Juli  2022

* Wenn ein Lohnsteuerhilfeverein oder ein Steuerberater die Steuererklärung für Sie abgibt, endet die Frist erst am 28. Februar 2023.

♦   Pflichtabgabe

  • 1. Allgemeine Pflichtabgabe / Zeile 1

Die Einkommensteuer wird jährlich veranlagt und bezieht sich dabei auf ein bestimmtes Kalenderjahr (§ 25 Abs. 1 EStG). Wer zur Abgabe einer solchen Erklärung verpflichtet ist, muss diese spätestens sieben Monate nach Ablauf des Kalenderjahres, also bis zum 31. 07., abgeben (§ 149 Abs. 2 AO).

Eine Steuererklärung muss abgegeben werden, wenn eine Veranlagung für den Steuerpflichtigen in Betracht kommt (§ 25 Abs. 3 EStG i. V. mit § 56 EStDV). Ob eine Veranlagung in Betracht kommt, muss der Steuerpflichtige für sich feststellen. Eine Veranlagung zur Einkommensteuer kann in Betracht kommen, wenn der Gesamtbetrag der Einkünfte (§ 2 Abs. 3 EStG) den Grundfreibetrag nach 32a Abs. 1 EStG (9.744 € / Wert für 2021) übersteigt.

Dazu mehr im nächsten Beitrag.

  • 2. Kirchensteuer auf Kapitalerträge  / Zeile 2

Eine Steuererklärung muss auch abgegeben werden, wenn die Bank für Kapitalerträge 25 % Kapitalertragsteuer erhoben, aber entgegen der gesetzlichen Verpflichtung keine Kirchensteuer einbehalten hat, obwohl der Bankkunde einer kirchensteuererhebenden Religionsgemeinschaft angehört. Dann muss das Finanzamt die Kirchensteuer nachträglich festsetzen. Der Erklärungspflicht kommen Sie nach, indem Sie in Zeile 2 das Feld ankreuzen, eine Anlage KAP abgeben und Zeile 6 der Anlage KAP ausfüllen.

Anlage KAP

♦   Freiwillige Abgabe

Werden Sie nicht zur Abgabe einer Steuererklärung vom Finanzamt aufgefordert, sondern geben diese freiwillig ab, haben Sie hierfür sogar bis zu 4 Jahre Zeit.

Dies bedeutet: Wenn Sie nicht verpflichtet sind, eine Einkommensteuererklärung abzugeben, kann sich eine freiwillige Abgabe lohnen. Dafür haben Sie Zeit bis zum 31.12.2025. Dann ist die sog. Festsetzungsfrist abgelaufen. Nach Ablauf der Festsetzungsfrist ist eine Veranlagung nicht mehr möglich (Veranlagungstätigkeit des Finanzamts ist für das betreffende  Kalenderjahr endgültig abgeschlossen).  

Die Festsetzungsfrist beträgt vier Jahre (§ 169 Abs. 2 Nr. 2 AO). Sie beginnt mit Ablauf des Jahres, in dem die Steuer entstanden ist  (§ 170 Abs. 1 EStG). Die Einkommensteuer entsteht in dem Jahr, in dem die Einkünfte erzielt worden sind (§ 38 AO).

  • Steuererklärung für 2017 ff

Arbeitnehmer ohne weitere Nebeneinkünfte können bis zum 31.12.2021 ihre Steuererklärung für 2017 einreichen. Dabei können sie mit einer Steuerrückzahlung rechnen, da ihre Einkünfte bereits durch den Lohnabzug besteuert wurden. Jeder Posten führt zu einer Steuererstattung.

Entsprechendes gilt für die Jahre nach 2017.  

  • Arbeitnehmer-Sparzulage beantragen / Zeile 1

Die Arbeitnehmer-Sparzulage wird ebenfalls durch Abgabe einer Einkommensteuererklärung beantragt. Für den Antrag auf Arbeitnehmer-Sparzulage gilt ebenfalls eine Festsetzungsfrist von vier Jahren (§ 17 Abs. 10 5. VermBG). Auch dafür haben Sie Zeit bis zum 31.12.2025. Wird für Sie ohnehin eine Einkommensteuerveranlagung durchgeführt, erfolgt die Festsetzung der Sparzulage durch Bescheid, der mit der Einkommensteuerfestsetzung zusammengefasst ist.

  • Verlustvortrag feststellen lassen / Zeile 2

Durch Abgabe einer Einkommensteuerveranlagung können Sie einen Verlust aus einer Einkunftsart im laufenden Jahr feststellen lassen oder die Berücksichtigung von Verlusten beantragen, die in früheren Jahren nicht ausgeglichen werden konnten.

Auffällig ist die kurze Antragsfrist bis zum 31.07. des folgenden Jahres. Warum diese Einschränkung?

Rechtliche Grundlage dafür ist § 10d Abs. 4 Satz 1 EStG): Können Verluste nicht innerhalb eines Jahres durch Verrechnung mit anderen Einkünften ausgeglichen werden, kommt es zum Verlustabzug (§ 10d EStG). Das Gesetz sieht einen Verlustrücktrag in das Vorjahr und einen Verlustvortrag in künftige Jahre vor. Den Verlustrücktrag erledigt das Finanzamt automatisch.

Den verbleibenden Verlust - zum Verlustvortrag - müssen Sie indessen ausdrücklich bis zum 31. Juli des Folgejahres beantragen (Antrag zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags / § 10d Abs. 4 Satz 1 EStG / Hauptvordruck Zeile 2, Anlage Sonstiges Zeile 7). Andernfalls verfällt der Anspruch auf Verlustabzug.

Der Anspruch auf Verlust verfällt, weil der Feststellungsbescheid dazu nur für den nächsten Veranlagungszeitraum gültig ist. Ist die Feststellung unterblieben, wird damit unterstellt, dass kein vortragsfähiger Verlust (mehr) vorhanden ist ("negative Feststellungswirkung"). Also muss der Antrag auf Feststellung des Verlusts immer bis zum 31. Juli des Folgejahres gestellt werden.

Beispiel: Arbeitslos

Sie sind momentan arbeitslos und haben keine Einkünfte, aber Werbungskosten durch Vorstellungsgespräche (z. B. Reisekosten) und durch Fortbildungsseminare.

Diese Kosten können Sie im nächsten Jahr, wenn Sie Einkünfte haben, nachträglich noch geltend machen. Dazu müssen Sie aber für das laufende Jahr eine Einkommensteuererklärung abgeben und Zeile 2 des Hauptvordrucks die beiden Kästchen »Einkommensteuererklärung« und »Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags« ankreuzen. Außerdem geben Sie in der Anlage N Ihre Ausgaben (Werbungskosten) an.

  • Festsetzung der Mobilitätsprämie / Zeile 3

Pendlerinnen und Pendler mit einem zu versteuernden Einkommen bis zur Höhe des Grundfreibetrags von 9.744 €, bei zusammenveranlagten Ehegatten / Lebenspartnern 19.488 €, können für Fahrten zu einer ersten Tätigkeitsstätte / Betriebsstätte ab dem 21. Entfernungskilometer alternativ zur erhöhten Entfernungspauschale von 35 Cent eine Mobilitätsprämie erhalten.

Der Antrag auf Festsetzung der Mobilitätsprämie ist zusammen mit der Einkommensteuererklärung zu stellen. Bitte vergessen Sie nicht, in Zeile 3 des Hauptvordrucks ESt 1 A das entsprechende Auswahlfeld anzukreuzen und die Anlage Mobilitätsprämie auszufüllen und einzureichen.

Anlage Mobilitätsprämie

Tipp Längere Abgabefrist erkaufen

Wer zur Abgabe für 2021 verpflichtet ist und den Termin 31. Juli 2022 nicht einhalten kann, kann sich Zeit erkaufen, indem er seine Steuererklärung durch einen Angehörigen der steuerberatenden Berufe oder durch einen Lohnsteuerhilfeverein abgeben lässt. Die Frist verlängert sich dann bis Ende Februar des übernächsten Jahres (§ 149 Abs. 3 AO).

♦   Wird die Steuererklärung angefordert?

Das Finanzamt darf die Steuererklärung von Personen, die steuerlich beraten werden, vor Ablauf der gesetzlich eingeräumten Frist anfordern. Dafür muss das Finanzamt eine Frist von vier Monaten gewähren (§ 149 AO).

Das Finanzamt darf Erklärungen von steuerlich beratenen Steuerpflichtigen vorab anfordern, wenn

  1.  für den vorangegangenen Besteuerungszeitraum Erklärungen nicht oder verspätet abgegeben wurden,
  2. wenn nachträglich Vorauszahlungen für den vorangegangenen Besteuerungszeitraum festgesetzt wurden,
  3. Vorauszahlungen für den Besteuerungszeitraum außerhalb einer Veranlagung herabgesetzt wurden,
  4. die Veranlagung für den vorangegangenen Veranlagungszeitraum zu einer Abschlusszahlung von mindestens 25 Prozent der festgesetzten Steuer oder mehr als 10 000 Euro geführt hat,
  5. die Steuerfestsetzung zu einer Abschlusszahlung von mehr als 10.000 € führen wird oder
  6. eine Außenprüfung vorgesehen ist,
  7. der betroffene Steuerpflichtige im Besteuerungszeitraum einen Betrieb eröffnet oder eingestellt hat oder
  8. für Beteiligte an Gesellschaften oder Gemeinschaften Verluste festzustellen sind.

Ferner dürfen die Finanzämter nach dem Ergebnis einer automationsgestützten Zufallsauswahl anordnen, dass Erklärungen vorab - wiederum mit einer Frist von vier Monaten nach Bekanntgabe der Anordnung - abzugeben sind.

ʘ 11.06.2021