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1.1 Steuererklärung: Wer ist abgabepflichtig?

Einkommensteuererklärung

⇒   Steuererklärung: Wer ist abgabepflichtig?

Der Gesetzgeber macht es sich an dieser Stelle recht einfach, indem er vorschreibt, jeder müsse eine Steuererklärung abgeben, wenn eine Veranlagung für ihn in Betracht kommt (§ 25 Abs. 3 EStG i. V. mit § 56 EStDV).

Eine Veranlagung zur Einkommensteuer kann in Betracht kommen, wenn der Gesamtbetrag der Einkünfte (§ 2 Abs. 3 EStG) den Grundfreibetrag nach 32a Abs. 1 EStG (9.744 € / Wert für 2021) übersteigt.

Beispiel:                                 

  A (alleinstehend) B (verheiratet)
Gesamtbetrag der Einkünfte 10.000 € 20.000 €
- Sonderausgaben 2.000 € 4.000 €
Zu versteuerndes Einkommen 8.000 € 16.000 €

Im vorliegenden Beispiel müssen sowohl A als auch B für 2021 eine Einkommensteuererklärung abgegeben werden, weil der Gesamtbetrag ihrer Einkünfte den Grundfreibetrag von 9.744 € / 19.488 € (Werte für 2021) übersteigt. Ob das Finanzamt eine Steuer festsetzt, hängt von der Höhe des zu versteuernden Einkommens ab. Eine Steuer wird nur festgesetzt, wenn das zu versteuernde Einkommen den Grundhöchstbetrag übersteigt. Dies ist hier nicht der Fall.

♦   Arbeitnehmer

Arbeitnehmer sind nur in besonderen Fällen zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet (§ 46 EStG).

Für Arbeitnehmer erübrigt sich im Prinzip die Abgabe einer Einkommensteuererklärung, weil die erhobene Lohnsteuer grundsätzlich der veranlagten Einkommensteuer entspricht (§ 38 Abs. 1 Satz 1 EStG) und mit dem Steuerabzug die Besteuerung erledigt ist.

Allerdings kann das Lohnsteuerabzugsverfahren nicht alle Fälle durch Lohnsteuerabzug zutreffend erfassen. Denn das Lohnsteuerabzugsverfahren hat Schwachstellen, die nur im Rahmen einer Veranlagung zur Einkommensteuer beseitigt, sozusagen „ausgebügelt“ werden können. Die Veranlagungsfälle sind im sog. „Bügelparagraph“ 46 EStG abschließend aufgeführt.

  • Verpflichtung zur Abgabe für Arbeitnehmer

Für Arbeitnehmer besteht nach § 46 EStG eine Verpflichtung zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung insbesondere, wenn

  1. das Finanzamt auf Antrag einen Freibetrag als Lohnsteuerabzugsmerkmal gewährt hat und bestimmte Arbeitslohngrenzen (12.250 € oder 23.350 € / Wert für 2021 / Alleinstehende / Ehepartner) überschritten werden. Grund: Der gewährte Freibetrag könnte unzutreffend sein.  Mehr erfahren: ? Suchen anklicken und den Begriff >Lohnsteuerfreibetrag< eintragen.
  2. die positive Summe der Einkünfte, von denen keine Lohnsteuer einbehalten wurde, zum Beispiel Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung oder Renten, insgesamt mehr als 410 Euro beträgt
  3. ein Arbeitnehmer von mehreren Arbeitgebern gleichzeitig Arbeitslohn bezogen hat,
  4. die positive Summe der Einkünfte und Leistungen, die dem Progressionsvorbehalt unterlag (steuerfreie Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosengeld I, Kurzarbeitergeld, Elterngeld, Krankengeld oder die steuerfreien bei Altersteilzeit), insgesamt mehr als 410 € beträgt , beide Ehepartner Arbeitslohn bezogen haben und einer von ihnen nach der Steuerklasse V oder VI besteuert wird. 
  5. die Ehepartner die Steuerklasse IV mit Faktor (nach § 39f EStG) gewählt haben
  6. einer der Ehepartner wählt die Einzelveranlagung.
  • Freiwillige Abgabe wegen bestimmter Steuervorteile

Sind Sie als Arbeitnehmer nicht zur Abgabe einer Steuererklärung vor, kann die freiwillige Abgabe (Antrag auf Veranlagung) vorteilhaft sein, weil Sie damit rechnen können, dass sich für Sie eine Steuererstattung ergibt:

  1. bei schwankenden Lohnzahlungen im laufenden Jahr
  2. bei Beginn oder Beendigung der Berufstätigkeit während des Jahres
  3. bei Vorliegen erhöhter Werbungskosten über dem Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 €
  4. bei Sonderausgaben über dem Sonderausgaben, außergewöhnlichen Belastungen und haushaltsnahen Aufwendungen
  5. bei Eheschließung während des Jahres
  6. zur Steuervergünstigung für selbst genutztes Wohneigentum
  7. bei Bezug von Entschädigungen und Arbeitslohn für mehrere Jahre / Fünftelregelung
  8. Verluste aus anderen Einkunftsarten oder aus Vorjahren / Verlustabzug
  9. Günstigerprüfung bei Kapitalerträgen, z.B. bei Rentnern, Kinder oder Studenten.

ʘ 11.06.2021