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7.0 Aufbau der Steuergesetze / Veranlagungsschema

Einkommensteuererklärung 

⇒   Aufbau der Steuergesetze / Veranlagungsschema 

Letztlich geht es in allen Steuergesetzen nur um drei Fragen:

Wer ist Steuerpflichtiger?    Was wird besteuert?    Wie hoch ist der Tarif?

Mit dem Suchen nach diesen drei Fragen knacken Sie jedes Steuergesetz in wenigen Minuten. Im Einkommensteuergesetz (EStG) finden Sie dazu diese Antworten:

♦   Wer ist Steuerpflichtiger?

Steuerpflichtiger im Rahmen der Einkommensteuer ist, wer die Einkommensteuer schuldet oder wer eine Einkommensteuererklärung abzugeben hat (§ 33 Abs. 1 AO).

Steuerpflichtig sind natürliche Personenvon der Vollendung der Geburt bis zu ihrem Tode -, die im Inland einen Wohnsitz haben (§ 1 EStG). 

Im Gegensatz zu den natürlichen Personen unterliegen juristische Personen, z. B. Aktiengesellschaften oder Gesellschaften mit beschränkter Haftung, der Körperschaftsteuer. Die Ausschüttungen dieser Gesellschaften (Dividenden, Gewinnanteile) versteuern die Eigentümer (Aktionäre / Gesellschafter) als Einkünfte aus Kapitalvermögen (§ 20 EStG).

Wohingegen die Gewinne von  Personengesellschaften (z. B. Gesellschaften des bürgerlichen Rechts oder Kommanditgesellschaften) von den Gesellschaftern unmittelbar als gewerbliche oder freiberufliche Gewinnanteile versteuert werden (§ 15 Abs. 1, § 18 Abs. 4 EStG).

  • Unbeschränkt oder beschränkt steuerpflichtig?

Das Gesetz unterscheidet bei natürlichen Personen zwischen unbeschränkter und beschränkter Steuerpflicht: Unbeschränkt steuerpflichtig sind Personen, die ihren Wohnsitz im Inland haben (§ 1 Abs. 1 EStG). Beschränkt steuerpflichtig sind Personen, die keinen Wohnsitz im Inland haben (§ 1 Abs. 4 EStG), aber inländische Einkünfte i. S. des § 49 EStG.

Im Falle der unbeschränkten Steuerpflicht werden alle Einkünfte besteuert, auch die im Ausland erzielten. Hierbei kann es zu einer doppelten Besteuerung kommen durch den ausländischen Staat und durch die Bundesrepublik Deutschland. Doppelbesteuerungsabkommen (§ 2 AO) sollen dies verhindern, d. h. sie können die beschränkte Steuerpflicht einschränken.

Mehr dazu: ? Suchen anklicken und den Begriff >Doppelbesteuerungsabkommen< eintragen.

Im Falle einer Veranlagung bei beschränkter Steuerpflicht erfolgt keine Zusammenveranlagung von Ehepartnern, die Steuer wird ausschließlich nach dem Grundtarif festgesetzt, Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen sind nicht vorgesehen, es gibt auch keine Steuerermäßigung wegen haushaltsnaher Aufwendungen, keine Berücksichtigung des Grundfreibetrags (§ 50 EStG). 

♦   Was wird besteuert?

Der Einkommensteuer unterliegen nur

1. Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft / Anlage L

2. Einkünfte aus Gewerbebetrieb / Anlage G

3. Einkünfte aus selbständiger Arbeit / Anlage S

4. Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit / Anlage N

5. Einkünfte aus Kapitalvermögen / Anlage KAP

6. Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung / Anlage V

7. Sonstige Einkünfte i. S. des § 22 EStG / Anlage R oder SO

  • Einkünfte

Einkünfte sind bei den Einkunftsarten 1 bis 3 der Gewinn / der Verlust (§§ 4 bis 7 EStG). Einkünfte bei den Einkunftsarten 4 bis 7 sind der Überschuss der Einnahmen über die Werbungskosten oder der Verlust (§§ 8 bis 9a EStG).

  • Verluste

Haben Sie Einkünfte aus mehreren Einkunftsarten, werden automatisch Gewinne oder Überschüsse mit Verlusten verrechnet. Man spricht von Verlustausgleich (§ 2 Abs. 3 EStG).

Haben Sie in einem einzelnen Kalenderjahr nur einen Verlust zu verzeichnen oder ergibt sich bei mehreren Einkunftsarten ein Verlustüberhang, wird dieser vom Finanzamt bei Bearbeitung der aktuellen Steuererklärung automatisch mit Einkünften des Vorjahres verrechnet (§ 10d EStG / Verlustrücktrag). Dazu wird der Vorjahresbescheid berichtigt.

Der Verlust oder der Verlustüberhang kann aber auch auf Antrag in das Folgejahr verlagert werden.

Anlage Sonstiges

Mehr dazu: ? Suchen anklicken und den Begriff >Keine Verluste verschenken< eintragen.

♦   Wie hoch ist der Tarif?

Auf das zu versteuernde Einkommen (siehe Veranlagungsschema unten) wird nach der Formel des § 32a Abs. 1 EStG der Grundtarif angewendet. In § 32a Abs. 5 finden sich die Vorschriften zum Splittingtarif bei zusammenveranlagten Ehepartnern sowie in Abs. 6 die Sonderfälle zur Anwendung des Splittingtarifs bei Auflösung der Ehe durch Tod (Witwensplitting) und bei Wiederverheiratung bereits im Jahr nach dem Tode des Ehepartners (Gnadensplitting).

Mehr dazu: ? Suchen anklicken und den Begriff >Einkommensteuertarif< eintragen.

⇒   Das Veranlagungsschema (§ 2 EStG)

Das Veranlagungsschema zeigt den Gang der Berechnung des zu versteuernden Einkommens (§ 2 EStG). Sie erkennen anhand des Schemas, wie sich die Einkünfte, Freibeträge und Steuerermäßigungen auf die Höhe des Einkommens und damit auf die Höhe der Einkommensteuer auswirken.

Veranlagungsschema

1. Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft / Anlage L    ..... €
2. Einkünfte aus Gewerbebetrieb / Anlage G    ..... €
3. Einkünfte aus selbständiger Arbeit / Anlage S    ..... €
4. Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit: / Anlage N    
Arbeitslohn lt. Lohnsteuerbescheinigung  ..... €  
- Werbungskosten, mindestens 1.000 € / 102 €  ..... €  
- Versorgungsfreibetrag  ..... €  
Verbleiben Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit ..... €  >..... €
5. Einkünfte aus Kapitalvermögen / Anlage KAP    
Einnahmen lt. Steuerbescheinigung  ..... €  
- Sparer-Pauschbetrag 801 / 1.602 €  ..... €  
 Verbleiben Einkünfte aus Kapitalvermögen  ..... €  > ..... €
 6. Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung / Anlage V    ..... €
 7. Sonstige Einkünfte    
Rentenbezüge / Anlage R  ..... €  
- Rentenfreibetrag  ..... €  
- Werbungskosten-Pauschbetrag  ..... €  
Andere Sonstige Einkünfte / Anlage SO  ..... € > ..... €
Summe der Einkünfte    ..... €
- Altersentlastungsbetrag    ..... €
- Entlastungsbetrag für Alleinerziehende    ..... €
Gesamtbetrag der Einkünfte    ..... €
- Verlustabzug / Hauptvordruck    ..... €
- Vorsorgeaufwendungen / Anlage Vorsorgeaufwand  ..... €  
- Übrige Sonderausgaben (für Berufsausbildung,
   Kirchensteuer, Spenden, mind. Pauschbetrag 36 € pro Person) / Hauptvordruck
 ..... €  
- Außergewöhnl. Belastungen (z. B Krankheitskosten, Körperbehinderung) / Hauptvordruck  ..... €  
Einkommen  ..... € > ..... €
- Kinderfreibetrag / Anlage Kind    ..... €
Zu versteuerndes Einkommen    ..... €
Tarifliche Einkommensteuer nach der Grund- oder Splittingtabelle    ..... €
- Steuerermäßigungen z. B. für Parteispenden, haushaltsnahe Dienstleistungen / Handwerkerrechnungen / Hauptvordruck     ..... €
+ Kindergeld, wenn Kinderfreibeträge günstiger / Anlage Kind    ..... €
 - geleistete Vorauszahlungen    ..... €
Erstattungsbetrag / Abschlusszahlung    ..... €

ʘ 12.06.2021