Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

6.0 Häufige Fragen zur Einkommensteuer

Einkommensteuererklärung

⇒   Häufige Fragen zur Einkommensteuer

♦   Frage zur Steuerpflicht

Wer in Deutschland wohnt, muss in Deutschland Steuern zahlen, das ist klar. Aber auch wer nicht in Deutschland wohnt, muss in Deutschland Steuern zahlen, wenn er / sie in Deutschland Einkünfte bezogen hat. Gesetzliche Grundlage dafür sind die Regelungen zur unbeschränkten und beschränkten Steuerpflicht.

  • Unbeschränkte Steuerpflicht

Natürliche Personen, die ihren Wohnsitz im Inland haben, sind in Deutschland nicht nur mit ihren inländischen Einkünften, sondern auch mit ihren ausländischen Einkünften unbeschränkt einkommensteuerpflichtig (§ 1 Abs. 1 Satz 1 EStG). Die Steuerpflicht umfasst also das sog. "Welteinkommen". 

Hierdurch kann es zu einer doppelten Besteuerung der Einkünfte kommen, weil auch der ausländische Staat auf die in seinem Hoheitsgebiet erzielten Einkünfte Streuern erhebt. Zur Vermeidung der - unerwünschten - doppelten Besteuerung hat Deutschland mit vielen  Drittstaaten Abkommen geschlossen, in denen geregelt ist, welcher Staat die Besteuerung ausübt und welcher nicht (Doppelbesteuerungsabkommen / § 2 AO).

  • Beschränkte Steuerpflicht

Beschränkt steuerpflichtig ist, wer keinen Wohnsitz im Inland hat. Die Steuerpflicht erstreckt sich nur auf die inländischen Einkünfte i. S. des § 49 EStG (§ 1 Abs. 4 EStG). 

Liegen inländische Einkünfte i. S. d. § 49 EStG vor, ist der im Ausland wohnende Steuerpflichtige  mit diesen Einkünften grundsätzlich in Deutschland steuerpflichtig. Dieses Besteuerungsrecht kann allerdings durch ein DBA eingeschränkt werden.

Allen inländischen Einkünften i. S. des § 49 EStG ist gemeinsam ist, dass sie eine Anknüpfung an das Inland voraussetzen. Wann eine derartige Anknüpfung an das Inland ausreichend ist, um zur beschränkten Stpfl. zu führen, ist in § 49 EStG geregelt. Dies ist z. B. bei bestimmten Kapitalerträgen der Fall. 

Auswirkungen der beschränkten Steuerpflicht

Eine Veranlagung nach den Regeln der beschränkten Steuerpflicht unterscheidet sich erheblich von der Veranlagung nach den Regeln der unbeschränkten Steuerpflicht (§§ 49 und 50 EStG / keine Zusammenveranlagung von Ehepartnern, somit kein Splitting; keine Sonderausgaben; keine außergewöhnlichen Belastungen). Die Einkommensteuer bemisst sich bei beschränkt Steuerpflichtigen nach dem Grundtarif ohne Berücksichtigung des Grundfreibetrags.

Rentner im Ausland mit aus Deutschland stammenden Renteneinkünften i. S. d. § 22 EStG

Wer als Rentner seinen Wohnsitz im Ausland hat, muss seine Renteneinkünfte in Deutschland versteuern. Das Finanzamt Neubrandenburg ist zentral zuständig für die Veranlagung von Rentnern mit Wohnsitz im Ausland.

  • Unterschiedliche Formulare

Es gibt unterschiedliche Formulare für die Einkommensteuererklärung, je nachdem, nach welchen Regeln die Besteuerung durchgeführt wird: Nach den Regeln der unbeschränkten oder der beschränkten Steuerpflicht.

Die von HELFER IN STEUERSACHEN durchgegangenen Formulare betreffen nur Steuerzahler mit unbeschränkter Steuerpflicht. 

♦   Frage zu Einkünften im Ausland

Die unbeschränkte Steuerpflicht erstreckt sich auch auf Einkünfte, die im Ausland erzielt werden, zum Beispiel aus einer Ferienimmobilie oder Zinsen aus Geldanlagen im Ausland. Diese Einkünfte unterliegen im Prinzip auch der Besteuerung durch den ausländischen Staat, werden also doppelt besteuert. Mit zahlreichen Staaten bestehen indessen Abkommen zur Vermeidung einer solchen Doppelbesteuerung (§ 2 AO). Diese Abkommen schränken die Besteuerung durch den deutschen Fiskus ein.

Mehr dazu: ? Suchen anklicken und den Begriff >Doppelbesteuerung< eintragen.

  • Grenzpendler / Grenzgänger

Grenzpendler / Grenzgänger sind ausländische Arbeitnehmer, die nicht im Inland wohnen, aber ihr wesentliches Einkommen in Deutschland erzielen. Sie werden auf Antrag so besteuert, als ob sie unbeschränkt steuerpflichtig wären.

Anlage N-Aus

Grenzgänger können auch Arbeitnehmer sein, die im Inland wohnen, aber im Ausland arbeiten.

• Die Anlage N-AUS ist von unbeschränkt steuerpflichtigen Personen auszufüllen, die im Ausland eine nichtselbständige Tätigkeit ausgeübt haben und die für die hieraus erzielten Einkünfte eine Steuerbefreiung geltend machen. Für jeden Staat ist eine gesonderte Anlage N-AUS abzugeben.

• Grenzgänger nach Frankreich, Österreich und in die Schweiz nutzen für ihre Grenzgängertätigkeit bitte statt der Anlage N-AUS den spezifischen Landesvordruck Anlage N-Gre.

 

♦    Frage zur Erhebung der Einkommensteuer

Die Einkommensteuer wird entweder durch Steuerabzug erhoben (wie im Fall der Lohnsteuer / § 38 ff EStG oder der Kapitalertragsteuer / § 32d EStG) oder durch Veranlagung (§ 25 Abs. 1 EStG) festgesetzt. Wie viel Einkommensteuer Sie zahlen müssen bemisst sich nach der Höhe des zu versteuernden Einkommens, das Sie im jeweiligen Kalenderjahr bezogen haben (§ 32a EStG).

♦    Frage zum örtlich zuständigen Finanzamt

Für Sie örtlich zuständig ist das Finanzamt, in dessen Bezirk Sie zum Zeitpunkt der Abgabe der Einkommensteuererklärung Ihren Wohnsitz haben (§ 19 AO). Bei mehrfachem Wohnsitz ist der Wohnsitz maßgebend, an dem Sie sich vorwiegend aufhalten. 

Ziehen Sie um, teilen Sie Ihrem neuen Finanzamt bitte Ihre bisherige Steuernummer mit, wenn Sie Ihre Einkommensteuererklärung abgeben.

♦    Frage zu Einkommensteuervorauszahlungen

Auf die voraussichtliche Einkommensteuerschuld müssen vierteljährlich, am 10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember, Vorauszahlungen geleistet werden (§ 37 EStG). Dies stellt auch bei Selbständigen eine zeitnahe Erhebung der Steuer sicher. Die Höhe der Vorauszahlungen setzt das zuständige Finanzamt durch Bescheid fest. Dabei orientiert sich das Finanzamt an der Einkommensteuer, die sich bei der letzten Veranlagung ergeben hat. Sind Sie der Meinung, dass die Vorauszahlungen für das aktuelle Kalenderjahr zu hoch festgesetzt wurden, weil sich wichtige Rahmenbedingungen geändert haben, können Sie die Herabsetzung der Vorauszahlungen beantragen.

♦    Frage zur Berechnung der Einkommensteuer

Die Berechnung der Einkommensteuer erfolgt nach den Regelungen in § 2 EStG mit den dort definierten Begriffen "Einkünfte, Einkommen, zu versteuerndes Einkommen". Daraus lässt sich ein Berechnungsschema ableiten.

Mehr erfahren: ? Suchen anklicken und den Begriff >Veranlagungsschema< eintragen.

Auf die festzusetzende Einkommensteuer werden angerechnet:

  • Die einbehaltene Lohnsteuer
  • Die einbehaltene Kapitalertragsteuer
  • Die für den Veranlagungszeitraum entrichteten Einkommensteuervorauszahlungen

Verbleibt trotz der geleisteten Vorauszahlungen noch eine Einkommensteuerschuld, muss sie mit einer Abschlusszahlung beglichen werden. Haben Sie zu viel Einkommensteuer vorausgezahlt, wird Ihnen die Überzahlung erstattet.

♦    Frage zur Lohnsteuer und zu deren Erhebung

Die Lohnsteuer ist nur eine Form der Einkommensteuer – also keine Steuer eigener Art. Sie wird bei der Lohnzahlung des Arbeitgebers vom Bruttolohn einbehalten und an das Betriebsfinanzamt abgeführt. Zum steuerpflichtigen Bruttolohn gehören alle Einnahmen, die dem Arbeitnehmer aus einem gegenwärtigen oder einem früheren Dienstverhältnis zufließen.

Zum Bruttolohn zählen nicht nur Barvergütungen, sondern auch Sachbezüge (zum Beispiel Kost und Logis) und andere geldwerte Vorteile (zum Beispiel private Nutzung eines betrieblichen Pkw). Für die Steuerpflicht ist es unerheblich, ob es sich um einmalige oder laufende Einnahmen handelt und ob ein Rechtsanspruch auf sie besteht.

♦    Frage zu Lohnsteuerabzugsmerkmalen

Eine wesentliche Voraussetzung für den digitalen Lohnsteuerabzug ist die Berücksichtigung der sog. "Elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale" des Arbeitnehmers, abgekürzt ELSTAM (§ 39 EStG). Zu diesen Merkmalen zählen die Steuerklasse, die Zahl der Kinderfreibeträge, andere Freibeträge und die Kirchenzugehörigkeit. Grundlage für die Lohsteuerabzugsmerkmale sind Mitteilungen der Meldebehörden. Die Meldebehörden ergänzen die für die Bildung der Lohnsteuerabzugsmerkmale bedeutsamen melderechtlichen Daten wie zum Beispiel Geburt, Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft, Eheschließung oder Scheidung, indem sie diese  an die Finanzverwaltung weiterleiten. Für den Wechsel der Steuerklasse oder die Berücksichtigung eines Freibetrags ist indessen das Finanzamt zuständig.

Die Lohnsteuerabzugsmerkmale werden von der Finanzverwaltung in einer Datenbank gespeichert und auf Anforderung Ihrem Arbeitgeber auf elektronischem Weg zur Verfügung gestellt. Deshalb werden sie als elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale bezeichnet. Damit Ihr Arbeitgeber sie bei der Finanzverwaltung abrufen kann, muss er Sie dort als beschäftigten Arbeitnehmer anmelden. Dazu müssen Sie ihm lediglich Ihr Geburtsdatum und Ihre Identifikationsnummer mitteilen.

Nach einer Prüfung stellt die Finanzverwaltung Ihrem Arbeitgeber die ELStAM-Daten zum Abruf bereit. Die Daten müssen in das Lohnkonto übernommen und für die Dauer Ihres Dienstverhältnisses angewendet und in Ihrer Lohn-/Gehalts-/Bezügeabrechnung ausgewiesen werden. Ändert sich etwas an Ihren Lohnsteuerabzugsmerkmalen, teilt die Finanzverwaltung dies Ihrem Arbeitgeber mit. Endet Ihr Dienstverhältnis, muss Ihr Arbeitgeber dies der Finanzverwaltung mitteilen.

♦   Frage zu Geringfügig Beschäftigten

Ein Arbeitsverhältnis kann auch im Rahmen einer geringfügigen  Beschäftigung ausgeübt werden. Man unterscheidet wegen der unterschiedlichen Voraussetzungen wird zwischen 450 €-Minijobs und Aushilfsjobs (§ 40a EStG).

Die Besteuerung der geringfügig Beschäftigten und die Einziehung der Sozialbeiträge wird über die Minijob-Zentrale abgewickelt. Als Oberbegriff für die dort angemeldeten Arbeitnehmer gilt die Bezeichnung "Minijob".

Als Minijobber gelten Arbeitnehmer, die kurzfristig in einem Aushilfsjob beschäftigt sind oder langfristig in einem 450 €-Minijob.

Die Pauschsteuersätze betragen:

  • Aushilfsjobs

25 % Pauschalsteuer des Arbeitslohn bei Aushilfsjobs (§ 40a Abs. 1 EStG)

  • 450 € Mini-Jobs

2 % Pauschalsteuer des Arbeitslohns, wenn der Arbeitgeber pauschale Beiträge zur Rentenversicherung zahlt. Die pauschalen Beiträge zur Rentenversicherung betragen 15 % bei gewerblichen 450 €-Minijobs und 5 % bei 450 €-Minijobs im Privathaushalt (§ 40a Abs. 2 EStG). 

20 % Pauschalsteuer des Arbeitslohns, wenn der Arbeitgeber keine pauschalen Beiträge zur Rentenversicherung zahlt (§ 40a Abs. 2a EStG)

Ob der Arbeitgeber die Lohnsteuer pauschal erhebt, ist seine Entscheidung. Schließlich muss er die Pauschsteuer tragen. Durch die Pauschsteuer ist die Besteuerung dieses Arbeitslohns in vollem Umfang abgeschlossen. Der pauschal besteuerte Arbeitslohn wird bei der Einkommensteuerveranlagung nicht berücksichtigt und muss deshalb nicht in der Einkommensteuererklärung angegeben werden.

Der Arbeitgeber braucht die Arbeitsentgelte für geringfügig entlohnte Beschäftigungen bei anderen Arbeitgebern nicht zu berücksichtigen.

♦    Frage zum Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren

Arbeitnehmer können beim Finanzamt einen Freibetrag beantragen, der bereits beim monatlichen Lohnsteuerabzug zu einer Steuerermäßigung führt (§ 39a EStG). Der Lohnsteuerfreibetrag wird als Lohnsteuerabzugsmerkmal an die ELStAM-Datenbank übermittelt und vom Arbeitgeber berücksichtigt. 

Die Ermittlung der Freibeträge durch das Finanzamt wird als "Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren"  bezeichnet.

Ohne dieses Verfahren könnten Sie sich eventuell zu viel einbehaltene Lohnsteuer erst mit Ihrer Einkommensteuererklärung zurückholen.

♦   Frage zur Besteuerung von Kapitalgesellschaften, Genossenschaften

Juristische Personen / Körperschaften (Aktiengesellschaften, Gesellschaften mit beschränkter Haftung, Genossenschaften und Vereine) zahlen auf ihr Einkommen Körperschaftsteuer nach dem Körperschaftsteuergesetz. Die beteiligten Gesellschafter müssen auf ihre Erträge aus der Beteiligung (z. B. Kapitalerträge in Form von Dividenden / § 20 EStG) Einkommensteuer zahlen. 

  • Teileinkünfteverfahren

Dabei werden zur Berücksichtigung der von der Gesellschaft bereits gezahlten Körperschaftsteuer die Erträge nur zu 60 % erfasst (sogenanntes Teileinkünfteverfahren), sofern die Anteile an der Körperschaft im Betriebsvermögen des Dividendenempfängers gehalten werden (§ 3 Nr. 40 Satz 2 EStG). Gehören die Anteile zum Privatvermögen,  unterliegt die Dividende der 25-prozentigen Abgeltungsteuer (§ 32d EStG).

♦   Frage zur Steuerpflicht von Personengesellschaften

Personengesellschaften, zum Beispiel Offene Handelsgesellschaften, Kommanditgesellschaften, Gesellschaften des bürgerlichen Rechts und Gemeinschaften wie etwa Erbengemeinschaften sind weder einkommen- noch körperschaftsteuerpflichtig. Ihr Gewinn / Überschuss wird den beteiligten Mitunternehmern oder Gemeinschaftern anteilig zugerechnet und von ihnen versteuert (§ 15 Abs. 2 Nr. 2 EStG).

Der gemeinsam erzielte Gewinn oder Überschuss wird zuvor vom Finanzamt in einem gesonderten Verfahren für alle Mitunternehmer oder Gemeinschafter einheitlich und verbindlich festgestellt (§ 180 Abs. 1 Nr. 2a AO).

ʘ 12.06.2021