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6.0 H ä u f i g e Fragen zur Einkommensteuer

Einkommensteuererklärung

⇒   Häufige Fragen zur Einkommensteuer

♦   Was ist mit Einkünften im Ausland?

Die unbeschränkte Steuerpflicht erstreckt sich auch auf Einkünfte, die im Ausland erzielt werden, zum Beispiel aus einer Ferienimmobilie oder Zinsen aus Geldanlagen im Ausland. Diese Einkünfte unterliegen auch der Besteuerung durch den ausländischen Staat, werden also im Prinzip doppelt besteuert. Mit zahlreichen Staaten bestehen indessen Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung (§ 2 AO). Diese Abkommen schränken die Besteuerung durch den deutschen Fiskus ein.

Mehr dazu: ? Suchen anklicken und den Begriff >Doppelbesteuerung< eintragen.

  • Grenzpendler / Grenzgänger

Grenzpendler / Grenzgänger sind ausländische Arbeitnehmer, die nicht im Inland wohnen, aber ihr wesentliches Einkommen in Deutschland erzielen. Sie werden auf Antrag so besteuert, als ob sie unbeschränkt steuerpflichtig wären.

Anlage N-Aus

Grenzgänger können auch Arbeitnehmer sein, die im Inland wohnen, aber im Ausland arbeiten.

• Die Anlage N-AUS ist von unbeschränkt steuerpflichtigen Personen auszufüllen, die im Ausland eine nichtselbständige Tätigkeit ausgeübt haben und die für die hieraus erzielten Einkünfte eine Steuerbefreiung geltend machen. Für jeden Staat ist eine gesonderte Anlage N-AUS abzugeben.

• Grenzgänger nach Frankreich, Österreich und in die Schweiz nutzen für ihre Grenzgängertätigkeit bitte statt der Anlage N-AUS den spezifischen Landesvordruck Anlage N-Gre.

 

♦    Wie wird die Einkommensteuer erhoben?

Die Einkommensteuer wird entweder durch Steuerabzug erhoben (wie im Fall der Lohnsteuer / § 38 ff EStG oder der Kapitalertragsteuer / § 32d EStG) oder durch Veranlagung (§ 25 Abs. 1 EStG) festgesetzt. Wie viel Einkommensteuer Sie zahlen müssen bemisst sich nach der Höhe des zu versteuernden Einkommens, das Sie im jeweiligen Kalenderjahr bezogen haben (§ 32a EStG).

♦    Welches Finanzamt ist zuständig?

Das für Sie zuständige Finanzamt ist in der Regel das, in dessen Bezirk Sie zum Zeitpunkt der Abgabe der Einkommensteuererklärung leben. Haben Sie mehrere Wohnsitze, ist das Finanzamt des Ortes zuständig, an dem Sie hauptsächlich wohnen. Ziehen Sie um, teilen Sie Ihrem neuen Finanzamt bitte Ihre bisherige Steuernummer mit, wenn Sie Ihre Einkommensteuererklärung abgeben.

♦    Wann müssen Einkommensteuervorauszahlungen geleistet werden?

Auf die voraussichtliche Einkommensteuerschuld müssen vierteljährlich, am 10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember, Vorauszahlungen geleistet werden (§ 37 EStG). Dies stellt auch bei Selbständigen eine zeitnahe Erhebung der Steuer sicher. Die Höhe der Vorauszahlungen setzt das zuständige Finanzamt durch Bescheid fest. Dabei orientiert sich das Finanzamt an der Einkommensteuer, die sich bei der letzten Veranlagung ergeben hat. Sind Sie der Meinung, dass die Vorauszahlungen für das aktuelle Kalenderjahr zu hoch festgesetzt wurden, weil sich wichtige Rahmenbedingungen geändert haben, können Sie die Herabsetzung der Vorauszahlungen beantragen.

♦    Wie wird die festzusetzende Einkommensteuer berechnet?

Die Berechnung der Einkommensteuer erfolgt nach den Regelungen in § 2 EStG mit den dort definierten Begriffen "Einkünfte, Einkommen, zu versteuerndes Einkommen". Daraus lässt sich ein Berechnungsschema ableiten.

Mehr erfahren: ? Suchen anklicken und den Begriff >Veranlagungsschema< eintragen.

Auf die festzusetzende Einkommensteuer werden angerechnet:

  • Die einbehaltene Lohnsteuer
  • Die einbehaltene Kapitalertragsteuer
  • Die für den Veranlagungszeitraum entrichteten Einkommensteuervorauszahlungen

Verbleibt trotz der geleisteten Vorauszahlungen noch eine Einkommensteuerschuld, muss sie mit einer Abschlusszahlung beglichen werden. Haben Sie zu viel Einkommensteuer vorausgezahlt, wird Ihnen die Überzahlung erstattet.

♦    Was versteht man unter Lohnsteuer und wie wird sie erhoben?

Die Lohnsteuer ist nur eine Form der Einkommensteuer – also keine Steuer eigener Art. Sie wird bei der Lohnzahlung des Arbeitgebers vom Bruttolohn einbehalten und an das Betriebsfinanzamt abgeführt. Zum steuerpflichtigen Bruttolohn gehören alle Einnahmen, die dem Arbeitnehmer aus einem gegenwärtigen oder einem früheren Dienstverhältnis zufließen.

Zum Bruttolohn zählen nicht nur Barvergütungen, sondern auch Sachbezüge (zum Beispiel Kost und Logis) und andere geldwerte Vorteile (zum Beispiel private Nutzung eines betrieblichen Pkw). Für die Steuerpflicht ist es unerheblich, ob es sich um einmalige oder laufende Einnahmen handelt und ob ein Rechtsanspruch auf sie besteht.

♦    Wofür benötigt man Lohnsteuerabzugsmerkmale?

Eine wesentliche Voraussetzung für den digitalen Lohnsteuerabzug ist die Berücksichtigung der sog. "Elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale" des Arbeitnehmers, abgekürzt ELSTAM (§ 39 EStG). Zu diesen Merkmalen zählen beispielsweise die Steuerklasse, die Zahl der Kinderfreibeträge, andere Freibeträge und die Kirchenzugehörigkeit. Grundlage für die Lohsteuerabzugsmerkmale sind Mitteilungen der Meldebehörden. Die Meldebehörden ergänzen die für die Bildung der Lohnsteuerabzugsmerkmale bedeutsamen melderechtlichen Daten wie zum Beispiel Geburt, Zugehörigkeit zu einer Steuern erhebenden Religionsgemeinschaft, Eheschließung oder Scheidung an die Finanzverwaltung. Für den Wechsel der Steuerklasse oder die Berücksichtigung eines Freibetrags ist indessen das Finanzamt zuständig.

Die Lohnsteuerabzugsmerkmale werden von der Finanzverwaltung in einer Datenbank gespeichert und auf Anforderung Ihrem Arbeitgeber auf elektronischem Weg zur Verfügung gestellt. Deshalb werden sie als elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale bezeichnet. Damit Ihr Arbeitgeber sie bei der Finanzverwaltung abrufen kann, muss er Sie dort als beschäftigten Arbeitnehmer anmelden. Dazu müssen Sie ihm lediglich Ihr Geburtsdatum und Ihre Steueridentifikationsnummer mitteilen.

Nach einer Prüfung stellt die Finanzverwaltung Ihrem Arbeitgeber die ELStAM zum Abruf bereit. Die Daten müssen in das Lohnkonto übernommen und für die Dauer Ihres Dienstverhältnisses angewendet und in Ihrer Lohn-/Gehalts-/Bezügeabrechnung ausgewiesen werden. Ändert sich etwas an Ihren Lohnsteuerabzugsmerkmalen, teilt die Finanzverwaltung dies Ihrem Arbeitgeber mit. Endet Ihr Dienstverhältnis, muss Ihr Arbeitgeber dies der Finanzverwaltung mitteilen.

♦   Geringfügig Beschäftigte (§ 40a EStG)

Ein Arbeitsverhältnis kann auch im Rahmen einer geringfügigen  Beschäftigung ausgeübt werden. Man unterscheidet wegen der unterschiedlichen Voraussetzungen wird zwischen 450 €-Minijobs und Aushilfsjobs.

Die Besteuerung der geringfügig Beschäftigten und die Einziehung der Sozialbeiträge wird über die Minijob-Zentrale abgewickelt. Als Oberbegriff für die dort angemeldeten Arbeitnehmer gilt die Bezeichnung "Minijob".

Als Minijobber gelten Arbeitnehmer, die kurzfristig in einem Aushilfsjob beschäftigt sind oder langfristig in einem 450 €-Minijob.

Die Pauschsteuersätze betragen:

  • Aushilfsjobs

25 % Pauschalsteuer des Arbeitslohn bei Aushilfsjobs (§ 40a Abs. 1 EStG)

  • 450 € Mini-Jobs

2 % Pauschalsteuer des Arbeitslohns, wenn der Arbeitgeber pauschale Beiträge zur Rentenversicherung zahlt. Die pauschalen Beiträge zur Rentenversicherung betragen 15 % bei gewerblichen 450 €-Minijobs und 5 % bei 450 €-Minijobs im Privathaushalt (§ 40a Abs. 2 EStG). 

20 % Pauschalsteuer des Arbeitslohns, wenn der Arbeitgeber keine pauschalen Beiträge zur Rentenversicherung zahlt (§ 40a Abs. 2a EStG)

Ob der Arbeitgeber die Lohnsteuer pauschal erhebt, ist seine Entscheidung. Schließlich muss er die Pauschsteuer tragen. Durch die Pauschsteuer ist die Besteuerung dieses Arbeitslohns in vollem Umfang abgeschlossen. Der pauschal besteuerte Arbeitslohn wird bei der Einkommensteuerveranlagung nicht berücksichtigt und muss deshalb nicht in der Einkommensteuererklärung angegeben werden.

Der Arbeitgeber braucht die Arbeitsentgelte für geringfügig entlohnte Beschäftigungen bei anderen Arbeitgebern nicht zu berücksichtigen.

♦    Was ist ein Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren (§ 39a EStG)?

Bei der Bildung der Lohnsteuerabzugsmerkmale werden die persönlichen Verhältnisse des einzelnen Arbeitnehmers (ledig, verheiratet oder verpartnert) berücksichtigt. Darüber hinaus können Sie beim Finanzamt beantragen, dass Freibeträge für bestimmte steuerlich anzuerkennende Aufwendungen oder Abzugsbeträge (z. B. für Werbungskosten, außergewöhnliche Belastungen, für den Erhöhungsbetrag beim Alleinerziehendenfreibetrag für das zweite Kind oder weitere Kinder) und die Zahl der Freibeträge für noch nicht berücksichtigte Kinder als Lohnsteuerabzugsmerkmale ermittelt und gebildet werden.

Auf diese Weise gibt es bereits beim monatlichen Lohnsteuerabzug eine Steuerermäßigung.  Diese Ermittlung der Freibeträge durch das Finanzamt, die von Ihnen beantragt werden muss, wird mit dem Begriff Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren umschrieben.

Ohne dieses Verfahren könnten Sie sich eventuell zu viel einbehaltene Lohnsteuer erst mit Ihrer Einkommensteuererklärung zurückholen.

♦   Wie verhält es sich bei Kapitalgesellschaften, Genossenschaften?

Juristische Personen / Körperschaften (Aktiengesellschaften, Gesellschaften mit beschränkter Haftung, Genossenschaften und Vereine) versteuern  ihr Einkommen selbst in Form von Körperschaftsteuer. Die beteiligten Gesellschafter müssen auf ihre Erträge aus der Beteiligung (zum Beispiel Dividenden) Einkommensteuer zahlen.

  • Teileinkünfteverfahren

Dabei werden zur Berücksichtigung der von der Gesellschaft bereits gezahlten Körperschaftsteuer die Erträge nur zu 60 % erfasst (sogenanntes Teileinkünfteverfahren), sofern die Anteile an der Körperschaft im Betriebsvermögen des Dividendenempfängers gehalten werden. Bei Privatpersonen unterliegt die Dividende der 25-prozentigen Abgeltungsteuer.

♦   Müssen Personengesellschaften Einkommensteuer zahlen?

Personengesellschaften, zum Beispiel Offene Handelsgesellschaften, Kommanditgesellschaften, Gesellschaften des bürgerlichen Rechts und Gemeinschaften wie etwa Erbengemeinschaften sind selbst weder einkommen- noch körperschaftsteuerpflichtig. Ihr Gewinn / Überschuss wird den beteiligten Mitunternehmern oder Gemeinschaftern anteilig zugerechnet und bei ihnen besteuert. Der gemeinsam erzielte Gewinn oder Überschuss wird dazu in einem gesonderten Verfahren für alle Mitunternehmer oder Gemeinschafter einheitlich und verbindlich festgestellt.

♦   Was ist mit Erbschaften, Schenkungen und Gewinnen?

Einkünfte, die Sie nicht durch Beteiligung am wirtschaftlichen Verkehr in Erwerbsabsicht erzielen, zum Beispiel Erbschaften, Schenkungen, Gewinne aus Spiel und Wette, Selbsthilfearbeiten (Nachbarschaftshilfe), unterliegen nicht der Einkommensteuer – teilweise aber anderen Steuerarten wie der Erbschaft- und Schenkungsteuer.

ʘ 12.06.2021