Helfer in Steuersachen

Steuern? Mach ich selbst.

4.1 Auskunft des Finanzamts

Meine Steuererklärung 

⇒   Auskunft des Finanzamts 

§ 89 Abs. 1 AO verpflichtet die Finanzämter, die Abgabe von Erklärungen, die Stellung von Anträgen oder die Berichtigung von Erklärungen oder Anträgen anzuregen, wenn diese offensichtlich nur versehentlich oder aus Unkenntnis unterblieben oder unrichtig abgegeben oder gestellt worden sind und erteilt Auskunft über die dem Steuerpflichtigen zustehenden Rechte und die ihm obliegenden Pflichten. Dazu müssen die Steuerpflichtigen im Finanzamt vorsprechen. 

Nun wollen wir nicht unbedingt dazu raten, regelmäßig mit der Steuererklärung persönlich im Amt vorzusprechen. Dies kann Fragen auslösen, die nicht unbedingt sein müssen oder, um es volkstümlich auszudrücken, "Gehe nie zu Deinem Fürst, wenn Du nicht gerufen wirst".

Im Übrigen ist der persönliche Umgang mit dem Bearbeiter im Finanzamt im Zeitalter der automationsgestützten Bearbeitung der Steuererklärungen nicht mehr zeitgemäß und wird seitens der Steuerverwaltung auch nicht unterstützt.

  • Verbindliche Auskunft

Nur bei einer schriftlichen Bitte um Auskunft können Sie sicher sein, dass das Finanzamt letztendlich auch mitspielt. Während die Beantwortung einer mündliche Anfrage- zur aktuellen Steuererklärung - lediglich im Ermessen des Beamten steht und deren Beantwortung unverbindlich ist. 

Schriftliche Anfrage

Wenn es um Auskunft zu einem bedeutsamen zukünftigen noch nicht verwirklichten Sachverhalt geht, müssen Sie einen schriftlichen Antrag stellen, der auch schriftlich beantwortet wird (§ 89 Abs. 2 AO).

Ist also unklar, ob das Finanzamt bei einer geplanten Maßnahme mitspielt, müssen Sie um eine verbindliche Auskunft nachsuchen.

In diesem Falle werden Gebühren erhoben, aber nur, wenn bei der Frage mehr als 10.000 € im Spiel sind oder die Bearbeitung mehr als zwei Stunden gedauert hat (§ 89 Abs. 2 bis 5 AO). Gebührenpflichtig sind also nur relativ wertvolle und langwierige schriftliche Auskünfte. Für eine Bagatelle darf Ihnen der Bearbeiter keine Auskunftsgebühr abknöpfen.

Alle Unterlagen auf den Tisch

Im Falle einer verbindlichen Auskunft will das Finanzamt indessen über alle Fakten zum Sachverhalt informiert werden. Hierzu gehört auch die vollständige Vorlage aller Unterlagen (FG Nürnberg 5.12.2017 – 2 K 844/17).

Im Streitfall unterhielt der Steuerpflichtige ein Flugzeug mit US-amerikanischer Zulassung, das er selbst geflogen und vermarktet hat. Rechtlicher Eigentümer des Flugzeugs war der US-amerikanische Trust T. Der Antragsteller hatte indessen nicht alle Unterlagen vorgelegt, um diesen Sachverhalt steuerlich beurteilen zu können, so dass das Finanzamt zu recht eine verbindliche Auskunft abgelehnt hat.

ʘ 11.06.2021